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Within Reach

Storie von: arne, am 15.01.2002 ]

Unverhofft kommt eben doch oft!
WITHIN REACH sind bereits seit 1996 in Sachen Hardcore unterwegs und haben in dieser Spanne eine unglaubliche Steigerung hingelegt.

 
Die frühen Releases auf Sidekicks boten (eher) durchschnittlichen Old School, der mich nie wirklich vom Hocker riss.

Umso mehr überraschte mich dann ihre erste Platte auf Bad Taste ("Fall From Grace"). Das war etwas völlig anderes; die Band baute auf einmal eine gehörige Prise Metal und verdammt rockige Elemente mit in die eigenen Songs ein. Das Album kickte schon sehr heftig und mit dem 2001er "Complaints Ignored" legte die Band einen noch größeren Schritt nach Vorne hin. Eine derbe, raue Metal-Platte pfefferten die fünf Schweden da unters Volk und ein absolutes Sounderlebnis noch dazu. Lange, breite Soundflächen bestimmten das Album. Gleichzeitig verleugnete die Band keinesfalls ihre Hardcore-Roots und im Ergebnis stand eine stark abwechslungsreiche und sehr interessante Platte, die durch rockige Elemente abgerundet wurde.

Im Rahmen der letztjährigen "Still Screaming-Tour" mit RAISED FIST und NINE führte ich Bassist Magnus ein kurzes Gespräch zwischen Toilette, dem Backstage und in (natürlich) unvermeidlicher Nähe zur Bühne. Abrupt folgte ein jähes Ende durch den einsetzenden Soundcheck der Headliner RAISED FIST, aber für einige kurze Statements reichte es dennoch.

Magnus selbst nennt die eigene Musik inzwischen ausschließlich "dunkel" und das trifft es wohl ganz gut. Es ist weder Hardcore noch Metal und auch kein Rock; "dunkel" aber schon! WITHIN REACH siedeln sich selbst noch im Hardcore an, auch wenn sie natürlich um die deutliche Metal- Schlagseite wissen: "Eigentlich machen wir uns darüber nicht so viele Gedanken. Natürlich kommen wir schon aus einem Hardcore- Background, denn wir haben bisher ausschließlich in Punk- bzw. Hardcore- Bands gespielt. Niemand von uns war jemals in einer Metal-Band. Früher in den 80zigern hörten wir alle Heavy Metal, so Iron Maiden, Slayer usw. und erst später, Anfang der 90er, haben wir den Hardcore entdeckt. Vielleicht fühlen wir uns deshalb stärker dem Hardcore als dem Metal verbunden." Das wundert mich ein wenig, denn "Complaints Ignored" fände wohl größeren Zuspruch im Metal-Lager; auf jeden Fall aber in der Schnittmenge von Hardcore- und Metal- Fans. Shows mit gestandenen Metal-Acts lägen da doch auf der Hand oder nicht? "Nein, wir haben bisher kaum welche gespielt und das wollen wir auch nicht. Metal- Promoter schauen Hardcore- Bands immer ein wenig komisch an. Vielleicht klappt es deshalb nicht. Wenn wir nach Schweden zurückgehen, werden wir zwar eine Support- Show für ENTOMBED spielen, aber das ist eine Ausnahme."

ENTOMBED war ein

gutes Stichwort, denn musikalisch sehe ich beide Bands vergleichbar, wenn ich mich auf das letzte Werk beschränke. Das Album wurde in den berühmt-berüchtigten Soundlab-Studios eingespielt und von Mieszko (NASUM) abgemischt. Dennoch fiel mir beim genaueren Hinschauen auf, dass einige Vocals von DAN SWANÖ (fabelhaftes "Moontower" Solo-Album!) gemixt wurden. Das forderte Klärung: "Unser Sänger hat bei den Aufnahmen leider seine Stimme verloren. Wir hatten da gerade erst fünf Songs eingespielt. Unsere Studio-Zeit war schnell abgelaufen und die nächste Band stand vor der Tür. Die Vocals mussten wir dann nachts aufnehmen und da Mieszko nur tagsüber arbeitet, gaben wir die Aufnahmen unserem alten Freund Dan, in dessen Studio wir früher aufgenommen haben."

So kann es gehen und auch beim Gig im Berliner Knaack- Club hatte Shouter Denny stellenweise Probleme mit seiner Stimme. Vom Auftritt der Schweden war ich im großen und ganzen sowieso enttäuscht. Das Album hat so viel Power, Härte und ein unglaubliches Volumen. Live konnte das Quintett das leider nicht umsetzen. Dennoch mag ich die Band, denn die letzten beiden Alben sind hervorragend! Der Labelwechsel scheint die Initialzündung in der Entwicklung von WITHIN REACH gewesen zu sein. Nachdem die fünf Sidekicks verlassen hatten, startete man so richtig durch: "Wir gründeten uns im Februar 1996 und haben den Sidekicks- Vertrag schon im Juni gleichen Jahres geschlossen. Wir waren damals eine Demo-Band und nicht wirklich gut. Anstatt einer ersten Platte hätten wir weiter Demos aufnehmen sollen. Unsere ersten Aufnahmen, kamen gleich über Sidekicks heraus und die waren natürlich nicht besonders gut. Irgendwann hat das Label dann das Interesse an uns verloren und wir konnten gehen. Das taten wir auch, denn wir wollten viel spielen; auch außerhalb Schwedens. Sidekicks unterstützte uns dabei nicht. 1999 fanden wir mit Bad Taste unser neues Label und haben "Fall From Grace" aufgenommen, das für uns tatsächlich ein wichtiger Wendepunkt war." Neben der feinen Einarbeitung des Metal scheint mir gerade die Hinwendung zu breiteren, musikalischen Flächen die entscheidendste Weiterentwicklung im Sound der Schweden zu sein: "Ja, früher dachten wir, man müsse auf jeden Part singen. Das muss man aber nicht, denn die Musik ist ja auch noch da. Ob es in diese Richtung weitergeht, wissen wir aber nch nicht. Vielleicht klingt das nächste Album völlig anders. Wer weiß das schon!?" Eben und es ist sicherlich kein Fehler, den Werdegang der Schweden im Auge zu behalten, denn Potential hat diese Band noch eine ganze Menge.
 
 
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