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The Haunted

Storie von: arne, am 20.10.2004 ]

“rEVOLVEr“ markiert nicht allein den neuen, vierten, Longplayer der schwedischen Thrash-Granate THE HAUNTED; das Album steht zugleich auch für einen Neuanfang. Das Quintett hat den „At The Gates plus drei Deal“ mit Earache endlich hinter sich gelassen und konnte frei von allen Zwängen auf Labelsuche gehen.

 
Century Media hat letztlich den Zuschlag erhalten und steht nun als gewichtiger Support im Rücken der Band. Diese dankt es mit einem schlichtweg beeindruckenden Longplayer, der wahrlich keine Wünsche offen lässt. Neben dem gewohnt harten Thrash zwischen Dark Angel und Slayer zeigen sich THE HAUNTED heute um ein Vielfaches abwechslungsreicher und experimenteller angelegt. So gibt es auch atmosphärische Passagen mit fast schon epischem Charakter und viele tolle Feinheiten im Rahmenprogramm der elf Songs. Ein ungemeiner Zugewinn ist darüber hinaus die Rückkehr von Frontmann Peter Dolving, der einst schon am selbstbetitelten Debüt der Band beteiligt war.

Sein breites Repertoire korrespondiert phantastisch mit dem offeneren, modernen Anspruch des Quintetts, kann er doch ebenso überzeugend screamen wie auch clean singen. Die Vocals auf “rEVOLVEr“ erklingen so in zuvor unerreichter Variabilität und Ausdruckskraft und gleiches gilt auch für die Musik. Mit dem Viertwerk bekommt man ein zutiefst bösartiges, aber gleichfalls hoch intelligentes Metal- Album, das zwar unüberhörbar auf extremen Thrash-Roots basiert, gleichfalls haben auch einen Hang zu modernen Sounds mitbringt und damit verschiedenste Heavy-Fan-Lager ansprechen dürfte.

Neue Motivation

Zu Beginn meines Interviews mit Bassist Jonas Björler, bat ich den Musiker, einige Worte zum Wechsel von Earache zu Century Media zu verlieren: „Wir sind über den Century Media- Deal mehr als glücklich, schauen allein positiv in unsere Zukunft und haben hohe Erwartungen an unsere weitere Entwicklung. Zu Earache will ich nicht mehr viel sagen, denn das Kapitel ist für uns endlich beendet. Mit ihrem Geschäftsgebaren und ihrer Behandlung der Bands waren wir in jedem Fall unzufrieden, aber unser Standpunkt ist bekannt. Century Media hat uns schlicht und einfach ein Angebot unterbreitet, das wir nicht ablehnen konnten. Darüber hinaus haben sie großes Potenzial im Vertrieb, durchdachte Marketingpläne und gesicherte Liquidität. Im Grund eist alles besser als bei Earache.“

Der jahrelange Frust ist heute zugunsten großer Zuversicht gewichen und THE HAUNTED wollen jetzt erst so richtig durchstarten: „Wir sind eigentlich immer hoch konzentriert und motiviert und gerade seit 2000 fokussieren alle Mitglieder gleichermaßen stark auf die Band und unsere Musik. Vielleicht fiel es uns ein wenig schwer uns nach dem Live-Album auf eine weitere Earache-Platte einzustellen, aber das ist Geschichte. “rEVOLVEr“ ist für uns ein frischer Neustart, gerade mit dem neuen Deal im Rücken, und das pusht natürlich zusätzlich.“

Da wundert es kaum, dass sich die Arbeit flüssig und effizient gestaltete: „Wir haben uns gar nicht so viel Zeit mit der Arbeit am Album gelassen. Es waren gerade mal 4-5 Monate, in denen wir die Songs geschrieben und geprobt haben. Aufnehmen und Mixen brauchte weitere zwei und nach gerade mal einem halben Jahr war das Album komplett fertig. Der Arbeitsprozess gestaltete sich sehr relaxt. Der einzige Rückschlag war Dolving’s Lungenentzündung gerade zu dem Zeitpunkt, als wir die Vocals aufnehmen wollten. Daneben gab es keinerlei Probleme.“

Idealbesetzung

Mit Peter Dolving ist der erste THE HAUNTED Shouter ins Line-Up zurück gekehrt, was unweigerlich einer Nachfrage bedurfte: „Das ist keine große Geschichte, Peter war der erste, der uns als Ersatz für Marco in den Sinn kam und glücklicherweise akzeptierte er auch sofort. Im jetzigen Line-Up fühlen wir uns sehr wohl und hoffentlich bleiben wir zukünftig von neuerlichen Änderungen verschont.“ Das bleibst nur zu hoffen, denn das Quintett blickt schon auf etliche Wechsel zurück, hat in der jetzigen Formation aber definitiv eine Idealbesetzung gefunden. Dessen sind sich die Schweden auch bewusst und vor der Arbeit am Album hatten sie sich selbst große Ziele gesetzt, die sie scheinbar spielerisch umsetzten:

„Eines unsere Ziele für “rEVOLVEr“ war es, eine deutliche Weiterentwicklung zu dokumentieren, also keinesfalls zu stagnieren. Ein zweites “One Kill Wonder“ will wohl niemand hören, das wäre allein langweilig. So haben wir uns entschlossen, weitere musikalische Grenzen hinter uns zu lassen.“

Das tun THE HAUNTED eindrucksvoll, denn offener und variabler gestaltete sich ihr wilder Thrash-Sound noch nie. Neben einem ausgeweiteten Anteil an experimentellen Zwischenparts passen Musik und Vocals heute viel besser zusammen bzw. wirken in ihrem Gegenspiel hoch effizient. Alles scheint schlichtweg besser aufeinander abgestimmt und so multipliziert sich unweigerlich die Wirkung der Stücke: „Genau, das sehe ich ebenso. Der entscheidende


Grund dafür ist, dass unser Shouter diesmal stärker als bei den vergangenen Platten am Songwriting beteiligt war. Das lag natürlich auch daran, dass Marco sechs Stunden von uns entfernt in Stockholm lebte und nicht so oft mit uns proben konnte. Dolving ist nun fast immer dabei und das zahlt sich aus.“

Dennoch vollzieht sich die moderne Öffnung des harten Thrash-Metals allein intuitiv natürlich und wird von den Musikern nicht erzwungen. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Sound ungezwungen und nachhaltig bleibt, was “rEVOLVEr“ fraglos ist.

Offener Thrash-Metal

Jonas selbst hat einen ganz bescheidenen Anspruch an das eigene kreative Schaffen: „Ich persönlich will nichts anderes als brutalen und aggressiven Metal spielen und das ist schon seit 1986 so, als ich zum ersten Mal Slayer gehört habe.“ Das klappt denkbar gut, denn THE HAUNTED werden seit Jahren als würdiger Slayer- Erbe gehandelt, wenn sie denn einmal abtreten. Gerade im Thrash-Sektor ist der Status der fünf Schweden inzwischen legendär. Das Gitarren-Duo Jensen und Anders Björler gilt als eines der begnadetsten im Sektor, doch Jonas bleibt realistisch:

„Ich kann dir nicht sagen, ob wir bessere Musiker als andere sind. In jedem Fall haben wir aber gute Songs und spielen tighten Metal.“ In jedem Fall, doch haben sich THE HAUNTED auch sehr schnell einen markanten, eigenen Stil zugelegt, was der Bassist jedoch relativiert:

„In der heutigen Zeit ist nahezu unmöglich als Band einen eigenen Sound zu haben. Es gibt schlichtweg zu viele Bands, die auf gleichen oder ähnlichen Einflüssen basieren. Dennoch kann man sich als Band, so wie wir mit THE HAUNTED, noch immer aus der breiten Masse absetzen und darüber bin ich sehr froh. Ein wiedererkennbarer Sound bildet sich dabei erst mit der Zeit heraus und man muss gewisse „Regeln“ beachten. Als Metal-Band darf man sich beispielsweise nicht allein von anderen Metal-Gruppen beeinflussen lassen, denke ich. Es gibt so viel tolle Musik in der Welt, die entdeckt werden will und von der man inspiriert werden kann. Als Band darf man sich keinesfalls ausschließlich auf Metal limitieren. Mich selbst spricht vor allem die Musik der 60er und 70er Jahre an, aber ich höre alles von Klassik über Progressive bis hin zu bloßem Rock.“

Im Falle des schwedischen Quintetts führen die diversen Einflüsse zu einer nahezu perfekten Balance aus explosiver Energie, aggressiver Brutalität und technischem Anspruch. Förderlich ist dabei ein offener Umgang mit neuen Ideen und der Mut, auch bestehende Genre-Grenzen zu durchstoßen:

„Das kam bei uns eigentlich von selbst und ich glaube auch nicht, dass man so etwas planen kann, es passiert oder eben nicht. Mit jedem neuen Album haben wir versucht, uns keine konkrete Richtung vorzugeben und uns nicht unnötig einzuschränken. Eine derartige Arbeitsweise muss man zulassen ,aber das ist ein Lernprozess, der Zeit braucht. Bei uns hat es auch nicht sofort geklappt und die früheren Platten klingen deshalb traditioneller. Diesmal haben wir endlich vordergründig bemerkbar breitere Ideen und mehr Variabilität offen zugelassen und umgesetzt. Genau so haben wir uns das schon längere Zeit vorgestellt.“

Und viele Fans sicherlich auch: „Auf den Konzerten erzählten uns immer wieder Leute, das unsere Alben zwar unglaublich sind, wir aber live noch besser klingen. Mit dem neuen Album haben wir versucht, das einzufangen. Natürlich konnten wir die Songs nicht in einem Take einspielen, aber wir alle waren die ganze Zeit über zusammen und deshalb klingt wohl alles relaxter. Im Ergebnis steht ohne Frage ein neuer Sound. Fredrik (gemeint ist Frederik Nordström aus dem renommierten Studio Fredman. –Anm.d.Verf. ) hat uns fast ausgelacht und gesagt, wir seien die einzige Band, die in ein teures Studio geht um wie im Proberaum zu klingen. Das war uns egal, denn genau wollten wir.“

Kleine Kontroverse

„Jeder hört diesmal etwas anderes und das ist spannend.“ fasst Jonas die erste Resonanz auf das neue Album zusammen: „Die einen sagen, “rEVOLVEr“ sei unser bisher melodiösestes Album und die anderen streiten es ab. Mehr kann man als Künstler nicht erreichen. Hört man nur eine Seite, ist es schnell langweilig und eine Band wird berechenbar. Bei uns gibt es die verschiedensten Aspekte. Es gibt sowohl melodische Songs, als auch richtig heavige Stücke. Die brutalen Tracks sind diesmal sogar noch brutaler und ich denke, wir haben ein nahezu perfektes Album eingespielt.“

Die erste Single wird übrigens ’All Against All’ sein und der zugehörige Video-Clip ist bereits abgedreht. Haltet die Augen offen.

 
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