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Barcode

Storie von: arne, am 04.03.2002 ]

Die dänischen BARCODE melden mit ihrem inzwischen dritten Album "Hardcore" in der europäischen Szene eindrucksvoll zurück. Nach wie vor heißt die Heimat des Quintetts Hardboiled/Diehard und noch immer dürfte die Band aus Aarhus für so manche Kontroverse sorgen.

 
Textlich liegt die Band manches Mal jenseits des guten Geschmacks, aber bei einer Band, die sich selbst nicht unbedingt ernst nimmt, muss das vielleicht so sein. Die Dänen provozieren bewusst und nehmen dabei sowohl positive als auch negative Reaktionen in Kauf.

Musikalisch bietet das Album, was der Titel verspricht: "Hardcore"! Um die Platteninfo zu zitieren "hat es niemals zuvor eine Band geschafft derart brutale Energie in 16 Songs/31 Minuten zu packen." Die Jungs tragen also dick auf, aber Selbstbewusstsein muss man an den Tag legen, wenn man es zu etwas bringen will. BARCODE haben ihren New York-Hardcore-Stil inzwischen weitestgehend perfektioniert. Direkt, schnell und unglaublich druckvoll ballern die Songs aus den Boxen und auch die Produktion weist keine Schwächen auf. Die Wechsel an Bass und Schlagzeug scheinen den Dänen gut bekommen zu sein, denn "Hardcore" wirkt deutlich reifer als das '99er "Beerserk"! Nach dem '97er Debut "Hard Jet Super Flash" haben sich BARCODE über die Jahre hinweg wirklich zu einer schlagkräftigen Einheit entwickelt.

Im Interview mit Gitarrist Panter galt meine erste Frage dem plakativen Titel des neuen Albums: "Der Titel ist reine Provokation! Es scheint immer, als habe jede Band (und auch jedes Underground Magazine) seine eigene Definition des "true Hardcore" patentiert. Wir wollen einfach sagen: "fuck you - this is hardcore!" Natürlich rechnen wir damit, dass einige Leute wieder umgehend über uns herziehen werden und uns erklären wollen, dass wir nicht "true Hardcore" seien, da einige von uns aus der Metal-Szene kommen und nicht Straight Edge sind und bla bla bla... Es ist schon witzig, wie verschieden die Leute auf den Titel reagieren. Natürlich spielen wir Hardcore und das ist UNSERE Definition von Hardcore. Ob man unserer Sichtweise zustimmt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden."

Diese Definition weist aber doch deutliche MADBALL- Parallelen auf: "Ja, ihren großen Einfluss auf unseren Sound kann man sicher nicht verneinen, aber wer wurde nicht von ihnen beeinflusst!? Madball is the coolest shit! Stellenweise klingen wir wirklich stark nach ihnen, aber andererseits klingen BARCODE auch wieder völlig anders. Wir spielen unser Verständnis des Hardcore und das mit eigenem Sound. Zudem spielen wir auch Sachen, die bisher keine andere Hardcore-Band gespielt hat (vielleicht werden sie es ja bald tun, wenn sie unser neues Album gehört haben...hehe...!?)" Wer jetzt wissen, will, was der Panter damit meint, muss es selbst heraus finden. Mir ist das nicht klar, denn die Platte überzeugt in meinen Augen gerade durch seinen trockenen New York-Sound, der inzwischen ja auch nicht mehr der neueste ist.

Mit der Band aus dem Big Apple verbindet die Dänen übrigens noch viel mehr: "Unsere erste große Tour spielten wir mit Madball; 20 Gigs quer durch Europa. Das gab uns die Chance den Massen auch eine andere Seite des europäischen Hardcore zu zeigen - den Aarhus-BARCODE-Hardcore. Für uns war das eine große Erfahrung. Auf diese Tour sind wir relativ kurzfristig anstelle der schwedischen Misconduct gebucht worden, die in letzter Minute cancelten. M.A.D. (Berliner Booking Agentur in Sachen Hardcore) suchten nach einer Band, die einspringen konnte und unser Hardboiled-Boss Andreas sagte: "BARCODE is going for it!" Das taten wir dann auch und mit M.A.D. arbeiten wir seitdem noch immer zusammen. Dann verließ unser Bassist Tøddel die Band und wir mussten schnell Ersatz finden, denn wir hatten einige Shows mit Skarhead vor uns; inklusive Onno Cromag´s Hardcore Party in Eindhoven, Holland. Auch wenn es eigentlich eine Mini-Tour werden sollte, spielten wir letztendlich nur drei Shows mit Skarhead. Wir hatten zusammen eine gute Zeit und weder Skarhead noch BARCODE werden diese drei Tage jemals vergessen. Es war eine heftige Party."

> Einer dieser Auftritte fand hier im Berliner Wild At Heart statt und damals sah ich die Dänen erstmalig live. Die Band aus Aarhus setzt live all das problemlos um, was die Platten bieten. Das ist gut, denn so weiß man, was einen erwartet. Es gibt keine spektakuläre Show, aber dafür jede Menge direkten, schnellen Hardcore und gute Laune obendrauf. Auch die neu besetzten Positionen an Bass und den Drums konnten auf der diesjährigen Tour einen gelungenen Einstand feiern. Dennoch interessierte mich, warum die Wechsel nötig waren: "Tøddel (Bass) verließ die Band um sich auf sein Studium zu konzentrieren. Mit dem Ersatz auf der Skarhead-Tour kamen wir menschlich nicht aus und er flog wieder. Unser Drummer Ralle wollte dann nicht weiter trommeln und verließ ebenfalls nach den Skarhead-Gigs die Band. Es hat eigentlich zu lange gedauert richtigen Ersatz zu finden, doch Dänemark ist ein kleines Land und es ist schwer gute Leute zu finden, die diese Musik spielen wollen und können. Als neuen Basser verpflichteten wir schließlich Snik 1 (Mikael), einen Freund von Jay, mit dem er bereits in der Metal-Band HateSphere gespielt hatte. Kurzzeitig hatten wir einen verrückten Drummer namens Mordor, mit dem wir einige Shows in Dänemark und schließlich auch 2000 das Full Force Festival spielten. Das war unsere bisher größte Show, wenn auch nicht die beste. Snik 1 war noch vom Vortag sturzbetrunken und nichts funktionierte. Die Menge liebte es trotzdem. Mordor verließ dann die Band und wir fanden nach einer Weile mit Snik 2 (Michael) den perfekten Drummer für BARCODE. Er spielte zuvor in der Metal-Band, mit der wir uns den Proberaum teilten. Eines Tages fragten wir ihn einfach, ob er mit uns spielen wolle und das hat sofort bestens funktioniert. Heute stehen wir also mit der bisher festesten Besetzung der Band hier!"

...und eben in diesem neuen Line-Up spielte man das Drittwerk ein, das die Band vollends überzeugt: "Es klingt genau so, wie es klingen sollte! Die Songs sind noch besser und auch das Gitarrenspiel und Butch's Vocals klingen um Längen besser. Es ist einfach hardhitting und catchy. Eigentlich wollten wir das Album im Big Blue Meanie von Roger Miret mischen lassen, aber dafür reichte das Budget leider nicht mehr. Dennoch sind wir mit dem Album sehr zufrieden. Wir nahmen im neuen Antfarm-Studio in unserer Heimatstadt auf, das von Tue Madsen, dem Grope-Gitarristen, betrieben wird. Im Feedback haben wir es dann mischen lassen. Zu guter Letzt haben wir das fertige Album dann im schwedischen Cutting Room mastern lassen und die haben Unglaubliches geleistet. Wir haben unsere eigenen Erwartungen um Längen übertroffen und denken, die Hardcore-Szene braucht eben ein solches Album." Spielt in diesen Zusammenhang das bereits zitierte "niemals zuvor hat es eine Band geschafft derart brutale Energie in 16 Songs/31 Minuten zu packen"?

"Natürlich ist das vor allem ein Verkaufsspruch, aber man kann schließlich nicht immer sagen: "Wir wissen zwar, dass wir nicht so gut sind wie... aber wir haben trotzdem unser Bestes gegeben. Bitte hört unser Album; vielleicht gefällt es euch." Man braucht auch Selbstvertrauen und wir glauben ein Killer-Album geschaffen zu haben." ...und das haben sie wirklich, denn "Hardcore" pumpt ohne Ende und ist eine runde Sache!

In ihrem Eigenverständnis sehen sich BARCODE übrigens nicht als Tough Guy-Band: "Wir sind noch immer eine Fun-Band, auch wenn wir uns inzwischen ein wenig ernster nehmen, haha. Vielleicht haben wir eine leicht gewalttätige Grundhaltung, denn unsere Musik schlägt hart zu, unsere Texte sind kontrovers (zumindestens für einige) und vielleicht sehen wir auch auf unseren Photos wie Tough Guys aus!? Wir sind aber keinesfalls auf der Straße aufgewachsen und auch nicht mit Gang Wars usw..."

Des Panters letzte Worte: "Stay HC!"
 
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