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Forced To Decay

Storie von: arne, am 04.02.2002 ]

Die Solinger forced to decay melden sich nach vierjähriger Pause mit ihrem dritten, selbstbetitelten Album (natürlich wieder auf Perr Koro) eindrucksvoll zurück. Harte Musik zwischen Grind, Sludge, Punk, Emo, Hardcore und Death Metal bestimmt das Bild.

 
Die Band bewegt sich zwischen vielen Stühlen und gerade da macht ihren Reiz aus. Auch wenn sie längst keine Unbekannten mehr sind, trifft die Band noch immer nicht auf die ihr zustehende Resonanz. Hoffentlich ändert sich das mit dem neuen Album, denn die zehn Songs bieten im komprimierter Form all das, was diese außergewöhnliche Formation auszeichnet. Neben ungeheurer Kompromisslosigkeit jenseits enger Grenzen sind das wohl auch die deutschen Texte und mit Sicherheit die Stärke, den eingeschlagenen Weg trotz aller Rückschläge konsequent weiter zu gehen. Eben das zeichnet eine gute Band aus und Qualität setzt sich irgendwann von ganz alleine durch.

Bereits 1994 erschien ihr Demo "No Way Out" und in den vergangenen neun Jahren folgten der "Yggdrasil" 7Inch drei Longplayer. Eine Europa-Tour an der Seite von Crowbar sowie beständige Arbeit im Underground erarbeite forced to decay einen ansehnlichen Ruf. Doch auch Niederlagen galt es zu verarbeiten und vielleicht ist das neueste Werk gerade deshalb derart fokussiert!? Die Zeit zwischen Sommer '99 und Ende 2000 beschreibt Gitarrist Thorsten Wilms als größte Durststrecke der Band. Die letzte Platte "Perkussive Perlokution" war aufgrund von Vertriebsproblemen nicht erhältlich, die Tour zum Album platzte und forced to decay mussten sich von ihrem langjährigen Drummer trennen. Das Ende der Band drohte, doch alle Unwägbarkeiten sind inzwischen aus dem Weg geräumt und die Band startet nun neu durch.

Vielfalt ist das Schlüsselwort, wenn man den Sound der Solinger beschreiben will und das weiß auch Thorsten: "Im Gegensatz zu Grind-Bands lockern wir unseren Sound mit vielen ruhigen Passagen auf, die nachfolgende Eruptionen noch intensiver machen. Reines Prügeln ist nicht unser Ding. Außerdem stehen wir auf obskure Breaks und Riffs, allerdings versuchen wir im Gegensatz zu Today Is The Day

oder den Melvins nie den roten Faden zu verlieren. Was mir persönlich am meisten liegt, sind die super-langsamen Doom-Parts. Da habe ich schon mal Asphyx als Referenz zu gehört. Wir liegen mit unseren Blast-Beats, Metal-Riffs, Noise-Gitarren und Akustik-Depri-Momenten irgendwo im Spannungsfeld zwischen Extrem-Metal, Hardcore und Psycho-Noise-Musik. Wir kreieren natürlich nicht grundsätzlich etwas Neues, aber wir mischen verschiedenste extreme Klänge zu einem besonderen Potpourri. Unsere Vorzüge: wir sind unberechenbar!"

Definitiv und gerade das empfinde ich als sehr erfrischend. Vielleicht ist gerade das aber auch der Grund für den zögerlichen Umgang mit der Band, deren Musik oftmals auf Unverständnis trifft: "Noch vor drei Jahren hätte ich dir uneingeschränkt zugestimmt, mittlerweile zeigt sich allerdings, dass die Leute uns ernster nehmen. Viele wissen, dass wir seit Jahren in der Szene agieren und uns auch engagieren und gehen offener an unseren Sound ran. Sei versuchen zu entdecken, was andere so innovativ und gut an uns finden. Wer sich mit forced to decay beschäftigt, kann glaube ich nicht enttäuscht werden, solange er eine gewisse Affinität zu harter Musik mitbringt. Das Unverständnis wird weniger, das Interesse nimmt zu, ganz klar."

Zudem muss man den Musikern einen Hang zum Perfektionismus unterstellen. In bezug auf die eigene Band wird nichts dem Zufall überlassen. Forced to decay sind als Gesamtkonzept zu verstehen und das spiegelt sich auch in der grafischen Gestaltung wider. So dokumentieren die Bilder des Booklets die Stimmung der jeweiligen Songs oder greifen textliche Passagen auf. Da es nicht immer der eigenen Worte bedarf, seine Gefühlszustände auszudrücken, vertonte die Band diesmal ein Gedicht von Erich Fried.

Was man noch wissen sollte: "Wir sind nicht so traurig, wie es den Anschein hat."
 
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