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Caliban

Storie von: arne, am 11.10.2004 ]

"The Opposite From Within" ist ein absoluter Killer und zweifelsfrei das beste Werk, dass CALIBAN bislang abgeliefert haben! Alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen, schließlich stand das Quintett in der Pflicht die eigene Führungsposition im europäischen MetalCore-Sektor auch mit ihrem Roadrunner-Debüt neuerlich zu untermauern.

 
Nun, das schaffen sie bravourös. In den letzten Jahren hat sich bei der Band aus dem Essener Raum das Besetzungskarussell kräftig gedreht und heute scheint endlich eine feste und durchweg motivierte Mannschaft beisammen, mit der nun große Ziele angegangen werden. Die letzten Zugänge, Drummer Patrick (ex- Six Reasons To Kill) und Bassist Boris (auch Deadsoil), erweisen sich auf dem vierten Longplayer als wahre Glücksgriffe, die CALIBAN zu weiterer Variabilität als auch noch größerer Effektivität verhelfen.

"The Opposite From Within" gestaltet sich als logische Fortführung des Vorgängers "Shadow Hearts" (Lifeforce) und markiert zugleich einen gewaltigen Entwicklungssprung, der durchaus beachtlich ist. In allen Belangen zeigt sich der Fünfer heute abgeklärter und kompakter, was in der Vergangenheit längst nicht selbstverständlich war. Die fetten Moshparts, die von jeher das Markenzeichen von CALIBAN gewesen sind, stehen heute in einen viel kontrastreicheren Kontext eingebettet und wirken dadurch noch gewaltiger. In den Songs trifft aggressiver Metal auf vielerlei emotionale, melodische Momente und doch bekommt man als Hörer nicht das "typische" Hart-Zart-Schema vorgebetet, wie es so viele andere Bands spielen.

Neue Ziele

CALIBAN klingen zumeist allein nach sich selbst und ab und an ein wenig nach Killswitch Engage. Das passt jedoch wie die Faust auf's Auge, denn "The Opposite From Within" markiert bekanntlich den Roadrunner- Einstieg der Gruppe. Im Roaster neben Chimaira, Trivium, 36 Crazyfists und eben KSE scheinen CALIBAN hervorragend aufgehoben, endlich den "richtig großen" Durchbruch zu schaffen. Den MetalCore-Underground haben sie seit Jahren in der Tasche und nun gilt es breiteres Neuland zu erobern. Die Chancen dafür stehen günstig, denn massenkompatibler zeigte sich kein Album der Jungs zuvor. Umso erstaunlicher ist es, dass CALIBAN keine Spur Aggressivität und Kompromisslosigkeit eingebüßt haben. Respekt, kann ich nur sagen, aber für die nahezu perfekte Inszenierung garantieren immerhin auch Anders Friden als Produzent und Ausnahme-Mixer Andy Sneap. Ohne Frage wird "The Opposite From Within" schon bald ein ebenso wichtiger Meilenstein im MetalCore sein, wie einst das Vollzeit- Debüt "A Small Boy And A Grey Heaven".

Resümee 2004

Shouter Andy blickt allein optimistisch in die arbeitsreiche Zukunft, die von der Band auch einige Umorientierungen fordert: „Ich hoffe mal, dass wir am Anfang einer schönen Zeit stehen und dass wir auch weiterhin Erfolg haben werden. Wir wollen mit der Band mehr denn je Präsenz zeigen und noch mehr starten; mehr Shows, mehr Touren, einfach alles mitnehmen, was geht. CALIBAN steht jetzt für uns alle an erster Stelle, denn das ist jetzt unsere Arbeit. Natürlich fordert das viele Touren von uns, dass wir unser Songwriting umstellen. Wir haben sonst immer zwischen den Touren die Songs geschrieben, wozu heute kaum noch Zeit bleibt. Es heißt also jetzt, auch auf den Touren Songs zu schreiben. Das ist neu für uns, aber auch kein Problem, denke ich.“

Es bleibt abzuwarten, wie CALIBAN mit den veränderten Anforderungen zurecht kommen werden. Bislang sind jedenfalls noch keine neuen Songs geschrieben, obwohl das “Opposite...“ Material schon ein wenig älter ist. Für die Band bestimmt der vierte Longplayer alle Aktivitäten in 2004, was zugleich einen ungeheuren Show-Marathon bedeutet:

„Angefangen hat das Jahr mit dem Aufnehmen der neuen Scheibe. Das war für uns spannend, da wir ja dafür in Schweden waren und mit Anders Friden aufgenommen haben. Danach ging es direkt auf die Soilwork/Forsaken Tour, die für uns sehr erfrischend war. Es folgte mein ganz persönlicher Höhepunkt, was das Touren angeht, die Gigs mit In Flames. Ich bin ein großer In Flames- Fan und für mich hat sich ein kleiner Traum erfüllt. Im Sommer haben wir einige Festivals gespielt, wie das WFF, auf dem wir guten Anklang gefunden haben und es war noch besser als im Vorjahr. Nach dem Sommer ging’s in die Staaten und auch da war es sehr cool. Es hat mich super gefreut, auch an der Westküste, wo wir noch nie waren, soviel gute Resonanz zu bekommen. Das war unglaublich und nicht zu vergessen das Hellfest. Das war das geilste Festival, was wir dieses Jahr gespielt haben, es war einfach nur die Hölle. Das waren also die Touren und dann ist da noch der Deal mit Roadrunner, bei denen gerade unser neues Album erschienen ist. Wir haben auch schon das Video für die ’The Beloved And The Hatred’ gedreht, das war ein riesen Spaß. Jetzt steht noch die Machine Head/God Forbid Tour an, die bis Mitte Dezember geht und da hoffe ich auf ’ne menge Spaß.“

"Rock


Stars"

"The Opposite From Within" markiert für CALIBAN eine spürbare Umorientierung, die gerade für die Zukunft noch gravierende Veränderungen andeutet. Das Label MetalCore ist längst zu limitierend, war es schon in der Vergangenheit: „Wir wollen unseren Status als Band noch weiter verfestigen und dann so weiter machen wie gehabt. Was die Zukunft bringt, werden wir ja dann sehen. Ich kann derzeit nicht abschätzen wie, unsere Entwicklung ausfallen wird. Lass dich überraschen.“ Die beständig gewachsene Popularität ruft natürlich auch Neider auf den Plan, was unweigerlich Sell-Out Vorwürfe und auch persönliche Angriffe nach sich zieht. Als „arrogante Rockstars“ bezeichnet zu werden, ist da noch nett: „Ich habe keine Ahnung, warum wir mit solchem Unsinn konfrontiert werden. Vielleicht ist es wirklich nur Neid, vielleicht kommt man bei manchen Leuten tatsächlich so rüber. Ich kann nur sagen, dass ich versuche immer auf dem Teppich zu bleiben und kein Arschloch zu sein. Das würde doch nur den Kontakt zu den Leuten zerstören und das liegt nicht in meinem Interesse. Man kann auch "Rock Star" sein, ohne Arroganz an den Tag zu legen.“ CALIBAN gehen offensiv auf ihre Fans zu und stehen jeder/m für konstruktiven Gedankenaustausch zur Verfügung. Persönliche Anfeindungen, die oftmals nicht mal direkt an die Jungs herangetragen werden, prallen ab. „Wenn wir so etwas mitbekommen, geht das rein und gleich wieder raus. Mehr kann man da eh nicht machen. Würden wir dagegen etwas unternehmen, würde das die Leute wohl nur bestärken. Wenn einen die Leute nicht kennen, lassen sie sich halt aus über dich. Da muss man durch.“

MetalCore

Ohne Frage zählen CALIBAN zu den Vorreitern im deutschen, wenn nicht europäischen, MetalCore-Genre. Ihr Debüt "A Small Boy And A Grey Heaven” hat auf viele Fans und Bands nachhaltigen Einfluss ausgeübt und ist definitiv ein Klassiker im Segment. Zu dieser Zeit spielte keine deutsche Band kränkere Mosh-Parts!! Bis heute ist viel Zeit ins Land gezogen und erst in den letzten Monaten sind auch größere Metal-Label auf den Zug mit aufgesprungen, haben begonnen, den MetalCore-Undergound leer zu signen, auch hier in Europa: „Es ist wirklich so, dass es viele Bands in dem Genre gibt, aber ich denke auch, dass sich das wieder einpendeln wird. Es war in der Vergangenheit nicht anders; viele Bands kamen und gingen auch recht schnell wieder, weil sie einfach nur ’nem Trend hinterher gelaufen sind und sich verrannt haben. Was ich allerdings hoffe, ist, dass die verschiedenen Genres noch stärker verschmelzen und das die Musik dadurch noch interessanter und toleranter wird.“

Den eigenen Einfluss auf die Entwicklung der Sparte setzen CALIBAN bescheiden an: „Wenn du unseren Einfluss auf Bands meinst, dann kann ich nur sagen, dass ich öfter mal Leute treffe, die gerade anfangen, Musik zu machen und die uns dann als Einfluss benutzen. Wer eifert aber anfangs nicht seinen Lieblingsbands nach oder covert sie? Das legt sich ja meist nach der ersten Zeit und man versucht dann sein eigenes Ding.“ Mit immerhin schon sechs Releases sind CALBAN längst gestandene Musiker, die ihren Stagnationspunkt noch längst nicht erreicht haben. Jede neue Veröffentlichung brachte bislang einen deutlichen Entwicklungssprung mit sich. Angst vor der Zukunft hat die Band nicht, auch wenn den Jungs gelegentliche Inspirationsprobleme nicht unbekannt sind:

„Das haben wir eigentlich immer, wenn wir ’ne Platte aufgenommen haben. Danach sind wir erst einmal so zufrieden, dass wir denken, da geht nichts mehr rüber. Aber wie gesagt, danach wird dann das verbessert, was uns doch noch stört usw.“ Motivationsprobleme gibt es bislang nicht: „So lange Ideen da sind, ist alles gut und bis jetzt war das immer der Fall. Wir haben mit der Zeit gelernt unsere Songs einfacher zu stricken, was viel mehr Möglichkeiten bietet. Wahrscheinlich würden wir aus den ersten Platten, die wir aufgenommen haben, heute fünf machen, aber wir werden ja sehen und hören, was die Zukunft noch bringt.“

Für die cleanen Parts wurde für die Live-Gigs nunmehr Gitarrist Denis auserkoren, nachdem das Experiment mit einem zweiten Sänger im Line-Up gescheitert war: „Richtig, die Platte hat noch ein Freund von uns eingesungen und erst im Studio haben wir gemerkt, dass Denis eine gute Veranlagung zum Singen hat. Er hat anfangs immer noch Probleme, rein zu kommen, aber sobald er warm ist, läuft’s gut und er nimmt jetzt auch noch zusätzlich Gesangsunterricht.“ Das scheint angebracht um die nötige Konstanz in die Stimme zu bekommen doch gerade das intensive Tour-Programm sollte schnell Routine mit sich bringen.

 
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