Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1770

Shadows Fall

Storie von: arne, am 07.10.2004 ]

Moderner Ostküsten-Metal steht nach wie vor hoch im Kurs und die Bands unter dem Banner der New American Wave Of Heavy Metal feiern einen Erfolg nach dem anderen. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich haben die Vorreiter, etwa Lamb Of God, God Forbid, Unearth, Killswitch Engage und auch SHADOWS FALL, in den letzten Jahren beachtliche Entwicklungssprünge hingelegt und sich stetig verbessert, ein ums andere Mal noch stärkere Veröffentlichungen vorgelegt.

 
Die Gruppen betonen immer wieder aufs Neue, keinen regionalen Wettbewerb zu betreiben, doch die New England-/Massachusetts-Bands scheinen sie sich gegenseitig gehörig zu pushen, schließlich touren sie ja auch unentwegt in wechselnden Konstellationen. Mit "The War Within" legen SHADOWS FALL dieser Tage ihr Drittwerk vor und mit diesem sollten sie die eigene Metal-Erfolgs-Story weiter fortsetzen. Verkaufte sich bereits das 2000er Debüt "Of One Blood" stolze 10.000 Mal, setze die Band vom 2002er Zweitwerk "The Art Of Balance" gleich über 100.000 Einheiten ab. Kann man den Verkaufzahlen erneut eine Dezimalstelle anhängen? Dieses dritte Album mit seinem spektakulären Songwriting hat das Potenzial, keine Frage, doch eine Million CDs ist schon eine Menge Holz. Doch wenigstens die positive Entwicklung wird sich fortsetzen, dessen bin ich mir gewiss.

Zeigten sich SHADOWS FALL auf dem direkten Vorgänger noch vordergründig catchy und eingängig angelegt, schlagen die Musiker mit "The War Within" wieder eine Brücke zurück zu ihren Ursprüngen und zocken sich deutlich technischer und auch einstückweit traditioneller angelegt durch die zehn Stücke des Albums. Die moderne Ausrichtung ist natürlich nach wie vor präsent, aber nicht mehr ganz so vordergründig. Den "Core"-Bezug leisten einmal mehr die fetten Breakdowns, von denen sich etliche finden. Darüber hinaus liefert die Platte bestes Death Metal- Riffing und kreative Soli, wie man sie noch von “Of One Blood“ her kennt, die an Testament oder Death denken lassen. Dennoch finden SHADOWS FALL die perfekte Balance, nicht zu sehr Old School zu klingen und nach wie vor einen frischen Sound für eine neue Thrash-Fraktion zu spielen. Immer wieder kommen mir auch Children Of Bodom in den Sinn, auch wenn diese Referenz nur bedingt trifft. Vielleicht basiert mein Empfinden auf den cleveren Melodie-Linien!?

Zusammengenommen wirkt das Drittwerk metallischer und kompakter, denn das Quintett hat den eigenen Rahmen nachvollziehbar gestrafft. Hinzu kommt ein hörbar verbessertes Drumming und eine schön klare Produktion. Selbst der ehemalige Overcast- Shouter Brian Fair hat sein Spektrum noch einmal ausgeweitet. Kritikpunkte habe ich im Ergebnis keine und "The War Within" ist zweifelsfrei das beste, was SHADOWS FALL bislang abgeliefert haben. Der Fünfer ist seit seinen Anfangstagen fest mit einem Bein in der Hardcore-Szene verankert, was nicht zuletzt auf seinen Crossover-Sound zwischen Metal und Hardcore, sowie auf Shouter Brian Fair zurück zu führen ist. Wenig überraschend befanden sich die Jungs zum Zeitpunkt unseres Telefoninterviews gerade auf MetalCore-Tour mit As I Lay Dying, Himsa und Remembering Never, auch wenn Brain das relativiert:

„Himsa sind ja eigentlich auch eine richtige Metalband, obwohl sie ihre Roots im Hardcore haben. Es macht in der Konstellation eine Menge Spaß und fast alle Gigs sind ausverkauft. Die Crowds sind denkbar durchmischt und von Hardcore-, über Metal- bin hin zu Nu-Metal-Kids kommen alle.“ Für Europa scheinen derartige Tour-Packages leider nach wie vor unmöglich, auch wenn die Kombination aus Mastodon, Hatebreed, Slipknot und Slayer dieser Tage ein deutlicher Schritt nach Vorne ist:

„Das ist mir auch aufgefallen, in Europa werden zumeist ähnlich klingende Bands zusammen auf Tour geschickt. Wenn wir das nächste Mal nach Europa kommen, werden wir versuchen, wen ganz anderes mitzunehmen. Vielleicht ja Caliban, aber das steht noch nicht so richtig. Wir arbeiten jedenfalls an einer Tour für Anfang des nächsten Jahres. Wahrscheinlich bringen wir auch eine US-Band wie Unearth mit, aber es ist noch viel zu lange hin, das jetzt schon fest zu wissen.“

Vorreiter in Fragen schwerer Crossover-Musik mit Bestandteilen von Metal bis Hardcore sind ohne Frage amerikanische Ostküstenbands, die den Zwischenspielarten maßgeblich mit zu größerer Popularität verholfen haben. Das sieht Brian ähnlich: „Gerade in der letzten Zeit sind immer mehr Bands heraus bekommen, die die Grenzen zwischen Hardcore, Metal, Grind, Death Metal usw. einreißen und einen frischen, neuen Sound spielen. Viele dieser Bands kommen auch unserer Ecke und ich freue mich für alle. Ich bin in der Hardcore-Szene groß geworden, in der die meisten Bands ihre Wurzeln haben. Schon immer gehörten für uns Hardcore und Metal zusammen und auf den Gigs spielten Bands aller Ausrichtungen zusammen. Grenzen gab es bei uns noch nie, doch das breite Publikum scheint erst heute offen genug, so etwas anzunehmen. Bands wie Converge unterscheiden sich dabei vollkommen


von Killswitch Engage oder SHADOWS FALL, doch wie alle entstammen der gleichen Szene. Das ist doch toll, jeder ist ausgehend von gemeinsamen Ursprüngen seinen eigenen Weg gegangen. Wir können heute mit unseren Freunden, die wir seit Jahren kennen, auf Tour gehen und Spaß haben.“

Der Bezug zur HC-Szene ist dabei gerade für den Shouter wichtig: „Obwohl ich in einer Metal-Band bin, fühle ich mich nach wie vor als Hardcore-Kid. In dieser Szene bin ich aufgewachsen und in meiner Jungend habe ich definitiv mehr HC-Shows gesehen als alles andere. In der Hardcore-Szene geht es darum, zusammen eine gute Zeit zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Ideen gefallen mir sehr und bedeuten mir auch heute noch viel. Ich habe definitiv ein Hardcore-Herz.“ SHADOWS FALL sind dennoch vor allem eine Metal-Band, klar. Gerade das straighte “The War Within“ stellt das eindrucksvoll unter Beweis. Im ersten Moment zeigte ich mich vom deutlich strafferen und technischeren Drittwerk überrascht, obwohl die Songs in Summe für einen guten Kompromiss der ersten beiden Longplayer stehen:

„Wir haben nicht viel nachgedacht und einfach Songs geschrieben. Das Ergebnis ist zweigeteilt, die Hälfte der Songs ist härter und technischer als alles, was wir bislang geschrieben hatten und die andere wiederum deutlich mehr Rock’n’Roll. Mit dem Album haben wir die ganze Spanne dessen, was wir als SHADOWS FALL bislang gemacht haben, eingefangen. Wir waren mit so verschiedenen Bands auf Tour und haben so viele Einflüsse erfahren, dass sich das alles in diesem variablen Album widerspiegelt. Wir haben unseren Ideen einfach freien Lauf gelassen und uns ausgelebt. Als Musiker sind wir mit den Jahren zweifelsfrei gewachsen und das erklärt die technischere Komponente. Leute, die eine noch poppigere Platte erwartet haben, werden diese jedenfalls nicht finden.“ Vor allem zeugen die Songs von größerer Reife und einem gewachsenen Verständnis für kontrastreiche, effektive Strukturen. Von den Lyrics her zieht sich “The War Within“ ins Persönliche zurück: „Textlich ist das Album für mich eine sehr persönliche Geschichte. Auf der letzten hatte ich mich generelleren Themen gewidmet, es ging um das Leben im allgemeinen und den größeren Zusammenhang. Diesmal repräsentieren die Texte persönliche Erfahrungen und geben tiefe Einblicke in meine Persönlichkeit. Die Texte sind nach langer Zeit auf Tour entstanden. Ich hatte kaum Zeit zum Nachdenken und habe einfach meinen Gefühlen Ausdruck verliehen.“

Es ist bekannt, dass SHADOWS FALL eine Live-Band durch und durch sind und ein ums andere Jahr ein irres Programm fahren. Mich interessierte ob es die Jungs bei diesem Marathon überhaupt noch schaffen zu relaxen, wenn sie denn mal zu Hause sind: „Wenn ich nach Hause komme, setze ich mich auf meine Couch und bewege mich möglichst lang nicht mehr von ihr weg. Das kommt aber selten vor. Wir touren so viel, und wenn wir dann doch mal nach Hause kommen, sind wir meistens völlig durch. Es geht dann eigentlich nur ums Ausruhen und Relaxen. Ich spiele dann auch viel mit meinen Hunden und jamme ein wenig mit einem Sideprojekt, das in Richtung Ambient geht, um mich ein wenig vom Metal zu entfernen. Meistens geht’s aber wirklich nur um’s Ausruhen. Letztes Jahr waren wir etwas weniger als sonst unterwegs und dennoch waren es ungefähr 250 Shows. Das schlaucht“

Das Augenmerk für SHADOWS FALL liegt dabei nach wie vor klar auf dem US-Markt, denn dort sind die Jungs angesagter denn je: „Wir versuchen nach wie vor möglichst viel in den Staaten zu touren, denn in Europa haben wir trotz einiger Touren noch immer nicht so richtig den Durchbruch geschafft. Hier bei uns ist unser Tour-Budget deutlich höher als in Europa, also sind wir vor allem hier unterwegs. Dennoch kommen wir immer wieder gern nach Europa und genießen die Abwechslung. Als Band touren wir seit Jahren und wenn du die States so wie wir drei Jahre am Stück getourt hast, kannst du überall touren.“ Das Quintett spielt sich wirklich den Arsch ab, was jedoch nicht nur Entbehrungen bedeutet, und SHADOWS FALL erst zu dem hat werden lassen, was sie heute sind: „Das permanente Touren hat uns als Band zusammengeschweißt und gemeinsam sind wir alle viel bessere Musiker geworden. Das beständige Touren hat uns viel gelehrt und wir haben mit der Zeit gelernt uns auch in Krisensituationen durchzusetzen, auch wenn es oft schwer war. Wir können inzwischen auch tagelang mit wenig Schlaf, ohne Essen und Duschen auskommen. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall.“

 
 Links:
  Shadows Fall
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Atavistik Death Pose
  Novelists Fr
  Our Mirage
  Pray For Sound
  Spectres

Interviews/Stories:

  Hollywood Undead
  Spoil Engine
  Une Misere

Shows:

  28.02. Ray Wilson - Freiburg
  28.02. Make Them Suffer - Karlsruhe
  28.02. Spiritbox - Karlsruhe
  28.02. Polar - Karlsruhe
  28.02. The Deadnotes - Bremen