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Gods Of Blitz

Interview von: Matthias Rauch mit Jens Freudenberg, am: 06.10.2005 ]

Es tauchen bisweilen Bands auf der Bildfläche auf, von denen man noch nie gehört hat. Im Fall von Gods Of Blitz aus Berlin muss man allerdings kein schlechtes Gewissen haben, denn die Band wurde praktisch aus dem Proberaum von Four Music gesigned und konnte ihre energiegeladene Mischung aus klassischem Rock’n’Roll und tanzbaren Elementen mit einem rotzigen Neo-Punk-Einschlag unlängst im Vorprogramm von Maximo Park unter Beweis stellen. Dieser Tage ist auch das gelungene Debütalbum „Stolen Horse“ der sympathischen Berliner zu haben. Wir sprachen mit Gitarrist Jens darüber, wie alles so schnell gehen konnte, Trendreiterei und die ersten Schritte auf großen Bühnen.

 

Musicscan: Als ich euer Debüt „Stolen Horse“ zum ersten Mal einlegte, dachte ich, das hört sich im positiven Sinne undeutsch an. Ist das ein Kompliment für Euch?

Gods Of Blitz: Erstmal ist uns das natürlich lieber als andersrum, speziell da wir englisch singen, haha. Da wir gerne auch im nichtdeutschsprachigen Raum spielen und vertrieben werden wollen, ist es schon angenehm zu hören, wenn Leute sagen, dass sie unsere Musik geographisch nicht auf Anhieb einordnen können.

Musicscan: Wie seht Ihr momentan die deutsche Rocklandschaft? Wollt ihr euch davon abgrenzen oder gibt es Gemeinsamkeiten? Wie bewertet Ihr die Lage?

Gods Of Blitz: Viel hat sich in den letzten Jahren ja in deutscher Sprache abgespielt und mir ist es komplett egal, ob jemand deutsch oder englisch singt, wenn es passt und zusammen mit der Musik Energie erzeugt. Leider ist dieses Thema zur Gretchenfrage geworden. Es gibt einen riesigen Rock-Untergrund mit guten Bands. Es ist nur schade, dass hier im Gegensatz zu anderen Ländern kaum Bands mit abwegigem Stil die Chance kriegen, woanders als auf dem untersten Niveau aufzunehmen oder zu spielen.

Musicscan: Erzähl doch mal kurz, wie es zum Deal mit Four Music kam. Das ging ja schon alles recht schnell. Wie würdest du die Entwicklung bis dato beschreiben?

Gods Of Blitz: Wir waren anfangs selber überrascht darüber, dass dieses Label Interesse an uns hat. Im Grunde war es einfach so, dass Lars, Freund und Manager der Band, bei Four Music angeklopft hat und denen unser Demo vorgespielt hat und gleich Interesse aufgrund der Musik da war, ohne dass die mehr von uns wussten. Schnell ging das ganze vor allem, weil wir seit Bandgründung im September 2004 soviel Zeit wie möglich damit verbracht haben, Songs zu schreiben, zu proben und aufzunehmen. Im Dezember haben wir ein Demo aufgenommen, mit dem es im März zu dem Deal mit Four kam. Ab da haben wir uns komplett der Scheibe gewidmet, die jetzt endlich erscheint.

Musicscan: Wird eine gewisse Erwartungshaltung auch in kommerzieller Sicht an Euch herangetragen oder herrscht da tatsächlich ein ganz unverkrampftes Verhältnis?

Gods Of Blitz: Das Verhältnis zu den Leuten von Four ist sehr persönlich und familiär. Andererseits weiß natürlich keiner was passiert, wenn die Scheibe wie Blei in den Regalen liegen sollte, aber bis hierher haben wir keinen Grund, das Label in die Pfanne zu hauen. Die scheinen es gewohnt zu sein, dass ihre Musiker viele kreative Dinge wie Artwork oder Video selbst organisieren und haben da ziemliches Vertrauen. Falls es formulierte Erwartungshaltungen bezüglich Verkaufszahlen oder so gibt, kriegen wir davon nichts mit, aber die Platte ist ja noch nicht draußen.

Musicscan: Wie gestaltete sich der Aufnahmeprozess im Studio? Habt Ihr schon sehr präzise Vorstellungen von den Songs, wenn Ihr ins Studio kommt oder wird da erstmal noch ein wenig geschraubt?

Gods Of Blitz: Es war bei dieser Platte so, dass wir nicht genug Zeit hatten, eine richtige Vor- oder Demoproduktion zu machen, um dann mit komplett fertigen Songs ins Studio zu gehen, was uns am liebsten gewesen wäre. So haben wir ein paar Nummern mit ins Studio geschleppt die noch nicht ganz fertig arrangiert waren, mit denen wir noch nicht glücklich waren oder die einfach noch keinen Text und/oder keine Gesangslinie hatten. Dementsprechend stressig war es im Studio, es hat an allen Ecken gebrannt, der Zeitplan war straff und die Nerven lagen teilweise blank. Das wollen wir bei der nächsten Platte anders machen, und da im Vorfeld mehr Zeit sein sollte, könnte das klappen.

Musicscan: Welchen Einfluss hatte Torsten Otto auf die Platte?

Gods Of Blitz: Einen guten, wie man hört. Er hat großen zeitlichen Aufwand betrieben, mit uns schon in den Wochen vorm Studio im Proberaum gearbeitet und er hat das Team zusammengestellt und von dort bis zum fertigen Master war er die ganze Zeit dabei. Torsten hat ja schon das Demo aufgenommen. Es war seine Aufgabe, unseren Live- oder Probetraumsound so auf Band zu bringen, dass es lebendig, trocken, billig und teuer gleichzeitig klingt und natürlich genau so wie wir es live gewohnt sind und so wie es vier Besserwisser gerne hätten. Das hat er gut gemacht. Er war auch etwas am Songwriting und Arrangement beteiligt, aber seine Hauptaufgabe war, den Aufnahmen ihren Stil zu geben.

Musicscan: Gibt es einen thematischen beziehungsweise textlichen roten Faden auf der Platte, der für Euch heraussticht und die einzelnen Songs zu einem Ganzen verbindet oder wird das ausschließlich auf rein musikalischer Ebene versucht?

Gods Of Blitz: Es ist nicht so, dass wir geplant hätten, uns in einen gewissen Themenbereich einzunisten und dort Stellung zu beziehen. Wir haben einfach Texte geschrieben wie sie uns in den Sinn kamen und hinterher stellte sich dann heraus, dass sie ein Bild ergeben und durchaus Hand in Hand durchs Album spazieren. Halboffensive Zivilisationskritik und zweifelnde bis semi-wütende Zustandsbeschreibungen tauchen immer wieder auf und geben dem Textwerk seine Grundstimmung. Wichtig ist uns die Brechung dieser vielleicht schweren Kost mit Nonsenselementen und Musik, die gern mal lustig-beschwingt und immer mit einer positiv-nervösen Energetik den Zeiger Richtung Hoffnung denn Resignation ausschlagen lässt.

Musicscan: Welche Erfahrungen habt Ihr auf der Maximo Park Tour sammeln können?

Gods Of Blitz: Wir waren gerade mit den Aufnahmen zum Album fertig, als wir erfahren haben, dass wir auf der Maximo Park Tour spielen können und zwei Tage später ging es los. Wir waren weder angekündigt noch kannte jemand unseren Namen, aber dafür dass die Läden ausverkauft waren mit Leuten die Maximo Park sehen wollten, lief es für uns gut. Die Jungs von Maximo Park haben erzählt, dass sie auf ihren ersten Touren als Vorband in England miese Erfahrungen gemacht haben und sie so nicht sein wollen und dementsprechend alle nett und fair zu uns waren.

Musicscan: Inwieweit begegnet Ihr Trendreiterei-Vorwürfen, da Euer Sound ja schon recht zielsicher den Geist der Stunde trifft?

Gods Of Blitz: Keine Ahnung. Ist das ein versteckter Trendreiterei-Vorwurf? Ich glaube nicht, dass Kalkül gute Musik macht und den Zeitgeist zur Freundschaft zu zwingen, ist doch sowieso unmöglich. Wir haben zu viert eine neue Band gegründet und machen alle schon eine Weile Musik und dementsprechend wissen wir, was uns gefällt und was wir wollen und natürlich sind wir nicht frei von Einflüssen, die vielleicht dem Zeitgeist entsprechen, aber unsere Beweggründe haben nichts damit zu tun, einen angesagten Stil zu kopieren.

Musicscan: Wo seht Ihr Eure Haupteinflüsse nicht nur was die Musik betrifft? Was inspiriert Euch abgesehen von Kunst bzw. Musik?

Gods Of Blitz: So allgemein gesehen werden wir wohl von unserer gesamten Welt beeinflusst. Vom direkten Umfeld in Berlin über Bücher die man liest, Drogen die man nimmt und besonders Leute, die man kennt, verändert uns und unseren Output so ziemlich alles. Wir haben teils recht unterschiedliche Geschmäcker und Einflüsse. Gemein sind uns der Glaube an den direkten trockenen Rock´n´Roll, die Liebe zur Popmusik und ein diffuser Freiheitswille als archaische Triebfeder. Inspirierend sind auch Missstände auf diesem Planeten und Energie, die umgesetzt werden will.

Musicscan: Wie sehen die Pläne für die nähere Zukunft aus? Was können wir von Gods Of Blitz erwarten?

Gods Of Blitz: Jetzt wo die Scheibe endlich rauskommt, geht es für uns erstmal nur noch um live. Da wir zu diesem Plattenvertrag kamen, ohne vorher die große Ochsentour gemacht zu haben ist es uns ein besonderes Bedürfnis, dem geneigten Zuschauer zu zeigen, dass wir vor allem eine Liveband sind, und das Album nur ein Teil unserer Seele ist. Wir sind im November auf Tour. Ansonsten werden wir hoffentlich nächstes Jahr das zweite Album aufnehmen, uns weiterentwickeln und in Japan eine Undergroundtour spielen.

Musicscan: Momentane Lieblingsplatten, -bücher und –filme?

Gods Of Blitz: Platten: DEVO - Duty now fur the future; AC/DC – Powerage; John Frusciante – To Record Only Water In Ten Days
Bücher: Jan Off – Vorkriegsjugend; Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse
Filme: Rocker, Good Fellas

 
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