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Mastodon

Storie von: arne, am 24.09.2004 ]

Mit nur zwei Veröffentlichungen, der Einstands MCD “Lifesblood“ und dem fabelhaften Debüt “Remission“, standen MASTODON aus Atlanta, Georgia sogleich im Ruf eine der besten und massivsten Heavy Metal- Bands unserer Tage zu sein. Kritiker auf der ganzen Welt übertrafen sich mit Superlativen und selbst der gemeine “Mainstream-Metal-Hörer“ musste schließlich Notiz von dieser gewichtigen Relapse-Band nehmen. Mit “Leviathan“ ist nun ihr zweiter Longplayer erschienen

 
Die Kooperation jeweils zweier ex-Mitglieder von Lethargy und Today Is The Day schlug einer Bombe gleich ein und das Quartett stand nun in der Pflicht mit seinem Zweitwerk seinem immensen Erwartungsdruck stand zu halten. Das tun MASTODON scheinbar ohne große Anstrengung, denn “Leviathan“ präsentiert sich von Beginn an ungemein relaxt; in seiner Wuchtigkeit zugleich aber auch unaufhaltsam. Als Konzept um Moby Dick angelegt, bilden Musik, Texte und Artwork eine runde Einheit, deren Teile sich gegenseitig stützen und bedingen.

Musikalisch setzt der Vierer stärker denn je auf 70er Jahre-Zitate, hört einfach mal ’Naked Burn’, was dem Heavy-Cocktail weitere Variabilität verschafft. Das schwere Rock-Revival erfährt also eine Forstsetzung in leicht geändertem Gewand, doch grundlegend hat man es nach wie vor mit recht instrumentell angelegter Musik zu tun, die zudem ordentlich groovt. Das Soundbild ist durchweg voll, heute wohl noch voluminöser, und vielleicht auch ein wenig verrückt, aber das ist ja schon die Idee, als Metal-Band ein Konzeptwerk zu Moby Dick einzuspielen.

Die bloße Musik hat viel Raum zur Entwicklung, lässt sich oftmals treiben, und die jeweilige Richtung ist dabei offen. "Leviathan" gestaltet sich als sehr intensives Hörerlebnis voll interessanter Wendungen, einer sehr emotionalen Schlagseite und voll massiver Soundwände. Die nahezu perfekte Mischung aus rockigen Elementen und technischem Anspruch catcht von Beginn an und die nunmehr offen gesungenen Vocals verstärken den Nachhaltigkeitsfaktor erheblich.

Höhepunkt der Scheibe ist das 14 minütige Instrumental 'Hearts Alive', in dem jedes Bandmitglied seine jeweiligen Stärken auslebt, und das ein klasse Finale darstellt. Die entscheidende Weiterentwicklung markiert sicherlich das deutlich rundere Songwriting, mit dem MASTODON heute schlichtweg glänzen. Allein der schwere Soundfluss scheint im Fokus gestanden zu haben und jeder Track zeigt sich ausgewogen und bis ins letzte Detail ausgearbeitet.

Das Heavy-Spektrum auf "Leviathan" reicht von Stoner-Groove, über gewisse Prog-Rock-Passagen und kurze Sludge-artige Sequenzen, über Slayer-Anleihen bis hin zu Southern Rock-Zitaten und noch viel weiter über all das hinaus. MASTODON zelebrieren ihr universelles Verständnis schweren Metals und das ist schlichtweg zeitlos und allumfassend. Im Gespräch mit Gitarrist Bill Kelliher interessierte mich zunächst, wie denn die Band selbst das Feedback auf ihre Releases aufgenommen hat, denn kaum einer Band wird schon beim Debüt attestiert, einen Klassiker aufgenommen zu haben:

„Ähnliche Statements habe ich natürlich auch gelesen, aber was soll ich


groß dazu sagen? Wenn gleich dein erstes Album als „essentielles Metal-Album, ohne das man nicht leben kann“ bezeichnet wird, muss man etwas richtig gemacht haben und Vergleichbares stand auch im Metal Maniacs und Terrorizer. Es gibt Listen von Metal-Klassikern, in denen wir mit “Remission“ gleich hinter Motörhead und den Melvins kommen. Das ist doch verrückt und doch scheinen die Leute es wirklich ernst zu meinen. Das ehrt uns natürlich sehr, doch so recht glauben kann ich es noch immer nicht.“

Mit “Leviathan“ scheint sich das nun nahtlos fortzusetzen, denn Presse und Fans scheinen gleichermaßen durchzudrehen. Die Schattenseiten größerer Popularität sind natürlich, dass man gewissen Erwartungen gerecht werden muss. Das mussten auch MASTODON erfahren:

„Natürlich ist es hart, wenn man einen „Hit-Song“ hat, den jeder kennt und den man dann spielen muss. ’Shadows That Move’ von unserer ersten MCD war so einer, weil Relapse ihn auf alle Sampler gepackt hatte. Einige von uns wollten den Song schon gar nicht mehr spielen, aber es gehört wohl dazu und mit ’March Of The Fire Ants’ wurde es dann noch schlimmer, weil das Video auf MTV rauf und lief und ihn so noch mehr Leute kannten. Fehlt uns einmal die Lust oder Motivation, die Songs live zu spielen, rufen wir uns immer wieder unsere glückliche Situation ins Gedächtnis und finden schnell neue Energie. Langsam haben wir uns daran gewöhnt, denke ich.“

Der Erfolg kommt jedoch nicht vor ungefähr, denn auf den starken Releases ruhen sich MASTODON keinesfalls aus. Seit Bandgründung fährt das Quartett ein beachtliches Programm, ob nun live oder im Kontakt mit Fans und Presse:

„Wir arbeiten sehr hart für die Band und touren, sooft wir dazu Gelegenheit erhalten. Schau dir einfach unseren Tourplan an, wir lassen nichts aus. Für jede Tour machen wir neues Merchandise und versuchen den Leuten etwas Neues zu bieten. Das Gleiche gilt für Interviews und die Fans. Wir sprechen mit jedem, der sich an uns wendet und sind glücklich die Chancen zu haben, die sich MASTODON eröffnet haben. Langsam beginnt sich das auszuzahlen, doch wir werden nicht zurück stecken und weiterhin so hart wie möglich arbeiten. Alle Mitglieder sind gleichermaßen motiviert und wir sind eine starke Gemeinschaft, die gemeinsam ihren Traum lebt. Es beginnt ja gerade erst, dass ein breiteres Publikum von uns Notiz nimmt. Alles entwickelt sich natürlich aber kontinuierlich. Gerade in diesem Monat waren wir schließlich gezwungen uns ein Management zu suchen. Bislang hatten wir alle Angelegenheiten in bezug auf MASTODON selbst geregelt, doch nun ist es uns über den Kopf gewachsen.“

 
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