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Ocean, The - Part 1

Interview von: arne mit Nils, am: 10.09.2004 ]

Mit "Fluxion" legt das Berliner Kollektiv THE OCEAN seinen zweiten Longplayer für Make My Day vor und spätestens jetzt ist klar, dass die Formation keine Eintagsfliege ist. Überzeugte "Fogdiver" durch seine rein instrumentalen Kompositionen zwischen Minimal- und Brachial-Rock, setzt das neue Album auch heftigere Akzente. Wie auch schon zur letzten Platte, erscheint das Interview zweigeteilt...

 

Musicscan: Wie ist der momentane Stand der Dinge bei The Ocean? Welche Neuigkeiten gibt es neben der anstehende neuen Platte?

Ocean, The - Part 1: Passend zur Platte gehen wir natürlich auch auf Tour, und zwar für drei Wochen im Oktober, wobei wir zum ersten Mal auch Spanien und Frankreich unsicher machen werden. Eine wichtige Neuigkeit ist unser Sänger Meta, der auf „Fluxion“ ausgiebig zu hören ist und unter anderem auch auf unserer release party – im Duett mit Markus – bestaunt werden konnte. Derzeit arbeiten wir unter anderem am artwork für die Vinyl-Version von „Fluxion“. Wie auch schon bei „Fogdiver“ planen wir, die LP etwas anders zu gestalten als die CD. Nebenbei wird natürlich kräftig geprobt, aber das ist ja bei uns ohnehin Standard.

Musicscan: Wie heiß seid Ihr, Eure neuen Songs auf die Bühnen dieser Welt zu tragen? Und wie sind die ersten Live-Tests angekommen? Ihr habt ja sicherlich schon einiges auch live gespielt...

Ocean, The - Part 1: Von den acht Songs der „Fluxion“ haben wir bislang vier in unserem live-Set, die meisten sogar schon eine ganze Weile. Sie haben sich live also bereits bestens bewährt. Viele der Songs auf „Fluxion“ sind bis zu eineinhalb Jahre alt und hatten somit schon einen langen Wachstumsprozeß hinter sich, als wir die Platte aufgenommen haben. Für die Tour wird es dann als Neuzugang in unserem live-Set den Gassenhauer und Straßenfeger Dead on the Whole geben.

Musicscan: Wenn Du das Feedback auf „Fogdiver“ rekapitulierst, was ist bei Dir hängen geblieben, woran erinnerst Du Dich spontan?

Ocean, The - Part 1: Der meiner Meinung nach großartigste und auch charakteristischste Kommentar stammt aus einem online-review und lautete: „The Ocean brauchen keinen Sänger, um zu singen“. Zusammenfassend würde ich sagen, daß wir alle ziemlich überwältigt waren vom Feedback. Nicht nur, weil die Platte fast ausschließlich gelobt wurde, sondern vor allem weil die Begeisterung sämtliche Genre-Grenzen überschritt. Unter unseren Anhängern waren plötzlich auch Metaller, Alt-Hippies, Crusties und Skate-Punker, obwohl wir uns selbst bis dahin eher – wenn überhaupt irgendwo – hauptsächlich im Hardcore-Bereich verortet hatten. Gerade diese Leute übrigens hatten die meisten ‚Probleme’ mit unserem Sound.

Musicscan: Für einen quasi unbekannte Band ist es ja ein mutiger Schritt gewesen, mit einem Instrumental-Werk durchzustarten. Rückblickend habt Ihr natürlich alles richtig gemacht, denn das Feedback gibt Euch recht. Wünschtet Ihr Euch eventuell trotzdem, dass „Fogdiver“ schon Gesang hätte haben können?

Ocean, The - Part 1: Nein, wir sind auch heute noch zufrieden mit der Platte. Die Songs auf „Fogdiver“ waren allesamt von Anfang an instrumental angelegt, was man sicherlich auch hört. Die Idee war ungefähr die: es sollte keinen Gesang geben, aber trotzdem sollte man natürlich nicht das Gefühl kriegen, daß etwas fehlt. Das ist uns glaube ich auch ganz gut gelungen – siehe obiges Pressezitat.

Musicscan: Wie erklärt Ihr Euch denn den großen Zuspruch, den Ihr von quasi allen Seiten her erhaltet? Mit welchem „Rezept“ catcht Ihr die eigentlich so unterschiedlichen Lager?

Ocean, The - Part 1: Ein wirkliches ‚Rezept’, also ein Schema, nach dem jeder unserer Songs entsteht, haben wir nicht. Das zeigt sich sicherlich auch in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Stücke. Aber ein Fundament des Ocean-Sounds ist sicherlich die Unzufriedenheit mit den Ketten, die man sich selbst anlegt, wenn man ‚richtigen’, ‚echten’, ‚wahren’ Hardcore (Metal, Emo, Techno etc. pp.) machen will. Jede der unzähligen Bands, die von sich behaupten, endlich wieder (beispielsweise) ‚wahren’ Hardcore zu machen, reproduziert mit ihrer Musik letzten Endes lediglich ein zehn oder zwanzig (jenachdem ob nun echter new oder echter old school) Jahre altes Muster. Das spiegelt sich auch darin wieder, daß ihre Anhängerschafen zu einem gewissen Teil ziemlich engstirnig in den ganzen Klischees verhaftet zu sein scheinen. Natürlich kann man von keinem verlangen, unsere Musik zu mögen, aber es scheint in vielen Szenen (ganz gleich welcher Musikrichtung) üblich zu sein, alles, was die eigenen Genre-Grenzen sprengt, a priori abzulehnen. Daher, um auf die Frage zurückzukommen, kann man auch nicht sagen, wir würden gleich ganze Lager catchen: ich habe eher den Eindruck, daß die Leute, die auf uns stehen, in ihren jeweiligen Lagern eher Minderheiten darstellen. Das merken wir auch immer dann, wenn wir z.B. auf einer ‚richtigen’ Hardcore-Show als support spielen: der Großteil der Leute ist da eher reserviert. Computer, Ölfässer und Celli passen da einfach nicht ins Bild. Auf einem Festival hingegen, wo viele Stile oder zumindest verschiedene Spielarten eines Genres zusammentreffen, ist der Zuspruch schon wesentlich größer, so z.B. auf dem Riot-, dem Krakfest oder unlängst in Fredericia.

Musicscan: Hat sich Eure Einstellung in bezug auf das Kollektiv The Ocean verändert oder arbeitet Ihr nach wie vor wie immer?

Ocean, The - Part 1: Die Arbeitsweise verfolgen wir mittlerweile seit über vier Jahren und wir sind damit zufriedener denn je. Das liegt sicherlich auch daran, daß wir seit 2002 über ein sehr stabiles Line-Up verfügen und mittlerweile, 60 Shows und unzählige gemeinsame Stunden in verdreckten Tourbussen später, auch ganz gut auf einander eingespielt sind. Wir sehen also keinen Grund jetzt einen Schritt zurückzumachen und auf eine konventionelle Arbeitsweise umzusteigen. Der Dampfer ist ja jetzt erst so richtig in Fahrt gekommen...

Musicscan: „Fluxion“ im Ganzen wirkt auf mich um einiges härter, gerade auch durch den teils schroffen Gesang. War das in dem Ausmaß von Euch vorab beabsichtigt oder klang das Ergebnis am Ende schlichtweg so?

Ocean, The - Part 1: Dazu ist zunächst zu sagen, daß, wie oben angesprochen, die Mehrzahl der Songs aus der selben Zeit wie stammt wie die von „Fogdiver“. Sie unterscheiden sich, rein musikalisch, also nicht wesentlich von denen der aktuellen Platte. Der Eindruck, „Fluxion“ sei wesentlich härter, scheint also in der Tat nur durch den Gesang vermittelt zu sein. Was unsere Absichten angeht: wir sind nicht mit dem Vorsatz herangegangen, ein Album aufzunehmen, das härter ist als sein Vorgänger, waren uns aber schon bewußt, daß sich durch den Gesang die Wahrnehmung der Songs ein wenig verschiebt – bishin zum Er-, Ver- und Zerschrecken eines Teils der bisherigen Hörerschaft, nämlich derer, die uns bislang nur von der „Fogdiver“ her kannten und niemals live gesehen hatten.

Musicscan: Wahrscheinlich gibt es auch erneut kleine Feinheiten, dass Ihr Themen über mehrere Songs führt oder später heimlich wieder aufnehmt oder auf Zitate von „Fogdiver“ zurückgreift. Gib es so etwas zu finden?

Ocean, The - Part 1: The Ocean wären wohl kaum The Ocean, wenn dem nicht so wäre. Aber an dieser Stelle derartige Dinge öffentlich vorwegzunehmen, fände ich ein wenig schade. Ein aufmerksames Hinhören bei Isla del Sol dürfte dem genigten Fan eine solche Frage aber sicherlich beantworten.

Musicscan: Lässt sich die musikalische Weiterentwicklung in Euren Augen an bestimmten Eckpunkten festmachen? Alles hat sich ja kontinuierlich entwickelt und man spürt auch von Beginn an, dass das neue Material sowohl effektiver als auch intensiver wirkt...

Ocean, The - Part 1: Von den acht „Fluxion“-Songs sind viele bereits entstanden, als „Fogdiver“ nicht einmal aufgenommen war. Drei davon (Nazca, The Human Stain, Isla del Sol) spielen wir bereits seit Anfang 2003 live. Besonders diese Stücke hatten dadurch einen langen Veränderungsprozeß hinter sich, bevor sie auf die Platte kamen. Das dürfte sicherlich ein Grund sein, warum das neue Material vielleicht etwas ausgefeilter klingt. Hinzu kommt natürlich auch, dass wir bei den Aufnahmen zu „Fogdiver“ viele praktische Erfahrungen gesammelt haben, die wir in den Entstehungsprozeß zur neuen Platte mit einbringen konnten. „Fluxion“ ist, wie sicher unschwer zu erkennen, auch in technischer und sound-mäßiger Hinsicht ein großer Schritt nach vorn. Wär auch schade, wenn dem nicht so wäre – immerhin wir haben ein gutes halbes Jahr lang an der Platte gebastelt.

Musicscan: Was mir an den neuen Songs auffällt, ist, dass sie vom Songwriting her in Summe deutlich runder und auch irgendwie relaxter ausgefallen sind, obwohl sich auch irgendwie härter kommen teilweise. Worauf habt Ihr denn beim Songwriting fokussiert?

Ocean, The - Part 1: Wie gesagt: die Songs auf „Fluxion“ sind teilweise schon über eineinhalb Jahre alt und hatten dadurch Zeit, sich zu bewähren, nicht zuletzt auch durch unermüdliche live-Tests. Genau hier liegt der Unterschied zu „Fogdiver“ hinsichtlich des Songwriting: von den „Fogdiver“-Songs hatten wir keinen einzigen zuvor live gespielt und die Zeit, die zwischen Schreiben und Aufnehmen lag, war auch nicht so groß wie bei „Fluxion“. Das ist sicherlich ein Vorteil der „Fluxion“-Songs. Dadurch wirkt die Platte ‚runder’. Was die Härte angeht, würde ich nicht unbedingt sagen, daß sich „Fluxion“ vom Vorgänger stark unterscheidet. Auch hier gibt es ausgedehnte Instrumentalpassagen in vielen Songs und wir haben mehr denn je mit Celli, Geigen, Flöten etc. gearbeitet. Was den Härte-Eindruck aber sicherlich verstärkt, ist einfach der Gesang – und genau hier liegt ja leider auch das Problem einiger Plattenkritiker. Ich betone übrigens: einige! Denn mit jedem neuen review, das eintrudelt, stellen wir fest, daß der Großteil der einschlägigen Presse die Platte doch recht positiv aufnimmt und oftmals sogar besser bewertet als „Fogdiver“. Das Waste of Mind, (ich weiß, deine Konkurrenz, aber ich muß das hier einfach zitieren) meinte gar: „Berlin hat wieder eine Metal-Band vom Weltklasseformat – und die heißt ausgerechnet The Ocean“.

 
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