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Red Sparowes

Storie von: arne, am 06.05.2005 ]

Die RED SPAROWES begeisterten mich mit ihrem Debüt “At The Soundless Dawn” kürzlich ähnlich stark wie vor einiger Zeit PELICAN oder ISIS im letzten Jahr mit "Panopticon". Das Album traf mich vollkommen unvorbereitet und besticht durch rein instrumentale episch ausladendende Soundwände und eine nahezu perfekt ausbalancierte Mischung aus Anspruch und "Easy Listening".

 
Zwischen Ambient, Post-Rock und bloßem Indie entwickelt sich großes Kino, das auf Metal- und Hardcore-Zitate vollkommen verzichtet! In einschlägigen Fankreisen hat sich längst herumgesprochen, wer hier am Werke ist und die RED SPAROWES bestehen aus Bryant Clifford Meyer und Jeff Caxide von ISIS, Josh Graham von NEUROSIS (dort für die Visuals zuständig), Greg Burns von HALIFAX PIER, sowie Trommler Dana Berkowitz, der zuletzt im CONVERGE-Seitenprojekt THE CIGNAL aktiv war. Für Aufmerksamkeit dürfte angesichts der prominenten Konstellation gesorgt sein.

Stilistisch mischt sich in den Songs des Outfits der Ansatz, mit möglichst spartanischer Instrumentierung maximale Klangwirkung zu erzielen, mit jenem, dieses auch durch hoch komplexe und volle Arrangements zu erreichen. Beides gelingt der Formation gleichermaßen überzeugend, wobei sich die Band zumeist auf die erste Arbeitsweise stützt. Die Kompositionen von “At The Soundless Dawn” sind vorwiegend bedächtig und positiv anmutend startend, entwickeln sich in der Folge jedoch breit ausladend und unerbittlich weiter. Mitunter wirken einzelne Sequenzen sicherlich kopflastig oder verquer, doch letztlich dominieren schlichtweg „schöne“ und zurückgenommene Passagen, die dem Debüt im Ergebnis seinen epischen Charakter verleihen.

Einzelne Songs kann man aus diesem „Gesamtkunstwerk“ nicht hervorheben, denn die sieben Stücke des Albums sind als organische Einheit konzipiert, deren Bestandteile sich gegenseitig bedingen und immer wieder aufeinander Bezug nehmen. Dies belegen bereits die Titel der Stücke, die hintereinander weg gelesen eine kleine Geschichte ergeben. Musikalisch findet das seine Entsprechung, denn Hörer und Musik wachsen und entwickeln sich gemeinsam mit fortlaufender Spielzeit, stimulieren einander. Schnell ziehen einen die RED SPAROWES in ihren Bann und ihre Kompositionen kann man nicht einfach nur nebenbei hören! Diese Monumentalsounds muss (!!) man erleben und tief in sie eintauchen; dann geht man im Endeffekt gestärkt aus ihnen hervor. Das geschieht unweigerlich, wenn man sich auf das Album einlässt und sich ihm öffnet.

Gleiches erlebte man zuletzt in ähnlicher Art und Weise mit “Panopticon“, doch “At The Soundless Dawn” scheint mir in dieser Hinsicht noch wirkungsstärker. Die RED SPAROWES sind weitaus experimenteller und spartiger als ISIS angelegt, gleichfalls auch spannender und fordernder. Die Möglichkeit eines Interviews mit Gitarrist Josh Graham ließ ich mir vor dem Gig der Band im Berliner Magnet nicht entgehen. Der Übergang vom Status eines Projektes hin zu einer richtigen Band vollzog sich flüssig wie natürlich:

"Das hat sich während des Songwirtings ergeben, das wir zunehmend ernster genommen haben. Wir wendeten immer mehr Zeit und Energien auf und hatten schnell genug Material für ein Album zusammen. Spätestens ab diesem Punkt betrachteten wir RED SPAROWES als eigenständige Band, mit der wir neben unserer Beteiligung in ISIS, NEUROSIS usw. auch touren


wollten. Nun sind wir hier..."

Den gewachsenen Anspruch dokumentiert bereits der Bandname - die Musiker haben sich nach einem in der Natur nur selten anzutreffen Vogel benannt und nutzen zudem dessen alte englische Schreibweise. Ähnlich ungewöhnlich und eigen gestalten sich auch die Songs. Ein wirkliches Konzept oder ein vordefinierter Weg steht hinter diesen nicht:

"Es gab und gibt keinen konkreten Fahrplan für uns. Wir fingen einfach an, Songs zu schreiben, was sich überaus dynamisch und organisch vollzogen hat. Schon nach drei-vier Stücken hatten wir uns aufeinander eingespielt und die Richtung, in der sich RED SPAROWES positionieren würden, war abgesteckt. Seither arbeiten wir immer akzentuiertere Feinheiten aus. Es gibt für uns keine Richtung, die wir ausschließen, und auch wir selbst sind gespannt zu erfahren, wie RED SPAROWES in der Zukunft klingen werden. Mit jedem Song versuchen wir, uns selbst heraus zu fordern und neue Grenzen auszuloten."

Das Songwriting vollzieht sich dabei klassisch im Rahmen eines Bandkonzeptes gleichberechtigter Teilnehmer, die ein gemeinsames Musikverständnis zu teilen scheinen. Josh stellt für die weitere Entwicklung des Sounds den Ausbau der progressiven Elemente a la Mogwai in Aussicht. Für den Verzicht auf Vocals entschied sich die Neurot-Gruppe bewusst:

"Natürlich, das ist schließlich eine Grundsatzentscheidung. Anfangs haben wir die Stücke auch mit Vocals ausprobiert, uns letztlich aber doch auf den instrumentalen Weg festgelegt, da die Wirkung der Stücke in unseren Augen so stärker ausgeprägt ist. Als Musiker sind wir so gefordert, das Soundbild noch bewusster in Bewegung zu halten und dem Hörer Abwechslung zu bieten, um das Fehlen der Vocals zu kompensieren. Durch den Wechsel dezenter Ambient-Parts und rockigerer Gitarren-Passagen gelingt uns dieses."

Zweifellos, auch wenn der Gitarrist mit “At The Soundless Dawn” selbst gar nicht so zufrieden ist, was seine Gründe im eng gesteckten Zeitrahmen der Entstehung findet: "Das zweite Album wird sicherlich noch homogener ausfallen. Wir werden mehr Zeit für Songwriting und Recording haben, so dass dieses Fazit schon heute vorweg zu nehmen ist. Unser Debüt ist in nur fünf Tagen aufgenommen und gemixt worden. Der Arbeitsprozess war stark komprimiert und wir haben alles live eingespielt. Das ist sicherlich cool und hat auch funktioniert, aber für die zweite Platte wollen wir uns doch mehr Zeit lassen. Nach wie vor sind wir dabei, unseren Sound zu finden und das benötigt Zeit, auch bei den Aufnahmen im Studio, wo wir beim nächsten Mal gerne mehr ausprobieren würden."

Dabei überzeugen die RED SPAROWES doch schon heute durch stets organische und dynamische Arrangements, die scheinbar spielerisch zwischen einfacheren und deutlich komplexeren Passagen hin und her pendeln. Die Stücke von “At The Soundless Dawn” sind dabei so allgemeingültig gehalten, dass auch Hörerkreise jenseits experimentellen Underground-Independents angesprochen sein könnten.

 
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