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Agnostic Front

Storie von: arne, am 07.12.2004 ]

Natürlich ist es kein Zufall, dass "Another Voice", der neueste Longplayer der New Yorker Hardcore-Urgesteine AGNOSTIC FRONT, unweigerlich an deren ’92er Roadrunner-Werk “One Voice“ denken lässt. Dieser intuitive Rückschluss ist vom New Yorker Quintett beabsichtigt und gibt in bezug auf den Nuclear Blast- Einstand der Band die Richtung vor.

 
AGNOSTIC FRONT schauen auf die eigene Vergangenheit zurück und setzen wieder stärker auf harten Metal. Da verwundert es kaum, dass wiederum die einst so produktive Achse Henderson-Miret für das Songwriting verantwortlich zeichnet. Matt Henderson ist jedoch nicht in die Reihen der Band zurück gekehrt, war lediglich an der Erstellung des Longplayers beteiligt.

"Another Voice" steht darüber hinaus auch für das Zusammentreffen verschiedener Hardcore-Generationen. Die “Godfather of Hardcore“ haben mit Karl Buechner (Earth Crisis/Freya), Scott Vogel (Buried Alive/Terror) und Jamey Jasta (Hatebreed) drei der populärsten Fronter im modernen Hardcore als Gastshouter auf der Platte und Jamey fungiert zudem als Produzent von "Another Voice".

Nach den drei Platten für Epitaph starten AGNOSTIC FRONT neu durch, ohne natürlich die eigene Aussage zu verändern. Allein der musikalische Soundtrack zeigt sich gewandelt. Die NY-HC-Veteranen präsentieren sich von Beginn an zwingender und zielstrebiger als auf dem eher belanglosen Vorgänger "Dead Yuppies". Die Strukturen verbleiben natürlich jederzeit vorhersehbar, doch sind AF mit gutem Druck und ordentlich Wut im Bauch unterwegs. Davon lässt man sich unweigerlich mitreißen, auch wenn man, wie ich, eigentlich schon längst mit AGNOSTIC FRONT abgeschlossen hatte.

Miret startet mit "im not in this fight alone - still in your face - still fucking here - to my last dying breath" und holt in der Folge zum Rundumschlag gegen alles und jeden aus. Natürlich sind die Lyrics einmal mehr klischeebeladen durch und durch (etwa 'Hardcore! (The Definition)' - 'It's For life' oder 'Pride, Faith Respect'), aber die New Yorker verstehen Hardcore von jeher als Lebenseinstellung bzw. –maxime, die sie tagtäglich leben und überaus ernst nehmen. AGNOSTIC FRONT stehen von jeher für einen "realen" Working Class-Hardcore mit Oi!-Elementen und das ändert sich auch mit "Another Voice" kein Stück. In der direkten Szene-Orientierung sind heute auch “Poser-Bands“ ein "Feindbild", doch sonst ist eigentlich alles beim Alten. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht, wie mir Roger Miret am Telefon erzählte:

„Im Prinzip steht Jamey Jasta als große Idee hinter der Platte. Er ist gewissermaßen das sechste Bandmitglied und ohne ihn würde das Album wohl nicht existieren. “One Voice“ ist eine seiner absoluten Lieblingsplatten, was er auch oft in Interviews äußert. Wir kennen ihn schon ewig und er gehört seit Jahren zu unserer Crew. Wir haben etwa schon vor Jahren auf der Party seines 16ten Geburtstages gespielt. Wie wir auch hat er sein Leben dem Hardcore gewidmet und das war von Beginn an unsere Verbindung.


AGNOSTIC FRONT und Hatebreed waren schon oft gemeinsam auf Tour und auf einer dieser haben wir die Idee der Platte geboren. Es war eine natürliche Wahl mit ihm ins Studio zu gehen.“

Doch auch Line-Up-Änderungen wirkten sich auf den AF-Sound aus:

„Das begann im Prinzip 1997, als wir uns nach dem Split im klassischen Line-Up neu formierten, mit dem AGNOSTIC FRONT bereits zwischen 1983 und 1985 bestanden hatte. Es war nicht verwunderlich, dass wir allein “Victim In Pain“ im Kopf hatten, denn für diesen Stil stand das Line-Up. Das konnten wir am besten und so klangen auch die neuen Songs der Epitaph-Platten. Anfang 2003 fingen wir dann nach dem Ausstieg von Jimmy und Rob auch wieder Songs an Songs von “One Voice“ zu spielen und mit den neuen Mitgliedern klappte das richtig gut. Das fühlte sich natürlich und heavy an und in dieser Richtung haben wir dann weiter gearbeitet.“

Als das Songwriting für "Another Voice" begann, stand außer Frage, dass Matt Henderson wieder mit einbezogen wurde, der sich nach wie vor im Umfeld der Band bewegt. Obwohl die New Yorker die Vorreiter des Hardcore sind, waren sie kommerziell doch nie so erfolgreich wie viele moderne Vertreter, die in kurzer Zeit gehörig absahnen. Darum geht es AGNOSTIC FRONT jedoch sowieso nicht und Roger ist mit dem Status seiner Band vollends zufrieden:

„Ich bin von jeher lieber der König des Undergrounds als der vergessene König von gestern. Wie gesagt, es geht mir nicht um Popularität oder Geld, Hardcore ist mein Leben. Es ist eine Bewegung, deren Herz im Underground schlägt. Das ist der Platz, an den ich gehöre. Wer hoch steigt, wird noch tiefer fallen. Wir bleiben immer an der Stelle, an die wir gehören.“

Textlich wird das etwa mir „This is real. This is pure. This is what it is.” beschrieben. Die Lyrics verbleiben durchweg einfach gestrickt, aber unmissverständlich:

„Selbst wenn man die Musik ausblendet und allein auf die Lyrics fokussiert, erfasst man sofort die zentrale Aussage. Es geht um Hingabe und Aufrichtigkeit. Es geht um die Frage der Einstellung. Hardcore ist für uns eine Bewegung, unser Leben. Wir sehen Hardcore nicht nur als Musik-Szene, Hardcore bestimmt unser Leben. Wir wollen weder trendy sein, noch schnelles Geld machen, noch von allen gemocht werden. Wir teilen unsere Werte und Ansichten mit unseren Fans und darum geht es uns seit den Anfangstagen. Das hat sich bis heute nicht geändert.“

Schon im Februar werden AGNOSTIC FRONT zusammen mit Terror in Support von "Another Voice" in Europa unterwegs sein.

Wie heißt es doch in einem der Songs: „Pride, Faith, Respect – This Is What We Live For.“

 
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