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Converge

Storie von: arne, am 10.04.2004 ]

Converge aus Boston braucht man sicherlich nicht mehr vorstellen; im Chaos-Hardcore-Segment führt an den Jungs kein Weg vorbei und seit Jahren sind sie so etwas wie DIE Band der Stunde, nur eben länger anhaltend. Der Converge-Sound rasend schneller Blast-Parts, krasser Breaks, schweren Moshs und durchgeknallter Schrei-Vocals ist intensiv wie wüst und völlig zurecht schon jetzt legendär.

 
Im Vorfeld ihres Januar-Gigs im Berliner Kato sprach ich kurz mit Sänger Jacob Bannon, der nach wie vor heiß ist zu touren und neue Städte zu rocken: „Mir geht’s gut. Wir sind schon seit einigen Wochen auf Tour und heute wieder hier in Berlin. Auf der Tour waren wir schon in Island und Schottland, an Orten, an denen wir zuvor noch nie gewesen sind. Das war toll und wir haben viel Spaß. Es könnte kaum besser für uns laufen.“

Da die News des Converge- Signings auf Epitaph zum Zeitpunktpunkt des Gespräches gerade mal einige Tage alt war, interessierten mich natürlich die Hintergründe: „Es hat wohl einige Leute überrascht, aber wir waren schon seit 1997 auf Equal Vision und das Label bot keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Wir fingen also an uns nach einem neuen Heim umzusehen. Es war wirklich schwer eines zu finden, mit dem wir alle einverstanden waren und weiter unabhängig bleiben konnten. Das war uns besonders wichtig, denn wir sind noch immer eine Underground-Band, die Punk spielt. Das wollen wir bleiben und alle sollen das tragen. Epitaph ist nach wie vor ein Independent Label, auch nach drei Millionen verkauften Platten, und kümmert sich um seine Künstler. Uns war zudem wichtig, auf einem Label mit breitem Programm unter zu kommen. Sie haben etwa Nick Cave, Tom Waits, The Locust und nun auch uns. Das ist doch klasse.“

Ausschlaggebender Grund für die Entscheidung zugunsten Epitaphs war das Folgende: „Wir sind seit über zehn Jahren unterwegs und brauchten ein Label, das unsere Musik und die Vision dahinter versteht. Wir brauchen vollkommen freie Hand und viele Verlage können mit so einer Forderung nicht umgehen bzw. wir passne einfach nicht in ihr Programm. Entweder sind sie zu sehr Hardcore, Punk oder Metal. Epitaph war das erste Label, dass unsere Kreativität so richtig zu erahnen scheint, uns gewähren lässt und an uns glaubt.“

Mich persönlich hätte ein Signing auf Relapse nicht verwundert, aber für Converge war die Firma aus Philadelphia nie eine Option: „Relapse ist ein Metal-Label. In ihrem Programm wären wir limitiert und das wollen wir nicht sein. Das Label hinter uns, soll uns supporten, wie wir sind, und nicht ihre Vorstellung von uns. Mir scheint immer, wenn eine Band auf Relapse signt, wird sie eine Relapse-Band. Das ist nicht schlimm, und wir sind mit Relapse selbst und vielen ihrer Bands befreundet, aber für uns wäre das nichts. Deshalb haben wir so viel Zeit darauf verwendet, ein Label zu finden, das unsere Vision versteht und uns zudem gut unterstützen kann. Wenn wir nach Europa kommen, sollen die Leute auch unsere Platten kennen. In der Equal Vision-Zeit war das nur schwerlich möglich und wir waren darüber nicht glücklich. Zukünftig versprechen wir uns vor allem eine verbesserte Distribution.“

Die kann man sich wirklich nur wünschen, gerade für die Vinyl-Pressungen der Converge-Longplayer, die hierzulande fast gar nicht erhältlich waren, außer eben in schwarz, was für Sammler nur bedingt reizvoll ist. Da Jacob aber auch ein eigenes Label am Start hat, wird es in absehbarer Zukunft den Back-Katalog der Band noch einmal neu aufgelegt geben, was definitiv eine gute Idee ist:

„Es ist noch nicht ganz sicher, aber wir haben darüber nachgedacht eine zweite Pressung über Deathwish,


mein Label, zu machen. Derzeit arbeiten wir an Plänen für unsere ersten beiden Platten, die wir neu mastern und mixen wollen. Als wir sie aufgenommen haben, waren wir zwischen 18 und 20 Jahre alt und seitdem sind wir als Künstler und Musiker stark gewachsen. Damals haben wir eine Menge Potential verschenkt. Wir wollen die Tracks updaten und ihnen mehr Linie und Leben geben. Wir haben beide Alben in nicht mehr als einer oder zwei Wochen in maximal zwei Sessions aufgenommen. Heute brauchen wir Monate. Wir wollen die Songs auf ein besseres Level heben, das sie eigentlich auch haben, obwohl wenn man es nicht unbedingt hört.“

Dieser Tage sollten Converge auch wieder im Studio sein ihren ersten Longplayer für Epitaph einzuspielen. Als Marschrichtung ist folgendes vorgegeben: „Es wird eine natürliche Fortführung der „Jane Doe.“ Wir legen wert darauf, dass eine Weiterentwicklung erkennbar sein wird. Der künstlerische Aspekt ist uns sehr wichtig und daran arbeiten wir hart. Grundlegend sind es die selben vier Leute, die zusammen eine weitere Platte aufnehmen. Das ist für uns ein Novum, weil wir in der Vergangenheit immer Line-Up-Wechsel verkraften mussten. Diesmal ist alles fest und wir sind heiß auf das Studio.“

Mehr wollte Jacob noch nicht verraten, aber schon in wenigen Monaten soll das Album ja vorliegen. Mich interessierte weiter, wovon der Shouter eigentlich lebt, denn neben Converge und Deathwish tritt er ja immer wieder auch durch seine klasse Grafik-Arbeiten für andere Bands in Erscheinung:

„Es wäre toll, wenn wir von der Band leben würden und uns allein auf die Musik konzentrieren könnten. Wir sind aber eine Punk-Band und da ist das einfach nicht möglich. Wir sind genauso arm, wie alle hier im Raum. Neben zeitraubenden Grafik-Geschichten arbeite ich 40-50 Stunden in der Woche für Deathwish und auch das rentiert sich noch lange nicht. Meine Rechnungen zahle ich durch die Artwork-Arbeiten.“

Da kaum noch Zeit blieb, sollte mir Jacob abschließend noch schnell seine Sicht der „Poacher Diaries“ Split mit Agoraphobic Nosebleed schildern, mit der die Grinder alles andere als glücklich sind:

„Wir waren mit ihr auch nicht unbedingt zufrieden. Das Gefühl stimmte einfach nicht. Natürlich ist es immer hart eine gute Split zusammen zu bekommen, wenn so verschiedene Bands vertreten sind. Wir haben an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Ansprüchen aufgenommen. Als wir das Projekt in Angriff nahmen, sollte alles näher zusammen liegen und wir als Bands wollten auch enger zusammen arbeiten. Die Songs sollten untereinander auf sich Bezug nehmen und im Ergebnis zusammengehöriger klingen. Zu der Zeit gab es wohl innerhalb von Agoraphobic Nosebleed zwischen Jay und Scott Probleme und die kamen kurzzeitig nicht miteinander aus. Ihr Part entstand schließlich fast ohne Input von Jay und der war das Bindeglied zu uns. Jay wuchs als Hardcore-Kid auf und ohne seinen Beitrag gab es keine Verbindung zu unseren Songs mehr. Wir haben also unseren Part eingespielt und die Split kam dann recht zweigeteilt heraus. Das war schon vor dem Mastering klar und danach war es noch deutlicher. Dennoch sind beide Parts jeweils für sich betrachtet sehr gut, auch wenn sie zusammen einfach nicht als Split durchgehen.“

 
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