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Candiria

Storie von: arne, am 04.06.2005 ]

Nach ihrem schlimmen Verkehrsunfall vom Sommer 2002, bei dem die Musiker aus New Jersey nur knapp dem Tod entgangen waren, melden sich CANDIRIA nun wieder vollends genesen mit neuem Album über Earache zurück. Nicht allein der neuerliche Labelwechsel ist dabei Symbol des Neuanfanges. Während der volle Albumtitel "What Doesn't Kill You Only Makes You Stronger" prägnant die Richtung weist, zeigen sich die einstigen Technik-Avantgardisten mit den neuen Stücken ungewohnt verträglich angelegt.

 
CANDIRIA scheinen Frieden mit unkonventionellen Strukturen und anspruchsvollen Experimenten geschlossen zu haben. Dafür stand die außergewöhnliche Band in der Vergangenheit, doch anno 2005 erfolgt eine Neuausrichtung. Sänger Carley Coma gibt sich in seiner Erwiderung auf meine Einschätzung pragmatisch:

„Nach unserer Auffassung haben wir mit dem Album vor allem die nächsthöhere Stufe im Songwriting erreicht. Mit CANDIRIA ging es uns stets darum, uns selbst und auch die Hörer heraus zu fordern. Sicherlich dokumentiert "What Doesn't Kill You…" nicht den typischen CANDIRIA- Sound der Vergangenheit, doch wir sind es dennoch.“

Der neue Longplayer beinhaltet noch immer den ein oder anderen Crazy-Part, doch bloße Hip Hop-Stücke oder nu-metallisch anmutende Disco-Smasher mit viel Melodie und deutlich ausgeweitete Sing-Vocals werden eher alte CANDIRIA- Kenner denn Neu-Entdecker der Formation die Stirn runzeln lassen: „Wir sind als Musiker gewachsen und gehen heute mit noch größerem Verständnis an unsere Songs. Jedes einzelne Stück soll maximale Wirkung erzielen. Jazz-Parts streuen wir heute nicht mehr nur deshalb ein, um sie mit auf der Platte zu haben. Das ist unnötig und mindert die Qualität. Alle Komponenten müssen miteinander interagieren und einen klaren Zusammenhang zueinander aufweisen. Daneben sind die neuen Stücke gleichfalls komprimierter und steigern sich jeweils zu einem wirklichen Höhepunkt. Anders als in der Vergangenheit haben wir uns im Songwriting diesmal von unseren Gefühlen leiten lassen und nicht den technischen Aspekt in den Mittelpunkt gestellt.“

"What Doesn't Kill You..." hat zweifellos das Potenzial, der Band breitere Hörerkreise zu erschließen und endlich einmal auch “kommerziellen Erfolg" einzufahren. Einprägsame Hooks und erinnerbare Refrains bürgen hierfür. Die eher allgemeine


und massenkompatible Ausrichtung des Albums ist legitim, bedeutete für die Musiker jedoch harte Arbeit:

„Die metallischen Parts der Platte sind sehr schnell entstanden, da wir Derartiges seit vielen Jahren spielen. Die melodischen Passagen stellten uns hingegen vor große Herausforderungen, denn wir haben uns in unbekanntes Terrain vorgewagt. Für mich persönlich bedeute dies auch hartes Gesangstraining. Der Arbeitsprozess war recht schwierig, doch letztlich waren wir erfolgreich, wie das Album beweist. Nachdem wir uns selbst diszipliniert hatten und konsequent an der Verwirklichung unserer Vorstellungen gearbeitet haben, fanden wir die richtigen Rezepte.“

Das klingt schon eigenartig, wenn man sich der früheren Crazy-Platten erinnert. CANDIRIA haben die Grenzen stilübergreifender Musik von Metal, Hardcore, Jazz bis Hip Hop über Jahre hinweg ausgelotet und nach all der Zeit nun das konventionelle Songwriting für sich entdeckt. Warum auch nicht!? Dem Soundfluss und der Erinnerbarkeit der Stücke ist dies nur zuträglich, allein die eigene Sonderstellung wurde ein Stück weit aufgegeben. Entscheidend dafür war u.a. der schwere Autounfall:

„Natürlich, aber das folgt einem derart einscheidenden Erlebnis unwillkürlich. Grenzerfahrungen an der Schwelle zum Tod wirken sich unweigerlich auf deinen weiteren Weg aus. Man lässt sein ganzes Leben Revue passieren und stellt plötzlich eine ganz andere Wertigkeit fest. Ohne den Crash wäre "What Doesn't Kill You…" in dieser Form nicht entstanden und wir hätten wahrscheinlich in unserem alten Stil weiter gemacht.“ Das erste Earache-Album der Band ist zweifellos ein Metal-Hardcore-Crossover-Album über gängigem Durchschnitt, jedoch kein essentielles Werk. Ob CANDIRIA in dieser Ausrichtung wirklich ihre Erfüllung finden, wird spätestens der nächste Longplayer zeigen.

 
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