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Three Minute Poetry

Interview von: Matthias Rauch mit Michael Walmsley, am: 17.10.2004 ]

Für eine kleine Überraschung sind die sympathischen Three Minute Poetry mit ihrem vor kurzem erschienenen zweiten Album “We’re Gonna Need A Bigger Boat” in jedem Fall gut. Waren die ersten musikalischen Ergebnisse noch stark von der damaligen Emo-Hysterie beeinflusst, zeigen sich die vier Wuppertaler jetzt ein ganzes Stück reifer, vielschichtiger und weit weniger durchschaubar. Man spürt bei diesem Album deutlich, dass viele Ideen ausprobiert wurden und die verschiedenen Entwürfe von vier eigenständigen Musikern zu einem sehr abwechslungsreichen und doch stimmigen Gesamtbild finden. Wir befragten Sänger und Gitarrist Michael zu Plattenfirmen, thematischen Bezügen und England.

 

Musicscan: Erzählt doch einmal kurz was seit eurem Debüt und der neuen Platte „We’re Gonna Need A Bigger Boat“ als Band und privat passiert ist.

Three Minute Poetry: Im Grunde waren wir konstant live unterwegs und haben im Proberaum an neuen Songs gearbeitet. Dann kamen die beiden Touren mit Tribute to Nothing in England und hier mit dem Release unserer Split-CD, die aber leider schlecht promotet wurde. Naja, privat haben wir Ausbildungen abgeschlossen, verschiedene Jobs gemacht und das Übliche halt.

Musicscan: Ist der Albumtitel irgendwie programmatisch zu verstehen oder wie ist dieser entstanden?

Three Minute Poetry: Der Titel ist ein Zitat aus Clerks, einem meiner Lieblingsfilme. Dort ist er ein Zitat aus Jaws (Der weiße Hai), Randall spielt mit einem Nacho in der Salsa-Soße und tut so als wäre es eine Haiflosse und summt die Jaws-Melodie. Dann schreit er irgendwann "We're gonna need a bigger boat". Ich hatte nach der Piebald-Tour die Idee, alle Menschen, die wir kennen gelernt hatten und die in irgendeiner Weise gut zu uns waren, mit zu nehmen, damit wir sie in schlechten Zeiten immer dabei haben. Dafür bräuchten wir einfach mehr Platz und so kam dieser Satz zuerst in den Text von „Black Magic“ und dann aufs Album.

Musicscan: Die neue Platte klingt sehr viel reifer, abwechslungsreicher und durchdachter als euer Erstling. Worauf ist diese Entwicklung primär zurückzuführen?

Three Minute Poetry: Danke, wir sind drei Jahre älter geworden, die Hörgewohnheiten anders und der Anspruch an die eigene Musik ist einfach gestiegen. Wir wollten auf keinen Fall dasselbe Album noch mal aufnehmen, sondern zeigen, was wir alles können. So haben wir die Ideen im Proberaum immer wieder umgeworfen, bis wir 100% zufrieden waren.

Musicscan: Wie steht ihr zu der Aussage, dass ihr aufgrund eurer Einflüsse und der Struktur und Ausrichtung der Songs recht amerikanisch klingt? Ist das eher Kritik oder Kompliment für euch?

Three Minute Poetry: Musik kann man meiner Meinung nach nicht wirklich global einordnen. Gut in Schweden wird gerne Rock’n’Roll gemacht und man hört auch welche Bands aus Manchester kommen, aber der Struktur nach könnte ich das nicht sagen. Ich bin nur froh, dass mein Englisch einigermaßen akzentfrei rüberkommt. Vielleicht liegt es daran?

Musicscan: Wie entstehen die Songs bei euch? Das Album hat einige sehr unerwartete Wendungen und Arrangements, die sehr gelungen aus der Masse an Veröffentlichungen herausragen und „We’re Gonna Need A Bigger Boat“ für mich sehr interessant gemacht haben. Das hört sich nach vielen Ideen von vielen Menschen an, oder?

Three Minute Poetry: Wie gesagt, wir sind vier Leute mit komplett anderen Vorlieben. Da kam es schon zu Diskussionen. Irgendwann haben wir ganz demokratisch jede Idee ausprobiert und dann musste selbst der Urheber manchmal einsehen, dass es Scheiße war. Dazu kam noch Thomas Hannes, der im Studio oft völlig kranke Ideen hat, die hinterher echt Gold wert sind. Wir wollten eine Platte machen, die nicht vom ersten bis zum letzten Song gleich klingt. Wir haben das bei ein paar unserer Heldenbands gemerkt. Besonders die alten Queen-Sachen oder auch Cave In...da klingt einfach kein Song wie der andere, aber es ist immer ganz klar diese eine Band. Ich denke wir sind noch nicht am Ende unserer Entwicklung, aber es macht einfach einen Riesenspaß Sachen zu probieren.

Musicscan: Wie kam es zum Labelwechsel zu Eat The Beat? Wie ist euer Verhältnis jetzt zu Defiance und was waren die Gründe für die Trennung?

Three Minute Poetry: Wie es dazu kam? Nun, wir haben uns umgesehen, wer es machen könnte. Am Ende hatten wir das Gefühl, Eat The Beat sei eine gute Idee, da die auch bei Days In Grief gute Arbeit gemacht haben. Das Verhältnis zu Defiance ist immer noch gut. Ich hab denen jetzt meine neuen Solosachen geschickt und würde mich freuen, wenn da was geht. Daher, kein Stress.

Musicscan: Inwieweit funktionieren Eat The Beat anders als Defiance?

Three Minute Poetry: Das können wir jetzt noch nicht sagen. Wir haben das Gefühl, dass sie sich sehr gut um uns kümmern.

Musicscan: Inwieweit hast sich die Chemie innerhalb der Band in den letzten Jahren verändert? Fühlt sich die Sache noch genauso an wie vor 6 Jahren?

Three Minute Poetry: Wir kennen uns so lange und mittlerweile wissen wir, wie der andere tickt. Auf Tour wird das sicherlich ein Vorteil sein. Wir sind aber immer noch diese vier Jungs, die sich über jede Bühne freuen.

Musicscan: Gibt es einen thematischen roten Faden im Album oder eine gewisse Ästhetik, die ihr umsetzen wolltet oder in anderen Worten, sind die Songs in irgendeiner Weise verbunden?

Three Minute Poetry: Ich hab mal drüber nachgedacht, ob es so etwas wie ein Thema gibt, das alle Songs verbindet. Irgendwann fiel mir das Wort Zuflucht ein. Die Songs haben verschiedene Grundlagen, aber alle verbindet dieses Gefühl der Flucht von den schlechten Sachen in positive, wie z.B. die Musik, oder Freunde. Das passte dann schon wieder zum Albumtitel...die Erstellung eines konstanten Glücksgefühls.

Musicscan: Wo würdet ihr eure musikalischen und künstlerischen Einflüsse sehen? Woraus bezieht ihr Kraft und Inspiration außerhalb der Kunst oder Musik?

Three Minute Poetry: Also musikalisch lässt man sich ja pausenlos beeinflussen. Textlich sind es bei mir eher persönliche Sachen, nichts Politisches. Ich glaub wir ziehen auch sehr viel Kraft aus der Band selbst, weil wir das halt selber so lieben, was wir da machen.

Musicscan: Gibt es konkrete Ziele mit Three Minute Poetry? Wo wollt ihr hin, wie weit wollt ihr die Band bringen?

Three Minute Poetry: Och, wenn wir ab und an ne Platte machen können und auf Tour gehen, ohne finanzielle Verluste zu machen, ist das schon ein Riesenprivileg. Wir erwarten immer gar nichts und freuen uns über alles was mehr ist. So kann man nicht enttäuscht werden.

Musicscan: Gibt es etwas, das euch an der deutschen Indie/Gitarren-Landschaft auffällt, was in anderen Ländern nicht gegeben ist? Warum gibt es so wenige vernünftige deutsche Bands, die eine breite Basis erreichen?

Three Minute Poetry: Weiß nicht. Uns ist aufgefallen, dass in England z.B. die Bands alle superjung sind und Shows spielen. Die sind auch alle total diszipliniert. So was täte der deutschen Szene auch mal ganz gut. Ansonsten fällt mir nichts ein.

Musicscan: Letzte Worte, Danksagungen, Hoffnungen, Versprechungen… was ihr noch loswerden wolltet.

Three Minute Poetry: Danke einfach an alle, die uns bis hierher begleitet haben, ihr wisst wer ihr seid. Hoffe auf der Tour noch viel mehr Leute zu erreichen und ganz viel zu quatschen. Und Danke für dieses echt gute Interview.

 
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