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As I Lay Dying

Storie von: arne, am 08.07.2005 ]

Ist es wirklich nur ein Zufall, dass AS I LAY DYINGs dritter Longplyer “Shadows Are Security” und das neue Darkest Hour Album “Undoing Ruin“ zeitgleich am 20.Juni erschienen sind? Es scheint nicht undenkbar, dass Metal Blade bzw. Victory Records die direkte Konkurrenz beider Melodic Death-Bands mit Hardcore-Background bewusst forciert haben, um endgültig zu klären, welcher von beiden der Thron im Segment gebührt.

 
Die Beantwortung dieser Frage ist jedoch unmöglich und an individuelle Präferenzen der Hörer gekoppelt. Jedoch steht außer Frage, dass beide Scheiben verdammt stark ausgefallen sind und essentiellen Pflichtstoff für Genre-Fans darstellen.

AS I LAY DYING melden sich nach ihrem Metal Blade Einstand “Frail Words Collapse“ eindrucksvoll zurück und legen eine zeitgemäße, aggressive, aber auch ungewohnt eingängige Platte vor, die längst nichts mehr mit dem Material des “Beneath The Encasing Of Ashes“ Debüts oder der American Tragedy- Split gemein hat. Die Band aus San Diego ist mit den zwölf neuen Stücken endgültig im melodischen Death Metal angelangt, der zwanglos um spröde Thrash-Zitate sowie eine gehörige Portion Mosh erweitert wird. Geprägt wird “Shadows Are Security” von einem im Songwiritng und in der Produktion zentral gesetzten Schlagzeug, das man in dieser Form noch auf keiner Platte im Genre gehört hat. Der Drumsound ist ebenso so catchy und dominant, wie es die cleveren Gitarren-Leads (At The Gates lassen immer wieder offensichtlich grüßen) und teils clean gesungenen Refrains sind. AS I LAY DYING bieten von Beginn an immenses Identifikationspotenzial, und natürlich geht diese Rechnung auf. Auch deshalb, weil das Drittwerk mit einem tollen Metal-Feuerwerk startet, das einen unweigerlich in Beschlag nimmt. Jeder, der auf modernen Metal steht, wird an “Shadows Are Security” viel Freude haben, das steht fest. Der überaus positive Eindruck wird lediglich durch etwas schwächere Tracks am Ende der Platte getrübt, doch sind die ersten acht Stücke über jeden Zweifel erhaben.

In Support der zweiten Metal Blade- Scheibe der Kalifornier wird es endlich auch eine erste komplette Europa-Tour geben, denn AS I LAY DYING werden zwischen dem 23. September und 16. Oktober gemeinsam mit Heaven Shall Burn, Evergreen Terrace, Agents Of Man, Neaera und End Of Days die “Hell On Earth” Tour bestreiten. Das Quintett live zu erleben, gleicht einem absolutem Mayhem und ist mit keiner (!!) anderen Band im Genre zu vergleichen. Niemals zuvor habe ich in einem randvollen Kato mindestens drei Viertel der Anwesenden springen sehen und das über das komplette Set hinweg. So geschehen im letzten Herbst im Rahmen des ersten Berlin-Gigs der Gruppe, der mir als intensivste Live-Show, die ich jemals miterlebt habe, im Gedächtnis geblieben ist, und das will schon etwas heißen. Die Möglichkeit eines Telefon-Interview mit Shouter Tim Lambesis konnte ich da nicht ausschlagen. AS I LAY DYING bereiteten sich zum Zeitpunkt des Gespräches gerade auf große Aufgaben vor:

„Wir sind gerade von einigen Festival-Gigs zurückgekommen, die wir in Deutschland und England gespielt haben. Nun haben wir uns einige Tage frei gegönnt, um die nötige Kraft für die bevorstehenden Monate zu tanken und den Promotion-Kram hinter uns zu bringen. Unsere neue Platte erscheint ja dieser Tage und damit einhergehende Tour-Marathon startet mit den Ozzfests, die wir einen Monat lang spielen werden, zu denen wir in Kürze aufbrechen werden.“

Metal Blade scheint die Kalifornier nach dem überaus erfolgreichen “Frail Words Collapse“ zum Prioritätsthema erklärt zu haben, doch Tim führt das auf ganz pragmatische Gründe zurück: „In jedem Fall hat sich die Einstellung von Metal Blade gegenüber unserer Band verändert. Zuerst waren wir lediglich eine weitere Band im Roaster, aber die guten Verkäufe, unser hartes Arbeiten und das beständige Touren erhöhten unsere Gewichtung. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass “Shadows Are Security“ eine Art Prioritätsrelease für sie ist und das erfüllt uns mit Stolz. Das kommt wohl auch daher, weil die Platte um Einiges stärker ausgefallen ist als die letzte, und das hat bei Metal Blade umgehend hohe Erwartungen geweckt. Ich persönlich war mit der letzten Scheibe zufriedener, kann aber nachvollziehen, warum “Shadows Are Security“ bei vielen Leuten besser ankommen wird. Wir sind in jedem Fall bereit, unseren Part beizutragen und den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Das haben wir mit starken Songs begonnen und nun spielen wir natürlich auch umfangreichen Live-Support. Einen besseren Start als die Ozzfests gibt es dafür nicht.“

Die imposante Entwicklung von AS I LAY DYING aus dem tiefsten Underground hin zu einer der führenden Bands im modernen Melodic-Death mit merklichem Hardcore-Background, ist schon eine tolle Erfolgsgeschichte. Auch der Shouter zeigt sich überwältigt, zugleich aber auch bescheiden: „Wir fühlen uns geehrt und können es noch immer kaum glauben. Wir haben niemals erwartet, dass Metal im Ganzen jemals so groß werden würde, wie er sich heute darstellt und profitieren davon natürlich ungemein. Unser Vorteil ist, dass wir mit kleinen Basement-Shows gestartet haben und uns langsam weiterentwickelt haben. Für uns ist es im Prinzip egal, ob wir wie früher nur vor einigen hundert oder wie jetzt vor vielen tausend Leuten spielen. Wir fühlen uns auf jeder Bühne wohl und geben stets unser Bestes. Das sehen und spüren die Leute und unterstützen uns.“

Das Glück des richtigen Timings sowie individueller Klasse sind im Fall von AS I LAY DYING erfolgreich aufeinander getroffen: „Das Geheimnis liegt wohl in der Kombination, einerseits eine starke und gute Platte zu schreiben, und diese andererseits durch ausgiebiges Touren zu promoten. Nur gute Songs zu schreiben, reicht nicht, aber es ist die nötige Basis. In Bezug auf unsere Stücke besteht scheinbar schnelles Identifikationspotenzial,


weil wir eine überaus bodenständige Band sind, die nachvollziehbare Songs schreibt, die noch dazu unterhalten. Das haben wir schon immer getan, wie wir auch für unsere Fans vor und nach den Shows da sind, und sie mit uns reden und sich austauschen können. Einige junge Bands stellen sich heute als Rockstars dar, aber das ist nicht unser Ding. Wir sind ebensolche normale Typen wie es unsere Fans sind. Letztlich spielen wir zwar die Musik, könnten aber genauso gut auch vor der Bühne stehen.“

Das klingt fast schon zu einfach, doch wenn derart unterhaltsame Alben wie “Shadows Are Security“ und hoch intensive Live-Shows aus einer solch natürlichen und ungezwungenen Einstellung resultieren, müssen sich die fünf Musiker diese unbedingt bewahren: „Das viele Touren überprüft und bestärkt meine Motivation immer wieder. Natürlich ist es nicht allein Spaß, oftmals ist es schlichtweg unbequem und ständig vermisst man seine Freunde und Verwandten, aber wir haben diesen Weg für uns bewusst gewählt. Wir lieben, was wir tun und stellen dafür alles andere hinten an. Als positiven Nebeneffekt kann man derzeit mit der Musik, die wir spielen, Geld verdienen, und das ermöglicht uns das Dasein als AS I LAY DYING. Nachdem wir heute ein festes Line-Up haben und alle mit einer gleich starken Motivation an Band und Touren gehen, können wir auch dem harten Touralltag etwas abgewinnen und sehen ihn im Ergebnis positiv.“

Nicht nur Tim unterliegt dem „klassischer“ Musiker-Dilemma: „Das stimmt, wenn man einige Wochen zu Hause ist, vermisst man das Tourleben, und wenn man Monate unterwegs ist, möchte man irgendwann wieder nach Hause. So lange man immer eines von beidem vermisst, stimmt die Einstellung, denke ich. Die Pausen bieten mir die Möglichkeit, meine Fähigkeiten als Producer zu verbessern. Gerade arbeite ich an der Feinabstimmung der neuen Sworn Enemy- Platte und die Arbeit mit anderen Künstlern und Bands lenkt mich einerseits ab, gibt mir aber zugleich auch neue Motivation und Inspiration. Gemessen an meinen Maßstäben führe ich ein tolles Leben und dafür bin ich dankbar.“

An nötigem Selbstvertrauen mangelt es dem Shouter jedoch auch nicht, wenn man ihn nach den Alleinstellungsmerkmalen von AS I LAY DYING fragt: „Vor allem spielen wir unseren Stil rein handwerklich betrachtet weitaus besser und souveräner als viele der Bands, die dieser Tage unterwegs sind. Sicherlich kann kaum eine Band heute für sich beanspruchen, wirklich originell angelegt zu sein, aber man muss danach streben und auch handwerkliche Fähigkeiten mitbringen. Es gibt zweifellos Unterschiede zwischen guten und schlechten Bands. Gerade in Kalifornien gibt es heute viele Gruppen, die uns nacheifern, aber qualitativ nicht das gleiche Niveau erreichen. Natürlich muss man sich zunächst an seinen eigenen Favoriten orientieren, aber man sollte als Band schnell versuchen, sich eine eigenen Sound zu erarbeiten. Das haben wir schließlich auch getan. Zu viele Gruppen begnügen sch jedoch damit, andere zu kopieren.“

Die Trademarks des Quintetts aus San Diego sind dabei schnell im fetten Drumsound erkannt: „Schön, dass dir das auffällt. Der Drum-Sound steht bei den meisten Songs im Songwriting zuerst und ist noch vor den Gitarren fertig. Das ist definitiv eine andere Arbeitsweise als sie Bands gewöhnlich verfolgen, und sicherlich setzt es uns ab, denn es prägt unseren Sound klar, und so ist eben so beabsichtigt. Auf der letzten Platte war es noch nicht so offensichtlich, aber diesmal sind die Songs klar durch die Drums geprägt.“

Der stimmige wie differenzierte Mix von Andy Sneap stützt dies zusätzlich und lässt das fokussierte und homogene Metal-Album als komplexe Einheit erklingen, bei der lediglich die letzten Tracks qualitativ etwas abfallen. Für AS I LAY DYING bedeutet “Shadows Are Security“ zweifellos das Erklimmen der nächsthöheren Entwicklungsstufe, mit der sich der Fankreis erweitern dürfte:

„Es ist eine natürliche Weiterentwicklung. Wir alle sind auf den Instrumenten besser und versierter geworden. Das haben wir im Songwriting daran gemerkt, das wir relativ problemlos weitaus komplexere Passagen schreiben konnten, die das Album im Ganzen viel variabler klingen lassen.“ meint Tim dazu. Auch in bezug auf das eigene Tour-Programm haben sich die Kalifornier weiterentwickelt, und wollen der ersten vollen Europa-Rundreise im Rahmen der “Hell On Earth” Tour weitere folgen lassen:

„Europa ist für uns noch längst nicht erobert, und wir hatten bei den wenigen Gigs bislang viele Probleme, die uns jedoch nicht abschrecken. Auf der ersten Kurztour ging der Van in die Knie und wir mussten unseren Fahrer feuern, weil er scheinbar verrückt war. Dennoch haben die eigentlichen Shows viel Kraft gegeben und wir haben erlebt, dass wir auch in Europa schon viele Fans haben, die uns viel zurück geben. Sobald wir loslegten, war auf jeder Show die Hölle los. Das hat uns zunächst unvorbereitet traf, weil wir damit nicht gerechnet hatten, aber für den Herbst hoffen wir nun auf Vergleichbares. Wir werden erstmals für dreieinhalb Wochen kommen und gerade in Support der neuen Platte wollen wir Länder und Orte spielen, die wir bislang noch nicht gesehen haben. Das haben wir uns fest vorgenommen. In der Vergangenheit haben wir uns auf die Staaten konzentriert, doch nun ist die Zeit reif, nach Europa und in die übrige Welt zu gehen. Jeder Headliner-Tour in den Staaten wollen wir zukünftig auch eine in Europa spielen.“

 
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