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Zeke

Storie von: arne, am 03.06.2004 ]

Die Karriere von ZEKE aus Seattle ist weder von großen Exzessen noch medienwirksamen Eskapaden begleitet und doch sind sie eine der bekanntesten Rock’n’Roll- Bands. Rotzig und kompromisslos unterwegs, verzichtet das Trio auf großen Posen und konzentriert sich auf das Wesentliche, seinen kratzigen Sound.

 
Selbst dem Drogenmissbrauch haben die Musiker bereits vor Jahren abgeschworen. Mit "'Til The Livin' End" erschien kürzlich über Relapse ein neuer Longplayer und dessen Titel verstehe ich als Band-Maxime. ZEKE präsentieren sich erneut von ihrer besten Seite, spielen höchst effektiven Punk’n’Roll mit herrlich dreckiger Attitüde. Dabei bedienen sie dankbar alle gängigen Klischees und gehen durchweg Highspeed. Die schon legendäre Mischung aus Hard Rock (Motörhead, AC/DC) und klassischem Punk-Rock (Ramones, right) knallt wie eh und je und ich bin froh, dass ZEKE wieder da sind. Selbst als sich die Kombo 2002 zwischenzeitlich auflöste, blieben ihr die Fans treu und die Reunion ein Jahr später überraschte kaum jemanden, obwohl sie eher zufällig zustande kam. ZEKE sind mit Leib und Seele Punk’n’Roll und ohne schäbigen Touralltag und totale Selbstverausgabung geht es für die Musiker wohl einfach nicht.

Die Veröffentlichung der Live-DVD "Live And Uncensored" auf Dead Teenager, dem Label von Trommler Donny Paycheck, läutete die Neubeginn ein wie der Drummer berichtet: „Es war schon ein richtiger Split und eine Zeit lang hatten wir untereinander keinen Kontakt. Wir waren nach all der Zeit einfach ausgebrannt und brauchten eine Pause, um weiterhin Freunde bleiben zu können. Es war auch nicht geplant, wieder zusammen zu kommen. Als ich dann die DVD heraus brachte, fragte mich mein Mitstreiter Ben Rew, ob wir nicht eine Record Release Show spielen wollten und das taten dann wir. Die Idee weitere Shows zu spielen, gefiel uns und so waren wir wieder da.“

Dabei hatte gerade das extensive Touren verbunden mit totaler Verausgabung zum temporären Ende von ZEKE geführt. Die Band war schlichtweg ausgebrannt, hat aus dieser Erfahrung aber Lehren für die Zukunft gezogen: „Wir werden definitiv weniger Shows spielen, nur noch 150 statt 250 in einem Jahr. Im Moment sind wir seit etwa sieben Wochen auf Tour und das hat uns schon gehörig geschlaucht. Glücklicherweise wissen wir heute, wann wir aufhören müssen und werden in Kürze wieder pausieren. Erst danach geht es wieder auf Tour.“

Das beständige Interesse ihrer Fans hilft ZEKE immer wieder neue Kraft und Motivation zu tanken, war es doch auch nach dem Split ungebrochen stark geblieben: „Es sind immer wieder Leute an uns heran getreten und einige hatten nicht einmal mitbekommen, dass wir die Auszeit genommen haben.. Die Leute hörten weiter unsere Platten und das Interesse an ZEKE hat nie wirklich nachgelassen. Das hat uns Stolz gemacht.“

Eine Begründung dafür ist sicherlich, dass die Lücke der Seattle-Band von keiner anderen Kombo ausgefüllt werden konnte, bis sie selbst wieder auf den Plan trat. Der Zeitpunkt scheint denkbar clever gewählt, denn nach dem ganz großen Hype der „neuen“ Rock’n’Roll Bands scheinen jetzt allein die


wirklich guten übrig zu bleiben und auch die ihnen zustehende Anerkennung zu finden:

„Mir scheint fast Hardcore steht kurz vor einem großen Comeback, aber selbst wir wurden besser aufgenommen, als wir es uns jemals träumen haben lassen. Wir haben diesen Reunion- Zeitpunk keinesfalls gewählt, um Geld zu machen. Der Spaß steht für uns von je her im Vordergrund und so wird es immer sein. Es gibt keinen großen Plan im Hintergrund.“

Dennoch scheinen ZEKE von jeher ein wenig unter ihren Möglichkeiten geblieben zu sein, denn über den Status von Undergound-Stars sind sie nie hinaus gekommen. Dabei wurde das Trio auch durch den Platten-Deal mit Epitaph aufgehalten, von denen sie schließlich aufgrund zu geringer Verkäufe gedroppt wurden: „Ich habe nie groß darüber nachgedacht, ob wir über- oder unterbewertet sind. Es kommt immer auf das Umfeld an. Mögen dich viele Leute, bist du populär, aber wir sind nie über Nacht groß heraus bekommen. Es gibt um uns sicherlich einen kleinen Kult, aber der ist natürlich gewachsen. Uns mögen schon immer die gleichen Leute und eben die kaufen unsere Platten. Wir wollten nie schnelles Geld verdienen, darum ging es uns nie. Wir sind als Band unterwegs, weil wir Shows spielen wollen und voll hinter unserer Musik stehen.“

Die Entwicklung im Rock-Sektor der letzten Jahre sieht Donny durchaus kritisch: „Es gibt heute schon eine Menge Bands, die scheinbar mit dem Ziel starten große Rockstars zu werden und die nicht sehr realistisch vorgehen. Das unterscheidet ZEKE von diesen Bands. Wir wollten lediglich Platten veröffentlichen und auf Tour gehen. Es ging uns nie darum im Radio oder auf MTV zu sein. Aus diesem Grund werden wir auch niemals enttäuscht sein.“

Anno 2004 ist mit "'Til The Livin' End" ein neuer Longplayer über den Extrem-Metal-Verlag Relapse erschienen, doch das war lange geplant: „Schon bevor wir „Death Alley“ einspielten, hatten wir von Relapse ein Angebot für die nächste Platte. Dann lösten wir uns auf, aber als wir wieder zurück kamen, rief ich umgehend bei Relapse an, die nach wie vor Interesse bekundeten. Der Kontakt war wieder da und als wir immer mehr Shows spielten, intensivierte sich das und wir nahmen die Idee der Platte auf Relapse wieder auf. Es war uns wichtig, auf einem Label veröffentlichen, das u.a. High On Fire, Bongzilla und Alabama Thunderpussy im Programm hat. Es hat super funktioniert und wir fühlen uns gut aufgehoben.“

Endlich scheint die Band den Support gefunden zu haben, der ihr so lange gefehlt hat. Den eigenen Anspruch halten die Musiker dabei nach wie vor bescheiden: „ZEKE wollten von jeher den schnellsten und aggressivsten Rock’n’Roll spielen, der uns möglich ist. Das versuchen wir auf jeder Platte umzusetzen. Wir haben keine politischen Statements, es geht allein um zeitlosen Rock’n’Roll.“

 
 Links:
  Zeke
  Relapse Records
 
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