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Destiny

Storie von: arne, am 16.03.2004 ]

Nur eine Handvoll europäischer Bands spielt heute noch einen vordergründig New School-orientierten Hardcore-Stil. Warum eigentlich? Hat der MetalCore-Boom denn wirklich flächendeckend vergessen lassen, dass Florida-Bands wie Morning Again, Poison The Well, Culture oder Shai Hulud zuvor so nachhaltigen Einfluss auf die Hardcore-Szene ausgeübt haben?

 
Für das letzte halbe Jahr fallen mir spontan allein Bridge To Solace und eben DESTINY ein, die derart frisch und engagiert noch immer dem New School frönen. Und es funktioniert doch! NIEMAND wird sich diesem explosiven Mix entziehen können.

Poison The Well meets Deftones

Mit ihrem zweiten Longplayer “The Tracy Chapter“ (Lifeforce Records) untermauern die Husumer von DESTINY eindrucksvoll ihren Anspruch auf den Thron im New School-Hardcore. Keine andere europäische Band spielt eine vergleichbar stimmige Mixtur aus Poison The Well und den Deftones!! Es scheint fast unglaublich, welch rasante Entwicklung die vier Deutschen seit ihrer Gründung Ende 1998 genommen haben. Nach einer Demo-CD folgten schnell das längst ausverkaufte Debüt “Diving Into Eternity” (Beniihana) und abgefeierte Shows mit u.a. Caliban, Heaven Shall Burn, SkyCameFalling.

Das norddeutsche Quartett hat schnell für gehöriges Aufsehen im Underground gesorgt und nun scheint die Zeit für Größeres gekommen. Von jeher sind DESTINY einen eigenen Weg gegangen und nie zuvor war das deutlicher als auf “The Tracy Chapter“. Die catchige Mischung emotionaler Melodie-Parts und einprägsamer Midtempo-Stampfer, ist progressiv wie offen und um eine latente NuMetal-Edge erweitert. Auch so kann moderner Hardcore klingen! Obwohl die Band aus Deutschland stammt, ist ihr Sound alles andere als europäisch und das verstehe ich als allein positiv. Gerade deshalb klingen DESTINY so frisch und unverbraucht. Die zwölf Songs des Albums sind durch die druckvolle, aggressive Produktion von Tue Madsen (Antfarm Studio) perfekt in Szene gesetzt. Das Lifeforce-Debüt “ hebt DESTINY nun auf das nächsthöhere Level und ich bin schon jetzt gespannt, wie der Longplayer bei den HC-Kids ankommen wird.

Balance zwischen Emotion und Aggression

Gitarrist Sebastian Formella berichtete mir zunächst, dass die eigene New School- Ausrichtung kein Zufall ist: „Die meisten europäischen Hardcore Bands sind sehr Metal orientiert. Wir waren nie eine Band, die Metal als überwiegende Inspiration genutzt hat. Einfach deshalb, weil der größere Teil der Band nicht aus dem Metal kommt. Metal hat nie unseren Musikstil geprägt. Daher kommt es vielleicht, dass man stilistisch nur wenig Parallelen zu anderen europäischen Bands ziehen kann.“ Das ist wohl ausschließlich als Vorzug zu werten und lässt den DESTINY-Sound schnell zu etwas Besonderem werden. Dennoch sind auch die Husumer in den letzten Jahren härter geworden. Das wird vor allem dann sehr deutlich, wenn man beide Longplayer der Band nebeneinander stellt:

„Auf unserem Debüt hat der emotionale Teil gegenüber dem aggressiven wirklich deutlich überwogen. Mit unserem "The Tracy Chapter" haben wir versucht eine Balance zwischen Emotion und Aggression zu finden. Wir haben unseren Stil verfeinert und


der härtere Sound ist dabei der Schlüssel gewesen.“

Weiterhin fällt in bezug auf das Zweitwerk auf, dass ein latenter NuMetal-Einfluss nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Poison The Well meets Deftones trifft den Stilmix des Quartetts in meinen Augen am besten und Sebastian nimmt das gerne an: „Die Deftones waren definitiv ein großer Einfluss, wie auch Poison The Well. "The Tracy Chapter" ist um einiges mächtiger und schwerer als "Diving Into Eternity", was auf jeden Fall den Deftones zuzuschreiben ist. Darüber hinaus haben wir aber auch versucht, unmelodischere Elemente einfließen zu lassen. So waren etwa Turmoil in dieser Hinsicht eine Inspiration.“

Ein optimales New School Album

Neben der instrumentellen Umpositionierung ist auch im Gesang viel passiert, und nunmehr gibt es einen ausgewogenen Wechsel aus geschrieenen und clean gesungenen Vocals. Das klingt phantastisch und bietet DESTINY zudem neue Varianz-Möglichkeiten einige Parts noch emotionaler klingen zu lassen: „Wir wollten die Weiterentwicklung zum Debüt nicht nur von der Instrumentierung her schaffen sondern auch auf den Gesang bezogen. Die Idee von cleanen Gesangs-Parts ist allerdings schon so alt wie die Band selbst. Wir haben auch in älteren Songs schon mit diesen Stilmitteln gearbeitet und auch im Studio schon früher damit experimentiert. Mit "The Tracy Chapter" haben wir unseren Stil, soweit es für uns möglich war, perfektioniert. Vom Songwriting her haben wir versucht die Arrangements der Songs immer möglichst abwechslungsreich zu halten. Zu viele lange Parts können ein Album schnell übersättigen, daher haben wir mit oft wechselnden Parts gearbeitet und das Album so zu jeder Zeit interessant gestalten.“

Das Album ist wirklich ein Optimum in jeder Beziehung. Mehr ist im New School- Bereich wohl nicht zu erreichen. Gewichtigen Einfluss auf das Ergebnis hatte auch Produzent Tue Madsen (früher bei den Groove-Rockern Grope aktiv), der die DESTINY-Jungs zusätzlich pushte und stetig forderte: „Tue ist jemand, der ganz besonders darauf achtet, dass man das, was man fühlt, auch in die Songs einfließen lässt. Ein Album kann technisch noch so perfekt gespielt sein, aber wenn das gewisse "Feeling" fehlt, ist es nur noch halb so gut wie es hätte sein können. Tue hat unserer Musik nicht nur einen überwältigen Sound verschafft, sondern auch emotional die bestmögliche Atmosphäre geschaffen.“

...und das hat er wirklich. Spannend wird nun sein, wer auf den heißen Stil von DESTINY abfährt. Die Jungs sind sich da selbst nicht so sicher: „Ich denke, dass wir sowohl bei den Leuten Anklang finden, die auf aggressive Elemente Wert setzen, als auch bei anderen, denen ein hoher emotionaler Anteil wichtig ist“

Für den Sommer ist eine größere Europa-Tour mit Caliban und Deadsoil geplant. Verpasst das nicht.

 
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