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Earth

Storie von: arne, am 03.10.2005 ]

Dylan Carlson’s EARTH melden sich anno 2005 tatsächlich mit einem neuen Studioalbum zurück! Neun Jahre nach ihrer letzten Sub Pop-Platte, dem rockigen “Pentastar: In the Style of Demons ” von 1996, erscheint über SouthernLord “Hex; Or Printing In The Infernal Method”. Damit ist das Comeback einer der wohl einflussreichsten experimentellen Rock-/Metal-Kapellen vollzogen, womit nicht unbedingt mehr zu rechnen war.

 
In den frühen 1990er Jahren im amerikanischen Bundesstaat Washington gegründet, wurden EARTH nach ihrem Umzug nach Seattle alsbald von Sub Pop gesignt. Der ersten "Extra Capsular Extraction" EP folgte 1993 das legendäre Kultalbum "Earth2 ", mit dem die Band sowohl das Drone-Genre begründete als auch bis in die heutige Zeit Einfluss auf Ambient-, Doom-, Drone- und Experimental-Acts wie Sunn o))), Boris, Mogwai oder Jesu ausübt. Rein instrumental gehalten, ist der Klassiker als massive, voluminöse und vom Tempo her extrem ausgebremste Mischung aus Black Sabbath und den Melvins zu beschreiben. Mittels minimalistischer, sich wiederholender Strukturen und nur ganz weniger Riffs ergründeten EARTH die Grenzen schwerer Musik. Zwei Jahre später folgte “Phase3: Thrones and Dominions“, bevor sich Dylan 1996 nach der Veröffentlichung von “Pentastar“ in eine mehrjährige Drogenentzugstherapie begeben musste.

Clean und mit neuer Motivation ausgestattet, meldete sich der Musiker 2002 zusammen mit Drummerin und Lebensgefährtin Adrienne Davies wieder zurück. Zunächst nur live, doch schnell folgten Veröffentlichungen von Live- sowie alter Demo-Aufnahmen ("Sunn Amps And Smashed Guitars“ (’02), eine Tour-Split mit KK Null (’03) sowie “Living In The Gleam Of An Unsheathed Sword“ (’05)). Das spannende Remix-Album “Legacy Of Dissolution” (Vertreten sind u.a. Mogwai, Russell Haswell, Sunn o))), Jim O'Rourke, Justin Broedrick und Autechre.) bereite diesen Sommer schließlich das fünfte EARTH-Studio-Album “Hex“ vor, das nun vorliegt. Ein neuerliches Drone-Album ist nicht entstanden, denn Carlson’s Anspruch an die eigene Musik hat sich verändert.

Die neun Stücke der Platte stehen vor allem für dunkle „Anmut“ und atmosphärische „Schönheit“. EARTH präsentieren sich zwar noch so hypnotisch und bedächtig langsam wie in der Vergangenheit, doch die Integration von Posaune, Glockenspiel sowie von Lap- und Pedal- Steel verschiebt im Zusammenspiel mit einer deutlich seltener verzerrt gesetzten Gitarre den musikalischen Schwerpunkt deutlich. Vor allem zu Neil Young’s “Dead Man“ Soundtrack bestehen angesichts eines spürbaren Country-/Blues-Feelings große Parallelen. Das Duo Carlson/Davies agiert musikalisch deutlich fokussierter und hat stärkeres Augenmerk auf das Songwriting einerseits und einen stimmigen Fluss andererseits gelegt. Das korrespondiert mit dem Eigenverständnis Dylan’s in Bezug aus die Musik:

„Ich persönlich verstehe EARTH als Band in der Tradition der großen, amerikanischer Musikstile Blues, Rock und Country. Das war schon immer so. Natürlich gibt es eine experimentelle Seite, aber von jeher waren wir eigentlich als Rock-Band aufgestellt. Und Rock ist letztlich auch Blues und Country. Jeder einzelne EARTH-Song beinhaltet Elemente großer, amerikanischer Roots-Musik. In Bezug auf die neuen Stücke ist das lediglich offensichtlicher zu erkennen.“

Sicherlich auch aus dem


Grund, weil “Hex“ das bislang allgemeingültigste Werk des Duos ist, dem gleichfalls ein stets nachvollziehbarer Songfluss zugrunde liegt: „Es freut mich, dass du das so empfindest. Von Beginn an strebte ich danach, dass sowohl jeder einzelne Song als auch das Album im Ganzen klare Spannungsbögen beinhaltet. Ebenso wollte ich auch schon immer möglichst unterschiedliche Instrumente in meine Stücke integrieren und so den Gesamtsound weiter füllen. Bevor ich damals von Sub Pop gedroppt wurde, war ein Album mit großer Produktion und umfangreichen Bläserparts geplant. Leider wurde das dann nicht umgesetzt. Jedenfalls war EARTH für mich nie lediglich nur auf Gitarrenmusik reduziert. Zum ersten Mal konnte ich das für “Hex“ im Studio richtig ausleben. Nicht zuletzt deshalb klingt es anders als die alten Platten.“

Zu hören sind neben Gitarre, Bass und Drums u.a. auch Banjo, Bariton, Glockenspiel, Pedal-Steel und zusätzliche Percussion: „Gerade für mich, dem das Arbeiten im Studio immer den meisten Spaß bereitet, ist es toll, wieder eine neue Platte zu haben, die eingespielt werden musste. Das wird durch das Gefühl verstärkt, endlich wieder richtig zurück zu sein. Zwar touren wir mit EARTH schon geraume Zeit wieder, doch waren wir anfangs auf alte Songs angewiesen, bis dann neue geschrieben hatten. Die Live-Platten zeigten bereits ansatzweise, dass sich mein Anspruch an die Musik mit den Jahren verändert hat, doch erst “Hex“ ist jetzt ein starkes, klares Statement, das zeigt, wofür EARTH heute stehen.“

In Bezug auf sein erstes SouthernLord-Album schätzt Dylan dabei vor allem die musikalische Generalität: „In Bezug auf instrumentale Musik verhält es sich ja zumeist so, dass die Hörer zwar ein Gefühl dafür bekommen, was der Künstler ausdrücken wollte, die Musik letztlich jedoch frei für vielerlei Interpretationen ist. Jeder entdeckt etwas anderes, und die Songs wirken individuell verschieden. Mehr kann man als Künstler nicht erreichen.“

Dabei war zwischenzeitlich nicht einmal klar, ob der Musiker EARTH überhaupt wiederbeleben würde: „Als ich nach Seattle zurückging, wusste ich zunächst nicht einmal, ob ich jemals wieder Musik machen würde, von EARTH ganz zu schweigen. Recht schnell merkte ich aber, dass ich unbedingt wieder spielen wollte und große Motivation in mir hatte. Die Musik war schon immer meine große Liebe, und ich konnte einfach nicht von ihr lassen. Es brauchte jedoch seine Zeit, bis ich mich zu der Entscheidung durchgerungen hatte, es erneut als professioneller Musiker zu versuchen und EARTH neu zu beleben.“

Sowohl die zurückgekehrte Motivation als auch der neu gewonnene Optimismus in Bezug auf die Band und das Leben im allgemeinen spiegeln sich in den Songs von “Hex“ wieder. Dylan Carlson ist nach einer schweren Zeit heute ein glücklicher und zufriedener Mensch, der sich wohl fühlt. Und das hört man seinem neuen Album auch an. Welcome back!

 
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