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Beecher

Storie von: arne, am 07.09.2005 ]

BEECHER bestehen seit knappen vier Jahren und haben es in diesem Zeitraum immerhin schon auf eine EP (“Resention Is A Big Word In A Small Town“), eine Split mit The Leif Ericsson sowie zwei Longplayer gebracht. Das Debüt “Breaking The Fourth Wall“ (ursprünglich auf Calculated Risk) wurde zu Beginn des Jahres im Rahmen des Signings auf Earache neu aufgelegt, und mit “This Elegy, His Autopsy“ erscheint dieser Tage das zweite Studioalbum des Quintetts aus Manchester.

 
Die Beteiligten blicken auf eine feste Verankerung in ihrer lokalen HC-/Metal-Szene durch Beteiligungen an u.a. Ewoc, Drmeatdic, Superagonizer, Summerbookclub oder November's Lie zurück, doch erst in der Konstellation als BEECHER starten sie nun so richtig durch. Vor Anlaufschwierigkeiten war der Fünfer dabei nicht gefeit. Die ersten Jahre sind durch vielerlei Line-Up-Wechsel zu kennzeichnen, doch seit circa einem Jahr werkelt die Band in konstanter Belegschaft konsequent an der Umsetzung der eigenen Vision einer genreübergreifenden Metal-Hardcore-Kombo. Das tun die Engländer hartnäckig wie erfolgreich. Der gewichtige Beweis hierfür ist nicht zuletzt das fabelhafte “This Elegy, His Autopsy“. Dieses Album ist ohne Übertreibung eine der intensivsten und vielfältigsten Veröffentlichungen zwischen Hardcore, Death Metal, Chaos, Screamo, Noise und Post-Rock in 2005 und gleicht einer Offenbarung! Die 13 Tracks der Scheibe stehen sowohl für komplexes Songwriting als auch bloßes „Geballer“, ebenso wie für intensive Atmosphäre, dichte Soundwälle und einen fordernden Anspruch. Die Wandelbarkeit sowie das flüssige Ineinandergreifen verschiedenster Stilelemente sind die größten Stärken der Songs von “This Elegy, His Autopsy“. Als Hörer ist man unweigerlich gefesselt.

BEECHER klingen weder gehetzt noch gezwungen, was angesichts der vielschichtigen, teils irrwitzigen Arrangements beachtlich ist. Fans nahezu aller extremen Underground-Spielarten dürften durch die Songs der Engländer angesprochen werden. Die Allgemeingültigkeit und gleichzeitige „Spartigkeit“ der Stücke ermöglichen dies, wie auch die Tatsache, dass BEECHER ihre vielfältigen Einflüsse konsequent und nachhaltig ausleben. Dabei nimmt die Band weder auf limitierende Genregrenzen noch auf gängige Konventionen im Songwriting Rücksicht.

Den Live-Support zu “This Elegy, His Autopsy“ spielen BEECHER dieser Tage an der Seite von Darkest Hour (Victory) und Reflux (Prothetic). Vor dem Gig im Berliner Magnet Club bot sich die Gelegenheit für ein Gespräch mit Shouter Edward und Drummer Daniel, die zunächst ein kurzes Fazit ihrer ersten Europa-Tour zogen: „Es läuft super, auch wenn wir langsam ein wenig mitgenommen sind. Vor allem die langen Fahrten setzten uns zu, denn im UK sind wir selten so lange unterwegs, um den nächsten Club zu erreichen. Die Shows selbst waren bislang durchweg gut besucht, und es lief super für uns. Gerade dadurch, dass jede der drei Bands einen anderen Stil spielt, schenken die Kids allen Gruppen Aufmerksamkeit, wovon gerade wir und Reflux als Support-Acts profitieren. Über die Chance dieser Tour vor Darkest Hour sind wir überglücklich, denn zunächst sollten wir lediglich die UK-Shows mit ihnen spielen. Das war uns zu wenig, und wir sind froh, dass wir letztlich die komplette Tour mitfahren konnten.“

Für die nähere Zukunft stellen BEECHER weitere Rundreisen an der Seite etablierter (ex-)Earache-Kombos in Aussicht, wobei vor allem Konstellationen mit Cult Of Luna, Municipal Waste oder Napalm Death wünschenswert wären. Überraschendenderweise äußert Sänger Edward in Bezug auf die Live-Aktivitäten der Band Folgendes:

„Für mich sind es nach wie vor die Hardcore-Shows, die mich am Stärksten herausfordern, auch aus dieser Musik-Szene nicht unbedingt unsere hauptsächlichen Einflüsse stammen. Musikalisch sind wir durch Grind, Death, Black und Prog beeinflusst, aber unsere Fans stammen vorwiegend aus einem Hardcore-Umfeld. Wir lieben die Shows, auf denen die Leute abgehen, Spa


haben und uns als Band unterstützen. Das erlebt man vorwiegend im Hardcore-Sektor. Wenigstens musikalisch werden wir von fast allen Kids respektiert, auch wenn vielen ausgiebige Mosh-Parts oder tanzbare Passagen fehlen. Wir ziehen jedoch von Beginn an unser eigenes Ding durch, und die Leute würdigen das. Es wäre sicherlich einfacher, ausschließlich Metal-Shows zu spielen, auf denen die bloße Musik im Vordergrund steht, doch für uns ist der Spaß wenigstens genauso wichtig. Deshalb streben wir nach einer nach einer guten Mischung aus beiden Arten von Shows, um unsere Motivation in Bezug auf das touren möglichst lange zu konservieren. Noch sind wir für jede neue Chance dankbar, und hoffentlich ändert sich das nicht so bald.“

Angesichts der komplexen, handwerklich anspruchsvollen Songs von BEECHER bedeuten Live-Auftritte jedoch nicht allein Spaß: „Natürlich ist es schwer, gerade das Material von “This Elegy, His Autopsy“ live umzusetzen. Wir schlagen uns aber richtig gut. Wenn man es im Studio einspielen kann, muss man es auch live bringen. Anders geht es nicht. So wie die Platte klingt, fließt und sich entwickelt – das sind wir. Es ist unser bislang durchgeplantestes Release, da wir gerade im Bereich des Songwriting viel Zeit und Mühe aufgewendet haben. Wir wussten schon sehr früh, wie das Album klingen würde und mussten die Visionen aus unseren Köpfen nur noch auf Platte transferieren. Da ist es eigentlich nur noch die Kür, die Songs auch live auf der Bühne zu spielen. Und wir haben wirklich coole Songs geschrieben! Das merken wir gerade auf den Shows. Es stellt sich als überaus vorteilhaft heraus, dass wir eine intelligente, durchdachte Platte eingespielt haben, die einen guten Fluss und viel Abwechslung beinhaltet. Natürlich ist es dadurch zugleich anspruchvoller für uns als Musiker, wenn wir die Songs live umsetzen, aber große Probleme gibt es da nicht.“

Zumal der technische Aspekt beim Songwriting für BEECHER nicht im Vordergrund steht: „Zunächst stützen wir uns ausschließlich auf unsere eigenen Vorlieben, aber irgendwann muss man auch an die Hörer denken. Als Band lieben wir im Prozess des Songwritings die kreative Herausforderung und das Erstellen komplexer Stücke. Dabei mussten wir uns selbst immer wieder zügeln, nicht zu technisch zu werden, denn wir wollten vor allem atmosphärische Songs schreiben, die als Einheit wirken und zusammen passen. Das ist uns gelungen. Der technische Aspekt ist im Grunde nicht so stark beeinfluss- oder erzwingbar, da er Mittel zum Zweck und von den eigenen Fähigkeiten abhängig ist.“

Obwohl die BEECHER-Songs auf den ersten Blick allein dunkel und destruktiv wirken, finden sich unter der vertrackten Oberfläche doch auch viele Melodien, die sowohl für Eingängigkeit als auch für Erinnerbarkeit sorgen. Auch die sarkastischen bzw. ironischen Texte (Schaut allein auf Songtitel wie ’It’s Good Weather For Black Leather’ oder ’The Womaniser And The Alcoholic’!) stehen in direkten Gegensatz zum eher ernsten Brachialsoundtrack von “This Elegy, His Autopsy“. Das in Weiß und Neon-Farben gestaltete Cover unterstreicht den besonderen Anspruch der Band aus Manchester:

„Wir wollten von Beginn an ein ungewöhnliches Cover haben, das im Regal auffällt. Den Leuten soll es sofort in die Augen stechen, damit sie es in die Hand nehmen, und schauen, um wen und was es sich da handelt. Es ist einzigartig im Metal-Bereich, und eben so sollte es sein. Es wird sicherlich Leute geben, die es hassen werden, aber das ist für uns okay.“

 
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