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Southside Festival Bericht

Storie von: Matthias Rauch, am 26.07.2004 ]

Auch dieses Jahr rief das Southside Festival wieder für ein Wochenende in das beschauliche Neuhausen ob Eck, von dessen Flughafen man einen überaus beeindruckenden Blick über den Schwarzwald hat. Und auch anno 2004 ließ das Wetter wieder einmal nicht zu wünschen übrig und mit Ausnahme eines kleinen Regengusses am Sonntag Nachmittag konnte sich wohl niemand über die Wetterlage beschweren. Mal ganz abgesehen vom diesjährigen Line-Up, das wieder einmal sehr viel versprechend war und einige hochkarätige Acts zu bieten hatte.

 

Doch fangen wir erstmal von vorne an. Nachdem wir uns durch den Anfahrtsstau gekämpft hatten, hieß es Zeltaufbau und da wurde man schon mit den ersten Klängen von der Main Stage beschallt. Jupiter Jones legten zumindest über die weite Entfernung ein sehr sympathisches und energiegeladenes Set und ich freue mich für die Jungs, dass es jetzt endlich schneller nach vorne geht und bin schon gespannt, was das neue Album bringen wird. Tomte wurden wie erwartet schon um 19.00 Uhr abgefeiert, obwohl die Show etwas zahm und eher zurückhaltend war und nicht ganz an die Intensität ihrer Headline-Shows heranreichte. Dennoch klarer Punktsieg für die Mannen aus Hamburg. Nebenan machten sich die Kollegen von Beginner gerade daran, die jetzt stetig wachsende Menschenmenge in Stimmung zu bringen. Gentleman und Kollegen konnte man sich getrost sparen, denn es warteten ja schon der Black Rebel Motorcycle Club darauf, das Volk zu rocken. Und das taten sie dann auch nach allen Regeln der Kunst und ich denke kaum einer wird nach dieser Show den Festivalplatz enttäuscht verlassen haben. Danach die kiffenden Hip Hop- Altmeister von Cypress Hill, die eine überraschend kompakte und unterhaltsame Show mit allen Hits aufs Parkett legten, die die folgenden Fantastischen Vier doch eher alt aussehen ließ. Within Temptation war dann doch jenseits von Gut und Böse, so dass wir uns schon mal darum kümmerten, dass der morgen danach, richtig hart werden würde.

McLusky stellte unser Einstieg in den Samstag ein. Und die noisig, brachialen Songs der Waliser waren gerade die richtige Musik, um gänzlich aufzuwachen und die Jungs boten wieder einmal ein hervorragendes Set. Man sollte allerdings auf jeden Fall mal bei einer Clubshow vorbeischauen, da die Herrschaften hier doch noch ein ganzes Stück intensiver und zwingender rüberkommen als auf einer überdimensional wirkenden Bühne. Sowohl Gluecifer als auch The Bones rockten sich danach ordentlich prollig durch ihre knappe Stunde Spielzeit und jeder merkte, dass es Zeit für Ash war. Die Nordiren brauchten eine ganze Weile bis sie mit dem Publikum warm wurden, doch am Ende hatte die Band wieder alles in der Hand und die Leute nahmen auch die Songs des neuen Albums „Meltdown“ wohlwollend auf. Überraschungssieg nach Punkten fuhren dann ganz klar die herrlich arroganten Schweden Mando Diao ein, die ein schön druckvolles und energiegeladenes Set darboten. Danach sahen Ant-Flag etwas verwirrt aus, die vor allem mit ihren überraschend dümmlich anmutenden Ansagen nicht gerade überzeugen konnten. Dies verwundert umso mehr als man die Band ja als durchaus sehr reflektierend und politisch kennt. Für alle Nostalgiker boten Life Of Agony dann eine sehr ordentliche Show, wobei es fast ein Wunder war, dass Frontman Keith Caputo alle Texte parat hatte, angesichts seines total bekifften Zustands. Fünf Sterne Deluxe waren danach genauso prollig wie genial und hatten die Menschen mit dem ersten Song in der Tasche. Respekt. Das hätte nach einer derart langen Pause, wohl doch niemand wirklich erwartet. Nachdem bekannt wurde, dass David Bowie wegen Krankheit kurzfristig absagen musste, waren die Pixies für viele das absolute Highlight des Festivals. Und die Band hielt Wort und überbot sogar noch die sowieso schon exorbitant hohen Erwartungen. Geredet wurde nicht, dafür aber umso


mehr gerockt und zwar ein Hit nach dem anderen. Die Pixies bliesen damit jegliche Ausverkaufvorwürfe einfach hinweg und ließen die folgenden Placebo trotz mächtiger Lightshow und ordentlicher Show ein wenig blass aussehen. Die Sportfreunde Stiller, die schon früher auf der Hauptbühne in die Presche gesprungen waren wurden gefeiert ohne Ende, was unter anderem auch daran liegen mag, dass die Jungs immer mehr in Richtung Stadion schielen. Auch die Beatsteaks hatten dann keine Probleme für einen feucht-fröhlichen Abschluss des Samstag zu sorgen.

Für die meisten viel zu früh waren die fantastischen Snow Patrol angesetzt, die ein sehr schönes Set bot, wobei die Band noch deutlich von Vorabend gezeichnet war. Danko Jones zogen ihre Masche aus AC/DC und minutenlangen Ansagen, die mittlerweile doch eher nervvend daherkommen, routiniert ab, worauf dann The (International) Noise Conspiracy vor einem überdimensionalen „Armed Love“ Banner das neue Material ihres fabelhaften neuen Albums präsentierten. Auch die Kanadier Billy Talent zeigten sich sehr einsatzfreudig und energiegeladen, wie man das ja schon von ihren Clubshows gewöhnt ist. Bright Eyes enttäuschten auf der wohl doch zu großen 2nd Stage und Connor Oberst hatte sicherlich stimmlich schon mal bessere Tage. Auf jeden Fall hörte sich die Band schon mal wesentlich intensiver, eindringlicher und berührender an als an diesem Nachmittag. Franz Ferdinand bewiesen dann kurz darauf, dass der Hype um sie definitiv berechtigt ist und holten sich die Trophäe für die stylischste und sympathischste Band des Tages. Sarah Bettens lies es sich dann doch nicht nehmen, eine ganze Reihe K’s Choice Songs zu intonieren, was angesichts ihrer Soloambitionen doch etwas merkwürdig erschien. Wilco waren wie immer über alle Zweifel erhaben und gewohnt herrlich unspektakulär und unaufdringlich. Ähnliches lässt sich von Mogwai an diesem Tag behaupten, die zwar ein sehr stimmiges und gelungenes Set boten, doch ihre Musik einfach Dunkelheit verdient und bei untergehender Sonne nicht ganz die gleiche Atmosphäre zu versprühen vermag. PJ Harvey macht mit ihrer kathartischen Show wieder einmal klar, wer die Chefin im Singer/Songwriter Lager ist, worauf dann The Hives mit ihrer gestelzt überheblichen Show wieder jeden am zappeln hatte. Überraschend war danach, dass Air, die gleichzeitig mit The Cure spielten, denn Briten fast ein bisschen die Show stahlen. Das mag am einen daran gelegen haben, dass The Cure fast gänzlich auf Hits und vor allem älteres Material aus den Anfangstagen verzichteten, als auch mit der Tatsache, dass die Männer um Robert Smith zwar gut gelaunt, aber doch etwas kraftlos wirkten. Dagegen legten die beiden Franzosen eine sehr überzeugende Show hin, die zusammen mit ihrer ausgeklügelten und durchdachten Lightshow einen mehr als würdigen Schlusspunkt für das diesjährige Southside setzen konnten.

Abschließend noch ein Kompliment an den Veranstalter Scorpio, der wieder für eine sehr angenehme Atmosphäre, eine kompetente Organisation, sowie mit fast gleich bleibenden Ticketpreisen ein sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis sorgte. Die Tatsache, dass das Southside in diesem Jahr zum ersten Mal mit 40.000 Besuchern ausverkauft war, spricht wohl für sich und ich bin sicher, wir sehen uns wieder im nächsten Jahr.

 
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