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Get Up Kids

Storie von: arne, am 12.04.2004 ]

Die Get Up Kids legten mit "Guilt Show" kürzlich ihren 2ten Longplayer für Vagrant vor. Das sympathische Quintett besinnt sich wieder stärker auf die eigenen Wurzeln und verlässt den Weg, den es mit "On A Wire" eingeschlagen hatte. Die neuen Stücke dürften sowohl die alten Fans wieder einfangen als auch die neu hinzugewonnenen halten.

 
Die Get Up Kids sind wieder deutlich schneller unterwegs und rocken einfach unheimlich stark. Dem kann man sich nicht entziehen. Die poppigen Passagen erinnern inzwischen auch offen an Ben Folds (Five) und das passt einfach richtig gut und hätte schon viel früher so ausfallen sollen.

Die Stärke der "Guilt Show" ist schnell ausgemacht, das Songwriting ist einmal mehr verdammt rund und einfach klasse ausgefallen. Kein Song gleicht dem vorangegangenen und so entwickelt sich ein dynamisches, unterhaltsames Album, das über alle 13 Songs hinweg unterhält und jede Menge Spaß bringt. Wie schon bei "On A Wire" entfalten die Songs auch diesmal erst nach mehreren Rotationen ihr wahres Ausmaß, aber die Stücke sind diesmal definitiv schneller erschließbar.

Dennoch darf man auch hier kein zweites "Something To Write..." erwarten. Das scheint heute nur noch eine Jugendsünde.

Die Get Up Kids sind in den Jahren nach dem Release dieser Platte hörbar gereift und nunmehr auf einem ganz anderen Level. Sie spielen heute pfeffrigen Rock'n'Roll mit gesundem Hit-Appeal, nicht länger Emo-Pop. "Guilt Show" ist wohl das Album, auf das die Fans gewartet hatten, bevor dann "On A Wire" erschien.

Eigentlich scheint aber fast egal, welchen Weg die Band geht, denn die Fans halten den Jungs die Treue: „Das hat sich zwar schon verändert, aber es ist mit den Jahren natürlich mitgewachsen. Es kommen auch noch immer die gleichen Leute wie zu Beginn zu unseren Konzerten und so würde ich sagen, wir haben eine sehr loyale Fan-Basis.

Der direkte Fan-Kontakt ist den Get Up Kids noch immer sehr wichtig, auch wenn sie auch die Vorzüge größerer Veranstaltungen schätzen: „Ich mag beides aus unterschiedlichen Gründen. Die Energie in kleinen Clubs kann einen unheimlich pushen, und wir als Band waren schon immer eine Band, die kleine Club-Touren spielte. Festivals, gerade die europäischen, die wir in den letzten Jahren gespielt haben, waren aber auch tolle Erfahrungen. Man sieht so viele Leute auf einem Haufen und alle haben Spaß an der Musik. Hier in Amerika gibt es so etwas in dieser Form nicht.“

Es geht den Jungs auf jedem Konzert egal welcher Größe um das Gleiche: „Wir versuchen in den Leuten positive Gefühle zu wecken. Gerade auf den kleinen Shows klappt das gut und sie können sich locker machen, nehmen sich eine Show lang nicht so ernst wie sonst.“

Um das weiter zu verstärken, spielen die Get Up Kids in den Staaten regelmäßig Akustik-Shows in Plattenläden, was hier in Europa leider noch nicht geklappt hat: „Wir wollten noch intimere Momente mit der Musik schaffen und natürlich die Leute vor Ort überzeugen unser Album zu kaufen. Wir haben in ganz kleines Stores kostenlos gespielt und es hat gut funktioniert. Die meisten sind dann auch abends zur richtigen Show gekommen.“

Eine reine Akustik-Tour wird’s wohl aber nie geben: „Nein, unter Strom sind wir einfach besser, auch


wenn unplugged-Sessions viel Spaß bringen.“ Auf Tour ist die Band nach wie vor gerne, auch wenn sie vor einigen Tagen gerade einige D-Gigs gecanceln musste: „Ja, in Deutschland sind wir sehr gerne unterwegs und in unserer bisherigen Karriere waren wir zusammengerechnet bestimmt schon zwei oder drei Monate unterwegs. Die Shows waren immer gut und Deutschland ist uns sehr wichtig. Wir erhalten viele Briefe und Mails aus Deutschlands und spüren das Interesse. Also kommen wir gerne.“

So wie die Touren der Get Up Kids mit der Zeit größer geworden sind, hat sich auch in punkto Labelzusammenarbeit Einiges verändert. Den Schritt zu Vagrant werten die Musiker ausschließlich positiv: „Ja, die Zusammenarbeit vollzieht sich auf einem ganz anderen Level, vor allem auf der Labelseite. Vagrant hat viel bessere Möglichkeiten, die Alben in die Stores zu bekommen und alles läuft professioneller. Nicht erst, seitdem sie zu einem Major gehören. Sie arbeiten nach wie vor auf einem Independent-Level, aber eben recht professionell organisiert. Als wir zu unserer Doghouse-Zeit nach Europa kamen, waren wir noch tiefster Underground und die Platten wurden quasi DIY vertrieben. Heute ist das mit Vagrant besser geregelt, auch in Europa.“

Der Emo-Sektor ist in den letzten Jahren recht rasant gewachsen und viele Bands sind ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie plötzlich im breiten Fokus stehen: „Ich finde es schon witzig, gerade, weil es so viele One-Hit-Wonder-Bands gibt. Ich bin sehr glücklich mit der Situation, in der wir uns befinden. Hätten wir einen Hit-Song, wäre das keinesfalls schlimm, aber wir erzwingen das nicht. Wir sind langsam und stetig gewachsen und das ist viel wichtiger.“

Den „Emo-Hype“ sieht die Band übrigens eher künstlich von außen erzeugt: „Manchmal denke ich, es hängt mit der Schreibern der Magazine zusammen, die einen Trend unheimlich aufblasen, obwohl da eigentlich kaum etwas dahinter steckt. Plötzlich gibt es Tausende Bands, die alles gleich klingen und das soll dann das große Ding sein. Das ist zu einfach und funktioniert natürlich nicht.“

Das eigene Erfolgsrezept ist für die Get Up Kids offensichtlich: „Der Schlüssel liegt in unserer Einstellung. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs und sehr bodenständig. Wir lassen uns mit den Releases die Zeit, die sie brauchen, und geben auf Tour immer unser Letztes. Wir sind niemals zu lange unterwegs und verlieren so nicht unsere Motivation. Das ist wichtig. Die Fehler einer jungen Band, die gerade hoch kommt, haben wir hinter uns gelassen.“

Das hört man und die Get Up Kids präsentieren sich heute nicht zufällig allgemeingültiger denn je: „Ein sehe uns allein als Rock-Band, maximal als Pop-Rock Band. Das ist schön allgemein und lässt verschiedene Richtungen offen. Wir sind nicht so festgelegt und das hört man auch auf der neuen Platten. Wir gehen nicht nur einer Richtung nach.“

 
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