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Extol

Storie von: arne, am 19.02.2005 ]

Die norwegischen EXTOL melden sich mit ihrem mittlerweile vierten Longplayer "Blueprint" (Century Media) eindrucksvoll zurück und wieder ist alles anders als zuvor. Das beginnt einmal mehr im Line Up, das den Wechsel beider (!!) Gitarristen zu verkraften hatte und setzt sich unweigerlich in der Musik fort.

 
EXTOL anno 2005 präsentieren sich als gereifte, grenzenlos aufspielende Band, die weitaus flüssiger und zwingender als noch auf dem direkten Vorgänger "Synergie" auftritt. Dessen Weg geht die Band im Ansatz nachvollziehbar weiter, jedoch belegen die elf neuen Kompositionen einen beachtlichen Qualitätssprung auf allen Ebenen.

Vor allem das Songwriting wirkt heute weitaus souveräner und effektiver. Im Ergebnis gestaltet sich das Soundbild so abwechslungsreicher, ebenso fokussierter. Eine Black Metal-Band, wie noch in frühen Tagen, sind EXTOL schon lange nicht mehr, und doch sind schlichtweg tolle Melodien von jeher das Markenzeichen dieser Band, die sich gleichsam durch kreative Ideen als auch durch brillantes handwerkliches Können auszeichnet. Hinter "Blueprint" stehen mit Tor Magne Glidje und Ole Halvard Sveen zwei Gitarristen, die ihre Sporen u.a. mit Ganlión und Lengsel sammelten. In Bezug auf den EXTOL- Sound sind das dankbare Referenzen, denn auch diese Acts stehen für melodischen, bisweilen vertrackten Metal mit gesichertem Anspruch.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Osloer Band im letzten Jahr mit Opeth tourte. Der Progressive-Touch des Song-Materials erscheint noch einmal ausgeweitet und dennoch scheinen EXTOL auch mehr denn je von wildem Hardcore inspiriert. Doch vor allem sind es Soundtüftler wie Burst, Breach, Abandon, Isis oder Neurosis, die in Bezug auf den EXTOL-Sound heute genannt werden müssen. "Blueprint" vereint vielfältige Einflüsse und jeder einzelne dieser erweitert das dargebotene Spektrum weiter, entfernt das Quintett aus dem Dunstkreis möglicher Vergleiche. EXTOL sind allein EXTOL! Ein größeres Kompliment kann man heutzutage kaum einer Band ausstellen.

"Blueprint"(bzw. mit vollem Titel "The Blueprint Dives") wurde im Osloer Toproom Studio mit Børge Finstad (Mayhem, Borknagar) aufgenommen, während Tue Madsen (The Haunted, Mnemic, Heaven Shall Burn) für Mixing und Mastering verantwortlich zeichnet. Alten Solid State-Zeiten nachhängend ist das Layout in den Asterik Studios (Poison The Well, Zao, Open Hand, Bleeding Through) in Seattle entstanden und rundet dieses überaus gelungene Release imposant ab. Auf die veränderten wahrnehmbaren Stilelemente der neuen Platte angesprochen, weiß Bassist John Robert folgendes zu berichten:

"Richtig, diesmal gibt es weitaus breitere Hardcore-Einflüsse. Prog-Elemente führen wir hingegen bereits seit unseren Anfangstagen, auch wenn sie erst mit der Zeit offenkundig in den Vordergrund getreten sind. Bis heute hat sich unser Verständnis von Progressivität stark gewandelt. Das merkt man gerade in Bezug auf die neue Platte, die deutlich explosiver und geradliniger ausgefallen ist, ohne auf irgendwelche Stilelemente zu verzichten.


Vom Rhythmus her haben wir versucht noch eingängiger zu werden und gleiches gilt auch für die Melodielinien. Dadurch stehen die progressiven Elemente noch klarer im Mittelpunkt und das ist genau so gewollt. Schon immer haben wir Zeug gespielt, das sich neben dem Gewöhnlichen ansiedelte, doch so richtig Notiz genommen hat davon bislang noch niemand. Natürlich hat sich das Soundbild auch durch die beiden neuen Gitarristen verändert, auch wenn sich EXTOL als Einheit treu geblieben ist. Drei unserer Mitglieder spielen gemeinsam in Ganglión, einer gleichsam progressiven wie technisch anspruchsvollen Band, die durchaus Hardcore-orientiert ist. Das hat sich sicherlich auf die neuen EXTOL-Stücke übertragen."

Dennoch eröffnen sich durch das neue Album wohl gänzlich neue Möglichkeiten in Bezug auf eine mögliche breitere Etablierung der Norweger in verschiedenen Lagern. Geänderte Zielgrößen sind hierfür übrigens nicht verantwortlich:

"In unserer Einstellung hat sich eigentlich nicht viel geändert. Doch zum ersten Mal ist es uns gelungen ein Album zu erschaffen, das wohl wirklich ein breites Publikum ansprechen kann. Dieses Ziel hatten wir schon in der Vergangenheit, doch konnten wir es bislang nicht umsetzen. Dabei haben wir uns musikalisch weder verstellt noch sind wir Kompromisse eingegangen. Alle Mitglieder der Band stehen 100 Prozent hinter dem neuen Material und für mich persönlich brachte die Arbeit an den Songs höchste Befriedigung. Noch niemals zuvor war ich nach der Fertigstellung eines Albums so überzeugt und glücklich, dabei halte ich die Bälle fast immer flach. So aufgeregt wie heute war ich jedoch noch nie."

Der Stolz auf das Album ist dem Musiker anzumerken und die Begeisterung kann ich nur teilen. "Blueprint" ist ein zutiefst vielschichtiges und abwechslungsreiches Werk: "Uns war es wichtig, sowohl möglichst ausgewogene als auch verschiedenartige Songs zu schreiben. In ihrem Zusammenspiel sollten sie eine erkennbare Einheit bilden und doch sollte jeder einzelne Track seine ganz speziellen Stärken haben. Ein Großteil des Materials ist dabei erst im Studio entstanden. Anders als bei unseren früheren Veröffentlichungen haben wir unserer Kreativität noch beim Recording freien Lauf gelassen und hielten uns stets offen für neue Ideen. Wohl aus diesem Grund erscheint "Blueprint" derart ausgewogen, denn langsame, schwere, schnelle und aggressive Songs wechseln stetig miteinander. Selbst eine Ballade findet sich und nicht einmal die fällt aus dem musikalischen Rahmen, trotz ihrer ganz sanften Züge. Darüber hinaus sind wir erstmals überhaupt mit dem Sound vollends zufrieden. Das Album hat viel Energie und Spannung, was das verschiedenartige Songmaterial hervorragend zur Geltung bringt."

 
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