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Beatsteaks

Storie von: arne, am 22.04.2004 ]

Die Beatsteaks sind mit "Smack Smash" einen deutlichen Schritt nach Vorne gekommen. Die Zeit scheint nunmehr reif, auch die ganz breite Masse mit dem explosiven Rock-Sound zu bedienen. Die neuen Songs sind rau, rotzig, melodisch, einprägsam, geil punkrockig; einfach klar Beatsteaks.

 
Zu Beginn galt es im Gespräch mit Gitarrist Bernd und Sänger Arnim natürlich zu klären, was den Ausschlag gab, eine Kooperation mit der Wea/Warner Records einzugehen, wo die Beatsteaks doch eigentlich bei Epitaph unter Vertrag waren. Arnim klärt auf: „Wir waren mit der Behandlung unserer letzten Platte durch Epitaph ein bisschen unglücklich, was hauptsächlich den Vertrieb betraf. Wir haben uns also umgeguckt, zumal es jetzt auch die letzte Platte für Epitaph war, und Warner Musik machten uns ein ganz gutes Angebot, mit dem wir leben konnten.“

„Es geht nicht darum, der nächste King zu werden, sondern den Weg der Beatsteaks weiter und weiter auszubauen und die Sache jetzt auch mit mehr Druck im Rücken mehr anzuschieben, aber jetzt auch nicht aufzugeben, wenn wir nicht gleich das verkaufen, was sie sich vorstellen. Das ist ja auf einem Major auch immer so ein Thema. Aber ich prophezeie, das, selbst wenn das passiert, wird es uns nicht zerstören. Wir verdrehen uns nicht für eine Plattenfirma, auch wenn die Wahl ganz klar eine geschäftliche Entscheidung war. Es ist ja schließlich unser Job und darum muss man sich auch Gedanken machen. Die Beatsteaks sind unser Leben und wir müssen davon leben. Wir haben für nichts anderes mehr Zeit, gerade jetzt. Man kann es als Arbeit bezeichnen, wir können das aber selbst nicht. Wenn wir etwas für die Band machen, ist es unser Herzblut.“

An der richtigen Einstellung der Jungs hat auch niemand gezweifelt, denn nur wenige vergleichbar große Rock-Bands zeigen so bodenständig und real wie diese Berliner. Der Erfolg ist dabei mit den Jahren zwanglos mitgewachsen, was auch für die Jungs selbst unverständlich bleibt: „Wenn ich das Geheimnis wüsste, würde ich es dir nicht verraten. Wir haben einfach einen Punkt erreicht, an dem die Ärzte über uns singen, wir auf einer großen Plattenfirma sind und wir als beste deutsche Live-Band bezeichnet werden. Darüber können wir gar nicht so sehr nachdenken. Wir freuen uns über die Komplimente, drehen nicht durch und machen einfach weiter. Es wird auch wieder ein Tal geben, auch wenn wir gerade hoch oben auf dem Berg sind. Ich hoffe aber nicht, dass es dieses Jahr passiert. Auf die vielen Shows freuen wir uns.“

„Smack Smash“ dürfte für Band und Neu-Label der erhoffte Erfolg geworden sein, denn die erste Single ’Hand In Hand’ bekam in Radio wie TV ordentlich Rotation und dem Nachfolger sollte Gleiches wiederfahren. Trotz einem Major im Rücken verspürten die Berliner keinerlei Druck von außen, setzen sie einfach ihren bisherigen Weg schnurstracks fort:

“Alle Erwartungen von außen sind nichts gegen die Erwartungen innerhalb der Band. Dabei geht es nicht so sehr darum, was mit der Platte passiert, da ist der Druck schon weg, aber in der Entwicklung der Platte stehen wir unter einem Riesen Druck, weil man natürlich das, was man macht, so gut wie möglich machen will. Daher kommt der meiste Druck, von außen eher weniger.“

„Wir hatten ja nie ein Debüt-Album, dass gleich durch die Decke gegangen ist und dann musste die nächste Platte gleich doppelt so geil sein. Bei uns war es ein stetiger Weg und für uns selbst haben wir nicht die Erwartung, dass sich die Platte eine Million Mal verkauft. Falls es passiert, super, aber das war nicht der Zweck, aus dem wir die Platte gemacht haben. Wir nehmen, was kommt und entwickeln uns weiter. Natürlich ist man nicht ganz frei von Erwartungen, deswegen wechselt man ja auch zu einem Major, aber das hat eher damit zu tun, dass man seine Platte auch möglichst vielen Leuten zur Verfügung stellen will und sich jeder ein eigenes Bild von ihr machen kann. Die Möglichkeit sollen die Leute erst mal haben und die hatten wir bei Epitaph nicht so.“

Also noch mal zurück zum Label-Problem, das tatsächlich am Vertrieb festzumachen ist, was man beim einem „Szene-Riesen“ wie Epitaph kaum vermutet hätte: „Die Distribution war schon der Hauptgrund und das war schon ernüchternd. Der Grund war vielleicht, dass sie den großen Erfolg der Platte überhaupt nicht vermutet haben und dann überfordert waren. Letztendlich haben wir um 25.000 Platten verkauft und daran gemessen, was sie in den ersten Tagen/Wochen in die Läden gestellt haben, nämlich 3.000 Stück, war das doch schon etwas wenig. Ist doch auch klar, Epitaph sitzen in Holland und kriegen gar nicht so mit, was hier vor Ort passiert.“

Hinlänglich bekannt ist, dass „Smack Smash“ live eingespielt wurde. Die Beatsteaks setzen also nicht auf übertriebenes Studio-Spielen und mögliches Rumtricksen sondern auf bloßen, energiegeladen Rock. Über die bisherigen Veröffentlichungen hinweg, waren sie nun an dem Punkt, einen ganzen Longplayer live ein zu spielen:

„Unsere erste Platten haben wir damals in elf Tagen eingespielt mit Mixing und Gesang usw. Ganz am Anfang dachten wir auch, jetzt muss jeder noch seine Gitarre doppeln und so und alles


muss fett klingen, aber davon sind wir nach und nach abgekommen, haben ja auch nie richtig so angefangen. Wir sind dann immer weiter zurück und sind jetzt an dem Punkt gelandet, wo wir ein Album live aufgenommen haben.“

„Das war für uns eine logische Entwicklung. Es kamen immer schon Leute, die sagten, die Platten sind cool, aber live seid ihr der Hammer. Dann fängt man an zu überlegen und man will ja auch, dass die Platte so klingt, wie man live ist. Dann haben wir Moses Schneider getroffen und der hat die Platte dann produziert. Wir hatten vorher auch zusammen die EP für das Wohnzimmer-Konzert aufgenommen und da war das auch schon die Methode. Da haben wir festgestellt, dass das für uns der Weg ist. Für diese Platte haben wir es dann mal so richtig ausprobiert und uns auch extrem lange drauf vorbereitet. Wir haben viel geprobt, um mit den Aufnahmen möglichst wenig Zeit zu verschwenden. Alles was Produktion ist, fällt in die Phase davor.“

Harte Arbeit im Vorfeld ist für Live-Aufnahmen natürlich unvermeidlich: „Wir haben die Songs Hunderte Male gespielt und immer wieder umgestellt. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, wo jeder wusste, was er zu tun hat und dann gings ins Studio. Du spielst dann da die Songs drei-vier Mal ein und suchst dir die beste Version raus.“

Und das klappte auch richtig gut und klang im Ergebnis, wie es auch beabsichtigt gewesen ist: „Offensichtliche Fehler gab es kaum, aber diese Ecken und Kanten, die beim Live-Spielen entstehen, sind natürlich drin und das ist auch genau das, was uns letztendlich ausmacht. Es gibt Dinge, die einfach mit rein gehören und natürlich kann man auch mal einen Ton verkacken. Das ist ja auch der Charme einer Live-Platte. Wir finden, dass es extrem geil klingt. Es war mit Sicherheit eine Reaktion auf unsere letzte Scheibe und auch auf die Musik, die heute ja so krass rockt. Das finden wir nämlich gar nicht. Man braucht einfach etwas Authentisches.“

In der deutschen Rock-Szene sehen die Beatsteaks kaum interessante Acts, was mit der richtigen Einstellung einer Rock-Gruppe beginnt: „Es gibt einige gute junge Bands, aber die haben alles noch vor sich und die Frage ist auch, ob sie ihren Weg gehen werden. Man muss sich treu bleiben und darf sich bei der ganzen Geschichte nicht allzu ernst nehmen. Wenn man anfängt, ein Rockstar sein zu wollen, ist die Antriebsfeder nicht mehr Musik und dann geht man den falschen Weg.“

Doch auch Musik-TV und Radio-Sender müssen ihren Beitrag leisten, einheimische Bands mit aufzubauen, was dieser Tage nur bedingt so geschieht: „Ich glaube, sie müssten mehr deutsche Bands supporten, aber das wird so wohl immer noch alles geguckt. Viva verstehe ich irgendwie, weil Viva dieses 12-13 jährige Programm fährt, okay, das ist halt so. Selbst da, könnten sie aber deutsche Bands mehr einsetzen, und da rede ich nicht nur von uns sondern anderen deutschsprachigen Sachen.“

Aber MTV, da weiß ich nicht, was bei denen gerade los ist. Die sind wohl unser Tour-Präsentator, von daher werden wir versuchen, den Laden ein wenig umzukrempeln dieses Jahr. Im Laden selbst gibt es sehr viel Bewegung und wir haben da auch viele Fans. Und doch machen sie es zu sehr den Amis nach mit diesen ganzen komischen Charts. Warum muss es aber auch hier laufen und wen interessiert, wer jetzt wen dated und was für Häuser die Megastars haben. Das ist nur noch blabla und das ist echt schade. Ich selbst bin ja ein MTV-Kid und mit denen aufgewachsen, aber früher kamen auch geile Bands und es gab Video-Premieren. Früher habe ich das gerne geguckt, aber heute nicht mehr. Es ist so schade.“

Die Lage der nach wie vor jammernden Musik-Industrie analysieren die Beatsteaks auch recht nüchtern: „Da haben sie sich selbst ein Ei ins Nest gelegt. Die Preispolitik, dass eine CD so teuer, ist, dass sich ein Kid, das zur Schule geht, sich maximal einmal im Monat oder einmal im halben Jahr, eine Platte leisten kann, ist einfach verfehlt. Denen würde ich auch nie vorwerfen, dass er sich eine Scheibe brennt. Das Problem ist klar hausgemacht. Sie denken eher über Kopierschutz nach, anstatt zu schauen, ob man die Platten nicht billiger machen kann. Oder man versieht sie halt mit Specials und DVD oder so.“

Für „Smack Smash“ scheiterte ein preisgünstiger Ladenpreis übrigens an den beteiligten Labels, auch wenn sich die Band selbst diesen gewünscht hätte: „Wir haben darüber geredet, aber es ist an der Kooperation der beiden Plattenfirmen gescheitert. Beide wollen Geld verdienen und wir können dann beim nächsten Mal mitreden, aber dieses Mal war es nicht möglich. Man kann die CD ja immer noch bei uns am Merchandise-Stand kaufen und da ist sie definitiv billiger.“

Eben, und nachdem einige Dates aufgrund der angeschlagenen Gesundheit von Arnim verschoben werden mussten, ist die Live-Rundreise der Beatsteaks gerade wieder gestartet. Haltet nach ihnen Ausschau.

 
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