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My Chemical Romance

Storie von: arne, am 16.02.2005 ]

Wenn man das wilde Treiben von My Chemical Romance aus New Jersey herunterbricht, bleibt wohl schlicht und ergreifend melodischer Gitarren-Rock stehen, doch hat man als unwissender Hörer nach diesen allgemeinen Worten nicht die geringste Vorstellung davon, was einen im Fall dieser hoch explosiven Kombo erwartet.

 
MCR stehen mit ihrem zweiten Lonplayer “Three Cheers For Sweet Revenge“ zweifellos an der Schwelle zum ganz großen Durchbruch, denn der Buzz um die Jungs hält sich bereits seit ihrem 2002er "I Brought You My Bullets You Brought Me Your Love" beachtlich und unüberhörbar im Underground. Nicht grundlos vollzogen My Chemical Romance den Wechsel zum Major Reprise. Doch was ist so anders oder besonders an diesem Quintett?

Die Erklärung liegt in meinen Augen in der Tatsache begründet, dass die Band schlicht und ergreifend all das spielt, was ihr in den Sinn kommt. Nichts ist verboten und gängige Konventionen werden ein ums andere Mal über den Haufen geworfen. Freche Ideen, wilde Breaks und ein natürliches Gespür für tolle, einprägsame Melodiebögen ziehen sich als roter Faden durch die Platte, doch weist “Three Cheers...“ ein überaus facettenreiches und dynamisches Songmaterial auf. Als Hörer darf man immer wieder das Unerwartete erwarten und gerade davon lebt der Longplayer.

Viel Emotion, rauer Punk-Rock, auch ein wenig Tradi-Metal, Screamo-Parts, Post-HC-Sequezen und noch vielerlei andere Elemente bilden in Summe eine überzeugende Einheit, die im kleinsten gemeinsamen Nenner besagter melodischer Gitarrenrock ist.

Auf der Anfang Februar absolvierten ersten Euro-Tour von My Chemical Romance ließ ich mir die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Gitarrist Ray nicht entgehen, der sich als überaus sympathischer Interviewpartner darstellte, der gleichfalls überaus becsheiden ist, trotz des anhaltenden Erfolges der Band:

„Ja, es scheint tatsächlich einen guten Buzz um uns zu geben und wir können es noch immer nicht glauben. Vor etwas eineinhalb Jahren fingen Leute im Underground an, über uns zu sprechen und unseren Namen zu verbreiten, warum auch immer. Das brachte uns schnell Beachtung bei vielen Kids und schließlich auch bei der Musikindustrie. Alle scheinen von uns begeistert und als Band sind wir unglaublich schnell gewachsen. Davon sind wir noch immer überrascht und für uns erfüllt sich ein Traum nach dem anderen. Etwa jetzt diese Europa-Tour, davon haben wir noch vor Monaten nicht einmal zu träumen gewagt und heute spielen wir hier, die Kids kommen zu unseren Shows und singen sogar unsere Songs. Das ist fantastisch. Gerade diese ersten Deutschland-Gigs haben mich stark an die ersten Show zu Hause in den Staaten erinnert, denn die Begeisterung der Kids und die Energie auf den Shows ist durchaus vergleichbar.“

Den Sprung über den großen Teich wollten My Chemical Romance so schnell wie möglich nehmen und pünktlich zum VÖ-Termin von “Three Cheers For Sweet Revenge“ waren sie auch da, das Material sogleich auch live vorzustellen:

„Europa ist uns sehr wichtig. Im April werden wir zunächst einige UK-Shows spielen, bevor wir dann für die Sommer-Festivals zurück kommen. Im Herbst wird es dann wohl schon die nächste Club-Tour von uns geben. Wir lieben es, live zu spielen und wollen unseren Namen in der ganzen Welt verbreiten, nicht allein bei uns in den Staaten.“

Gerade mit dem Zweitwerk starten MCR so richtig durch, denn auch die Band zeigt sich angesichts einer fast perfekten Platte überaus motiviert: „Das neue Album repräsentiert uns als Band deutlich besser als noch das Debüt. Das hat jedoch nachvollziehbare Gründe. Frank, unserer anderer Gitarrist, war gerade mal einige Wochen in der Band, als wir die Songs aufgenommen haben und hatte keinen Einfluss auf das Material. Danach gingen wir jedoch sofort eineinhalb Jahre auf Tour und sind als familiäre Einheit zusammen gewachsen, die nun gemeinsam das neue Album eingespielt haben. Das spiegelt sich vor allem in der strafferen Anlage der Songs wider, denke ich.“

Die musikalische Entwicklung der Jungs ist un


bersehbar, doch das ist einem ganz natürlichen Prozess gecshuldet: „Als das Debüt entstand, waren wir noch eine neue Band, die sich erst noch finden musste, und die sich noch keine Sporen verdient hatte. Erst mit der Zeit fanden wir unseren Weg und das spiegelt sich nun auf der zweiten Platte wider. Alles fühlt sich einfach richtig an und unser Anliegen war vor allem gute Songs zu schreiben. Das ist uns auch gelungen, denke ich. Auf dem Debüt wollten wir vor allem cool sein und haben die Songs mitunter viel zu komplex und anspruchsvoll angelegt. Das haben wir heute hinter uns gelassen. Die Songs entwickeln sich von selbst und wir haben das Songwriting vereinfacht, wovon die Tracks heute stark profitieren.“

Der variable und oftmals unvorhersehbare Sound von My Chemical Romance basiert dabei vor allem auf den verschiedenenartigen eigenen Präferenzen der Beteiligten: „Sicherlich ist der dynamische Sound auch Ergebnis unserer Entwicklung, aber unsere verschiedenen Vorlieben sind wohl der Hauptgrund. Jeder hat seinen eigenen Background und diesen darf jedes Mitglied in bestimmten Momenten ausleben und in den Vordergrund stellen. So entstehen abwechslungsreiche Stücke und ein bewegter Songfluss.“

Das korrespondiert zudem mit dem Eigenverständnis, das MCR an den Tag legen: „Einer der Gründe, warum wir die Band gründeten, war der Wunsch, unsere Gefühle und Empfindungen in die Welt hinaus zu tragen. Darum geht es schließlich, wenn man kreativ ist, man lässt seinen Emotionen freien Lauf. Gerade live entwickelt sich das sehr intensiv und jedes Mal erinnert man sich an Stimmung, in der man diesen Track geschrieben hat.“

Wie es nach diesem Statement fast zu erwarten war, fühlt sich Ray vor allem bei der Songerstellung gefordert: „Herausfordernd ist für mich persönlich wirklich vor allem der Wrintigprozess und das Umsetzen der Ideen im Studio. Wenn man einen Song von der ersten Idee bis zum fertigen Stück verfolgt, ist das schon ein tolles Gefühl. Andererseits ist das kaum mit Liveauftritten vergleichbar, die ganz andere Emotionen ansprechen. Oft lasse ich mich auf der Bühne gehen und ändere einzelne Passagen on stage, um andere Emotionen zu erzeugen. Das bewahrt einen auch davor, irgendwann einmal das Interesse und die Konzentration zu verlieren. Die Songs haben so ihr ganz eigenes Leben und bleiben frisch. Nur dann können sie auch explosiv wirken und die Kids überzeugen.“

Dabei geben My Chemical Romance längst nicht alle Stücke ihrer Karriere auch live zum Besten: „Wir spielen alle Tracks der neuen Platte auch live und das ist fantastisch. Vom Debüt wählen wir heute nur noch ganz wenige Stücke, denn mit dem Material sind wir heute unzufrieden, doch an der zweiten Scheibe habe ich nichts auszusetzen. Gerade das erfüllt mich mit stolz.“ Erwartungsgemäß ist der Rest von 2005 durch einen enormen Tourmarathon geprägt: „Das wird bis Dezember gehen und voraussichtlich im Januar 2006 werden wir dann wieder ins Studio gehen, wenn wir bis dahin genug neues Material geschrieben haben.“

Bis dahin werden die Jungs noch Unmengen an neuen Fans gewonnen haben und selbst die oftmals so lautstarke Szene-Polizei äußerte kaum Kritik am Signing der Jungs auf einem Major: „Jeden Tag bekommen wir neue Fans und ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sicht. Sicherlich gab es einige kritische Stimmen, als wir auf einem Major signten, aber die Mehrheit unserer Fans steht nach wie vor zu uns und kommt nach wie vor zu unseren Konzerten. Wenn eine Band wächst, kann sie nicht ewig auf einem Indie-Level beschränkt bleiben und das haben die meisten verstanden. Wir haben uns natürlich weiter entwickelt und das können die Leute nachvollziehen und genau deshalb stehen sie nach wie vor zu uns.“ Word.

 
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