Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Copykill

Interview von: Arne mit Boris, am: 30.12.2001 ]

Mit der Intention gegründet, das Beste aus New School- MetalCore und Old School- Hardcore zusammenführen, legten COPYKILL mit 'Victim Or Witness' auf Alveran Records ein Debut vor, das sich gewaschen hat. Derben New York- Metal-Mosh a la Hatebreed oder All Out War darf man erwarten und die Scheibe bolzt ordentlich nach Vorne los, ohne die nötige Abwechslung aus den Augen zu verlieren. Die Musiker stammen aus dem Essener Raum, starteten 1998 und waren zuvor in Bands wie Surface, Discord oder auch Eyes Sewn Shut aktiv. Gitarrist Boris stand mir per Email Rede und Antwort...

 

Musicscan:Ab welchem Punkt habt ihr COPYKILL als wirkliche Band verstanden und was sollte man über euch wissen?

Copykill:Die Band wurde im Winter 1998 gegründet und damals als Projekt angesehen. Bei mir hatte sich das ab dem Zeitpunkt geändert, als sich meine damalige Hauptband "Surface" aufgelöst hatte, da ich da dann mehr Zeit für CK hatte! Ich denke das es für die anderen so ziemlich zum gleichen Zeitpunkt anfing ernster zu werden, da mehr Shows kamen und mehr Energie in die Band gepackt wurde. Wir nehmen unsere Sache sehr ernst und versuchen so viel Kraft und Ehrgeiz in die Band zu stecken wie möglich - wir sind eine provokante band!

Musicscan:Kann es sein, dass der Bass auf dem Album kaum zu hören ist? Wie beurteilt ihr euer Werk überhaupt? Worauf seid ihr stolz und was hättet ihr inzwischen anders gemacht?

Copykill:Das der Bass kaum zu hören ist, lag einfach daran, dass wir einen Fehler beim Aufnehmen gemacht haben und den falschen Amp mit einem falschen Bass benutzt hatten, und somit das eine zum anderen kam und der Bass sich am Ende nicht so angehört hat wie wir gerne wollten, und da haben wir ihn so abgemischt, dass er von "unten her" die Songs unterstützt. Aber im großen und ganzen sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis! Da einzige was wir hätten anders machen sollen war in ein anderes Master-Studio zu gehen!

Musicscan:Denkt ihr nicht, es ist für eine Band mit einem Full-Length-Debut eher ungewöhnlich, gleich Live-Tracks und neu eingespielte Demo-Songs mit auf die Platte zu nehmen? Wie viele Tracks habt ihr als COPYKILL denn schon insgesamt geschrieben? Die Live-Tracks waren ja zudem schon auf der Split-CD mit Drift...

Copykill:Also zum einen ist es uns recht egal was gewöhnlich ist und was nicht, nur wer aus Normen und Traditionen ausbricht macht auf sich aufmerksam, und warum wir zwei alte Demo Songs neu aufgenommen haben ist sehr einfach erklärt: Das Demo wurde ca. 300 - 350 Mal verkauft, somit werden auch ca. soviel Leute die Songs kennen, aber was ist mit den anderen die das Demo nicht haben? Die kennen die Songs nicht, da wir aber die Songs immer noch spielen haben wir sie nochmal neu aufgenommen! Der Grund warum wir die Livetracks auf die CD gepackt haben liegt darin, dass wir eine gute Liveaufnahme von unserer Show in Prag hatten und wir die Songs irgendwo als Extra draufpacken wollten. Da es ursprünglich geplant war einen Multimedia Track auf die CD zu packen, was leider wegen der Unzuverlässigkeit eines Freundes nicht geklappt hat, haben wie die Livetracks als Ausgleich draufgepackt, und um die Leute die die Songs auf der Split CD mit Drift nicht kennen etwas neugierig auf diese Songs zu machen.

Musicscan:Welchen Vorwürfen seid ihr denn allgemein ausgesetzt? Im folgenden habe ich einige Nachfragen zu euren Kommentaren im Album-Booklet, die sich ja mit den Vorwürfen auseinandersetzen...

Copykill:Wir werden oft kritisiert weil wir unsere Meinung offen Preisgeben, was einigen Leuten, die gerne mal Scenepolizei spielen wollen natürlich nicht passt! Da wird mal schonmal als Toughguy oder Bollo bezeichnet...

Musicscan:Mit 'blood of my enemies' begegnet ihr den Vorwürfen ja ironisch. Inwiefern spielt da aber auch Resignation mit rein? Versteht ihr denn diese Vorwürfe? Trotz der Kommentare unter den Texten empfinde ich einige schon als gewalttätig/heftig bzw. latent aggressiv...

Copykill:Nun wie Du schon richtig sagtest, entgegnen wir diesen Vorwürfen mit Ironie und Provokation, nur nicht mit Resignation, sonst würden wir entweder Emo/Scremo Musik machen mit Philosophischen Texten, damit uns jeder mag, aber nicht versteht, was wir sagen oder wir hätten die Band aufgelöst. Hmm, wir verstehen schon, was uns an den Kopf geworfen wird, aber wir werden dennoch unseren Weg gehen, egal ob es jemanden stört oder nicht. Natürlich sind einige Texte aggressiv und/oder Gewalttätig. Das haben wir je nie bestritten, aber Hardcore ist auch eine Aggressive Musik!

Musicscan:Vielleicht ist der Bandname in diesem Kontext auch verwirrend!? Was habt ihr euch denn gedacht, als ihr die Band COPYKILL getauft habt?

Copykill:Wir waren auf der Suche nach einem Bandnamen, den man mit unserem Musikstil assoziieren kann, der aggressiv und brutal daher kommt und dennoch im Kopf bleibt. Als wir eines Tages bei mir saßen und den Film Copykill (auf Englisch "Copycat") auf Video gesehen hatten, fanden wir alle Gefallen daran und haben uns so genannt. Es hat nichts damit zu tun, dass wir Serienmörder geil finden würden!

Musicscan:Ich persönlich würde euch als New York Metal-Mosh a la Hatebreed und All Out War beschreiben, was ich ganz treffend finde!? was sagt ihr dazu? -> Die nähe zu Tough Guy Bands ist damit auch schon fast hergestellt, die ihr ja, nach den Kommentaren zu urteilen, nicht zugestehen wollt, oder sehe ich das falsch? was wäre denn so schlecht an diesem "Label," abgesehen davon, dass man als Band nie in eine Schublade gesteckt werden will?

Copykill:Mit Deiner Beschreibung, zumindest im Punkto Hatebreed stimme ich Dir zu, im Punkto All Out War nicht so sehr, aber ich finde das auch Bands wie Hatebreed oder Death Threat keine Tough Guy Bands sind, da die Leute in den Bands sehr nett sind, alles andere als dumme Straßenprolls, die Hardcore Musik machen in einer Zeit in der viele Leute denken das Bands wie Slayer (die sehr fett sind!) oder At The Gates HC machen würden, und das alleine macht sie in den Augen anderer schon zu Tough Guys! Schubladen Denken ist generell stupide.

Musicscan:Was ist zukünftig musikalisch eure größte Herausforderung? ...mehr Abwechslung zu schaffen? Das Album geht ja straight und trocken seinen Weg bis zu den Livestücken...

Copykill:Also ich/wir bin/sind der Meinung das unser neues Album "Victim or Witness" sehr abwechselungsreich ist, sei es der Gesang oder auch das Songwriting. Natürlich ist es nichts, was noch nie da gewesen ist, aber wir wollen auch keine "mit dem Kopf durch die Wand" Band sein und um jeden Preis anders klingen wollen. Wir setzen uns keine Grenzen Musikalisch gesehen, wir treffen uns im Proberaum um die Musik zu schreiben die wir alle am liebsten hören und auch spielen, und was herauskommt, ist das Ergebnis von fünf Typen die gerne aggressiven und brutalen Hardcore spielen und hören.

Musicscan:COPYKILL ist textlich relativ stark auf die HC-Szene fixiert -warum? Ich meine, es gibt so viele Themen, über die man singen könnte... Leben findet vor allem außerhalb der Szene statt, auch wenn man Hardcore lebt... Liegt es vor allem an den Bands, die euch selbst beeinflusst haben?

Copykill:Wir schreiben Texte über die Themen, die uns im Moment der Entstehung des Songs am meisten beschäftigen oder berühren. Egal welches Thema! Daher haben wir sogar ein breit gefächertes Spektrum an Themen die wir in unseren Songs ansprechen. So haben wir z.B. einen Song über die Gefahren von Diktaturen, belegt an den Verbrechen der Vergangenheit (die nicht nur in Deutschland geschehen sind) (Leadership - Demo), oder über Kindesmisshandlung und deren schreckliche Folgen (Last Of Seven - Split CD), über die Art und Weise wie das System in dem wir leben versucht uns klein zu halten und mehr Geld für Waffen und Industrie ausgibt als es für z.B. den Umweltschutz tut (System`s Decay - Split CD). Wir haben eine Song in dem wir über das kalte Verhalten von uns allen berichten, wenn wir an Obdachlosen vorbeigehen und dass es jedem von uns passieren kann ohne ein Dach über dem Kopf zu sein. (Carpe Diem?- Split CD)... Also Du sieht, nicht NUR Hardcore fixierte Themen. Wir machen uns eine Menge Gedanken über die Welt in der wir leben.

Musicscan:Dann ist da noch der Kommentar unter 'dawn of a new breed' - Was ist denn 'true Hardcore' nach eurem Verständnis und was ist 'the way hardcore it's meant to be'? Mehr oder weniger sprecht ihr doch damit allem daneben seine Berechtigung ab Hardcore zu sein oder sehe ich das falsch? Hardcore hat doch für jeden persönlich eine etwas andere Bedeutung und um richtig oder falsch sollte es dabei doch nicht geben!?

Copykill:Es ist, wie es dort steht! Metal, Emo, Scremo, Britt Pop und Punk (auch wenn HC vom Punk abstammt) ist nun mal kein Hardcore und die Einstellung der meisten Leute im heutigen HC hat auch nicht mehr viel mit den eigentlichen Idealen zu tun, nämlich sich gegen die Unterjochung des Systems auszubrechen, überhaupt seine Meinung frei äußern zu können (Voice Your Opinion - Uniform Choice), seine Aggressionen in einer positiven Art und Weise rauszulassen usw... Nun, diese Werte gibt es kaum noch im heutigen HC und das ist es woran diese Bewegung auf kurz oder lang zugrunde gehen wird, wenn nicht etwas dagegen unternommen wird! Wir würden nie jemandem absprechen wir er seine Definition von HC zu leben hat, nur ist es offensichtlich das es nichts mit Breakbeat oder Religion zu tun hat!

Musicscan:Mir ist klar, warum die Kommentare unter den Texten stehen, aber ich kann mir vorstellen, dass sie vielleicht eher bewirken könnten, dass sich viele Leute mehr über die Kommentare als über die Texte aufregen? Wie beurteilst du diese Gefahr?

Copykill:Wie eingangs gesagt, COPYKILL ist eine provokante Band... und die Provokation scheint ja zu funktionieren, sonst hättest Du Dir ja z.B. auch keine Gedanken darüber gemacht, oder?

Musicscan:Was bedeutet es euch, die 'Good Night Wide Pride' -Aktion zu unterstützen? ...oder ist das Logo auf allen Alveran Releases?

Copykill:Nein, das logo ist nicht auf allen Releases von Alveran. Uns bedeutet es sehr viel immer noch outspoken gegen Rassimus und Faschismus zu sein und diese Krankheiten der Gesellschaft zu bekämpfen! Daher auch die Unterstützung dieser Aktion!

Musicscan:Fühlt ihr euch auf Alveran wohl? Warum habt ihr euch gerade dieses Label ausgesucht?

Copykill:Sascha tut sehr viel für uns und wir sind sehr zufrieden, wie es läuft. Ich könnte mir momentan nichts besseres für uns vorstellen. Warum wir uns gerade für Alveran entschieden haben, hatte mehrere Gründe. Zum einen, dass es auch aus dem Pott kommt und die Kommunikation eben viel einfacher funktioniert als mit einem Label weit weg. Und zum anderen ist Sacha ein guter Freund der Band und macht wirklich gute Arbeit!

Musicscan:Wie kam denn eure US-Tour zustande und was hat sie euch gebracht? Gleiches auch für die Tour mit Liar? Ich habe euch damals in Saalfeld gesehen und hatte ein wenig das Gefühl, ihr habt an diesem Abend nicht so richtig ins Line-up der anderen Metal-Bands gepasst!? Wie lief es denn sonst so?

Copykill:Also die US Tour haben wir uns selbst organisiert, und war eigentlich ein Urlaub mit Shows! Es war wirklich superlustig und die Shows waren auch cool! Ich denke mal, dass wir gute neue Freunde und Kontakte in die Staaten bekommen haben und ne Menge Spaß hatten. Mit der Oster Tour mit Liar gilt gleiches. Wir haben eine große Menge an neuen Freunden gewonnen und ich glaube auch an Leuten, die die Musik von COPYKILL mögen. Außerdem sind die Jungs von Liar sehr nette Leute, mit denen wir sofort wieder auf Tour gehen würden! Die Show in Saalfeld hat uns damals riesigen Spaß gemacht, alleine schon WEIL wir nicht so recht ins Lineup gepasst haben und Du hast es ja dann auch gesehen, es hat vielen gefallen!


Copykill:Danke für das Interview und die Unterstützung! Wer mehr über uns wissen mag, der kann uns schreiben unter copykill@fosil24.de oder auf unsere Website unter www.rbshardcore.com/copykill gehen! Cee ya in the pit! ;-)

 
 
oben