Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1648

Callisto

Storie von: arne, am 06.04.2005 ]

Für die finnischen CALLISTO ist mit dem Signing auf Earache ein Traum in Erfüllung gegangen. Endlich ist ihr Zweitwerk “True Nature Unfolds" als Re-Release in allen Teilen Europas regulär auf dem Markt zu haben und die junge Band stößt auch außerhalb der eigenen Heimat auf Beachtung.

 
Sicherlich erregte das Album, das ursprünglich vor über einem Jahr auf Full Stream Records erschien, in Szenekreisen Aufmerksamkeit, doch das ihm mögliche Potenzial schöpfte die Platte nicht einmal ansatzweise aus. Es ist wohl dem unerwartet breit-flächigen Erfolg von Cult Of Luna zu verdanken, dass sich das englische Kultlabel Earache die Rechte an “True Nature Unfolds" sicherte und CALLISTO auch für die Zukunft unter Vertrag nahm.

Die Marschrichtung ist klar - mit dem Signing der Finnen wird die Monumental-Sound-Sparte weiter ausgebaut bzw. fester etabliert. Das Timing scheint heute weitaus glücklicher, denn ursprünglich veröffentlichten die Finnen in direkter Konkurrenz zu Neurosis’ letztem Epos "The Eye Of Every Storm", Isis’ Überplatte "Panopticon" sowie zu Cult Of Luna’s "Salvation". Wie sollte die Intensiv-Sound-Sparte da schon Notiz von einer noch unbekannten Band nehmen, deren Platte noch dazu nur über Umwege zu beziehen war? Mit Earache im Rücken sollte der sympathischen Band nun mehr Aufmerksamkeit zuteil werden, so dass die Etablierung der Formation, auch dank Live-Supports im April, weiter vorangetrieben werden kann.

Die atmosphärischen Arrangements von CALLISTO zeigen sich nicht minder ausgewogen und kontrastreich als die der genannten Überbands des Genres und glänzen ebenfalls durch schwere, breit-flächige und zutiefst intensive Strukturen. In den vordergründig emotional gehaltenen Momenten erinnern die Finnen mitunter an Burst, die vor Jahren ebenfalls als Metal-Hardcore-Band starteten, sich in der Folge aber schnell in intensive Post-Hardcore-Klänge hinein arbeiteten. Obwohl auf “True Nature Unfolds" Isis und Cult Of Luna als große Inspirationsquellen stets präsent scheinen, verbleiben CALLISTO dennoch nicht als bloße Kopie. Die Integration von Saxophon, Slide-Gitarre, Cello und füllenden Electronics setzt erkennbar eigene Akzente, die in der Zukunft sicherlich weiter ausgebaut werden.

Drummer Ariel und Bassist Juho wollen im Gespräch zu den neu geschriebenen Stücken leider noch nicht viel verraten, allein die Richtung der Weiterentwicklung wird von den Musikern umrissen: „Bislang sind schon eine handvoll neuer Songs entstanden, das ist richtig, die durchweg länger ausgefallen sind. Wir haben vorrangig an der Ausdruckskraft und Tiefe unserer Songs gearbeitet und diese intensiviert bzw. ausgeweitet. In ihrer Anlage zeigen sich die neuen Lieder breiter und dynamischer in ihrer Entwicklung. Jeder einzelne Song wächst für sich selbst, doch in Summe wird eine Einheit stehen. Die ausgeweitete Länge der Songs resultiert nicht aus fehlender Fokussierung oder zu ausladenden Kompositionen. Die Herausforderung für uns liegt darin, komplexe Songs zu schreiben, die eine gewisse


Laufzeit haben, den Hörer jedoch nicht langweilen. Das neue Material setzt wieder verstärkt in unseren Anfangstagen an. Wir greifen wieder stärker auf zeitlose Riffs und Arrangements zurück, die schon in den 1970ern von u.a. Pink Floyd gespielt wurden.“

Einen Zeitplan für das Drittwerk von CALLISTO gibt es noch nicht, doch für den weiteren Arbeitsprozess steht fest: „Bevor wir wieder ins Studio gehen werden, gilt es für uns, das neue Songmaterial noch einmal zu straffen und alle neu integrierten Elemente auf ihre Wirkung hin zu überprüfen. Was keinen Mehrwert bringt, muss wieder gestrichen werden. Wir sind auf einem guten Weg, uns eine eigene Nische zu erarbeiten und das werden wir hoffentlich schon mit dem nächsten Album nachweisen können.“

Die Finnen zielen im Songwriting nicht bewusst auf spätere Wirkungen ab, was mich angesichts des atmosphärischen Intensiv-Sounds ein wenig überraschte: „Wir haben wirklich niemals bewusst nach einer bestimmten Ausdrucksart oder Stimmung gestrebt und einfach Songs geschrieben, die sich natürlich entwickelt haben und sich richtig anfühlten. Eine gewisse Melancholie liegt wohl in allen Finnen, was auch seine Entsprechung in unseren Songs findet. In unserem Alltag sind wir jedoch kaum introvertiert oder traurig. Um ehrlich zu sein, lachen wir sogar recht viel. Indem wir diese Art schwerer Musik schreiben, bewahren wir uns die innere Ausgeglichenheit.“

Doch auch in den eigenen Songs präsentiert man sich ausgewogen und frei von Scheuklappen, was kein Zufall ist: „Uns ist es allein wichtig, in allen Belangen Offenheit zu wahren und uns neuen Möglichkeiten gegenüber nicht zu verschließen. Musikalisch ist dies offenkundig und auch grafisch versuchen wir das zu stützen. Wir wollen den Hörern nichts vorgeben und jeglichen Freiraum für individuelle Schlüsse zulassen. Hoffentlich sehen und spüren die Leute den Hoffnungsschimmer zwischen all der traurigen und dunklen Tönen. Das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels ist stets vorhanden.“

Noch offensichtlicher wird dies wohl auf dem Drittwerk von CALLISTO, doch die Finnen sind auch auf ihr noch aktuelles Album stolz: „Es stimmt schon, seitdem die Platte ursprünglich veröffentlicht wurde, haben wir gerade im Songwriting und auf unseren Instrumenten viel hinzu gelernt, so dass sich unsere neuen Songs deutlich von denen auf "True Nature Unfolds" unterscheiden werden. Dennoch schätzen wir das Album auch heute noch sehr, denn es steht für einen Entwicklungsabschnitt unserer Band. Auch noch über ein Jahr nach den Aufnahmen, sind wir mit den Songs überaus zufrieden. Stilistisch haben wir uns seither nicht wesentlich verändert, nur gehen wir heute noch tiefer und sind dynamischer angelegt.“

 
 Links:
  Callisto
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Avatar
  The Atlas Moth
  Cane Hill
  Cursed Earth
  Good Tiger

Interviews/Stories:

  All Will Know
  Minipony
  Lionheart

Shows:

  11.12. Jo Stockholzer - Mesum
  11.12. Mia Aegerter - Koln
  12.12. Jo Stockholzer - Wuppertal
  12.12. Doro - Regensburg
  13.12. Peter And The Test Tube Babies - Bremen