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Cult Of Luna

Storie von: arne, am 05.10.2004 ]

Es ist kein Zufall, dass das Cover von ”Salvation”, dem dritten Longplayer von CULT OF LUNA aus Umea, fast vollkommen weiß gehalten ist. Waren das selbstbetitelte Debüt (Rage Of Achilles) und dessen Nachfolger “The Beyond“ vom Artwork her noch durch und durch düster bis schwarz gehalten, erfährt “Salvation“ nun die Verkehrung ins helle Gegenteil.

 
Partiell setzt sich das auch musikalisch fort, CULT OF LUNA positionieren sich einstückweit neu. Natürlich setzten die sieben (!) Schweden nach wie vor auf ihren hochintensiven Slow-Motion-DeathCore, doch scheint dieser heute mitunter positiv ausblickend. Das ist ein Novum und balanciert das visionär anmutende Post-Hardcore-Soundspektrum der vielschichtigen Arrangements besser aus! Ganz grundlegend entfalten sich die Songs von CULT OF LUNA nach wie vor als Wechsel- bzw. Gegenspiel melodisch einlullender Passagen und tonnenschwerer, bitterbös wirkender Sequenzen. Die Musiker geben sich zumeist zähflüssig und zermürbend und zielen auf die unbewussten Emotionen der Hörer. Ein nihilistisch anmutender Unterton ist latent präsent, doch zeigt sich dieser heute längst nicht mehr so stark ausgeprägt wie noch auf den beiden Vorgängern.

Es gibt Hoffnung! Das ist die neue Erkenntnis des Album, noch ist nicht alles verloren. “Salvation” ist als Konzeptalbum angelegt, mit dem die Band ihrer Überzeugung Ausdruck verleiht, dass all der Schmerz um sie herum einen höheren Sinn hat. Lässt das den harten Alltag und die erlebten Enttäuschungen leichter ertragen?

CULT OF LUNA ziehen mit ihren Songs unendlich viel Energie und Kraft. Von Beginn an taucht man in sphärische Soundwände und monumentalen “Krach“ auf ganz hohem Niveau ein. Die Schweden bewegen sich dabei auf Augenhöhe zu Neurosis und Isis, auch wenn die Parallelen niemals langanhaltend Gültigkeit besitzen. Zur ersten Orientierung sind sie dennoch hilfreich und von diesem Punkt aus arbeitet man sich in der Folge Stück um Stück in einen emotional aufwühlenden Post-Kosmus hinein. Der stete Wechsel ruhiger, zerbrechlich anmutender Parts mit vertrackteren, aufgewühlten Mid-Tempo-Passagen (unterlegt mit teils bizarrer Elektronik) schafft gewichtige Kontraste und beschert dem Hörer ein Auf und Ab seiner Gefühlswelt. Große Teile der Arrangements sind erneut instrumental belassen, doch sind diese heute wesentlich breiter angelegt. Schon der Opener ’Echoes’ läuft stolze zwölf Minuten!

”Salvation” besticht vor allem durch einen ungeheuren Sprung im Songwriting, der mehr als beachtlich ist. Man hört von Beginn an, dass hier CULT OF LUNA aufspielen, doch wirken die heute mit viel größerer Effektivität. In der Entwicklung der schwedischen Band spielt das Glück des Tüchtigen von jeher eine große Rolle, denn schon eine ihrer ersten Shows überhaupt brachte der Formation einen Vertrag über die Debüt-Platte:

”Wir sind erst seit guten fünf Jahren aktiv. Wir hatten gerade eine Split-7Inch mit Switchblade veröffentlicht, als uns ein Typ aus dem UK auf einer Show sah und fragte, ob wir für ihn ein Album einspielen wollten. Er war von Rage Of Achilles und wir konnten das natürlich nicht ausschlagen. Es war eine zu gute Chance, also nahmen wir jeden einzelnen Song auf, den wir bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt hatten, und das wurde unser Debüt. Wir waren schon damals mit der Platte nicht unbedingt zufrieden und waren vom durchweg positiven Feedback sehr überrascht. Die Leute mochten uns und wir bekamen in vielen Magazinen höchste Punktzahlen. Besonders im UK kamen wir ausgezeichnet an und erhielten sofort Angebote von größeren Verlagen. Wir entschieden uns schließlich für Earache, die zunächst ”The Beyond” veröffentlichten und wenig später auch unser Debüt noch einmal neu auflegten. Bis zu diesem Punkt hatten wir nur sehr wenige Live-Shows gespielt und erst mit dem Zweitwerk sind wir dann offensiver live aufgetreten.”

Die ersten Deutschland-Gigs spielten CULT OF LUNA als Support von Poison The Well und der Name der Band verbreitete sich weiter. Schnell mutierten die sieben Schweden zu einem Geheimtipp und das nicht nur hier in Europa. Spätestens eine 7Inch auf dem Szene-relevanten HydraHead- Label von Isis’ Frontamnn Aaron Turner öffnete zudem die Türen für den lukrativen US-Markt:

”Das erfüllt uns mit Stolz. Es ist doch toll, wenn Leute auf der ganzen Welt deine Musik zu schätzen wissen. Wir sind schon sehr auf die Reaktion auf “Salvation“ gespannt. Für uns ist es bislang das einzige Release, mit dem wir alle wirklich restlos zufrieden sind, und aus diesem Grund mehr denn je auf das Feedback von Fans und Presse gespannt sind.“ Dabei kommt CULT OF LUNA sicherlich zu gute, dass man ihren Stil kaum klassifizieren kann und das nicht allein deswegen, weil sie „untypischen“ Schweden-Sound spielen. Die Songs der Band fordern vom Hörer von jeher Zeit und eine intensive Auseinandersetzung:

„Ich kann mir schon verstehen, dass es den Leuten schwer fällt uns zu beschreiben. Was soll ich aber denken, wenn unser Album als Meisterwerk abgefeiert wird, wie es uns mit ”The Beyond” passiert ist? Ich glaube nicht, dass wir ein solches vorgelegt haben, denn wir waren mit der Platte nur bedingt zufrieden. Natürlich ist


es eine große Ehre, aber es hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Uns zeigt das Feedback, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber oftmals können wir es schlichtweg nicht nachvollziehen. Ich persönlich versuche immer so etwa auszublenden und versuche einfach Spaß zu haben und mich selbst zu fordern. Mit ”Salvation” sind wir wohl gerade deshalb näher denn je an unserem eigenen Verständnis dessen, was CULT OF LUNA sein sollen. Erstmals fühlen wir uns als Band wirklich repräsentiert und darüber hinaus hat das Album endlich ein gewisses Live-Feeling, was die anderen beiden missten.“

Die eigene Vision lässt sich dabei nur bedingt zwischen Neurosis und Isis verankern, doch auf gleicher Ebene mit diesen einflussreichen Experimental-Sound-Bands verstehen sich die Schweden schon: ”Ich denke, es gibt nur drei Bands, die gemeinsam in einer Liga spielen, und das sind Isis, Neurosis und wir. Man muss uns jedoch nicht vergleichen, das ist unnötig, denn jeder von uns hat seine individuelle Ausrichtung. In punkto Intensität und Progressivität spielen wir dennoch auf einem Niveau, denke ich. Als Band sind wir einfach so kreativ, wie es uns möglich ist. Wir experimentieren mit allen Aspekten unserer Musik solange, bis sie in der gewünschten Art und Weise wirken. Alles muss passen, in dieser Beziehung sind wir Perfektionisten. Wir versuchen diverse und interessante Songs zu schreiben; alles andere überlassen wir unseren Hörern und Fans.”

Was auf Tour u.a. heißt, dass CULT OF LUNA so lange soundchecken, bis sie mit ihrem Live-Sound vollends zufrieden sind. Damals auf Tour mit Poison The Well bedeutete das im Berliner Knaack-Club fast eindreiviertel Stunden. Die Arbeit am eigenen Drittwerk ”Salvation” gestaltete sich deutlich schneller: ”Schon zu Beginn des Arbeitsprozesses hatten wir uns auf ein musikalisches Ziel und einen thematischen Schwerpunkt verständigt. Dadurch gestaltete sich das Songwriting weitaus einfacher und problemloser als in der Vergangenheit. Wir kamen auch deshalb schneller voran, weil endlich alle Mitglieder der Band in einer Stadt (Umea- Anm.d.Verf.) leben und wir nun häufiger gemeinsam arbeiten können. Das Album selbst haben wir schließlich in mehreren Etappen aufgenommen, was es uns ermöglichte, eingehender auf die einzelnen Songs einzugehen und diese bis ins letzte Detail hinein auszuarbeiten. Wichtig war uns, das Thema der Platte offensichtlicher in ihr Zentrum zu stellen, was uns auf den beiden Vorgängern leider nicht gelungen war. In aller Kürze zusammen gefasst, beschäftigt sich “Salvation“ mit Schuld und dem Wunsch sich von dieser zu befreien.“

Nach Auffassung von CULT OF LUNA ist die beabsichtige Aussage offenkundig, weshalb sie eigentlich nicht weiter über den Themenschwerpunkt sprechen wollen: „Das Bild einer Person, die mit Schuld und Leid beladen ist, und nach Erlösung bzw. Vergebung sucht, ist bekannt. “Salvation“ steht für uns jedoch in keinem religiösen Kontext, das sollte man noch wissen, es geht eher um Träume denn um Glauben. Präziser um den Traum bzw. unsere Hoffnung, dass all das Leid um uns herum einen Sinn hat.“ Die jungen Musiker zeigen sich von der existierenden Industrie-Gesellschaft abgestoßen:

„Es ist ziemlich ernüchternd festzustellen, dass man einem Leben verpflichtet ist, dass anderen und dir selbst nichts als Schmerzen bringt. Egal, ob du bewusst oder unbewusst den westlichen Lebensstil lebst, du bist unweigerlich für das Übel auf der Welt mit verantwortlich, ob nun in der Dritten Welt oder anderswo.“

Dennoch zeigt sich das Album tendenziell recht positiv gestimmt, denn noch haben CULT OF LUNA Hoffnung. Verantwortlich für die „wärmere“ Wirkung sind darüber hinaus deutlichere Zitate der individuellen Einflüsse der Schweden: „Zum ersten Mal kann man wirklich recht deutlich unsere Vorlieben entdecken. Bisher hatten wir stets versucht, jeden externen Einfluss auszublenden, doch wir mussten erfahren, dass es zusätzlich pushen kann, wenn man die Musik und die Ideen anderer nachvollzieht und diese auf sich wirken lässt. Im letzten Jahr haben vor allem Radiohead, Sígur rós und Björk großen Einfluss auf uns ausgeübt und “Salvation“ reflektiert das, wenn man genau hinhört.”

Der Anspruch an die eigenen Releases ist übrigens kein geringer: ”In meinen Augen sollte eine Band stets danach streben herausragende Alben einzuspielen und ein ebenso überzeugendes Live-Set zu haben. Berücksichtigt man das, ist man als Band auf dem richtigen Weg. Letztendlich geht es den Hörern allein um Qualität und die setzt sich immer durch.“ Das bleibt nur zu hoffen, gerade im Fall dieser Band, und ich schließe mit einer treffenden Aufforderung seitens CULT OF LUNA:

„Holt euch “Salvation”, legt euch bequem hin und hört das Album laut mit guten Kopfhöhern an. Das ist eine Erfahrung, die ihr niemals vergessen werdet.“

 
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