Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1796

Soilent Green

Storie von: arne, am 01.08.2005 ]

New Orleans’ SOILENT GREEN hatten es in den vergangenen Jahren wahrlich nicht einfach, und anders als im Fall von Candiria führten die schlimmen Van-Crashs (Ende 2001 und im April 2002) nicht zu Schmerzensgeldzahlungen in Millionenhöhe sondern nur zu Grenzerfahrungen an der Schwelle zum Jenseits.

 
Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Band durch den unerwarteten Tod ihres früheren Bassisten Scott Wiliams. All das hat Spuren hinterlassen, klar, doch frei nach dem Motto “What Doesn't Kill You Only Makes You Stronger” haben sich die Musiker durch körperliche und seelische Rehabilitation gekämpft und melden sich nun vier Jahre nach dem famosen “A Deleted Symphony For The Beaten Down“ mit einem neuen Longplayer stärker denn je zurück.

Der Albumtitel “Confrontation“ (Relapse) spielt auf den Kampf mit den eigenen Dämonen an, und musikalisch durchlebt man mit 15 Tracks die letzten Jahre SOILENT GREENs mit allen Höhen und Tiefen. Vor allem Shouter Benjamin Falgoust, der bei den Unfällen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden war und das Gehen komplett neu erlernen musste, lässt seinen Gefühlen und all der angestauten Aggression freien Lauf.

So variabel und gleichzeitig fokussiert wie auf diesem vierten Studio-Album hat man die Band niemals zuvor gehört - auch nicht derart relaxt. Die beiden neuen Bandmitglieder Tony und Scott an Gitarre und Bass scheinen dem Songwriting neue Impulse sowie eine spürbare Gelassenheit verliehen zu haben. Latente Sludge-Elemente gab es sicherlich schon in der Vergangenheit, jedoch niemals so vordergründig. Auch waren groovige Rock-Passagen bislang kaum so zentral gesetzt.

Die krasse Relativierung der schnellen, harten Grind-Metal-Passagen durch groovigen Mid-Tempo-Rock wirkt phantastisch und fügt dem dichten Heavy-Spektrum eine weitere Facette hinzu. SOILENT GREEN wagen mit “Confrontation“ einstückweit einen Neuanfang, ohne die Brücken zur eigenen Historie abzubrechen. Einmal mehr stellen sie eindrucksvoll unter Beweis, dass der Rolling Stone völlig zurecht von "one of the ten most important hard and heavy bands" spricht.

Im Gespräch bestätigt mir Shouter Benjamin ein heute bewussteres Erleben des eigenen Alltags: „Das war unvermeidlich, natürlich. Mein Blick auf nahezu alle Lebensbereiche hat sich stark verändert, nicht allein der in Bezug auf die Band und das Touren. Obwohl wir im Rahmen des Möglichen schon immer recht abgesichert getourt sind, haben wir die Sicherheitsmechanismen noch weiter verschärft. Nach den Unfällen war ich für kurze Zeit total verbittert und zynisch, doch glücklicherweise hielt dieser Zustand nicht lange vor. Ich war hilflos und konnte nicht die Dinge tun, auf die ich Lust hatte, nicht einmal mit der Band proben. Ich musste mich immer wieder zurücknehmen und zwingen in die Therapien zu gehen, um möglichst bald wieder loslegen zu können.“

Viele Fans extremer Heavy-Sounds haben Anteil am Schicksal der sympathischen Musiker genommen, ihnen die Treue gehalten und den vierten Longplayer von SOILENT GREEN sehnsüchtig herbeigesehnt. Ben sieht die Band jedoch längst noch nicht wieder auf dem Niveau, das sie zu Zeiten von


“A Deleted Symphony For The Beaten Down“ inne hatte, in denen das Outfit zu den populärsten Acts im Underground zählte:

„Wir sind gut aufgestellt, auch wenn wir die Szene ohne die Unfälle sicherlich schon weitaus stärker durchdrungen hätten. Die Basis ist gelegt, obschon wir SOILENT GREEN noch an vielen Fronten positionieren müssen. Das Musik-Business ist hart, und wenn eine Zeit lang pausieren muss, ist man schnell vergessen, selbst wenn man bis dahin populär gewesen ist. Wir haben das zu respektieren und arbeiten hart daran, unseren Namen wieder gewichtig ins Gespräch zu bringen.“

Angesichts einer solch starken Comeback-Platte sollte dieses Vorhaben schnell erfolgreich abgeschlossen sein: “"Confrontation" dokumentiert einerseits die Zeit des Umbruchs, ist andererseits aber zugleich auch repräsentativ für das heutige Bandgefüge mit zwei neuen Mitgliedern. Einige der Songs entstanden schon vor ihrer Zeit, doch der Hauptteil der Stücke wurde unter ihrer Beteiligung geschrieben. In der Zukunft wird sich ihr Einfluss sicherlich noch deutlicher bemerkbar machen, und ich bin schon sehr begierig darauf, mich mit ihren Ideen für neue Stücke auseinander zu setzen.“ Schwerpunkverschiebungen bezüglich des Heavy-Mixes von SOILENT GREEN schließt Ben jedoch aus:

„Als Band befinden wir uns in einem beständigen Entwicklungsprozess, doch ist dieser unvermeidlich. Wenn man wie wir als Gruppe schon einige Zeit lang gemeinsam unterwegs ist, wächst man als Einheit zusammen und stellt sich aufeinander ein. Wenn man sich selbst ernst nimmt, führt das unweigerlich zu Veränderungen, doch das bedeutet nicht, dass man drastische Stilbrüche vollziehen muss. Vielmehr sind wir selbst unsere härtesten Kritiker und pushen uns dazu, weiter zu experimentieren, ohne dabei zu übertreiben. Ohne unsere ureigene Identität aufzugeben, versuchen wir uns an neuen Wegen, und gerade das macht den Reiz im Songwriting aus. Uns geht es vor allem darum mit den bestehenden Einflüssen zu wachsen, indem unsere Stücke tighter und flüssiger werden. Ziel ist es, eine gewaltige Dampfwalze ins Rollen zu bringen, ohne uns selbst zu wiederholen. Aus diesem Grund haben wir in Bezug auf “Confrontation“ viel Wert darauf gelegt, keine Parts zu spielen, die wir bereits in der Vergangenheit verwandt haben.“

Die musikalische Weiterentwicklung erkennt Ben vor allem in der reiferen Anlage der Stücke: „Das neue Album unterscheidet sich vor allem durch seine solide Basis und das strukturierte Songwriting von seinen Vorgängern. “Confrontation” ist unser bislang fokussiertestes Werk, das sich dennoch aus vielen kleinen Puzzle-Teilen zusammen setzt. Jedes einzelne Teil findet den ihm zugedachten Platz, und ich mag den Gedanken, dass man in 45 Minuten unsere Entwicklung von der Konzeption der Band bis in die heutige Zeit hinein nachvollziehen kann.“

 
 Links:
  Soilent Green
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Amaranthe
  Kill The Lights
  Plague Years
  Symmetric Organ
  Living Gate

Interviews/Stories:

  New Hate Rising
  Dance Gavin Dance
  Make Them Suffer

Shows:

  26.09. Ray Wilson - Warburg