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Arch Enemy

Storie von: arne, am 04.09.2005 ]

Nach dem stark eingängigen und schnell erschließbaren Konzept-Werk “Anthems Of Rebellion“ hat sich haben sich Arch Enemy um die deutsche Shouterin Angela Gossow mit ihrem neuen Album “Doomsday Machine“ wieder ein Stück weit zurück genommen bzw. wieder stärker auf traditionelle Metal-Wurzeln besonnen.

 
Das tolle Instrumental ’Enter The Machine’ gaukelt zunächst eine Fortsetzung der letzten Platte vor, jedoch offenbart sich schnell, dass Scheibe Nummer sechs wieder stärker an spröden, schwerer verdaulichen Metal orientiert ist. Deutlicher fokussiert die Kombo auf den technischen Aspekt der Songs und insgesamt erklingt sperrigere Kost, der man Zeit widmen muss!

Natürlich gibt es Songs zur Identifikation, die auch für Single-Auskopplungen oder für Video-Clips taugen, doch Arch Enemy beziehen mit “Doomsday Machine“ quasi eine Gegenposition zu schwedischen Kollegen wie Soilwork oder In Flames, die mit ihren letzten Platten immer poppiger und „harmloser“ wurden. Unter den kommerziell erfolgreichen Acts ihres Landes, ist dies Quintett zweifellos das musikalisch extremste. Sowohl die erneut fantastischen Gitarren-Riffs und -Soli als auch Drummer Daniel Erlandssons dominieren die Scheibe stärker als es etwas Shouterin Angela tut. Dies scheint jedoch beabsichtigt, denn immer wieder ersetzen dominante Gitarren-Leads auf teils ausschweifenden Instrumental-Parts mögliche Vocals. Ein Nebenprodukt dieser Entwicklung ist die ganz eigene Atmosphäre von “Doomsday Machine“, die als jederzeit intensiv und beinhart zu beschreiben ist. Mit ungewöhnlichen Effekten stärken Arch Enemy diesen Eindruck zusätzlich.

Tendenziell ist dieses sechste Studio-Album der Schweden eher zwischen Power- und Thrash-Metal zu verankern, denn zu sehr in Death-Gefilden, was ebenfalls eine interessante Verschiebung ist. Als Ergebnis bleibt ein ungemein interessantes Album stehen, das beweist, dass Arch Enemy nach wie vor unberechenbar als auch experimentierfreudig sind.

Eine personelle Veränderung hatte unlängst für Überraschungen gesorgt, denn Gitarrist Christopher trat zugunsten seines Uni-Abschlusses aus der Band. Ersatz war schnell in Person von Gus G. gefunden, und dennoch mussten Arch Enemy zahlreiche Gigs absagen, was ihnen viele Fans bis heute übel nehmen. Angela klärt über die Hintergründe und das Ausmaß des Wechsels auf: „Chris hat seine Entscheidung gefällt, da können ihn leider auch keine erbosten Fans von abhalten. Er hat die Band de facto verlassen. Natürlich hoffen wir, dass er zurück kommt, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Sicherlich hat er sich einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht, der für die Band viel negative Konsequenzen bedeutete, aber es ist nicht unsere Schuld und wir erlebten das ebenso plötzlich und unvorbereitet wie unsere Fans! Die Fans sollten sich mal in unsere Lage zu versetzen. Chris’ Ausstieg hat uns einen echten Schock versetzt. Diesen mussten wir erst einmal verdauen mussten und dann alsbald einen Gitaristen finden. Die Aufgabe ist umso schwieriger, das der Chris’ Parts überhaupt erst einmal spielen können muss! Gus G. ist nicht nur irgendein Ersatzmann, sondern einer der besten Gitaristen in der Metal-Szene! Jeder echter Fan weiß, das die Ingetgration eines neuen Gitarristen nicht einfach ist, und die Zeit für uns verdammt hart ist. Chris ist/war fünfzig Prozent des Songwritings von Arch Enemy, noch dazu Michaels Bruder und Gründungsmitglied der Band. Im ersten Moment dachten wir, das sei’s mit Arch Enemy gewesen. Doch nach dem ersten Schreck sind wir diese bislang größte Herausforderung seit ich in der Gruppe bin, angegangen.“

“Doomsday Machine“ markiert also in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang für die schwedische Formation, und Support-Gigs sind bereits für den Herbst angekündigt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Shows tatsächlich stattfinden werden. Nachdem “Anthems Of Rebellion“ kommerziell sehr erfolgreich war, und Arch Enemy endgültig den Schritt heraus aus dem Underground genommen haben, interessierte mich, wie sich das Quintett


selbst in der modernen Extrem-Metal-Szene positioniert sieht: „Ich habe nie in Begriffen wie Underground oder Kommerz gedacht. Nach meiner Auffassung wird Metal immer Underground sein, wie er es auch schon immer gewesen ist. Es kommt schon vor, dass einige Spielarten kurzzeitig andere überragen, und einige Bands mehr Platten verkaufen als andere, aber das kann auch ganz schnell wieder vorbei sein. Momentan verkaufen wir in den USA und anderen Ländern sehr gut, aber im Grunde sind wir nach wie vor eine Underground-Band. Daher versuchen wir auch gar nicht, eine kommerzielle Band zu sein. Andererseits strebt jede Gruppe, die von ihrer Musik leben will danach, möglichst viele Hörer zu erreichen, viele Platten zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Jeder, der etwas anderes behauptet, ist ein Lügner! Was soll man denn zu denen sagen, die immer tönen: „Wir sind true, wir sind Underground!“? Was ist daran toll, wenn niemand Deine Musik hört? Gar nichts!“

Mit “Doomsday Machine“ haben ein Album eingespielt, das die Aussagen von Angela unterstreicht, sind viele der Songs doch wieder weitaus spartiger ausgefallen als noch auf dem Vorgänger. Dennoch scheinen alle Stücke zusammen genommen vom Tempo her leicht gedrosselt und eher traditionell angelegt denn vordergründig extrem: „Es ist von Allem etwas dabei. Das Album wird von ein paar schnelleren Songs eröffnet, dann wird das Tempo etwas gedrosselt und später wieder angezogen. ’I Am Legend/Out For Blood’ etwa ist einer der schnellsten Songs, die wir jemals geschrieben haben. Wir denken aber nicht, dass wir so und so viele schnelle Songs auf dem Album haben müssen, sondern es kommt darauf an, wie es im Endeffekt klingt und wie alles zueinander passt. Ich habe mir das Album diesbezüglich noch gar nicht angehört und auf die Geschwindigkeit geachtet, aber es ist interessant, dass du das erwähnst.“

Die Texte des neuen Albums stammen diesmal fast durchweg von der Deutschen, nachdem auf der letzten Platte Gitarrist Michael noch für die Hälfte der Lyrics verantwortlich zeichnete: „Bis auf zwei stammen alle von mir, und an den beiden hab ich auch mitgebastelt. Das hat sich so ergeben, da Michael und Chris eben das Songwriting-Team sind. Auch Daniel ist inzwischen gut darin integriert, und deswegen halte ich mich aus dem Songwriting weitgehend raus. Das sind drei fähige Leute, weswegen ich mich also auf die Texte konzentriert habe. Ich brauche allerdings immer den Song als Demo, um entsprechende Texte zu schreiben, denn die Worte sollen zu Musik, Atmosphäre und Rhythmus passen. Von daher haben wie die Songs wirklich komplett gemeinsam ausgearbeitet, aber jeder war einfach in sein bestimmtes Feld integriert.“

Neben Songs, die textlich eher persönlich gestaltet sind, finden sich mit anderen wie ’Enter The Machine’, oder ’Slaves Of Yesterday’ erneut auch wieder politische Statements. Die Mischung stimmt demnach auch auf “Doomsday Machine“: „Auf jeden Fall! Ich versuche meine Texte immer in der Art von kleinen Kurzgeschichten zu gestalten, die jeder lesen und für sich etwas rausziehen kann. Manche mögen sie, machen weniger, für mich haben sie natürlich alle eine bestimmte Bedeutung, die ich aber nicht als konkret, formuliertes Statement in den Song packen will. Das finde ich sogar schon gefährlich, denn gerade die jüngeren Fans orientieren sich doch mitunter noch sehr stark an ihre Idolen. Ich will da eigentlich niemanden beeinflussen, denn man bekommt in den Medien schon genügend Meinungsmache um die Ohren gehauen. Da muss ich nicht auch noch kommen, wir versuchen lieber, uns als Band so unpolitisch wie möglich zu halten. Natürlich haben wir auch Songs, die in diese Richtung gehen, die sind aber dann eher indirekt formuliert.“

 
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