Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1796

Narziss

Storie von: arne, am 19.07.2004 ]

NARZISS meldeten sich kürzlich mit ihrem Zweitwerk "Neue Welt" über das bandeigene Circulation Records zurück. Der Album-Titel ist dabei Programm, denn in kleinem Rahmen erfinden sich die Jenaer darauf neu.

 
Natürlich gibt's einmal mehr die volle MetalCore- Kelle, doch ist diese in ihrer Gesamtheit heute differenzierter und offener angelegt. So erklingen etwa ungewohnt viele Melodien, auch vordergründig, und einprägsame Parts finden sich zuhauf. Der ganzen Aufnahme schwingt ein sehr moderner Touch mit, der NARZISS in die Nähe der so angesagten US-Ostküsten- Metalbands rückt.

Trotz, oder gerade wegen, ihres offeneren Sounds sind die Ostdeutschen nach wie vor schön aggressiv und druckvoll geblieben. Die straighten Abgeh-Passagen setzen hierbei den guten Kontrast zu den melodielastigen. In punkto Songwriting ist "Neue Welt" für die Band ein großer Schritt nach vorne, denn so rund und abwechslungsreich präsentierten sich die Thüringer in der Vergangenheit nicht.

Ein weiteres Element der neuen Vielfalt ist der nunmehr zweistimmige Gesang. Natürlich nach wie vor in deutsch vorgetragen, treten Rayk (ex- Self Conquest) und Alexander Bartsch in Erscheinung, der vor Jahren schon die "Ebenbilder" MCD einschrie: „Ich gestehe, dass wir uns viele Gedanken gemacht haben, wie wir das plausibel erklären.“ berichtet Gitarrist Johannes:

„Alex ist im letzen halben Jahr oft mit im Proberaum gewesen und wir hatten ja auch mal eine Show, auf der wir die ganze alte Ebenbilder CD gespielt haben und bei der Alex mitgewirkt hat. Nach dieser Show hatte Rayk die Idee, sich Unterstützung zu holen. Alex war da und wer da ist, muss mitmachen. Nicht zuletzt hat er das Stimmbild von NARZISS (zumindest im Osten) wesentlich geprägt. Wir sind froh, dass er wieder dabei ist.“

Im MetalCore-Segment längst fest etabliert, sind nach wie vor die deutsch vorgetragenen Texte das Markenzeichen der Band: „Inzwischen habe ich mich mit der Tatsache angefreundet, dass zuerst die deutschen Texte als Trademarks erkannt werden. Damit sind wir ziemlich allein auf weiter Flur und es ist ein großer Bonus. Musikalisch schwankt das immer ein bisschen, je nach dem, was uns gerade gefällt. Auffallend finde


ich die Entwicklung, dass wir zunehmend schneller werden. Zwar versuchen wir uns auf der neuen CD an ein paar Mosh-Sachen, aber die können wir nur in der Verbindung mit der Geschwindigkeit gut. Zu guter Letzt wären da noch die Melodien für Millionen. Es gibt viele melodische Bands im MetalCore-Sektor, die ihre Melodien frei nach Heaven Shall Burn in Sechzehnteln herunterschrubben, ohne dabei das melodische Geschick von HSB zu erreichen. Wir haben versucht das zu umgehen, indem wir die Melodien bewusst in den Rhythmus eingearbeitet haben oder, in Punk-Manier, einfach über ein paar Grundakkorde.“

In bezug auf "Neue Welt" fällt auf, dass NARZISS heute variabler aufspielen und gleichzeitig druckvoller angelegt sind:

„Die Frage, wie unsere Musik klingen sollte, haben wir bewusst ausgeblendet. Wir haben uns einfach hingestellt und komponiert. Ein Konflikt war es dann schon, ’blind und vergessen’ auf eine CD zu setzten, da uns der Kontrast wirklich enorm erschien. Für mich bilden allein die Texte die Verbindung zwischen unseren Releases. Der aggressive Sound ist nicht zuletzt die gute Arbeit von Tue Madsen. Ich hatte nie geglaubt, dass ein guter Mix soviel ausmacht. Vielleicht ist es auch die Mischung der Songs, die die wirklich aggressiven Passagen heftiger und die leichten, getragenen Parts einfach schöner macht. Ansonsten ist "Neue Welt" die erste CD von uns, die ich mir auch zwei Monate nach Fertigstellung anhören kann, ohne vor Ärger grün und blau zu werden.“

Die Weiterentwicklung ist offenkundig: „Mit der “Ebenbilder“ hatten eine New School EP veröffentlicht, “Die Hoffnung stirbt zuletzt“ war dann reiner MetalCore und “Neue Welt“ ist für mich die Symbiose aus beidem. Die Kompositionen sind ausgereifter; nicht so aufgesetzt wie bei der „Hoffnung“ und nicht so roh wie auf “Ebenbilder“. Da stellt sich natürlich mir die Frage, was wir als nächstes machen sollen, aber die Erfahrung hat ja gelehrt, dass weniger Nachdenken weiterhelfen kann.“

 
 Links:
  Narziss
  Circulation Records
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Amaranthe
  Kill The Lights
  Plague Years
  Symmetric Organ
  Living Gate

Interviews/Stories:

  New Hate Rising
  Dance Gavin Dance
  Make Them Suffer

Shows: