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Good Charlotte

Storie von: arne, am 22.10.2004 ]

Klar wird es Leute geben, die Good Charlotte für "The Chronicles Of Life And Death" mehr denn je des Sell-Out's bezichtigen werden und den Jungs auch absprechen, überhaupt noch Punk zu sein, aber wen bitteschön interessiert das?

 
Die Band polarisiert das Punklager spätestens seit dem überwältigenden Erfolg des Vorgängers "The Young And The Hopeless", doch Good Charlotte haben sich selbst ja nie als Punk-Band bezeichnet bzw. als eine solche positioniert. Natürlich liegen auch die Roots des neuesten Outputs im Punk, doch limitieren sich die Jungs heute schlichtweg überhaupt nicht mehr.

Das war bereits auf dem Vorgänger so, doch nicht so augenfällig wie heute. Good Charlotte haben die Suche nach dem "perfekten" Pop-Punk-Song eindrucksvoll voran getrieben und präsentieren sich zwingender und eingängiger denn je. "The Chronicles Of Life And Death" ist allen (!!) Belangen catchy ohne Ende, gleichfalls ein zutiefst abwechslungsreiches und vielseitiges Album. Die Entwicklung nach "The Young And The Hopeless" kann man vielleicht mit der von Shelter von "Mantra" zu "Beyond Planet Earth" vergleichen. Good Charlotte leben sich auf "The Chronicles Of Life And Death" vollkommen aus und haben im Studio wohl all das in Angriff genommen, was sie schon immer versuchen wollten.

Vordergründiger Pop-Appeal ist für die Jungs ebenso unproblematisch wie schlichtweg pompöse Arrangements mit Keyboard und Streichern. Gut so, die Songs profitieren davon ungemein!! Überhaupt präsentieren sich die Musiker um ein Vielfaches reifer und kreativer als in der Vergangenheit. In kleinem Ausmaß klingen die Stücke episch.

Überproduziert wirken Good Charlotte übrigens nicht, vielmehr schlichtweg erwachsener und einfach besser. Durch die Integration diverser 80er Elemente entsteht ein gewisser "dunklerer" Touch und hier und da scheinen The Cure Einfluss auf die Jungs ausgeübt zu haben. Catchigen Pop-Punk kann man kaum besser vortragen, "The Chronicles Of Life And Death" ist mit die beste Scheibe im Segment, die dieses Jahr heraus kam.

Im Rahmen der Popkomm hatte ich Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Joel und Benji, und traf auf zwei nette, wenn auch unausgeschlafene und gerade frühstückende Musiker. Zunächst interessierte mich, in welchem Ausmaß Good Charlotte auf Sony Freiheit für eigene Entscheidungen haben. Einen Beitrag zum zweiten “Rock Against Bush“ Sampler war der Band etwa gerüchteweise untersagt worden, was für die Musiker aber kein großes Problem darstellt, weil sie sich selbst eh nicht als politische Band verstehen: „Natürlich wollen wir möglichst viel Kontrolle über alle Belange der Band haben. In einer Zusammenarbeit kann man sich ja arrangieren. Sony akzeptiert in der Regel unsere Standpunkte und beide Seiten sind zufrieden. Anders ginge es auch nicht und das war ein Lernprozess. Anfangs wussten sie nicht so richtig wie sie mit einer Band wie der unseren umgehen mussten, denn sie hatten vorher nichts vergleichbares. Sachen wie die Warped Tour oder andere haben sie vorher nicht ernst genommen, aber wir haben darauf Wert gelegt und sie haben uns dabei unterstützt. Beide Seiten haben gelernt.“

Probleme gab es eher mit der Punk-Kategorie und verständnislosen Fans bzw. Neidern: „Es geht uns nicht darum zu beweisen, wie sehr Punk wir sind. Wir schreiben poppige Songs und vielleicht ist ein Album auch mal härter, aber wir machen eben das, wonach uns ist. Die Punk-Szene brauchte lange, uns zu akzeptieren, weil wir uns nicht einem Schema unterordneten. Auch heute noch gibt es Leute, die uns ablehnen, aber das ist okay f


r uns. Wir haben nie behauptet, eine Underground-Punk-Band zu sein und sind auch nicht mit dem Anspruch aufgetreten, die größte Rock-Band zu sein. Wir sind Good Charlotte und das ist es.“

Gerade mit "The Chronicles Of Life And Death" setzt sich das fort, denn die Band hat ihr Soundbild wieder verändert: „Wir wollten einfach mal mit Piano, Streichern und vielen cleanen Vocals arbeiten, also haben wir es getan. Wir schreiben die Platten schließlich für uns und auch die Fans profitieren stark davon, wenn eine Band mit dem, was sie tut, glücklich ist und voll dahinter steht. Wir respektieren jeden Fan und hoffen, dass es auch in unsere entgegengebracht wird.“

Neben Respekt erfahren Good Charlotte auch eine Menge Aufmerksamkeit durch ihre starke Medienpräsenz und Popularität und der Umgang mit der Öffentlichkeit ist ja nicht jeder Band von Haus aus gegeben: „Das ist etwas, dass man irgendwann unweigerlich akzeptiert, weil man sich dagegen eh nicht wehren kann. Man muss aber lernen, damit umzugehen und für sich zu akzeptieren. Lange Zeit lang haben wir das vereint, wir fühlten uns nicht populär. Heute gehen wir sehr offen mit unseren Fans um und ich genieße lange Diskussionen mit unseren Fans und Gegnern, die auf mich zukommen. Der Kontakt zu Fans ist für eine Band ebenso wichtig wie gute Songs zu schreiben, denke ich.“

In bezug auf Good Charlotte fällt auf, dass ihre Fans vom Alter her recht jung sind, was angesichts des doch schon „harten“ Punk-Sounds schon verwundert: „Da gibt es eigentlich zwei entgegengesetzte Extreme. Auf der einen Seiten stehen die ganz jungen und auf der anderen die College-Kids. Ab zwölf Jahren an haben wir in nahezu allen Altersgruppen Fans. Im Mittel sind unsere Fans zwischen 15 und 17, denke ich. Das ist die Phase im Leben, in der viele Veränderungen vor sich gehen, man wird erwachsen und Teenager haben eine harte Zeit, stehen vor ganz neuen Herausforderungen und Entscheidungen. Wir scheinen sowohl musikalisch als auch textlich Orientierung und Hilfe zu geben und deshalb können sich die Kids mit uns identifizieren. Der positive Ausblick in den Texten ist uns deshalb wichtig, denn es ist ein Zeichen von Hoffnung.“

Das ist ein witziger Gegensatz zum etwas dunkleren Soundbild, das die neue Platte mitbringt: „Bei der Arbeit am Album haben wir viel The Cure, Depeche Mode, Duran Duran und anderen 80ies Stuff gehört, was sich natürlich auf unseren Sound ausgewirkt hat. Diese Gruppen sind sowohl poppig als auch dunkel und so sind wir heute auch. Die Arrangements sind breiter gefasst, in gewisser Weise auch pompös. Wir sind froh, solche weite Songs geschaffen zu haben, die derart dynamisch kommen. Die Basis ist nach wie vor unverkennbar Good Charlotte, aber daneben haben wir all das ausprobiert, was wir schon immer mit auf Platte haben wollten, Cello, Akustik-Gitarren undundund.“

Doch auch bei den Lyrics hat es eine Verschiebung gegeben: „Mit der neuen Platte wollten wir vor allem die Fragen unserer Fans beantworten, also, wie wir uns weiterentwickelt haben, wie wir als Band heute zusammenstehen und wie wir uns heute fühlen. Auch wer wir eigentlich als Leute sind. Lange Zeit lang haben wir unseren persönlichen Bereich komplett aus der Öffentlichkeit heraus gehalten und diesmal öffnen wir uns für unsere Fans. Das ist ein weiterer Unterschied der Platte.“

 
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