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Cephalic Carnage

Storie von: arne, am 03.04.2005 ]

Knappe drei Jahre hat es gedauert bis CEPHALIC CARNAGE ihr Anomalies fertiggestellt hatten. Die Relapse- Kombo ist eine der wenigen Extrem-Bands, die man als feste Konstante im schnelllebigen Grind-/Crazy-Sektor bezeichnen kann. Noch dazu zählt sie zu den innovativsten und kompromiss- losesten im bearbeiteten Genre.

 
“Anomalies” stellt beides einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Die Jungs aus Colorado ziehen seit Jahren ein schier irrwitziges Programm durch und punkten damit auf breiter Front. War der direkte Vorgänger “Lucid Interval“ noch eher Jazz-lastig ausgefallen, setzt das vierte Studio-Album nun wieder brachial und temporeich auf harten Metal und schwere Heavy-Parts. Dennoch hat sich die Ausrichtung der Sickos nur in der Schwerpunktsetzung verschoben. Nach wie vor formen Elemente aus Death, Grind, Jazz und Heavy Metal alles vernichtende Stücke, die ebenso bizarr wie genial anmuten.

Die Stärke von CEPHALIC CARNAGE liegt darin, weder auf gängige Konventionen noch auf etablierte Hörmuster der Fans Rücksicht zu nehmen, sondern „einfach“ die eigenen musikalischen Visionen auszuleben. Unkonventionelle Arrangements und bis zum Exzess getriebene Technik-Passagen belegen dies, aber dennoch bleibt “Anomalies“ jederzeit gut hörbar und in der Entwicklung schön flüssig. Die einzelnen Stücke des Albums stehen in erkennbarem Bezug zueinander und bauen aufeinander auf. Dabei sorgen simple Blastbeat-Sequenzen und gewichtige MidTempo-Passagen immer wieder für enorme Klangfülle bzw. kurzzeitiges Verschnaufen, bevor es in einen neuerlichen Crazy-Part geht. Gerade für diese sind CEPHALIC CARNAGE berühmt und berüchtigt. Die gesetzten Kontraste auf ihrem vierten Longplayer könnten wirkungsstärker nicht sein und in Summe scheint mir “Anomalies“ dennoch das bisher hörerfreundlichste, zugleich aber auch ausgewogenste, Album der Jungs aus Colorado zu sein. Bestehende Fans werden darauf sofort flashen, jedoch birgt die Platte gleichzeitig das Potenzial auch komplett neue Hörergruppen zu erschließen. Als Gesprächspartner stand mir Gitarrist und „Band Chauffeur“ (so die eigene Vorstellung) Steve zur Verfügung und der befand sich gerade in den Vorbereitungen auf die bald startende Support-Tour des neuen Albums. Bereits im Juni werden CEPHALIC CARNAGE dann in Deutschland live zu erleben sein und in Summe will die Band zwei lange Jahre unterwegs sein, was einem endlosen Marathon gleichkommt. Steve selbst verweist auf die positiven Seiten:

„Die Gruppe bietet uns die Möglichkeit unsere Kreativität auszuleben, zu reisen und die Welt kennen zu lernen. Darum geht es doch, wenn man in einer Band ist. Da wir im Underground aktiv sind, haben wir direkten Kontakt zu unseren Fans und können uns mit ihnen austauschen. In all den Jahren haben wir Freundschaften auf der ganzen Welt geschlossen und auf den Touren treffen wir immer wieder alte Bekannte mit denen wir abhängen und mit ihnen Spaß haben. CEPHALIC CARNAGE freut sich auf das intensive Touren.”

Mit den eigenen Fans gibt Steve ein interessantes Stichwort vor. Die Relapse-Kombo hat eine bunt durchmischte wie treue Anhängerschaft, die “Anomalies“ bereits Monate vor dem eigentlichen Release in einigen Foren abfeierte: „Es erfüllt uns mit Stolz, dass es da draußen Leute gibt, die unsere Releases regelrecht herbeifiebern und immer wieder mit uns in Kontakt treten um sich nach dem aktuellen Arbeitsstand zu erkundigen. Die Leute mussten schließlich knappe drei Jahre auf unseren neuen Longplayer warten und das ist schon eine lange Spanne.“

Dennoch verweist die rege Fanresonanz doch auch darauf, dass “Anomalies“ längst in voller Länge zum Download im Internet bereit stad und viele Leute diese Möglichkeit nicht ungenutzt ließen. Steve sieht das Problem nicht ganz so dramatisch, hofft auf die „richtige“ Einstellung der Fans: „Das Downloaden von Musik im Internet hat gute und schlechte Seiten. Der Hörer erhält vorab die Möglichkeit ein Album in seiner ganzen Länge zu hören und zu testen. Gefällt es ihm, sollte er es aber auch kaufen. Nur dann ist es aus meiner Sicht okay, wenn sich Leute komplette Alben downloaden. Ich persönlich nutze diese Möglichkeiten vor allem dazu, rare und nicht mehr erhältliche Songs zu finden. Bevor ich einen Track niemals zu hören bekommen, downloade ich ihn lieber. Für uns als Künstler bedeutet das Internet zudem schnelleres Feedback unserer Fans, denn einige posten wirklich schon früh ihre Meinungen auf Message Boards. Wir haben die Leute diesmal aber auch ein wenig in die Irre


geführt, indem wir mit ‘Dying Will Be The Death Of Me’ zunächst einen Track auf unserer Website veröffentlichten, der sich vollkommen von dem Material unterscheidet, das wir sonst spielen. Viele Leute zeigten sich davon verwirrt. Wir waren auf die Reaktionen sehr gespannt, jedoch wird jeder unsere Absichten mit dem Stück nachvollziehen können, wenn er erst einmal das gesamte Album hört. Jeder Track unterscheidet sich vom vorhergehenden und genau so haben wir es beabsichtigt.”

Eine Band der Größe von CEPHALIC CARNAGE lebt dennoch ohne Frage vom Touren und den eigenen Merch-Verkäufen. Drücken wir den Jungs die Daumen, dass wirklich alle Fans auch die Original-CD kaufen werden. Auf die eigene Hörerschaft, die endlose Geschichte, angesprochen, lacht Steve, bevor er ausholt: „Wir werden auch noch nach all den Jahren überaus kontrovers aufgenommen. Für Death Metal-Fans sind wir Grindcore und für Grindcore-Fans widerrum Death Metal. Unlängst habe ich auch gehört, wir klingen wie schwedische Core-Bands. Unseren Platz haben wir demnach noch immer nicht gefunden. Ich selbst verstehe uns als Avant-Metal, denn das ist recht generell gehalten, unterstreicht jedoch unseren technischen Anspruch. In eine bestimmte Sub-Szene werden wir jedenfalls nie passen. Das wollen wir auch gar nicht und so erhalten wir uns die Chance mit verschiedensten Bands aus Hardcore, Death Metal, Black Metal, Grindcore, Stoner Rock, Doom bis hin zu Straightedge Bands zu touren. Und das funktioniert, glaub mir.” Ein ähnlich breites Spektrum findet sich auch im Radio der Jungs wieder, wenn sie unterwegs sind.

“Es gibt für die Musik im Tour-Van nach den Shows keine Regeln und wir hören die unterschiedlichsten Sachen wie Secret Chiefs 3, Ghetto Boys, Trephine, Lovage, Sublime, Rush, QOTSA, Rasputina, Estradasphere, Farmers Market, etc... Nur für den Weg hin zu einem Gig darf allein Metal laufen, um uns vorzubereiten und aufzuputschen. Bands wie Dissonance, Necrophagist, Decapitated, Planes Mistaken For Stars, High On Fire, Iron Maiden, Fantomas, DEP, Converge, Isis, Mastodon, etc. Laufen dann.” Im “normalen Leben” sind die Mitglieder von CEPHALIC CARNAGE nach wie vor auf geregelte Jobs angewiesen:

„Das stimmt leider, wir gehen ganz normalen Jobs nach. Glücklicherweise haben wir alle Anstellungen gefunden, die wir jederzeit ruhen lassen können, wenn es auf eine Tour geht, in die wir aber auch jederzeit zurückkehren können. Mit den Einnahmen aus Gigs und Merch können wir inzwischen unsere Rechnungen zahlen, wenn wir nicht zu Hause sind, doch mehr bleibt leider nicht hängen.” Ihre Entlohung ziehen die Musiker aus dem kreativen Schaffen und den Reaktionen ihrer Fans. “Anomalies” dürfte den Hörerkreis dank allgemeingültigerer Anlage fraglos erweitern: “Wir haben sowohl vom Songwriting als auch von der Aufnahme her unser ausgewogenstes Album geschaffen. In allen Belangen, von der Produktion, über die Songstrukturen bis hin zum Layout, markiert “Anomalies” für uns einen deutlichen Schritt vorwärts. Das verdeutlicht schon die Tatsache, dass das Album im Ganzen leichter zugänglich ist, jedoch nichts an Verrücktheit oder Komplexität eingebüßt hat.”

Dennoch zeigt sich die neue Platte in meinen Augen ungewohnt verträglich: “Ich stimme dir zu, dass "Anomalies" grooviger und nicht mehr so schnell wie unser altes Material ausgefallen ist und dennoch beinhaltet das Album die aggressivste Musik, die wir jemals aufgenommen haben. Songs wie ‘Piece Maker’, ‘Wraith’ oder ‘Scientific Remote Viewing’ zeugen davon.” CEPHALIC CARNAGE geben eh nicht viel auf die Meinung anderer: „Primär geht es darum, das zu spielen, wonach uns ist. Es gibt für uns weder eine Zauberformel noch bestimmte Riff-Folgen, die uns abgehen lassen. Riffs müssen sich fließend in den Kontext einpassen, denn nur dann verwenden wir sie.“ Mit “Anomalies” bezeugt die Band ein treffsicheres Gespür für tolle Riff-Folgen und technischen Anspruch auf ganz hohem Niveau, der bis zum Ende der Platte nicht abbricht: „Die Arbeit vollzog sich diesmal unerwartet entspannt und problemlos. Die größte Herausforderung bestand darin, die Gitarren gestimmt zu halten. Langsam sollten wir uns wirklich neue zulegen.”

 
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