Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Heaven Shall Burn

Storie von: arne, am 16.04.2004 ]

Im Hardcore-/MetalCore-Lager haben HEAVEN SHALL BURN längst alles erreicht und nun ist es an der Zeit auch die Metal-Landschaft gehörig auf zu mischen. Ihr neuer Longplayer “Antigone“ markiert sowohl den dritten Longplayer der Thüringer als auch den Einstand auf Century Media (LP auf Lifeforce).

 
HEAVEN SHALL BURN haben dem Erwartungsdruck stand gehalten, das wird schnell klar, und legen ein Album vor, das ihre führende Stellung im MetalCore manifestiert und dem Genre zugleich neue Perspektiven öffnet. “Antigone“ ist wirklich der Brecher geworden, auf den wir ALLE gehofft haben.

Schon mit der ersten Rotation überzeugt das Song-Material auf breiter Front und in der Folge verstärkt sich das nur nachhaltig. Mit den zwölf neuen Tracks (plus Bonus) geht das Quintett seinen Weg schlagkräftig und nachvollziehbar weiter und nicht eine Sekunde lang kommt der geringste Zweifel daran auf, wer hier so souverän und abgezockt aufspielt.

Die Trademarks von HEAVEN SHALL BURN sind unverkennbar und allgegenwärtig. Die Thüringer greifen immer wieder Zitate der letzten Platte auf, die um moderne Riffs ausgebaut werden und in zuvor unerreichter Soundfülle und Vielseitigkeit münden. Die Stücke laden von Beginn an zum Mitbangen ein, lassen auch nicht die fetten Mosh-Parts missen, die obligatorisch sind. Metalheads als auch Hardcore-Kids werden das danken.

Jeder einzelne Song auf "Antigone" ist eingängig gehalten, doch unter der locker-flockigen Oberfläche hat das Album noch so viel mehr zu bieten. Nicht nur aufgrund des Einsatzes von Cello, Klavier und Keyboard klingt der Gesamtsound heute voller und breiter als in der Vergangenheit. HEAVEN SHALL BURN zeigen sich stets auf der Höhe der Zeit, arbeiten sogar dezente NuMetal-Zitate mit ein. Klasse!

Das Signing auf Century Media war für die Thüringer und ihre weitere Entwicklung sicherlich ein nötiger und gewichtiger Schritt. Vor der offiziellen Bekanntgabe des Deals kursierten lange Zeit die wildesten Gerüchte um einen neuen Verlag der Band. Klar war allein, dass der Weg HEAVEN SHALL BURN auf ein etabliertes Metal-Label führen würde. Gitarrist Maik klärt über die Hintergründe des Wechsels und die Ansprüche der Jungs an ihren neuen Verlag auf:

„Also in erster Linie war uns wichtig eben nicht aus dem Underground zu treten. Wir wollen dort weiterhin die meisten Shows spielen, mit unseren Kumpels abhängen und Spaß haben. Wir haben nie vorgehabt das auf eine höhere Stufe zu stellen. Immer, wenn wir ein anderes Level erreicht hatten, war es uns umso wichtiger, die Basis nicht zu verlieren. Insoweit haben wir keine Erwartungen gehabt. Im Gegenteil, wir haben uns strikte Vorgaben gemacht. Wenn wir bei einem größeren Label signen, wollten wir sicher sein, dass wir genauso, wie bisher weitermachen können, dass die CD´s weiterhin zu normalen Preisen bei jedem Distro erhältlich sind (Es wird sogar eine Billigaktion für die größeren Plattenketten geben.). Wir wollten auch unbedingt weiter mit Lifeforce zusammenarbeiten, was ja jetzt auch so sein wird. Die Leute haben durchweg auch sehr positiv auf unseren Schritt reagiert und wir sind sehr glücklich, dass unser Anliegen rübegekommen ist. Wir sind also mit der Situation sehr zufrieden, wir machen unser Ding und sehen, was kommt. Erwartungen ist da das falsche Wort. Das würde nur unsere Unbeschwertheit, einen unser größten Pluspunkte, schädigen.“

Ihr seht schon, die Jungs nehmen zwar einerseits Musik und Texte sehr ernst, können sich aber gleichfalls auch locker machen, was so mancher Band verwehrt bleibt. Vielleicht klingen HEAVEN SHALL BURN gerade deshalb so schlagkräftig und überzeugend. Für den Fananklang in allen Genres ist weiterhin förderlich, dass sich die Thüringer keinen Deut um Klassifizierungen kümmern, sondern allein das spielen, was sich richtig anfühlt und zu einem knalligeren, aber auch runderen, Gesamtsoundbild, beiträgt. Das schätzen sowohl die Hardcore-Kids als auch zunehmend mehr Metaljünger:

„Ich denke, die Metalheads haben die Angst vor dem Wort “Core“ verloren. Seitdem z.B. Hatebreed auf irgendwelchen Festivals regelmäßig größte Metalcombos in den Boden stampfen, bekommen auch "normale" Metaller mit, dass das hier nichts mit “jump, jump“ und “Pimmelpogo“ zu tun hat. Ich denke auch, dass Metalcore eine sehr frische, kreative Strömung im Metal darstellt und es eine Art Frischzellenkur für die gesamte harte Musiksparte sein kann. Ich glaube ganz fest, dass die Zeit reif ist, dass Metalcorebands auch im normalen Metal akzeptiert werden. Die Leute spüren, dass das kein riesiger aufgeblasener Trend ist und dass es wirklich ehrliche Bands gibt, die sich über Jahre entwickelt haben und die etwas wert sind.“

In eben diese Kategorie fallen HEAVEN SHALL BURN ohne Frage. Der schmissige, durchweg hittaugliche Brachial-Sound des Fünfers bietet für jeden Geschmack etwas und gerade das zeichnet ihn wohl aus. Als Hörer findet man sowohl technischen Anspruch als auch gnadenloses Geballer oder fettesten Mosh. Alles scheint im Überfluss vorhanden. Ein Erfolgsrezept haben die Saalfelder dabei nicht:

„Ha, ha, wenn das so einfach wäre, dann würde ich das "Rezept" sicher verkaufen! Ich glaube, uns gelingt es auf irgendeine Weise, den Spaß und die Leidenschaft, die wir haben, in unserer Musik zu transportieren. Wir schauen beim Songschreiben in keine Schubladen nach irgendwelchen Riffs; wir zocken drauflos und alles, was geil und aggro ist, ist erlaubt. Wenn es moshen muss, wird gemoscht und wenn es ruhig sein muss, dann ist es eben ruhig. Falls aber richtig die Post abgehen soll, dann eben Gemetzel! So einfach ist das! Ich denke, dass ist eine Denkweise, die in allen Lagern der harten Musik zu finden ist und deshalb glaube ich, fühlen sich die unterschiedlichsten Leute angesprochen.“

Das Drittwerk “Antigone“ zeichnet sich vor allem durch sein deutlich homogeneres Gesamtbild aus, obwohl innerhalb der zwölf Songs so einiges passiert. Die musikalische Weiterentwicklung der Band ist spürbar und zugleich für jeden Hörer nachvollziehbar, sofern man die vorangegangenen


Releases kennt:

„Wir schreiben ja ständig Material und der jüngste Song auf der "Whatever..." CD ist gerade mal zwei Monate älter als der älteste auf der neuen CD. Ich denke aber, dass wir bessere Songwriter geworden sind und sich vielleicht auch ein paar modernere Riffs mit "eingeschlichen" haben. Das sind eben Einflüsse der Musik, die wir so höre. Von Gurgelgrind bis Nine Inch Nails ist alles dabei. Dazu kommt, dass wir heute eher wissen, wie wir ein bestimmtes Gefühl oder eine Idee in einem Song umsetzen können. Insoweit kann man schon von einer Entwicklung sprechen. Natürlich sind wir älter geworden, aber nur auf dem Kalender. Iim Herzen sind wir immer noch die Rumpeltruppe, die einfach alles an Gefühlen in ihre Musik packt, was vorhanden ist. Wir testen die Songs live und da merkst du am besten, ob ein Part scheiße kommt oder dir selber keinen Spaß bringt. Knallen die Songs live und bewegen sie die Leute, dann sind sie fertig für die CD.“

Mit der geschilderten Arbeitsweise wurden auch die neuen Songs auf ihre Tauglichkeit hin überprüft. HEAVEN SHALL BURN sind derzeit heißer denn je, “Antigone” am Stück auf die Bühnen dieser Welt zu tragen:

„Natürlich sind wir extrem heiß drauf, endlich wieder mit der neuen Platte im Rücken über die Bühnen zu fegen. Es ist jedes Mal eine zusätzliche Motivation, die Leute auch mit dem neuen Material zu überzeugen bzw. auch den Leuten, die erst die neue Platte kennen und dich das erste mal live sehen, Ärsche zu treten. Wir haben bereits einige der Songs live ausprobiert und die sind wirklich super angekommen. Bevor wir letztendlich im Studio die letzten Arrangements getroffen haben, hatten wir sogar verschiedene Versionen von einigen Songs live getestet und nach den Reaktionen entschieden. Wir sind ja keine Band, die ein halbes Jahr "getrennt" lebt, einen Monat im Studio ist und dann ein paar Monate tourt. Wir sind ständig mit Shows und Songwriting beschäftigt, also wollen wir auch die Leute dran teilhaben lassen, sobald es etwas Neues zu hören gibt. Ich fände es doof, wenn HSB Freunde bis zur nächsten Platte auf einen neuen Song warten müssten.“

Eine derart offensive und Fan-freundliche Einstellung sollten sich auch andere Bands annehmen. Hier kommt offen der Hardcore-Background der Thüringer zum Tragen und nach wie vor scheinen MetalCore-Bands auch musiktechnisch ungezwungener und mutiger an die eigenen Songs zu gehen. Maik sieht das ähnlich:

„Natürlich gehen wir zwangloser zu Werke, aber nicht deshalb, weil wir Metalcore spielen, sondern, weil wir uns keine Gedanken um Zwänge machen. Wir spielen einfach diese Musik, verstehst du.“ In dieser Richtung weiter gedacht, überrascht nicht unbedingt, dass es so etwas wie eine „große Vision“ im Hinterkopf der Musiker nicht gibt: „Wir wollten ein qualitativ hohes Level haben, sowohl vom Sound her als auch beim Layout. Unser Credo ist es, den Leuten kreativen Spaß zu bringen. Keine Partylaune, aber auch kein Depri-Gelalle. Wir wollen die Herzen der Leute erobern und dort unsere Texte und Message platzieren, so pathetisch das auch klingt. Wenn wir mit unserer Musik Aggression in gelenkte Bahnen und Depressionen zu Mut umpolen können, dann haben wir unser Ziel erreicht.“

Gerade im Metal-Sektor begnügen sich viele Bands damit, Musik zu spielen und Phantasie-Texte zu performen. HEAVEN SHALL BURN haben einen anderen Anspruch:

„Texte und Musik sind für HSB untrennbar miteinander verbunden. Die Songs sind geschrieben, um eine Message zu transportieren. Eine Melodie geht ins Ohr, aber gleichfalls auch eine Textzeile. Ein Moshpart wird abgefeuert, damit man einen Text mitschreien kann. Wir sehen uns hier eher in der Tradition von z.B. Napalm Death, die immer klare Aussagen gemacht haben und politisch für etwas standen. So sind auch HSB einzuordnen! Die Energie, die wir haben, würde bei Texten über Regenbögen oder Massenmörder doch verpuffen. Ich mag auch solche Bands, verstehe mich nicht falsch, aber das wäre nichts für uns.“

Textlich zeigt sich "Antigone" in der Tradition der Vorgänger. Es geht um Individualität, die aktuelle Terrorismus-Gefahr und die Schattenseiten der Globalisierung. Wiederrum finden sich auch Texte, die die Lebensgeschichten einiger Freiheitskämpfer (Nelson Mandela und Victor Jara) thematisieren:

„Gerade der Opener ’The Weapon They Fear’ liegt mir sehr am Herzen. ER erzählt vom chilenischen Sänger Victor Jara, der so vielen Menschen mit seinen einfachen Liedern und kritischen Texten Mut gemacht hat und dadurch sogar Einfluss erlangte. Das wurde so groß, dass er schließlich in den 70ern von Pinochet ermordet wurde. Noch heute kennt jeder in Südamerika seinen Namen und es beeindruckt uns tief, wie so ein einfacher Mann ein solches Regime bedrängen konnte.“

Während die Songs einmal mehr im Rape Of Harmonies mit P.W. Engel aufgenommen wurden, haben HEAVEN SHALL BURN das Mixen ganz bewusst in dänische Hände gegeben:

„Tue Madsen schaut und hört sich die Bands genau an, es gibt keinen typischen Tue Madsen- oder Antfarm-Sound. Wir waren also sicher, dass man uns auch nach seinem Mixing noch als HSB erkennen würde. Er weiß genau, was zu einer Band passt, was sie will und was sie ausmacht. Darüber hinaus ist er natürlich handwerklich absolut begabt. Das ist eine Mischung, die ihn noch sehr viel weiter nach oben bringen wird! Er mixt und produziert die Sachen fett, aber ehrlich. Es ist nicht so steril, zumindest haben wir das Gefühl in bezug auf unsere CD.“

Stimmt, von der Attitüde her haben die Thüringer auf “Antigone“ immer noch den gleichen Sound wie auf "Whatever..." aber eben hörbar moderner und in neuzeitlicherem Gewand. Die CD-Erstpressung kommt übrigens mit zusätzlichen Cover-Tracks von Hate Squad und Disembodied.

 
 Links:
  Heaven Shall Burn
  Century Media
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  24.09. Amanda Palmer - Hamburg
  25.09. Amanda Palmer - Leipzig
  27.09. Tankard - Wuppertal