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Disillusion

Interview von: arne mit Rajk, am: 11.05.2004 ]

Der Hype um die Dark-Metaller von Disillusion war schon in der Vergangenheit recht groß, doch mit ihrem Debüt "Back To Times Of Splendor" hat sich das sprunghaft ausgebaut. Der progressive Metal-Sound der Leipziger steht in der Tradition von Größen wie Opeth, Anathema oder auch My Dying Bride, doch mit ihren flächigen, düster-schönen Arrangements spielt das Trio längst in einer eigenen Liga.

 

Musicscan: Heute seid Ihr ja abgefeierter denn je. Wie nehmt Ihr denn das durchweg positive Feedback und den gehörigen Hype von allen Seiten auf? Seht Ihr Euch überhaupt noch objektiv bewertet, die Superlative überschlagen sich ja langsam?

Disillusion: “Back To Times Of Splendor” ist unsere erste reife Veröffentlichung der Bandgeschichte. Wir sind absolut zufrieden damit und sehr glücklich, das letztendlich alles so geworden ist, wie wir uns das gewünscht hatten. Deshalb freuen wir uns über jede positive Reaktion und können die Aufmerksamkeit sogar ein wenig genießen und sehen es als Lohn der 1 ½ Jährigen Arbeit. Allerdings hat das ganze eine Schattenseite, denn die Erwartungen an das nächste Album sind jetzt so hoch wie nie zu vor. Auch in der Vergangenheit hatten wir schon mit Druck von außen zu kämpfen. Außerdem ist uns bewusst das dieser „Hype“ auch ganz schnell wieder zu Ende sein kann.

Musicscan: Gängige Vergleiche, die man so liest, greifen immer wieder auf Opeth, Anathema und Dream Theater. Inwieweit nehmt Ihr die an? Bewegt Ihr Euch nach eigenem Verständnis auf einem Level mit ihnen?

Disillusion: Ich glaube das kann nicht wirklich vergleichen. Alle drei Bands stehen für hohe Qualität, sind eigenständig und einzigartig. Das sind Attribute die auch auf Disillusion angewendet werden. Das ehrt uns und freut uns natürlich riesig. Dennoch ist uns sehr wohl bewusst, dass wir nicht auf einer Stufe mit den genannten Bands stehen. Das zeigt schon ein Blick auf unsere sehr kurze Bandgeschichte. Wir haben gerade erst ein Album veröffentlicht und genießen auch noch einen gewissen „Newcomer-Bonus“. Wir müssen uns erst noch beweisen und bestätigen das die „Superlative“ gerechtfertigt sind.

Musicscan: Was mich in bezug auf Disillusion und Eure Akzeptanz überrascht, ist, dass Ihr trotz eines vordergründig progressiven und offenen Sounds auf breite Zustimmung trefft. Das ist ja nur bei ganz wenigen Bands in dieser Form der Fall. Wie erklärt Ihr Euch das? Welche Trademarks catchen die Leute?

Disillusion: Beim Songwriting achten wir auf Atmosphäre, auf einen organische Fluss und versuchen all die unterschiedlichen Elemente zu einem großen Ganzen zu vereinen. Es steht immer das Emotionale im Vordergrund. Technische Aspekte treten dahinter zurück. Man kann in unsere Musik eintauchen, sich davontragen lassen. Es gibt unheimlich viel zu entdecken und die Musik kann jedem, der sich damit im Verbund mit den Texten und dem Artwork befasst eine ganz eigene Geschichte erzählen. Das glaube ich ist momentan das Besondere am Disillusion Sound. Wir sind somit auch für viele Hörer interessant, die sonst kein Metal hören.

Musicscan: Die Arbeit am Longplayer hat ja sehr lange gedauert und Ihr ward wohl auch in drei Studios, wie ich gelesen haben. Ich gehe, Ihr seid Perfektionisten, richtig? Lässt sich kurz zusammenfassen, an welchen Punkten Ihr am längsten gesessen habt und warum Ihr die Studios gewechselt habt. Oder war das von Beginn an so geplant?

Disillusion: Das wir in drei Studios aufnehmen würden war geplant. Allerdings haben wir uns wahnsinnig verschätzt was die Zeiten anbetrifft. Als wir mit den Aufnahmen begannen und die Zeitpläne, nach denen sich auch der Abgabetermin an Metal Blade richtete festlegten, konnten wir nicht ahnen, dass wir uns so verschätzen würden. Aber die ursprünglich angedachten 2 Monate wuchsen sich nach und nach zu 8 Monaten aus, in denen wir rund um die Uhr am Album arbeiteten. Ein Grund dafür war, das die Songs noch nicht fertig waren, was uns aber erst während der Aufnahmesession bewusst wurde. Wir änderten nahezu alles ab, fügten neue Teile ein, aktualiserten wieder, nach hinten. So änderten sich die Songs, sie wuchsen und reiften wurden immer besser. Gleichzeitig reiften wir mit, stießen an Grenzen, überschritten diese und wendeten all das neu gelernte, gleich wieder auf die zuvor aufgenommenen Spuren an. Das meiste davon war Vurtox´Leistung: Er hat über die komplette Distanz durchgearbeitet, vom ersten bis zum letzten Tag. Er hat komponiert, produziert, programmiert, gesungen, Bass und Gitarre gespielt dabei alles vorangetrieben, teils bewusst teils unbewusst einer großen Vision folgend, bis alles letztendlich zu DEM stimmigen großen Ganzen wurde, wovon vorher niemand von uns zu träumen wagte.

Musicscan: Unweigerlich jetzt eine kleine Nachfrage zu Metal Blade: Wie kam der Deal denn letztendlich zustande und warum habt Ihr Euch eben für MB und nicht doch ein anderes Label entschieden. Angebote lagen doch sicher auch andere vor und ich glaube mich zu erinnern, dass Ihr das erste Album damals für Voice Of Life angekündigt habt (Wobei ich nicht weiß, ob es die überhaupt noch gibt?)...

Disillusion: Im Sommer 2002 bekamen wir eine e-mail von Andreas Reissnauer, der uns im Frühjahr zuvor bei einem Konzert sah. Irgendwie müssen wir Ihn beeindruckt haben, denn er verfolgte seitdem unseren Weg und sah dass unsere MCD´s „Three Neuron Kings“ allerorten viel Lob in der Presse bekam. Er ließ sie sich zu senden, war begeistert und empfahl es dem Rest der Metal Blader. Nach einem Monat etwa erhielten wir die nächste mail, mit der Frage, nach einer weiteren Hörprobe. Wir hatten glücklicherweise gerade „The Porter“ fertig und über VOL Rec. veröffentlicht, welche wir ebenfalls sendeten. Sehr bald danach ereilte uns ein Anruf von Michael Trengert (MB Europa Chef). Es wurde ernst... Wir haben uns getroffen, tausende Male telefoniert und alles abgeklärt bis wir schließlich Anfang 2003 für mehrere Alben bei Metal Blade Records unterschrieben. BTTOS erscheint noch über einen Lizendeal bei Metal Blade, die nächsten Alben kommen dann direkt via Metal Blade heraus. Es gab auch zuvor schon Angebote, doch die erschienen einfach nicht gut genug, uns länger zu binden.

Musicscan: Das Release Eures Debüts ist ja mehrmals verschoben worden, wahrscheinlich weil Ihr noch weiter im Studio feilen wolltet (?), gab es in diesem Zusammenhang irgendwelchen Druck von MB oder haben sie gar gefordert, dass Ihr weiterarbeitet? Inwieweit habt Ihr Euch denn selbst unter Druck gesetzt, das Album irgendwann auf dem Markt zu haben. Das Interesse im Vorfeld war ja riesig und Ihr habt alle auf de Folter gespannt...

Disillusion: Metal Blade haben keinen Druck ausgeübt und wir sind Ihnen sehr dankbar, für das Vertauen und die Geduld die sie uns entgegengebracht haben. Obwohl sie bestimmt nicht erfreut darüber waren, das wir Ihnen ständig den Releaseplan durcheinanderwirbelten, haben sie immer sofort eingesehen, dass die Dinge Ihr Zeit brauchen und uns den Raum gegeben, den wir brauchten. Ich denke bei anderen Labels wäre das nicht so gelaufen.

Musicscan: Wie nah kommt Euer Debüt denn Eurer eigenen Vorstellung einer idealen Platte? An welchen Punkten wollt Ihr für die kommenden Songs ansetzen, um Disillusion auf das nächsthöhere Level zu heben?

Disillusion: Wie schon oben schon erwähnt sind wir wirklich zufrieden mit dem Album, weil es das Beste ist, was wir zu dem Zeitpunkt hervorbringen konnten. Es gab ja diesen Reifeprozess während der Arbeit an den Aufnahmen. Man kann also sagen, dass die Platte weit besser geworden ist als wir das zu Beginn der Aufnahmen erhoffen konnten. Aber natürlich geht die Entwicklung weiter. Die nächste Platte wird wahrscheinlich anders werden. Wir haben noch keine konkreten Ansatzpunkte, sondern sind auf der Suche. Es gibt die Idee, bestimmte Grundgerüste der Songs beim nächsten mal live einzuspielen um noch mehr Flow in die Aufnahmen zu bekommen. Doch ist noch viel zu früh darüber zu reden. Wir werden sehen.

Musicscan: Obwohl der Mix aus Melodie/Eingängigkeit und Härte/Aggression super ungezwungen und schön natürlich klingt, würde mich interessieren, ob Ihr das mehr aus dem Bauch heraus arrangiert oder vorher komponiert bzw. bewusst einen solchen Gegensatz aufbaut.

Disillusion: Wie schon gesagt es geht um Emotionalität, Atmosphäre, Fluss und um ein organisches Ganzes. Um das zu erreichen, arbeiten wir mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Das heißt, natürlich ist auch der Kopf im Spiel: Alles ist gut durchdacht, tausendfach auseinander genommen und wieder zusammengefügt, ABER die letzte Instanz ist immer das Bauchgefühl. Ideal wäre es die Musik direkt aus dem Innersten fließen zu lassen, völlig durchlässig zu sein und die Gefühle ungefiltert in Klänge zu übertragen. Bei den Aufnahmen zu Back To Times Of Splendor ist dieses, Vurtox sogar teilweise gelungen. Es finden sich Passagen auf Platte die völlig spontan und ungeplant entstanden sind und einen ganz besonderen Zauber versprühen. Diese Passagen dann mit den geplanten Teilen so zu verbinden, das ein stimmiges Ganzes herauskommt, war eine Herausforderung während der Arbeit an Back To Times Of Splendor, welche Vurtox unter unendlichen Mühen über eine 8 monatige Aufnahmezeit hinweg schließlich so perfekt meisterte, dass ein wirklich einzigartiges, fesselndes und auch neuartiges Stück Musik herauskam.

Musicscan: In welchen Momenten seht Ihr denn die Stärken der Platten und welche Kritikpunkte könnt Ihr selbst anbringen? Als Musiker ist man ja in bezug auf die eigene Musik immer überkritisch. Was gibt’s hier zu sagen?

Disillusion: Über die Stärken haben wir ja schon gesprochen. Das man die Musik von Back To Times Of Splendor noch besser hätte machen können sieht man vielleicht an der Beschreibung des Aufnahmeprozesses. Wir hätten immer weiter machen können, z.B. die Drum Spuren neu aufnehmen können, jeden Song immer wieder erneuern und verbessern können, wie es ja in den Monaten die Arbeitsweise war. Aber, dann würden wir jetzt noch daran arbeiten ;-)

 
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