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Despised Icon

Storie von: arme, am 31.03.2005 ]

Kanadische Extrem-Kost zwischen Hardcore und Metal ist dieser Tage präsenter denn je. Unlängst haben etwa The End und Buried Inside äußerst spannende Platten über Relapse vorgelegt und nun ziehen DESPISED ICON mit ihrem Century Media- Einstand “The Healing Process“ nach.

 
Die Band aus Montreal begeisterte gerade erst im letzten Jahr durch die gelungene Split mit Bodies In The Gears Of The Apparatus und schon gibt’s bitterbösen Nachschlag in Form eines neuen Longplayers. Aus den Überresten lokaler Szenebands wie In Dying Days oder Neuraxis formiert, arbeiten DESPISED ICON seit 2002 zielstrebig an der eigenen Positionierung im Extrem-Underground. In Kanada sind sie längst eine etablierte Konstante, doch auch die übrige Welt will erobert werden.

Brachte die Split auf Relapse erste überregionale Beachtung, soll “The Healing Process“ nun für den endgültigen Durchbruch sorgen. Die Chancen dafür stehen angesichts dieser fabelhaften Platte nicht schlecht. Der Crazy-Mix zwischen Death, Grind, MetalCore, Math und Chaos ist qualitativ hochwertig und äußerst spannend angelegt. Zwischen Misery Index, Dillinger Escape Plan, Pig Destroyer, Botch und Dying Fetus entstehen extreme, äußerst wandlungsfähige Tracks, die sich vor allem durch Unvorhersehbarkeit und große Kompromisslosigkeit auszeichnen.

Unerbittliche Brutalo-Sounds brechen ein ums andere Mal über den Hörer hinein und Blastbeats liefern DESPISED ICON stets im Dutzend ab. Hartnäckige Aggressivität und ein Songwriting, das auf maximale Kontraste und die Durchmischung verschiedener Extrem-Spielarten setzt, formen ein Album, dass in punkto Abwechslung und Druck keine Wünsche offen lässt. “The Healing Process“ ist bester “Crazy-Shit,“ der jederzeit hörbar verbleibt und noch nach etlichen Rotationen keine Abnutzungserscheinungen aufweist. Bands wie dieses Sextett hier kennt man eher aus dem Relapse-Programm, aber auch auf Century Media dürften die Kandier für Aufregung sorgen, da bin ich mir sicher.

Shouter Alex Erian zeigt sich von den rasanten Entwicklungen der letzten Monate noch vollkommen überwältigt, blickt aber auch voraus: „Gerade erst heute habe ich ein Exemplar unseres Albums erhalten. Das fühlt sich so gut an, kann ich dir sagen. Wir haben das ganze letzte Jahr ohne Pause gearbeitet und endlich sehen wir die Ergebnisse dessen. 2004 war für uns allein durch Songschreiben, Aufnahmen und Touren geprägt. Neben dem neuen Longplayer “The Healing Process” entstanden ja auch eine EP und die Split auf Relapse. Höhepunkt ist für uns dabei klar das Album, denn es beinhaltet das kompositorisch stärkste Material, das wir bisher geschrieben haben. Ich kann noch immer nicht glauben, welch großen Sprung wir im Songwriting nach unserem Debüt genommen haben. Dennoch ist für uns 2005 die Arbeit noch nicht beendet, denn wir haben weder ein Management noch eine Booking-Agentur.


Wir kümmern uns um alle Belange die Band betreffend alleine und die Dinge überstürzen sich derzeit, womit ich nicht allein das Signing meine. Momentan organisieren wir unser Chaos und bereits im April startet unsere Kanada-Tour mit Ion Dissonance und Premonitions of War. Auf diese bereiten wir uns gerade intensiv vor, denn wir wollen live alles geben. Nach dem Mai werden wir dann in den USA und hoffentlich auch in Europa unterwegs sein.“

Praktisch aus dem Nichts wurden DESPISED ICON mit Angeboten etablierter Metal-Label bombardiert, was die Kanadier unvorbereitet traf: „Vor einem guten Jahr nahmen wir eine Promo-EP auf, die wir verschiedenen Labels schickten, um sie wissen zu lassen, dass wir trotz der vielen Wechsel im Line-Up nach wie bestehen und aktiv sind. Wir standen kurz davor auf Listenable Records zu unterschreiben und führten bereits mit Willowtip und Goodfellow Gespräche über eine Lizenz-Veröffentlichung in Nord-Amerika. Aus heiterem Himmel meldeten dann plötzlich nahezu zeitgleich Relapse, Earache und Century Media Interesse an uns an, was uns vollkommen überraschte. Im Ergebnis erschien dann die Split auf Relapse, aber wir unterschrieben auf CM für den nächsten Longplayer. Letztlich gab Stacy von Abacus (CM’s Hardcore-Abteilung in den USA) den Ausschlag für unsere Entscheidung, denn sie ist total auf uns abgefahren. Auch die übrigen Mitarbeiten unterstützen uns nach Leibeskräften und bislang fühlen wir, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

Mit besagter Split-CD lernte ich DESPISED ICON im letzten Jahr kennen und im direkten Vergleich mit dem neuen Longplayer fällt auf, dass die Relapse-Songs deutlich straffer und metallischer ausgefallen sind, was natürlich Gründe hat:

„Das Relapse-Angebot kam wenige Tage, nachdem wir die Arbeit an “The Healing Process” beendet hatten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keinen einzigen neuen Song mehr und in nur einem Monat sind die drei Stücke entstanden. Der Arbeitsprozess vollzog sich straff und fokussiert und wohl deshalb sind die Stücke sehr Death-/Grind-orientiert. Es stimmt wohl, dass auf dem Album breitere Einflüsse zusammenkommen und das Material ausgewogener und teils auch relaxter klingt. Sie repräsentieren die Zeit und die Umstände, unter denen sie entstanden sind. Daneben wollten wir auch eine Abgrenzung zwischen Split und Album setzen und eine andere Seite der Band präsentieren. Jede unserer Veröffentlichungen hat sich von der vorhergehenden unterschieden und das wird sich hoffentlich auch in der Zukunft fortsetzen. Gerade der Zwang zur Weiterentwicklung treibt uns an.“

 
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