Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1383

Cradle Of Filth

Storie von: arne, am 27.09.2004 ]

Hasst sie oder liebt sie, Cradle Of Filth legen mit "Nymphetamine" in jedem Fall einen neuen Longplayer vor und der dürfte das Black Metal- Fanlager einmal mehr spalten, aber die Briten tun das eh schon seit ihren Anfangstagen.

 
Fest steht längst, dass Cradle Of Filth neben Dimmu Bogir zu den bekanntesten Black Metal- Kombos überhaupt zählen und nahezu jedes ihrer Alben in den Charts platzieren konnten. "Nymphetamine" wird da keine Ausnahme sein, zumal es doch die bislang eingängigste, ungewohnt melodisch orientierte Veröffentlichung der Band ist. Nach dem Ausflug zu Major Sony ist die Band nunmehr zu Roadrunner Records gewechselt, fährt das eigene Programm dort schnurstracks weiter.

Der "Pop-Charakter" der Scheibe ist von Beginn an überdeutlich, zugleich aber auch eine deutlich variablere Anlage der Stücke. Cradle Of Filth liefern natürlich nach wie vor obligatorische Düster-Hymnen, die teils recht kompromisslos klingen, aber in Summe scheint der epische Metal-Sound doch um einiges verträglicher ausgefallen. Oder hat sich einfach meine eigene Wahrnehmung verschoben? Als wirklich "crazy" oder "extrem" empfinde ich Cradle Of Filth längst nicht mehr, aber die Zeiten provozierender Auftritte bzw. Eskapaden hat die Band längst hinter sich gelassen, konzentriert sich heute viel intensiver auf die eigene Musik und so soll es ja auch sein.

"Nymphetamine" geht wohl gerade auch deshalb so gut rein, unterhält mit seinen epischen Kompositionen von der ersten Sekunde ein. Die neue "Eingängigkeit" ist dabei die Stärke der Platte. Streichereinsatz, Klaviersequenzen und Frauengesang, jeweils nachvollziehbar und wirkungsstark gesetzt, waren einmal mehr unumgänglich, runden den atmosphärischen Metal-Sound in jedem Fall überzeugend ab. Schön ist, dass Cradle Of Filth nach wie vor auf Entwicklung setzen und sich nicht auf die faule Haut legen. Der "Pop-Appeal" ist für den Black Metal-Underground wohl dennoch eine harte Kiste.

Im Telefongespräch mit Dave interessierte mich zunächst, wie groß denn das deutsche Interesse an der Band sei und warum die Jungs gerade hier ihre Promo-Tour gestartet haben: „Du bist der erste, mit dem ich heute spreche. Hehe. Nein, natürlich geben wir etliche Interviews, doch heute ist unser erster Interview-Tag. In den nächsten Wochen werden auf den ganzen Festivals noch viele dazu kommen. Da wir jedoch keine Festivals in Deutschland spielen, haben wir hier mit der Promo-Tour begonnen. Deutschland liegt uns sehr am Herzen und wir wollen auch wieder möglichst viele Shows spielen, denn das Interesse an uns ist hier schon immer groß gewesen und die Leute haben uns von Beginn an unterstützt. Wahrscheinlich haben wir hier die loyalsten Fans überhaupt.“

Viel Feedback hatte die Band zum Zeitpunkt des Interviews vor einigen Wochen noch nicht und selbst ich hatte damals "Nymphetamine" nur auszugsweise gehört: „Bislang konnte ich erst die drei Leute vor dir fragen und die fanden sie brillant.“ Spannend war natürlich, ob Roadrunner mit der Scheibe das bekamen, was sie sich vorgestellt hatten: „Roadrunner waren


vor allem froh, dass die CD endlich fertig war. Es hat ja auch lange genug gedauert, nachdem wir im Februar begonnen hatten. Wobei fünf Monate auch nicht so viel Zeit sind, finde ich. Da wir aber nur zwei veranschlagt hatten, bekamen wir schnell Nachfragen, wann die Platte endlich fertig sei.“

Die Verzögerungen kamen dabei aufgrund technischer Unzulänglichkeiten seitens der Ausrüstung zustande: „Mit dem Songwriting hatten wir keine Probleme, auch wenn es immer Songs gibt, an denen man länger arbeitet als an anderen. Wir hatten eher technische Probleme bei der eigentlichen Aufnahme. Ausrüstung ging kaputt, wie es uns niemals zuvor passiert ist. Das war schon komisch, jeden Tag verabschiedete sich etwas anderes.“

Mit dem Ergebnis sind die UK-Jungs in jedem Fall vollends zufrieden: „Klar, alles ist heavy und klingt deutlich nach Cradle Of Filth. Die Songs sind gut und die Produktion ist es auch. Vom künstlerischen Standpunkt aus, ist alles in Ordnung. Natürlich wird es immer Leute geben, die etwas auszusetzen haben, aber man kann schlichtweg nicht jeden überzeugen. Das begleitet uns seit den Anfangstagen.“

Mit dem Rückschritt weg vom Major hin zu Roadrunner sollten doch aber wenigstens einige Stimmen verstummen, auch wenn das Label für viele keine intuitiv nachvollziehbare Wahl darstellt: „Roadrunner hatte schon seit einigen Jahren Interesse an uns bekundet und immer wieder angefragt. Der Deal mit Sony war für uns nachteilig, weil wir recht schnell ein neues Album einspielen wollten, sie uns das aber nicht ermöglichen wollten. Also habe wir das Angebot von Roadrunner angenommen und nun erscheint die Platte, wie wir uns das gewünscht haben. Die Roadrunner-Leute stehen hinter uns und unserer Musik und das ist uns wichtig. Zudem sind sie nach wie vor in der schweren Musik-Szene verankert, gehen noch selbst auf Shows und stehen in Kontakt mit den Fans. Das gefällt uns, es geht nicht nur um Marketing, was bei Sony der Fall gewesen zu sein scheint.“

In Bezug auf die eigene Musik sehen sich die Metaller, was nicht weiter verwundert der eigenen Tradition verbunden, auch wenn sie heute deutlich breiter angelegt aufspielen: „Mit Cradle Of Filth haben wir nicht so viele Möglichkeiten, denn unsere Vergangenheit gibt uns die Zukunft vor. Wir müssen stets darauf achten, dass die Leute Veränderungen nachvollziehen können, denn wir sind auch ihnen verpflichtet. Wir haben satte Gitarren, schnelle Drums und keifende Vocals. Das reicht, damit die Leute abgeben und das spielen wir. Natürlich versuchen wir das um weitere Elemente auszubauen, um unseren Cradle Of Filth-Style aufzubauen, etwa die Streicher oder weiblichen Vocals. Wir sehen uns heute nicht mehr nur als Black Metal Band, was man wohl seit der Sony-Platte recht deutlich nachvollziehen kann. Mit "Nymphetamine" ist das noch offensichtlicher.“

 
 Links:
  Roadrunner Records
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Dragonforce
  King 810
  Live At Wacken 2013
  Soledown
  The Great Sabatini

Interviews/Stories:

  Wovenwar
  Vanna
  Nothing More

Shows:

  30.07. Deez Nuts - Muenchen
  30.07. Prong - Weinheim
  30.07. Brutality Will Prevail - Muenchen
  30.07. Biohazard - Pfarrkirchen
  30.07. Madball - Pfarrkirchen