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Bethlehem

Interview von: Janick Schlee mit Jürgen Bartsch, am: 03.12.2004 ]

Die Jungs von BETHLEHEM haben mit ihrem neuen Album "Mein Weg" ein bärenstarkes Teil abgeliefert, der in den verschiedenen Bereichen der düster Mucke definitiv Anklang finden wird. Der Titel ist dabei irgendwie Programm, denn die deutsche Combo zieht ihr Ding einfach gnadenlos durch und kümmert sich nicht die Bohne um irgendwelche Genrelimitierungen oder ähnliches. Sie zelebrieren ganz einfach ihren eigenen düsteren Sound! Dazu gibt es ziemlich abgefahrene Texte, ob hierfür nun spezielle Drogen vonnöten sind, wollte ich natürlich genauer wissen...

 

Musicscan: Stell dich doch mal kurz vor und dann bitte die Anderen in der Band.

Bethlehem: Mein Name ist Jürgen Bartsch, bin Bassist, Texter und der Elektroniker von Bethlehem. Steve Wolz ist der Schlagzeuger und Olaf Eckhardt der Gitarrist.

Musicscan: Stell unseren Lesern die Bandhistorie von BETHLEHEM in kurzen Zügen vor, was sollte man über die Band wissen?

Bethlehem: Wie wärs mit unserer Discography ? Auf Bios stehe ich nicht so, hab auch keine Lust nun eine zu schreiben. Alsdann...

Bethlehem Discography

Bandgründung - August 1991
Demo I -Bethlehem - *September 1992, Self production
Homevideo -Dark Metal - *May 1993, Self production
Demo II -thy pale dominion -*March 1993, Self prodcution
7" -thy pale dominion - *June/July 1993, Nightmare Records, Mönchengladbach, Germany
Deathophobia I -CD compilation - *August 1993, Force Productions, Donauwörth, Germany
CD -Dark Metal - *August 1994, Adipocere, France
7" -thy pale dominion - *May 1995, re-release, Red Stream, USA
MC -Dark Metal - *February 1996, Morbid Noize, Poland
CD -Dictius te necare - *April 1996, Red Stream, USA
CD -Gummo - O.S.T. *1997, New Line Productions/London Recs., USA
Homevideo -Gummo - *1997, New Line Productions/London Recs., USA
CD -Dark Metal - *January 1998, re-release, Red Stream, USA
CD -Sardonischer Untergang im Zeichen irreligiöser Darbietung - *March 1998, Red Stream, USA
MCD -Reflexionen aufs Sterben - *August 1998, Red Stream, USA
LP -S.U.i.Z.i.D. - (limited edition) *September 1998, Red Stream, USA
PicLP -Dictius te necare - (limited edition) *December 1998, Red Stream, USA
Homevideo -Gepriesen sei der Untergang - *April 1999, Red Stream, USA
LP -Dark Metal - *September 1999, re-release, Solid Recs./Selbstmord Services, Stockholm, Sweden
MLP -Reflexionen aufs Sterben - *December 1999, re-release, Solid Recs./Selbstmord Services, Stockholm, Sweden
7" -Profane Fetmilch lenzt elf krank - (limited edition) *December 1999, Prophecy Productions, Germany
MCD -Profane Fetmilch lenzt elf krank - *February 2000, Prophecy Productions, Germany
2CD Digi -Schatten aus der Alexander Welt -(limited edition) *August 2001, Prophecy Productions, Germany
CD -Schatten aus der Alexander Welt - *September 2001, Prophecy Productions, Germany
2CD Digi -Schatten aus der Alexander Welt -(limited edition) *September 2001, Red Stream, USA
CDRom -Suicide Radio - (special edition) *November 2002, Red Stream, USA
CD -Schatten aus der Alexander Welt - *February 2003, Iron Recs., Russia
Split 7" -Bethlehem/Wraithen -, *April 2004, Morbid Wrath, USA
7" -Alles tot -, *June 2004, Amortout Prod., Grenoble, France
2CD DVD Box -Dictius Te Necare - (special edition) *August 2004, Red Stream, USA
CD Digi -Mein Weg - *Oktober 2004, Red Stream, USA

Musicscan: Wie waren die Reaktionen auf euer neues Album "Mein Weg" bisher?

Bethlehem: Unglaublich ! Diese extrem positive Reaktion hat es vorher noch nicht gegeben und das haben wir auch gar nicht erst erwartet. Entgegen unserer eigentlich recht starken Polarisation bzgl. unserer Alben im allgemeinen, liegt das Hauptgewicht diesmal bei "Himmelhochjauchzend-in-den-siebten-Himmel-lobend". Noch niemals zuvor haben wir derart positive Reaktion auf eines unserer Alben bekommen, es ist schon nahezu beängstigend. Auch wenn dir manche von diesen Liebeserklärungen runtergehn wie Öl. Doch Bethlehem wäre nicht Bethlehem, wenns nicht auch vereinzelt noch ein paar von diesen oberflächlichen Rezensionen gäbe, die dir einfach solche oberdämlichen, unberechtigten und völlig unpassenden Vergleiche ala Rammstein, Toten Hosen, Die Ärzte etc. vor den Latz knallen und klar durchblicken lassen, daß sie sich aber auch Null mit deiner Mucke beschäftigt haben. Und somit lieber ihre peinlichen Vorlieben für Pop-Musik zum Ausdruck bringen, ´türlich immer unter dem Deckmäntelchen des "Defender of Metal" oder ähnlichem Bullshit.

Letzlich sehen wir die ganze Sache so: Ob man sich nun über Rezensionen freut oder ärgert, entscheidend ist nach wie vor, daß man das, was man sich auf die eigene Fahne geschrieben hat, selbst noch am allermeisten vertreten kann und bereit ist, dafür auch jederzeit einzustehen. Das ist das Einzige, was nach wie von Bedeutung ist. Alles andere ist blanke Makulatur und vom Prinzip auch überhaupt nicht der Rede wert. Sollen sie doch alle reden oder schreiben was sie wollen. Schließlich wäre es ja noch schöner, etwa negative Rezensionen zum Anlaß für Richtungsänderungen zu nehmen. Das käme dann diesen ganzen Widerkäuern, welche die heutige Metalszene ausmachen, gleich. Und wäre somit Hochverrat an der eigenen Sache.

Bethlehem ist und bleibt Bethlehem; liebt uns oder hasst uns, dadurch wird sich nichts für uns ändern.

Musicscan: Mit eurer Musik verfolgt ihr keinen speziellen Stil, sondern ihr macht einfach das auf was ihr Bock habt und schert euch nicht um Genres und deren Limitierungen, so zumindest mein Eindruck. Stimmt das?

Bethlehem: Genauso verhält sich das.

Musicscan: Wie würdet ihr eure Musik jemanden beschreiben, der noch nie etwas von BETHLEHEM gehört hat?

Bethlehem: Musik ist nicht zum "beschreiben" geeignet, vielmehr sollte man sie hören. Ich kann und will unsere Musik gar niemanden "beschreiben". Außerdem machen das doch schon die Damen und Herren Oberlehrer mit ihren ganzen "Expertisen". Wer sowas unbedingt braucht kann sich bei z.B. Google dermaßen mit dem guten, alten Bethlehem beschäftigen, bis ihm oder ihr die Bröckchen aus der Hirse bröseln.

Musicscan: Wie kam es dazu, dass ihr bei dem amerikanischen Label Red Stream gelandet seid?

Bethlehem: Dazu kam es 1994 nach VÖ unseres Debut-Albums -Dark Metal- auf einem französischen Label. Wir waren noch unentschlossen, was weitere VÖ´s betraf, da die Franzosen recht lahmarschig daherkamen und nicht so recht dem entsprachen, was wir uns vorgestellt hatten. Red Stream aus den USA war zu dieser Zeit noch ein recht kleines Label, sozusagen im Aufbau begriffen. Es erschien uns damals recht gemscheidig, uns zusammen mit einem Anfängerlabel gemeinsam weiterzuentwickeln, gerade wo Red Stream Inc. doch einen recht fairen und auch leidenschaftlichen Eindruck diesbezüglich machte. Wir haben diese Entscheidung niemals bereut. Wir sind immer noch sehr glücklich- und stolz darüber, diesen gemeinsamen Weg mit einem der fairsten und Bandfreundlichsten Labels in der Welt zurückgelegt zu haben. Mittlerweile verbindet uns weit mehr als nur eine bloße Partnerschaft.

Musicscan: Wie entsteht normalerweise ein BETHLEHEM Song?

Bethlehem: Recht zügig. Z.B. "Schatten aus der Alexander Welt" ist in recht kurzer Zeit entstanden, wir haben gerade mal fünf, sechs Proben dafür gebraucht. Wir schreiben unsere Basisideen immer recht hurtig fertig, aber "Alexanderwelt" ging auch für unsere Verhältnisse megaflott über die Bühne. Ich schmeiße dann zumeist immer ein paar Basslicks in die Runde, wir probieren ein bißchen rum und fertig ist. Großartige Überlegungen oder Konzeptionen haben bei unserem Songwriting noch niemals eine Rolle gespielt, wir spielen einfach drauflos und heraus kommt Musik direkt aus dem Herz und der Seele. Wir sind eine absolut spontane Band, definitiv keine Frickler oder so. Wir finden, daß spontane Musik immer noch am erfrischendsten klingt und auch viel ehrlicher dargeboten wird, als konstruierte Reißbrettsongs, die sich so oft an der oder der Band, Stilrichtung, Mode, was auch immer orientieren.

"Mein Weg" ist letztlich auch in nur zwölf Proben entstanden und unterlag mal wieder unserer absoluten Spielfreude, dem Spaß an der eigenen Sache. Wir lieben halt unsere Musik, machen einfach das was wir wollen und zerbrechen uns nicht wochenlang den Kopf darüber, ob dies oder jenes gut bei den Leuten ankommt oder nicht. Bethlehem steht sich selbst ehrlich gegenüber und dabei wirds auch bleiben. Selbst im Studio produziere ich nicht wochenlang an den Songs und Sounds herum, sondern bringe vielmehr meine Spontanität und Erfahrung zum Einsatz, meine wichtigste Waffe im Kampf gegen eingeschlafene Füße.

Musicscan: Was mich besonders interessiert, wie kommt man auf diese Texte? Was dient dir/euch da als Inspirationsquelle? Literatur, Kunst, Filme oder welche Art von Drogen ;-) ?

Bethlehem: Beim Texteschreiben funktionieren Drogen überhaupt nicht. Haben noch niemals funktioniert. Auch bei meinen Texten unterliegt nichts irgendwelchen Spielchen oder Verschleierungen. Die einzige Ausnahme bildet "Nexus" vom 98er -S.U.i.Z.i.D.- Album. Natürlich machen meine Texte Sinn für mich, schließlich bin ich es, der sich in den Texten widerspiegelt. Inspriation benötige ich dafür überhaupt nicht. Um mir das Geschehene, meine Visionen, mein Erlebtes begreiflich machen zu können, greife ich gerne auf metaphorische Bildergeschichten zurück, die in einer Art "Film" vor mir ablaufen, während ich diese, meine Gedanken zu Papier bringe. Nur so ist es mir möglich, mich nicht in diesem mitunter immensen Ansturm meiner facettenartigen Gedanken zu verlieren. Um eine solche Bilderflut zu Papier bringen zu wollen, müßte man schon Data´s Hände besitzen.

Es ist ein wenig wie Mathematik; ich abstrahiere diverse Kapitel meines Lebens in einfache Sätze, welche in der Summe wiederum die Kapitel ergeben und umgekehrt. Sicherlich mag eine solche Herangehensweise für viele ein Mysterium darstellen, dennoch bin ich der festen Überzeugung, daß vieles von dem schriftlich Dargebotenen eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzt und durchaus interpretierbar ist. In einer solchen Art und Weise, daß sich viele andere Menschen darin wiederfinden können (und bereits konnten) und sich ihren Anteil daran zu Nutze machen. Diese Anteile sind unterschiedlichster Natur, zum einen gereichen sie dem Suizid-Gefährdeten, zum anderen den Lebensgierigen.

Diesbezügliche Danksagungen tendierten bereits vom tiefschwarzen Blues bis weit hinauf ins gleißende Licht. Allerdings muß man diese Auseinandersetzung auch wollen und sich intensiv mit diesen Texten beschäftigen, einfach mach ich es den Leuten echt nicht. Man muß schon ein wenig Bereitschaft zum eigenen Denken besitzen, für gedankliche Grobmotoriker ist das überhaupt nichts und die sollten lieber auf alte Sodom-Texte zurückgreifen und Bethlehem auch weiterhin als Schwachsinn abtun.

Musicscan: Mir fällt spontan die Band Totenmond ein, die ihre Texte in ähnlicher Art bevorzugen, auch die Atmosphäre ist für meinen Geschmack in gewisser Weise vergleichbar. Habt ihr schon öfter diesen Vergleich gehört?

Bethlehem: Nein, noch nie. Totenmond kennen wir gar nicht. Hört sich irgendwie nach ´ner Punk- oder Gothic Band an. Keine Ahnung, normalerweise werden wir mit Linkin Park, Nina Hagen, Korn, Strapping Young Lad oder was auch immer verglichen. Wir sind aber auch schon in so manch anderem Kontext genannt worden, Rock, Pop, Soul, Neue deutsche Härte, Death-, Black-, Pille Palle Metal u.v.m.. Natürlich ist man bemüht irgendeinen Namen zu finden. Das macht die Sache greifbarer und ermöglicht es dem Rudeltier Mensch sich irgendeiner Gruppe anzuschliessen und sich darüber zu definieren. Mercedesfahrer, BMW-Fahrer, Metalfan, Popfan. Sei´s drum. Einer aus der Gattung der Schreiberlinge hat unsere Musik mal als Bethlehem´s-Musik betitelt. Ich denke, er ist der Sache sehr nahe gekommen. Im Prinzip ist das aber sowieso völlig belanglos für uns.

Musicscan: Nun zu einer Frage, die ihr bestimmt Tausend Mal gestellt bekommen habt. Wie seid ihr zu diesem doch eher "positiven" klingenden Namen für solch düstere Musik gekommen oder war es genau dieser Grund, dass es augenscheinlich nicht zusammen passt.

Bethlehem: Hört, hört... ! Da gibt es viele Theorien. Bethlehem heißt ja übersetzt so etwas wie Gegenbewegung. Wir wollten uns einfach diesem Marktgedanken widersetzen. Er würde uns in unserer schöpferischen Arbeit nur einschränken. Darum kann es einem Künstler auch eigentlich nicht gehen. Der einzige Zwang dem wir uns ergeben, ist der, unser geistiges Gut, die Gefühle die in uns wallen, über Musik und Text zu formulieren. Das "Wie", darf und kann nicht über Erwartungen der Industrie oder irgendeiner Szene fremdbestimmt sein.

Musicscan: Zu Beginn dachte ich, dass der Titel "Mein Weg" mit eurer Einstellung zusammenhängt eure Musik zu machen bis ich den "hidden-track" mit dem sehr starken Frank Sinatra Cover von "My Way" gehört habe. Was ist nun der wahre Grund: Einstellung oder eine Homage an Franky Boy?

Bethlehem: Wie wärs mal mit Harald Juhnke ? Irgendwie war der Harry pflichtiger. Mit ner Buddl Whisky in die Klinik, dann ne Ladung Pillen und ab inne Zwangsjacke auf Lebenszeit. Rente kann nicht schöner sein. Frankie kommt aber auch ganz gut und noch besser kommt Dean Martin. Der hatte immer so ein schönes Säufer-Flair in seiner Stimme. Ach so, die Frage, ja nun, macht ihr doch zur Abwechslung mal was draus. ´Fällt zwar schwer, aber anfangs fällts halt immer schwer. Das kommt schon, keine Bange. Glaubt einfach an euch.

Musicscan: Gibt es schon Tourpläne?

Bethlehem: Nee, noch nicht.

Musicscan: Gibt es noch irgendetwas, dass du unbedingt los werden willst?

Bethlehem: Nein.

 
 
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