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Aclys

Interview von: arne mit Dirk, am: 01.12.2004 ]

Aclys sind tatsächlich wieder da und legen auch einen neuen Longplayer vor! "Artefakt" gestaltet sich sehr Melodie-lastig und zugänglich, misst dennoch nicht guten Anspruch und gute Kompromisslosigkeit.

 

Musicscan: Gleich eingangs die Frage, mit welchem Selbstverständnis Ihr als Aclys aktiv seid? Seht Ihr Euch als richtige Band, oder eher als eine Art Projekt, das von Zeit zu Zeit neu bemüht wird?

Aclys: Natürlich sehen wir uns als komplette Band. Natürlich ist unser Handlungsspielraum etwas eingegrenzt, weil Denis sehr oft mit Caliban unterwegs ist. Das hat allerdings auch den Vorteil, daß wir unheimlich motiviert sind, etwas neues zu Starten, wenn wir wieder vollzählig zusammen sind.

Musicscan: Zwischen “Liedergeburt“ und jetzt “Artefakt" war nicht mehr soo viel von Euch zu hören, doch Ihr hattet Euch wohl doch nicht aufgelöst. Was haben Aclys in dieser Spanne getrieben?

Aclys: So ziemlich alles und nichts. Angefangen von langwierigen Krankheiten bis hin zu einem Uni-Abschluß war so ziemlich alles dabei. Wir waren alle irgendwo in anderen wichtigen Phasen unseres Lebens aktiv. Für mich persönlich war die Zeit vor allem davon geprägt, daß ich mit der Uni einen wichtigen Lebensabschnitt hinter mir gelassen habe. Da war erst mal die Frage: Wohin soll es gehen mir mir. Und als ein Weg gefunden war, mußte der auch noch beschritten werden. Hinzu kommt, daß unser damaliger Bassist Andreas die Band ziemlich rasch nach der Liedergeburt verlassen hat. Einen würdigen Nachfolger zu finden war gar nicht so einfach. Bis der neue Mann am Bass vollständig in die Band integriert war, ist auch noch mal ein bißchen Zeit ins Land gegangen. Und eh man es sich versieht, sind vier Jahre um...

Musicscan: Mit dem neuen Album knüpft ihr aus meiner Sicht fast nahtlos an “Liedergeburt“ an, empfindet Ihr das ähnlich?

Aclys: Ja. Viele der Songs stammen noch aus der Zeit direkt nach der Aufnahme des "Liedergeburt" Albums. Nur konnten wir aufgrund der ganzen Turbulenzen, die es zu dieser Zeit bei uns gab, nicht wirklich konzentriert dran arbeiten. Wer uns kennt, und weiß, daß wir so schon Ewigkeiten an einem Track arbeiten. Unter den Umständen damals, hat das natürlich noch länger gedauert. Darum kann man in manchen Tracks wie "Synopsis" oder "Format" viele "kassische" aclys-Parts in Kombination mit eher neuen Einflüssen hören. Dennoch ist alles aus unserer Sicht sehr homogen geworden.

Musicscan: Aclys bestehen ja schon ziemlich lange und Denis ist auch schon vor Caliban bei Aclys gewesen. Ist es nicht eigenartig, jetzt als Band mit Caliban-Mitglied „verkauft“ zu werden? Damit werdet Ihr doch quasi in eine Ecke gedrängt, die Euch nur bedingt weiterhilft, oder irre ich mich?

Aclys: Das uns das in eine Ecke drängt, bezweifle ich. Dafür ist unsere Musik zu unterschiedlich. Diejenigen, die uns schon vor vier Jahren gehört haben, kennen unsere Musik ganz genau und wissen, welche Musik sie von uns zu erwarten haben. Ich sehe den Verweis darauf, daß Denis auch bei Caliban spielt, eher als Chance, jüngere HC-Kids, die 2000 vielleicht noch nicht am Start waren, auf unsere Musik aufmerksam zu machen. Spätestens, wenn sie unsere Scheibe hören, können sie dann entscheiden, ob sie uns in die gleiche Ecke stellen wollen, oder nicht. Die Verbindung zwischen Caliban und aclys hat immer schon bestanden. Das kann man ruhig beim Namen nennen. Nur man sollte vermeiden, das ganze totzureden. Wir haben zu einer Zeit angefangen, Musik zu machen, als es noch ganz normal war, daß verschiedene Bands miteinander kooperiert haben. Damals hat ein niemanden interessiert, wenn wir mit Forced to Decay gemeinsame Sache gemacht haben.

Musicscan: Früher wurdet Ihr zumeist als düsterer New School mit krassen Schrei-Vocals beschrieben. Gefällt Euch diese Umschreibung und trifft sie in Euren Augen zu?

Aclys: Mit dem Begriff "New School" habe ich mich immer schwer getan. Frag mich nicht warum, ich fand das einfach unpassend - besonders in Kombination mit Attributen wie "düster" oder so. Witzigerweise gefällt mir das Wort "Metalcore" sehr gut. Denn es beschreibt das, was wir tun wir verwenden Elemente des Metal mit dem Anspruch HarcCore zu machen. Allerdings bezeichnet "Metalcore" mittlerweile eine bestimmte Spielart von metallischem Harcore. Das ist das Problem mit Schubladen - irgendwann sind sie halt zu.

Musicscan: Für meinen Geschmack ist der Gesang auf “Artefakt" ein Stück zu laut gesetzt, Sollte das so sein und ist Euch oder irgendwem sonst das auch als „Kritikpunkt“ aufgefallen?

Aclys: Der einzige, dems aufgefallen ist, war ich selbst. Haha! Aber das ist wohl immer so, daß man zur eigenen Stimme einen etwas anderen Bezug hat, als der Rest der Welt. Ich fand meine Stimme immer zu laut gemischt, habe mich jedoch dann vom Rest der Band überzeugen lassen, daß es nicht so ist.

Musicscan:“Artefakt" scheint von der Anlage her homogener und auch gegensätzlicher. Habt Ihr Eure Herangehensweise an das Songwriting verändert und ganz bewusst noch deutlichere Kontraste entstehen lassen wollen?

Aclys: Unsere Herangehensweise ans Songwriting ist eigentlich immer die selbe. Nur haben wir aufgrund der vielen Zwangspausen sehr viel kritischer auf das schon bestehende Material geschaut. Wie ich schon sagte: Es kann vorkommen daß die Elemente innerhalt eines einzelnen Songs gut vier Jahre auseinander liegen. Wir haben einfach die Zeit genutzt, das bestmögliche aus dem Material herauszuholen. Wenn es noch Sachen gegeben hätte, mit denen wir unzufrieden gewesen wären, hätten wir kein Problem damit gehabt, noch ein Jahr lang an den Songs rumzufeilen.

Musicscan: Das Album liefert auch leichter verdaulichere Zwischenpassagen, die es so früher nicht gab. Was hat Euch bewogen, zwischendurch auch mal relaxter zu bleiben?

Aclys: Vermutlich spielst Du auf die Verschnaufpause bei "Ex Eventu" an. Wenn man als Band bereits sieben Jahre aktiv ist, muß man einfach mal die eigene musikalische Bandbreite ausloten. Jeder von uns hat einen breit gefächerten Musikgeschmack - warum sollte man sich davon nicht mal inspirieren lassen. Außerdem macht eine Platte die durchgehend gebolzt ist, auf Dauer auch keinen Spaß. Harte Passagen oder Blastbeats ziehen ihre Aggressivität und Energie nur aus dem Gegensatz zu ruhigen Momenten. Im Übrigen haben wir solche ruhige Momente sogar schon auf unserer 7", bei "Phelgma" beispielsweise. Das ist also ganz und gar nichts neues in unserer Musik.

Musicscan: Worin besteht für Euch die größere Herausforderung, im Mid-Tempo massive Soundflächen entstehen zu lassen oder komplex und verbreakt in den Tempo-Parts aufzuspielen?

Aclys: Die größte Herausforderung sind die simplen Parts. Wir wissen, daß wir abgefahrenes Zeug spielen können. Aber auch hier gilt: Der Gegensatz macht die Spannung aus. Darum brauchen wir einfache Mid-Tempo-Parts, um den Rest unserer Musik zum Funktionieren zu bringen. Solche Parts in unsere Musik einzubauen, ohne daß sie wie Fremdkörper wirken und trotzdem ihren Zweck erfüllen, das ist die größte Herausforderung.

Musicscan:“Artefakt" ist fraglos die bislang Melodie-lastigste Aclys-Scheibe, denn so vordergründig habt Ihr auf den anderen Releases nicht darauf gesetzt. Wie kommts?

Aclys: Interessant... hm. Meiner Ansicht nach ist "Artefakt" wesentlich brutaler als die "Liedergeburt". Allerdings hast Du Recht, wenn Du damit meinst, daß auch Blastbeats mit melodischen Gitarren unterlegt sind. Wir haben nicht bewußt auf Melodie gesetzt. Aber wir haben versucht, die Songs so interessant wie möglich zu machen. Und von einem gewissen Standpunkt aus, sind Melodien einfach interessanter als stumpfes E-Geballer.

Musicscan: Welche Ansprüche hattet ihr denn selbst an eure Songs, sofern sich das in Worte fassen lässt?

Aclys: Die Frage, die sich immer stellt ist: Würde ich mir die Scheibe kaufen, wenn ich nicht in der Band wäre. Und so gesehen, ist es unser Anspruch, genau die Musik zu machen, die wir gern hören würden, die es aber so in der Form nicht gibt.

Musicscan: Sollte die Produktion von “Artefakt" so ausfallen, wie sie nun zu hören ist? In gewisser Weise ist’s ja eine traditionelle New-School-Produktion, wie man sie heute im Prinzip kaum mehr zu hören bekommt...

Aclys: Wir sind sehr zufrieden mit dem Sound der Platte. Natürlich wollten wir einen eigenen Sound - einen Sound der unserer Musik gerecht wird. Den hat unser Studiomann Arndt sehr gut getroffen. Wie gesagt mit dem Begriff New School kann ich nicht so viel anfangen. Es war definitiv nicht unser Vorhaben newschoolig zu klingen.

Musicscan: Wird es auch eine Support-Tour zur Platte gehen und inwieweit wollt Ihr mit Aclys wieder live auftreten?

Aclys: Wir werden definitiv wieder spielen. Allerdings verdienen die Jungs von Caliban ihre Brötchen mit der Musik. Da werden wir ganz sicher nicht erwarten, daß sie ihre nächste Tour für einen aclys-Gig in Buxtehude canceln. Aber wir haben richtig Lust, unsere neun Tracks auf die Bühne zu bringen. Und das werden wir, verlaßt Euch drauf.

Musicscan: Letzte Worte?

Aclys: Wir sind überwältigt, wie toll die Scheibe aufgenommen wird und deshalb wollen wir gern all denen danken, die an uns und dieses Album geglaubt haben.

 
 Links:
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