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Heaven Shall Burn

Interview von: Felix Heiduk mit Matthias (Schlagzeug), am: 01.01.2001 ]

Heaven Shall Burn sollten für jeden interessierten HC-Metal Fan schon längst ein alter Hut sein. Mit diverse Veröffentlichungen und energiegeladenen Liveshows haben es die Jungs aus Thüringen an die Spitze der deutschen HC-Metal Bands geschafft. Vor einigen Wochen eröffneten sie eine Show für Bolt Thrower und überzeugten auch die alteingesessene Metalgemeinde.

 

Musicscan:Kurz ein paar Worte zur Entstehung und Geschichte der Band für alle Leser die euch noch nicht kennen sollten.

Heaven Shall Burn:Die Anfänge von HSB reichen bis in den Mai 1995 zurück, als Maik (Gitarre) und ich sich entschlossen eine Band zu gründen. Damals ging es in erster Linie einfach darum Musik zu machen... egal welche Richtung. Keiner von uns konnte irgendetwas spielen, aber wir fingen trotzdem erst mal an uns Instrumente zusammenzuborgen und zu proben. Unseren damaligen Stil zu beschreiben geht eigentlich gar nicht. Wir hörten damals zwar auch schon Hardcore, aber irgendwie klang doch alles etwas nach alten Paradise Lost - nur mit mehr oder weniger melodischem Gesang. Keiner von uns wusste damals so richtig, was er machen wollte. Wir waren uns nur einig, dass wir etwas machen wollten. Wir nannten uns damals B4 The Fall und haben (aus heutiger Sicht) glücklicherweise nie etwas veröffentlicht. Von der damaligen Besetzung sind jetzt nur noch Maik und ich am Start. Die anderen Leute haben sich dann über die Jahre hinweg "verflüchtigt". Unser Sänger (Marcus) und unser Basser (Eric) kamen hinzu als wir uns schon in Consense umbenannt hatten. Beide sind auch jetzt noch dabei. Unter diesem Namen brachten wir dann auch zwei Demos heraus. Im Sommer 1998 enterten wir zum ersten mal das "Rape Of Harmonies" in Triptis, um unsere MCD "In Battle There's No Law" aufzunehmen. Vor der Veröffentlichung entschieden wir uns für eine Umbenennung. Consense klang ja doch ziemlich scheiße und ein neuer Name direkt nach dem CD-Release wäre wohl auch alles andere als klug gewesen.... Wir entschieden uns also fortan Heaven Shall Burn zu nennen. Rechtzeitig zur MCD stieß dann auch noch Patrick (Gitarre) zu uns. Veröffentlicht haben wir bisher ein Album Namens "Asunder", eine MCD "In Battle There's No Law" und jeweils eine Split mit Caliban und mit Fall Of Serenity.

Musicscan:Vor einigen Tagen ist eine Split-CD von euch und Caliban erschienen. Sag einige Worte zu der Idee die dahintersteckt. Zudem ist mir aufgefallen, dass ihr soundtechnisch auf der Split-CD weit besser daherkommt als auf eurer Full-Length "Asunder", die ja vom Sound her nicht so überragend ist. Vielleicht kannst du zu eventuellen Veränderungen beim Sound oder auch beim Songwriting der neuen Songs auch ein paar Worte verlieren.

Heaven Shall Burn:Es war schon länger im Gespräch eine Split mit Caliban zu machen, eigentlich sogar schon bevor wir auf Lifeforce waren. Wir pflegen halt einen guten Kontakt zu Caliban und musikalisch passt es auch ziemlich gut. Es lag im Prinzip nichts näher als eine Split mit unseren Freunden aus'm Pott zu veröffentlichen. Zur Freundschaft, denke ich, kommt noch dazu, dass wir gegenseitig die Leistung der jeweils anderen Band respektieren und die ganze Split-Angelegenheit nicht Gefahr läuft zu einer Art Konkurrenzkampf auszuufern. Natürlich kann man auch nicht leugnen, dass diese ganze Geschichte für uns auch bedeutet, dass wir ein größeres Publikum erreichen können, da sich viele Leute die Scheibe in erster Linie wegen Caliban kaufen werden und sicherlich noch nie vorher mit uns in Berührung gekommen sind. Also, wir sind Stefan und Rüdiger von Lifeforce Rec. und natürlich auch Caliban sehr dankbar für diese Möglichkeit. Zum Sound unserer Songs auf der Split kann ich eigentlich nur sagen, dass auch wir sehr zufrieden mit dem Resultat sind, auch wenn wir natürlich schon wieder einige Dinge anders machen würden... man lernt halt nie aus. Zu dem Sound unserer Full-Length "Asunder" gehen die Meinungen auch auseinander. Wir selbst wollten ihn damals so und waren kurz danach auch dementsprechend zufrieden. Mit ein bisschen Abstand sieht man das ganze dann natürlich auch etwas anders, als wenn man direkt in der Arbeit zur Scheibe steckt... man sieht dann manchmal echt "den Wald vor lauter Bäumen nicht". Wie dem auch sei, wir haben die Songs für die Split, wie auch "Asunder", im "Rape Of Harmonies" in Triptis aufgenommen und waren und sind mit der Arbeit der Leute dort hochzufrieden, da sie immer auf unsere Wünsche eingegangen und die Resultate immer unseren Vorstellungen entsprachen. Wie gesagt, man lernt nie aus und wir arbeiten auch weiter an uns, dass wir beim nächsten mal eine Steigerung vorlegen können. Ich denke mal, dass unsere Ansprüche, was den Sound angeht, auch jedes Mal wachsen und wir mit den Leuten in Triptis diese Steigerung auch hinbekommen werden. Das ist natürlich alles auch immer sehr subjektiv, aber aus unserer Sicht haben wir uns schon von Veröffentlichung zu Veröffentlichung weiterentwickelt. Man hat halt mittlerweile auch eine ganz andere Herangehensweise beim Songwriting und es klingt jetzt alles schon etwas ausgereifter, als zum Beispiel noch auf "In Battle...". Für uns bedeutet es natürlich eine Weiterentwicklung, aber ich denke auch, dass dies nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Man muss halt gerade bei dieser Musik aufpassen, dass nichts zu glatt oder gar poliert klingt und dadurch eventuell an Räudigkeit oder Charme einbüsst. Ich finde, dass man schon auch noch aufpassen sollte, dass man eine Scheibe so aggressiv wie nur möglich hinbekommen sollte und das ist halt nicht immer ganz einfach.... Am liebsten wäre mir persönlich so ein Sound wie auf der "Bloodthirst" von Cannibal Corpse, aber das ist wohl reine Illusion. Wir sind technisch wohl auch nicht so fit, als dass wir so was mit so einem glasklaren Sound ankommen könnten.

Musicscan:Im Herbst diesen Jahres seid ihr zum ersten Mal in Europa getourt. Wie war die Tour insgesamt und was war das Beste und das Schlechteste an der Tour?

Heaven Shall Burn:Die Tour hat auf alle Fälle eine Menge Spaß gemacht! Ich denke mal, dass wir auch eine Menge Glück hatten, denn schlechte Erfahrungen haben wir überhaupt nicht gemacht. Es war eigentlich mehr Urlaub als Stress. Ganz am Anfang war es immer ein Traum mal auf Tour zu gehen und jetzt haben wir ihn uns erfüllt. Es war schon eine besondere Erfahrung mal in den südlichen Gefilden Europas unterwegs zu sein und auch zu sehen, wie die Leute dort so drauf sind. Ein Problem war es allerdings, dass z.B. in Spanien nur sehr, sehr wenig Englisch gesprochen wird und so eine Kommunikation mit den Einheimischen nur sehr bedingt möglich war. Es war wirklich schade, aber so ist es dort nun mal. Irgendwie war man ja nicht nur unterwegs, um aufzutreten, sondern auch um Land und Leute ein wenig näher kennenzulernen. In Portugal dagegen war es ganz anders. Um ehrlich zu sein: Ich habe früher immer gedacht, dass Portugal und Spanien irgendwie ähnlich wären, aber in Portugal war es völlig anders. Nahezu jeder sprach Englisch und man hatte endlich mal die Möglichkeit sich mit den Menschen zu unterhalten. Es war, als ob es eine völlig andere Welt ist. Ich persönlich hätte irgendwie mit mehr Parallelen zwischen Portugal und Spanien gerechnet, aber wie gesagt... irgendwie war hier alles "weltoffener" als in Spanien, irgendwie nicht so mit Traditionen behaftet - oberflächlich betrachtet zumindest. Ein Gig in Portugal fiel aus und wir hatten somit die Möglichkeit schon einen Tag eher als geplant nach Lisabon zu fahren. Was soll man groß sagen? Diese Stadt ist einfach der Hammer!!! Die Leute dort waren so nett und haben uns den ganzen Tag die Stadt gezeigt. Es war schon ziemlich beieindruckend zu sehen, wie dort alles so abläuft. Um Uhrzeiten hat sich an dem Tag keiner gekümmert. Wir sollten gegen 19:00 Uhr in dem Club sein, wo die Show sein sollte, aber die Leute mussten uns halt erst noch zum Falaffelessen in irgendein Einkaufscenter schleppen. Ich glaube, dass wir erst so gegen 21:30 in dem Club ankamen, was aber für die auch noch in Ordnung war. In Lisabon spielten Renewal mit und wir hatten einen ziemlich schweren stand, als wir nach ihnen auf die Bühne mussten. Die haben ganz schön abgeräumt!!! Ich denke mal, dass man noch Einiges von ihnen hören wird und hoffe sie mal in Deutschland wiederzusehen.... In Genf, in der Schweiz, hatten wir ja schoneinmal gespielt und so wussten wir schon so ungefähr, was uns dort erwartet. Es war die mit Abstand am besten organisierte Show auf der ganzen Tour. Olivier von X83X Records kümmert sich wirklich aufopferungsvoll und sorgt dafür, dass der Hardcore in Genf nicht ganz untergeht. Er ist einer der wenigen Leute dort, die die Fahne dort immer noch hochhalten. Wir haben von verschiedenen Leuten aus der Schweiz erfahren, dass es um Hardcore dort nicht mehr so gut bestellt ist, wie noch vor ein paar Jahren. Viele Leute sind zum Black Metal abgewandert und wollen mit HC nicht mehr allzu viel zu tun haben. Na ja, wieso soll es dort auch anders sein als im Rest von Europa, obwohl ich in letzter Zeit wieder den Eindruck habe, dass sich etwas tut. Ich hoffe doch, dass ich mich da nicht täusche. In Italien waren wir auch noch... wenn auch nur für einen Auftritt. In Italien war es mit der Verständigung auch kein Problem, da wir uns ja nur in Norditalien aufhielten. Ich denke mal, dass es weiter südlich auch schon wieder etwas düsterer mit den Englischkenntnissen aussieht. Die Leute dort haben sich aber auch den Arsch aufgerissen und eine echt fette Show auf die Beine gestellt. Generell kann man, glaube ich, sagen, dass die Szene in diesem Teil von Italien wohl relativ gesund ist und auch einige sehr geile Bands, wie z.B. From A Dying Sky, To Die For oder Sentence hervorbringt. Nicht vergessen darf man natürlich Reprisal, die aber wohl eh jeder kennen dürfte und mit denen wir in Genf gespielt haben. Wir hatten dann einen Tag frei und haben noch eine Touri-Tour durch Venedig gemacht. Es ging dann auch schon wieder Richtung Heimat und in Enzdorf (bei Saarlouis) hatten wir dann den letzten Gig der Tour. Alles in allem war es schon so ziemlich der Hammer und sicherlich auch nicht unsere letzte Tour... hoffe ich zumindest. Wir haben kein Geld verloren, was ja auch durchaus üblich wäre und wir wurden auch von keinem Veranstalter in irgendeiner Art und Weise abgezockt. Wenn ich mir teilweise so Tourgeschichten von anderen Bands anschaue, dann glaube ich, dass wir auch ganz schön Glück gehabt haben.

Musicscan:Erzähl noch eine lustige oder verrückte Tourstory.

Heaven Shall Burn:So spontan fällt mir eigentlich gar nichts Lustiges oder Verrücktes ein, aber eine Menge Sachen, die schon etwas, ähmmm, befremdlich waren. Wie ich vorhin schon erwähnte fiel ja eine Show in Portugal aus. Das war ausgerechnet die Show, für die wir bis runter an die Algarve (fast schon Afrika) fahren mussten (von Madrid aus).... Dort unten war ja noch Bombenwetter und so gingen wir nachmittags erst mal an den Strand zum Baden. Der Tag war eigentlich nahezu perfekt. Wir dachten ja zumindest, dass wir am Abend noch spielen würden.... Jedenfalls kamen wir gegen Abend zum vereinbarten Treffpunkt und warteten dort auf die Leute, die wohl die Show organisieren sollten. Es kamen dann auch ein paar Kids, aber nur um uns zu sagen, dass die Show nicht stattfinden würde. Der Grund war schlicht und ergreifend, dass keine Mikrofone vorhanden waren!!! Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in Deutschland so was mal passieren könnte. Für mich war es schon ziemlich seltsam, zumal die Jungs dort gesagt hatten, dass sicherlich 200 Leute kommen würden. Die 200 Leute waren dann wohl auch da, aber wir waren schon auf dem Weg nach Lisabon. Kurios war vielleicht noch, dass in ganz Lisabon kaum Werbung gemacht wurde, weil befürchtet wurde, dass sonst zu viele Leute kommen würden... auch nicht schlecht. Ich muss sagen, dass mir hier gerade beim Schreiben dieser Zeilen immer mehr Sachen einfallen, die doch vielleicht etwas "strange" waren. Die meisten davon sollte ich vielleicht besser für mich behalten, hehehehe. Ziemlich lustig war noch die Sache, als wir die mitgebrachten CDs in Lisabon an einen dort ansässigen Mailorder vertickten. Stefan von Lifeforce hatte uns noch Zeug mitgegeben, welches wir halt mit verkauften (The Year Of Our Lord, Caliban... das Lifeforce-Zeug halt). Als Rafael von diesem Distro dann die ganzen CDs entgegengenommen hatte, wollten wir uns dann auch schon verabschieden und auf die Weiterreise machen, aber wir mussten ihm erst noch erklären welche Bands denn Vegan SxE sind und welche nicht. Er meinte, dass die meisten Leute in Lisabon sehr darauf achten würden und Platten nur nach diesen Kriterien kaufen würden... ist doch wohl auch der Kracher. Also, die Leute kommen zu ihm und fragen, was es neues an Vegan SxE-Bands gibt und das kaufen sie dann, egal wie die Musik ist. Lisabon ist in dieser Beziehung sowieso ziemlich krass. Dort sind fast alle Vegan SxE, sogar die Punks.... Ansonsten gab es schon einige Kuriositäten, welche aber sicherlich den Rahmen sprengen würden bzw. gar nicht schriftlich so richtig wiederzugeben sind.

Musicscan:Der Song "Suffocated in the exhaust of our machines" befasst sich mit dem Thema Technologiewahnsinn und der damit einhergehenden Umweltzerstörung. Erkläre doch am besten die Kernbotschaft des Songs. Worauf wollt ihr hinaus?

Heaven Shall Burn:Maik schreibt bei uns eigentlich alle Texte, aber ich will mal versuchen meine Sichtweise wiederzugeben. Um nun speziell auf den Song "Suffocated in the exhaust of our machines" zurückzukommen, so denke ich, dass wir wirklich auf dem besten Wege sind diese Welt zu zerstören. Der Mensch weiß genau, dass es nicht ewig so weitergehen kann, aber er versucht trotzdem diese ganze Technisierung weiter auf die Spitze zu treiben. Es wird auch in Kauf genommen, dass die eigenen Kinder diejenigen sein werde, die die Folgen zu tragen haben. Ich persönlich finde, dass diese "nach uns die Sinnflut-Mentalität in relativ naher Zukunft das Ende der Welt bedeuten wird. Wenn ich letzte Woche gehört habe, dass der Klimagipfel in Den Haag ohne Ergebnis gescheitert ist, dann wächst in mir nur noch die Wut gegen alle Menschen, die wissentlich die Welt in Richtung Abgrund treiben. Es ist sicherlich sowieso nur eine Illusion, dass sich durch ein eventuelles Abkommen auf dem Klimagipfel irgendetwas spürbar verbessert hätte, aber es wäre doch wenigstens ein Zeichen, auch an die Öffentlichkeit, gewesen. Zur Zeit schreien alle wiedereinmal wegen BSE rum und essen auf einmal kein Rindfleisch mehr, ohne wirklich zu realisieren, dass sie selbst mit dazu beigetragen haben, dass es soweit kommen konnte. Das einzige Ergebnis dieser BSE-Geschichte ist doch, dass im TV schon wieder nach "Alternativen" zum Rind- und Schweinefleisch bzw. zum Geflügel gesucht wird. Ich habe da nur etwas gesehen, dass da so Sachen wie Antilopen- oder auch Kängurufleisch im Gespräch waren und getestet wurden. Diese Sorten seien wohl relativ unbedenklich. Dass mit diesen Fleischsorten sicherlich etwas ähnliches passieren würde, wie mit dem Rindfleisch, will keiner so recht wahrhaben. Diese ganze Sache konnte doch nur soweit kommen, weil eine massenhafte "Produktion" von Rindfleisch durch eine stetig wachsende Nachfrage bedingt wurde und die Industrie und Landwirtschaft sich überlegen musste, wie sie die Viecher noch schneller mästen können. Die Tiermehl-Geschichte kennt man ja mittlerweile zur Genüge.... Das gleiche würde uns dann bei denn sogenannten "Alternativen" blühen, wenn auch diese in Zukunft mehr konsumiert werden würden.... Natürlich ist diese ganze Sache nur ein winziger Bestandteil in einem großen Problembereich, der mit dieser ganzen Umweltproblematik zusammenhängt, aber meiner Meinung nach ist es heutzutage wirklich kein großes Problem sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Ich weiß natürlich auch, dass ein Schritt in diese Richtung nicht das Allheilmittel für alle Schwierigkeiten ist, aber es ist ein Schritt, den jeder ohne Probleme gehen kann und es ist ein Anfang. Unser Konsum bzw. Verzicht ist fast das einzige, wenn nicht sogar das einzige Mittel, mit dem wir uns irgendwie bemerkbar machen können... ich denke, dass wir es nutzen sollten. Jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen, aber ich denke, dass das auch dazugehört. Wie gesagt, wir schaufeln uns unser eigenes Grab, wenn dieser Wahnsinn so weitergetrieben wird. Was unsere Vorfahren in mehreren tausend Jahren nicht geschafft haben, schaffen wir ohne Probleme in 200 Jahren. Die Zerstörung der Welt schreitet voran und keiner kann sagen, dass er es nicht gewusst hätte. Ist doch irgendwie komisch. Man hat den Eindruck, dass die Menschen entweder schon resignieren oder dass es ihnen einfach egal ist, was mal mit ihren Kindern geschieht... ziemlich verantwortungslos. Wir alle profitieren auch sicherlich in gewisser Weise von neuen Technologien und es ist auch sicherlich beeindruckend, wie weit der Mensch in technischer Sicht gekommen ist, aber der Preis ist einfach zu hoch!!!

Musicscan:.In eurer neuen MCD ist ein Hinweis auf das Buch "Das 7. Kreuz" von Anna Seghers. Worum geht es in dem Buch und wieso weißt ihr in der CD darauf hin?

Heaven Shall Burn:Das Buch "Das 7. Kreuz" von Anna Seghers ist ein Buch, dass in Deutschland in seinen dunkelsten Jahren spielt. Anna Seghers musste aufgrund ihrer politischen Gesinnung 1933 Deutschland verlassen und setzte sich dann über Frankreich und Spanien 1941 nach Mexiko ab, wo auch der Roman "Das 7. Kreuz" entstand. Ihr Ziel des Romans ist es, die Menschen überall auf der Welt wachzurütteln und über die Graultaten der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern aufzuklären. Der Roman wird 1944, also noch vor Ende der Naziherrschaft sogar in Hollywood verfilmt. Ich selbst habe die Hollywoodverfilmung schon gesehen und fand sie sogar ziemlich gut. Von der DEFA gibt es auch eine Verfilmung, die ich aber selbst noch nicht gesehen habe. Soll aber besser sein als der Hollywood-Streifen. Keine Ahnung.... Im Roman geht es darum, dass 7 Häftlinge aus einem Konzentrationslager ausbrechen. Die Nazis versuchen natürlich diese Entflohenen wieder einzufangen, was ihnen auch zum Teil gelingt. Der Lagerkommandant lässt auf dem Appellplatz des KZs sieben Kreuze errichten um die eingefangenen Häftlinge dort (am Kreuz) zu Tode zu quälen. Vier Häftlinge werden relativ schnell von der Gestapo wieder eingefangen, einer kommt auf der Flucht ums Leben und einer stellt sich. Sechs Kreuze sind also besetzt. Das siebte Kreuz bleibt jedoch frei, da dem siebten entflohenen Häftling mit der Hilfe vieler hilfsbereiter Menschen die Flucht in die noch freien Niederland gelingt. Ganz wichtig ist bei diesem Roman, dass er auch aufzeigt, dass dem Häftling die Flucht alleine wohl nicht gelungen wäre. Es dreht sich hier alles darum, dass die Unterdrückten zusammengeschlossen, den Unterdrückten Paroli bieten können. Er zeigt, wie im Deutschland der 30er und 40er Jahre mit politisch Andersdenkenden umgegangen wurde und somit auch die ganze Unmenschlichkeit dieses Regimes. Das ist mal das Buch im wesentlichen zusammengefasst. Es ist allerdings nicht das erste Mal, das Maik sich bei seinen Texten von Literatur irgendwie beeinflussen lies. Auf unserer Split-LP mit Fall Of Serenity haben wir da einen Song Namens "If this is a man". Der Text von diesem Song wurde von Primo Levi geschrieben. Levi ist italienischer Jude und ein Überlebender von Auschwitz. Er schrieb niemals über die physische Gewalt, die er erlebte, sondern umschrieb seine Gedanken, die ihn zu der damaligen Zeit durch den Kopf gingen. Diese Sachen sind fast noch schlimmer, als irgendwelche Schilderungen von Gewalttaten. Er beschreibt einfach, was in seinem Kopf vorgeht und ich denke, dass einem beim Lesen dieser Zeilen wirklich bewusst wird, was damals so abging. Wie gesagt, ich schreibe hier nur meine Sicht auf und weis nicht, warum sich Maik gerade nun für diese Sachen entschieden hat.

Musicscan:Einige letzte Worte zur Zukunft von Heaven Shall Burn...

Heaven Shall Burn:Tja, zur Zukunft kann man im Moment sicherlich noch nicht allzu viel sagen. Wir werden sicherlich in nächster Zeit an neuen Liedern arbeiten und auf dem Livesektor etwas kürzer treten. Geplant ist aufnahmetechnisch erst mal nix Konkretes... mal sehen. Neue Songs haben wir seit der Split mit Caliban noch keine gemacht, aber manchmal geht so was ja schneller, als man denkt. Wir haben aber noch Zeit und werden uns durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Ansonsten möchte ich mich bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, das Interview zu lesen, bei allen, die unseren Mist kaufen und bei allen, die zu unseren Konzerten kommen und natürlich auch bei dir, Felix, für das Interview. Ciao, Matthias.

 
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