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Milligram

Storie von: arne, am 22.02.2002 ]

Boston' finest Sludgy Rock'n'Roll!

Im ersten Moment konnte ich gar nicht glauben, was für ein Album da auf dem französischen Overcome Records erschienen ist. Die Klasse der bisherigen Releases (allen voran natürlich die von Dragbody, Ananda, Nostromo, Indecision & Inside Conflict) erfährt ihre Fortsetzung mit MILLIGRAM aus Boston.

 
Orientiert man sich an den bisherigen Veröffentlichungen des Verlages, passt die Band auf den ersten Blick gar nicht so richtig in das Labelprogramm. Gemein haben alle Overcome-Platten, dass sie verdammt heavy sind und ordentlich kicken. Auch "Hello Motherfucker!" ist da natürlich keine Ausnahme. Das Kerrang-Magazine beschrieb den Sound des amerikanischen Quartetts als "A head-on collision of hardcore, punk, metal and stoner rock- done with conviction and power." Besser kann auch ich es nicht in Worte fassen. Unter Stoner-Rock verstehen die Musiker dabei das Pseudo-Come-Back des Rock'n'Roll!?!

Hinter der Band verbergen sich Musiker, die schon in ihrer Vergangenheit Aufmerksamkeit erregten. So spielte Gitarrist Darryl bei Slapshot und Roadsaw, Sänger Jonah bei Only Living Witness (zwei Alben auf Century Media) und Miltown. Die beiden anderen waren gemeinsam bei Stompbox, BlueManGroup & Chevy Heston aktiv. Zusammen musizierte man bereits unter dem Namen Cokedealer und MILLIGRAM bestehen inzwischen seit 1996, wobei man zwischen 1997 und 1999 pausierte.

Für den europäischen Markt wird "Hello Motherfucker!" auf Overcome re-released und die Vinyl- Version ist sogar exklusiv. Das Original erschien einst auf dem Bostoner Label Tortuga Recordings. Es handelt sich also um kein neues Album im herkömmlichen Sinn. Dennoch wurden alle Songs neu eingespielt. Für das Artwork des Debuts zeichnet zudem ein gewisser Aaron Turner verantwortlich, der in der Musik-Landschaft auch kein Unbekannter ist (Ja richtig, der von Hydra Head & ISIS). Neben den neun Songs der Bostoner finden sich zusätzliche Cover-Versionen großer Punk-Bands; je zwei von den Misfits und Black Flag und ein Song von Fear. Wichtig ist zu wissen, dass die Ostküstler ihre Musik mit der Intention spielen, "durch Aufrüstung zu vernichten..." Was das nun konkret heißt, wollte mir Sänger Jonah nicht näher erläutern, aber einen deutlichen Walz-Faktor haben die Songs schon. Was sie damit aber vernichten, vermag ich nicht zu sagen....

Schon der Opener 'Nipplemountain Clampdown' ist dabei charakteristisch für das gesamte Album: "Es war einer der ersten Songs, den wir zusammen mit Zeph, unserem ersten, festen Drummer schrieben. Der Song soll seinen Hörer motivieren und auch erregen. Er handelt davon, mitten in der Nacht aufzuwachen und unglaublich viel Energie in sich zu spüren..." Energie versprühen MILLIGRAM eine Menge und nicht nur mit ihrem ersten Song gelingt es der Band tatsächlich ihre Hörer zu erregen. Daran haben sowohl die reine Musik als auch der charakteristische Gesang ihren Anteil. Durch den ungeheuren Noise- bzw. Schrummel-Anteil der Musik werde zumindestens ich angestachelt, aufgeputscht oder auch motiviert meinen Energien freien Lauf zu lassen und mit meinem Hund eine Runde joggen zu gehen. Das haben bisher nicht viele Platten zu schaffen vermocht! Für mich steht der Bandname dabei in krassem Gegensatz zu dem, was die Gruppe musikalisch bietet. Derart heavy ist ein Milligramm nämlich nicht! Eine Geschichte verbirgt sich hinter der eigenen Namenswahl dennoch nicht. Die Musiker fanden den Namen einfach passend und haben sich in dieser Richtung bisher noch

keine Gedanken gemacht...

MILLIGRAM in Worte zu fassen, fällt sehr schwer, denn die Spannweite der hörbaren Einflüsse ist verdammt groß: "Grundlegend sind wir alle mit Jonathan Richman, den Stones, den Beatles, Zeppelin und Sabbath aufgewachsen. Hinzu kommt die Musik, die gewöhnlich unsere Eltern hören, aber dennoch bezug zu unserer Musik hat: Neil Diamond, Buffalo Springfield, ABBA, Charlie Daniels Band, Jefferson Airplane, Sly und Family Stone. All das verbinden wir in den neuen Songs. Wir sind in dieser Beziehung Freaks, die von dem geprägt sind, was wir erlebt haben. Die Songs stellen Reaktionen auf das dar, was wir kennen." Wer sich jetzt nicht vorstellen kann, wie die Bostoner klingen, sollte einfach ihr Album antesten! Die neun Songs von "Hello Motherfucker!" spielte die Band im März letzten Jahres erneut ein, um mit neuer Produktion einen "runderen" Kontext mit besserer Produktion zu schaffen. Dieses Ziel wurde erreicht und das "neue" Debut ist auf der einen Seite herrlich schlicht und rau; aber zugleich auch unheimlich voll und melodisch.

"Ich denke nicht, dass eine musikalische Spielart in Reinform auf uns zutrifft. Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit sind uns sehr wichtig. Die bereits genannten Einflüsse kombinieren wir und fügen zusätzlich noch viele weitere Elemente hinzu." Vielleicht wird durch diese Ausführungen klar, dass es kein leicht verdaulicher Stoff ist, den man hier zu erwarten hat. Es braucht Zeit die einzelnen Passagen nachzuvollziehen bzw. die Strukturen zu begreifen. Interessanterweise ist das Songwriting (eher) einfach gehalten, aber dennoch entwickeln MILLIGRAM unglaubliche Soundkollagen voll ungeheurer Intensität. Allein der Albumtitel stellt klar, dass die Band die volle Aufmerksamkeit ihres Hörers fordert: "Seid ruhig und hört zu!" steht hinter diesem Titel: "if you fuck with me, be prepared to get it back, full on, and by the way, fuck you."

Hört man "Hello Motherfucker!", glaubt man sich mit der Band zusammen in einem Raum; kein Scherz! Genauso sollte derart heavige Musik immer klingen! Die Nachbearbeitung der Aufnahmen wurde bis auf ein nötiges Mindestmaß reduziert und was man hört, ist pure Leidenschaft. Ich erinnere noch einmal an das Kerrang-Zitat: "A head-on collision of hardcore, punk, metal and stoner rock - done with conviction and power." Das beschreibt einfach treffend, was MILLIGRAM treiben. Die Band limitiert sich zu keinem Zeitpunkt und in naher Zukunft darf man sich auch auf das zweite Album der Band freuen.

Inzwischen sollte das Quartett die Aufnahmen von 18 neuen Songs beendet haben, denn nach Jonah wollte man bis Ende Januar alles unter Dach und Fach haben. Ziel von MILLIGRAM ist es diesmal ein noch ausgewogeneres Album zusammenzustellen. Etwas 12-13 Songs sollen den Weg auf die Veröffentlichung finden und die Musiker sind bestrebt, das "perfekte Arrangement" der Tracks zu finden. Die instrumentalen Parts sollen weiter ausgebaut sein und man darf wohl zurecht auf das Ergebnis gespannt sein.

Mit etwas Glück touren MILLIGRAM noch in diesem Jahr durch Europa, aber das ist noch nicht bestätigt. Die Chancen stehen dennoch gut!
 
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