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Bonehouse

Storie von: arne, am 14.03.2002 ]

"Onward To Mayham" heißt der dritte Longplayer der Kieler Hardcore-Fraktion BONEHOUSE, der Ende Januar auf dem Münchener Label Earth A.D. veröffentlicht wurde.

 
Ich persönlich habe mich sehr über dieses neue Lebenszeichen der Norddeutschen gefreut, habe ich die Band doch bereits im Jahre 2000 anlässlich des vorangegangen "Steamroller" interviewt. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan, doch BONEHOUSE sind besser denn je; haben ihren Stil weiter verfeinert. Gitarrist Helge hat die Band nach der Smoke Blow-Tour verlassen und wurde durch Jan Späth ersetzt. Mit eben jenen Smoke Blow veröffentlichte das Quintett in Eigenregie eine Split-7Inch und auf Offenz Line erschien zudem eine Split-10Inch mit den Fyre Dogs. Auf die faule Haut haben sich die Musiker also keinesfalls gelegt und nun steht auch ein neues Album in den Regalen.

Gestaltet in rot-schwarz fällt als erstes die geballte Faust auf dem Cover ins Auge. Wendet man die CD-Hülle, erblickt man ein Bandphoto (ebenfalls in rot-schwarz) und auch das Good Night- Wide Pride-Logo. Im Telefonat mit Shouter Philipp Wolters galt meine erste Frage eben diesem Logo, das nicht zufällig auf der BONEHOUSE-CD zu finden ist: "Wir haben bewusst Kontakt zu der Kampagne aufgenommen und haben sie auch persönlich beim With Full Force an einem Info-Stand getroffen. Wir wollten sie schon vorher per Email erreichen, aber das war sehr schwierig, weil sie schon vorsichtig sind. Das geile ist jetzt ja, dass sich die Aktion von selbst weiter trägt. Viele Bands haben diese Flyer mit und ich habe sie auch schon in weiterkopierter Form gesehen. Wir haben also einfach gefragt, das Logo dann aus dem Internet runtergeladen und es schließlich auf die CD gepackt. Ich finde es auch wichtig, dass man so etwas gleich von außen sieht. Es ist wichtig diese Kampagne zu unterstützen und ich hoffe auch, dass da möglichst viele Bands Flagge zeigen. Es gibt leider zu viele Gruppen, die nicht klar Stellung beziehen."

BONEHOUSE tun dieses sehr klar und mit 'Fascist Pig' findet sich ein unmissverständlicher Song auf dem neuen Album: "Der Titel macht schon ganz plakativ deutlich, worum es geht. Für mich ist es wichtig unsere Position deutlich zu machen; dass man sich von braunem Gedankengut klar abgrenzt und zeigt, was in der Band steckt. Wenn ich eine Band gut finde und dann merke, dass da gar nichts weiter hinter steckt, kann ich das immer nicht verstehen."

Auch wenn Philipp die Texte fast durchweg allein schreibt, hat bei den Kielern jedes Bandmitglied Mitspracherecht: "Manchmal kommen auch von Kalle oder Pete Texte, aber da ich ja singe, ist mir schon wichtig, dass ich die Sachen geschrieben habe. Natürlich ist es manchmal schon geil, wenn von anderen Impulse kommen. Über die Ideen sprechen wir oft, aber ich mache meistens den Text dazu. Wenn jemand anderes einen Text schreibt, ist es ja oft so, dass er dann nicht auf das Lied selbst gemünzt ist und es macht dann hinterher viel mehr Arbeit das umzumodeln. Im Proberaum habe ich meistens schon Phantom-Linien und singe erst einmal irgendwas bis sich dann eine Idee zum endgültigen Text verfestigt hat. Ich würde mir natürlich nicht sagen lassen, dass Texte im linken Sinne zu extrem sind oder so, aber wir diskutieren oft über Ereignisse oder Einstellungen und die anderen haben oft schon kritische Anmerkungen, was man noch besser machen könnte. Wir unterhalten uns auch oft über die Ausdrucksweise und nicht nur über den Inhalt allein. Das war diesmal auch sehr fruchtbar, weil die Texte über einen sehr langen Zeitraum entstanden sind und immer wieder überarbeit wurden. Bei "Steamroller" war dieser Prozess viel kürzer, denn ich hatte einfach viel weniger Zeit. In der Nacht vor der Fahrt nach Schweden habe ich noch acht Texte geschrieben. Ich wusste zwar, worum es gehen sollte und hatte auch schon viele Fragmente fertig, aber es war eine tierische Arbeit und man hätte sicherlich vieles besser machen können. Diesmal habe ich mir gleich mehr Zeit genommen."

Es ist auffallend, dass viele Texte politisch

gefärbt sind: "Ja absolut. Es ist natürlich nicht so, dass ich politisch mehr Ahnung habe als der Durchschnitts-Punk oder Durchschnitts-Typ, aber ich habe einfach das Bedürfnis das herauszuschreien, was mich nervt; was mich ankotzt." Nach den Erfahrungen im schwedischen Sunlight Studio suchten BONEHOUSE diesmal nicht die Ferne sondern nahmen "Onward To Mayhem in ihrer Heimatstadt zusammen mit Ulf Nagel auf: "Ulf kennt uns schon von Anfang an. Er hat unser Demo, die erste MCD und den ersten Longplayer "Dogbite" gemacht und auch mit Kalle zusammen in verschiedenen Bands gespielt. Es ist einfach nicht so weit weg gewesen und dabei ging es nicht einmal nur um den Preis. Wir hatten diesmal einfach mehr Bock darauf alles relaxter anzugehen. Wir wollten die Sachen noch einmal überarbeiten können und uns alle Zeit nehmen, die wir brauchen."

Das Album wurde schließlich über einen Zeitraum von dreieinhalb Monaten eingespielt. In dieser Zeit spielte die Band nur vereinzelte Gigs um sich ganz den Aufnahmen zu widmen, die sich vorrangig auf die Wochenenden konzentrierten. Mit dem Ergebnis ist Shouter Philipp mehr als zufrieden: "Mit etwas Abstand kann ich die Scheibe inzwischen wirklich oft hören und genießen. Ich höre sie inzwischen wirklich gern." Das geht mir ebenso und dennoch interessierte mich, wo die Band noch Verbesserungsmöglichkeiten sieht: "Es sind eher funktionstechnische Dinge, die man während der Aufnahmen lernt und auf die man beim nächsten Mal schon beim Songwriting achtet. Man muss die Dinge ja dann auch im Studio umsetzen können. Viele Bands machen den Fehler im Proberaum einfach darauf loszuknüppeln um dann im Studio zu merken, dass es gar nicht funktioniert. Wir haben inzwischen für uns gelernt, dass zuerst die Grundlinien von Schlagzeug und Bass fest stehen müssen und erst danach die Feinheiten der Gitarren kommen. Oft setzen sich ja die Gitaristen durch, aber wichtig ist erst einmal der Song an sich."

Der Plattentitel "Onward To Mayham" ist für eine Punk- bzw. Hardcore-Scheibe vielleicht ein wenig ungewöhnlich. Für mich kommt hier eine leicht prollige Metal-Schlagseite durch, doch so einfach ist es dann auch nicht: "Den Titel habe ich, um ehrlich zu sein, vom Comic-Heft "Milk and Cheese" übernommen. Das ist ein voll geiles US-Comic, halt ein Käse und eine Milchtüte, die vermenschlicht werden und von allem genervt sind, durch die Gegend ziehen und mit Gin-Flaschen auf den Betrachter zulaufen und "Onward To Mayhem" schreien. Das fanden wir einfach geil! Darunter kann man sehr viel verstehen und wir hatten auch sehr viele Ideen, was man da graphisch machen könnte. Letztendlich hat dann unser Gitarrist Pete die Faust gezeichnet." ...die einmal mehr die Einstellung von BONEHOUSE widerspiegelt: "Die Faust wollten wir als Symbol haben; einerseits für Revolution; die Faust, die auf die Kacke haut, oder einfach die Faust, die sich auf dem Konzert nach oben reckt. Die vermittelt so ein bisschen den Eindruck: Jetzt geht's los! ...und natürlich in rot-schwarz, den klassischen Farben der Revolution. Du willst ja immer, dass schon die Verpackung zeigt, was drin ist und du sollst sehen, dass es zur Sache geht; da ist Punk drin und Hardcore und Metal. Uns ist bewusst, dass es schon andere Fäuste gab, aber wir finden, dass das Cover auffällig und trotzdem geil ist."

"Onward To Mayhem" ist sowohl punkiger als auch melodiöser als sein Vorgänger "Steamroller". Alles scheint noch mehr auf den Punkt gebracht und roh sind die Songs sowieso. Es geht gerade heraus und oftmals sehr ernst zur Sache, aber daneben stehen auch ordentlich Spaß und jede Menge Spielfreude mit auf dem Programm.

Im Frühherbst wollen BONEHOUSE erneut auf große Fahrt/Tour gehen und "Onward To Mayhem" live präsentieren. Wer das nicht abwarten kann, sollte zum Force Attack fahren, denn dort treten die Kieler in diesem Jahr auf.
 
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