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Unsane

Storie von: arne, am 10.05.2005 ]

Erst mit der Veröffentlichung von “Blood Run” über Relapse Records ist das Comeback von UNSANE endgültig vollzogen. Die New Yorker Noise-Veteranen hatten sich zwar bereits 2003 mit der gelungenen “Lambhouse“ Retrospektive und anschließender Welt-Tournee im Heavy-Sektor zurück gemeldet, doch auf neues Song-Material mussten die Fans bis 2005 warten.

 
Sieben Jahre nach dem starken "Occupational Hazard" und der mehrjährigen Bandspause liegt nun endlich ein neues reguläres Studio-Album des Trios vor und dieses entschädigt schnell für die lange Wartezeit. Veränderungen hat es musikalisch kaum gegeben, natürlich nicht, aber mit “Blood Run” bekommt man als geneigter Hörer UNSANE pur und nichts anderes!

Die elf Stücke des Albums sind so kratzig, kantig und ungeschliffen wie eh und je. Laut und mitunter auch großmäulig reflektiert die Bands den New Yorker Lebensalltag, der durch Hektik, Anonymität und Unsicherheit sowie einen harten Überlebenskampf gekennzeichnet ist. All das spiegeln die bodenständigen und überaus direkten Songs von UNSANE wieder, die pessimistischer und nihilistischer kaum wirken könnten. Metal, Rock, Groove und große Emotionen formen vielschichtigen Krach auf hohem Niveau, der mittels Samples und vielerlei Verzerrungen zusätzlich verdichtet wird.

Mit “Blood Run” ist erneut eine überaus kompakte Platte entstanden, die ihren hypnotischen Charakter der kontinuierlichen Steigerung der verbreiteten Unruhe verdankt. Sicherlich zeigt sich das Trio um Shouter/Gitarrist Chris Spencer oberflächlich zugängig und setzt mitunter auf Wiederholungen einzelner Parts, die für Wiedererkennbarkeit sorgen, doch darf man sich davon nicht täuschen lassen. Selbst der gute Groove ist nur Mittel Zweck – UNSANE wollen vernichten und nichts anderes!!

Wer das vergisst, ist schnell verloren. Hört das Album laut und ihr werdet platt gewalzt. Sowohl musikalisch als auch vom Artwork her steht “Blood Run” für das effektivste Album, dass die New Yorker bislang abgeliefert haben und angesichts der erfolgreichen Vergangenheit und nach über 15 Jahren Bandkarriere ist das wahrlich eine Leistung! Überzeugend ist die Noise-Legende im neuen Jahrtausend angekommen und im Gespräch mit Bandkopf Chris Spencer interessierten mich zunächst die Hintergründe der veröffentlichten “Lambhouse“ Retrospektive von 2003:

„Wir verfolgten mit dem Release verschiedene Ziele. Natürlich wollten wir zeigen, dass UNSANE wieder da sind und uns ins Gedächtnis unserer Fans zurück rufen. Ebenso wichtig war es uns, die Band völlig neuen Hörerkreisen vorzustellen, die uns zuvor nicht kannten. In verschiedenen Plattenläden hatten wir alte Platten von uns mit einem “Out Of Print“ Vermerk gesehen, was zur Folge hatte, dass sie recht teuer angeboten wurden. Das wollten wir ändern. Relapse zeigte glücklicherweise Interesse, älteres Material von uns wieder zu veröffentlichen und unterstützte die Idee einer Retrospektive von Beginn an. Von ihnen kam auch der Vorschlag, eine DVD beizufügen. Für uns als Band hätte es nicht besser laufen können. “Lambhouse“ hat toll funktioniert und uns zweifellos weiter geholfen.“

Nach der Veröffentlichung setzten UNSANE den eingeschlagenen Weg fort: „Wir haben nach der Reunion bewusst mit Bands getourt, die nicht unserem klassischen Hörerkreis ansprechen, um auch live neue Leute zu erreichen. Das ist uns ebenfalls gelungen und heute findet man auf unseren Konzerten eine bunte Mischung alter und neuer UNSANE-Fans. Darauf sind wir stolz, denn wir vereinen verschiedene Hörergenerationen und sind doch immer wir selbst geblieben.“

Darüber hinaus zeigt sich das Trio motiviert wie nie und die von Drummer Vinny Signorelli vor Jahren in verschiedenen Interviews angeführten Motivationsprobleme, die letztlich mit zum Split der Band geführt hatten, sind


heute längst vergessen: „Ich selbst hatte damit weniger zu kämpfen und gerade dann, wenn man eine neue Platte veröffentlicht hat, ist man sowieso nur heiß darauf, das neue Material auf die Bühnen dieser Welt zu tragen und es live zu performen. Eine größere Motivation gibt es wohl nicht. Hinzu kommt, dass ich mit den Texten meine Erfahrungen und mein Leben im allgemeinen analysiere und verarbeite. Jede Platte steht so auch für eine Phase meines Lebens. Sicherlich hat man nach einigen Jahren nicht mehr einen derart starken Bezug wie noch zu Beginn, aber es ist doch meine Vergangenheit, mit der ich verbunden bin. Gerade die Songs auf “Lambhouse“ sind die, die wir nach wie vor gerne spielen und die uns sehr viel bedeuten.“

Dennoch haben UNSANE aus den eigenen Fehlern und akuten Erschöpfungszuständen der Vergangenheit Lehren gezogen: „Das stimmt, wir haben gelernt, das Touren zu reduzieren bzw. besser zu planen. Wenn man jung ist, spielt man problemlos 300 Shows im Jahr, weil man weder familiäre Bindungen noch ein eigenes Heim hat. Das ist heute jedoch anders. Wir wollen und können nicht mehr das ganze Jahr über im Van leben und müssen zwischendurch immer wieder mal zu Hause sein. Das heißt jedoch nicht, dass sich meine Einstellung zu UNSANE geändert hat. Seit den Anfangstagen gehen ich mit der gleichen Motivation und Konzentration an die Band. Ich liebe es, Musik zu schreiben und live aufzutreten, nach wie vor. Ich habe auch kein Problem damit, die Songs Abend für Abend zu spielen, aber vier Jahre hintereinander mit mehreren hundert Shows wird es heute von UNSANE nicht mehr geben. Neben dem ganzen Reisen und Spielen muss man sich hin und wieder auch anderen Herausforderungen stellen, sonst verliert man wirklich irgendwann die Lust. Es gibt einen Punkt, an dem man wieder bei seiner Familie sein will und der ist kurz vor dem, an dem man dann ausgebrannt ist. Diesen wollen wir nicht mehr erreichen, denn Spaß und Motivation sollen uns erhalten bleiben.“

Das Trio agiert demnach heute bewusster und abgeklärter in Bezug auf das Touren, doch in punkto Songwriting hat sich nicht viel verändert, wie Chirs berichtet: „Wir brauchten nicht viel Zeit, die Stücke zu schreiben und haben wie immer sehr spontan gearbeitet. Das Material von “Blood Run“ ist wie bei allen anderen Alben auch in relativ kurzer Zeit entstanden. Eine Pre-Produktion gab es ebenfalls nicht. Dave und ich haben lediglich einige Ideen bei mir zu Haus vorab mit Hilfe eines Drum-Computers ausprobiert, weil wir die Wirkung der zusätzlichen Geräusche testen wollten. Ich habe Krach von der U-Bahn, von Tracks, Verkehrslärm usw. aufgenommen, den ich unbedingt mit auf der Platte haben wollte.“

Obwohl die elf Songs schnell fertig gestellt waren, wurden sie dennoch erst mit zeitlicher Verzögerung veröffentlicht: „Es erscheint erst jetzt, weil wir zunächst extensiv in Support von “Lambhouse“ tourten und ich im Anschluss daran für mehrere Monate außerhalb der Staaten war. Erst jetzt schien für uns der richtige Zeitpunkt für das Release eines neues Albums zu sein.“

UNSANE beweisen wirklich ein gutes Timing, da sich der Heavy-Sektor doch gerade im letzten Jahr enorm entwickelt und einen zuvor unbekannten Stellenwert innerhalb des Musik-Business eingenommen. Harter Rock und auch Metal sind in Presse und Rundfunk präsenter denn je und mit etwas Glück werden davon auch die New Yorker Noise-Urgesteine profitieren. Zu wünschen wäre es ihnen. Welcome back!

 
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