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Soulmate

Interview von: Matthias Rauch mit Jan Spading und Martin Albrecht, am: 03.02.2004 ]

Soulmate sind jetzt schon über 10 Jahre im Geschäft und machen eigentlich konstant sehr gute und spannende Musik, doch der große Sprung ist ihnen unverständlicher Weise immer noch nicht gelungen. Vielleicht wird sich dies mit ihrem tollen, neuen Album "Revolving" ändern. Die Jungs klingen hier noch ein Stück fokussierter, eingängiger und zwingender als auf den Vorgängern und lassen eine sehr geschlossene musikalische Mission erkennen. Ich fragte bei Jan und Martin mal genauer nach der neuen Labelheimat, der Entstehung von "Revolving" und einer Retrospektive.

 

Musicscan: Erzähl doch ein bisschen was sich seit eurem letzten Album "In Summerstreets" für euch als Band verändert hat. Neue Erkenntnisse, neue Zielsetzungen, neue Visionen?

Soulmate: Jan: Die Visionen sind die selben geblieben ... auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Wir waren als Band noch nie zuvor so sehr "eins". Nach dem Ausstieg unseres alten Gitarristen Jürgen mussten wir uns erst einmal wieder finden - war kein einfacher Prozess, aber die Geschichte ist für uns aufgegangen. Martin und Woody haben das Loch, welches nach Jürgens Ausstieg vorhanden war, mehr als nur gefüllt.

Musicscan: Ihr seid einer der Bands, die schon eine ganze Weile dabei sind. Inwieweit hat sich die musikalische Landschaft in den letzten 10 Jahren eurer Meinung nach verändert? Fühlt ihr euch noch musikalisch und ideologisch der Punk Community verbunden?

Soulmate: Jan: ...schwierig. Ich denke, dass es in Deutschland mittlerweile eine eigenständige, qualitativ hochwertige Liga an Bands gibt, welche sich nicht schämen muss, Gitarren-Rock/Punkrock Marke "Deutschland" zu machen. Wenn ich da z.B. an Bands wie One Man And His Droid, Miles, Pale oder Donots denke. Was die Punk Community angeht, ist mir der Begriff etwas zu schwammig. Fest steht: ich trinke mein Bier lieber im Hafenklang, als im J's.

Musicscan: Wie ist "Revolving" entstanden? Mit wem habt ihr gearbeitet, wo habt ihr aufgenommen, wie sind die Songs entstanden?

Soulmate: Martin: Songs entstehen bei Soulmate nicht so, dass jemand das schon alles zu Hause ausgeheckt hat. Es gibt im Proberaum immer einen bestimmten Moment, an dem auch alle beteiligt sind und in dem klar ist, okay, der Song ist da. Wir haben relativ schnell nachdem Woody und ich eingestiegen sind angefangen, mit unserem Produzenten JEM neue Songs aufzunehmen. Das diente in erster Linie dazu zu sehen, wo wir stehen und ob das für uns schon der Weg ist, den wir für die neue Platte wollten. Wir haben in diesem Prozess also relativ viel weggeschmissen. Im Endeffekt haben wir im Sommer 2002 dann im Skyline Studio in Düsseldorf zwei Songs gemacht und den Rest im vergangenen Frühjahr in den Wahle Studios, die ebenfalls in Düsseldorf sind. Es ist für alle in der Band ein fantastisches Gefühl mit JEM zu arbeiten, weil wir ihm unsere Ideen präsentieren und dann darauf vertrauen können, dass er das Richtige daraus macht. "Make it work" haben wir zum Beispiel im Studio noch mal komplett auseinander genommen und in einer ganz anderen Richtung wieder zusammengesetzt. Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass JEM im Entstehungsprozess der "Revolving" eine extrem wichtige Rolle gespielt hat.

Musicscan: Worin seht ihr die größte Veränderung im Vergleich zum Vorgänger? Was wolltet ihr mit dem Album musikalisch und auch inhaltlich erreichen?

Soulmate: Martin: Was die Veränderungen angeht, sollte das erstmal jeder für sich selbst beurteilen. Wir haben versucht, unsere eigene Lieblingsplatte zu machen. Dass die dann 2003 anders klingt als 2000 ist ja klar.

Musicscan: Hat die Zusammenarbeit mit Superrock nicht geklappt oder war von Anfang an nur ein Album geplant? Wie kam der Kontakt zu Make My Day zustande?

Soulmate: Jan: Superrock hatte eine Option auf die nächste Platte, hat die aber nicht wahrgenommen. Wir haben dann im Alleingang die Platte aufgenommen und verschickt, Gespräche mit verschiedenen Labels geführt. Bei Make My Day hatten wir alle ein sehr gutes Gefühl ... und so kam es.

Musicscan: Inwieweit haben sich die Ziele der Band seit dem Anfang bis jetzt verändert, sofern sie das überhaupt haben?

Soulmate: Jan: Die Ziele sind die gleichen geblieben. Klassenfahrt mit 6 Freunden und dabei auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

Musicscan: Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade mit Soulmate beschäftigt seid? Welche Priorität genießt die Band in euren Leben?

Soulmate: Jan: Platz 01: Hannah, Platz 02: Soulmate und mit Grafik Design verdiene ich mein Geld zum leben.
Martin: Ich studiere Städtebau und habe einen Job an der Uni. Das ist auch schon ein Bereich, der mir Spaß macht und in dem ich mal arbeiten möchte, aber nicht vergleichbar mit dem Gefühl, das ich zur Band Soulmate habe.

Musicscan: Worin seht ihr den Grund, dass es in Deutschland nur sehr wenige Bands gibt, die sich ausschließlich aufs Musik machen konzentrieren, verglichen mit den USA oder Skandinavien? Ist da nur die Infrastruktur schuld oder gibt es da nicht auch andere Gründe?

Soulmate: Martin: Es ist ein ziemlicher Schritt zu sagen, okay, ich mache jetzt ein Label oder ich setze alles auf die Karte Band. Ich weiß nicht, ob die Unterstützung und die Akzeptanz für diese Entscheidung in anderen Ländern eine andere ist.
Jan: In unserem Umfeld gibt es jede Menge Leute, die sich ausschließlich aufs Musikmachen konzentrieren. Geld mit Musik zu verdienen ist nun mal sehr schwierig - gerade in der heutigen Zeit, wo die Wertschätzung von Musik sehr gering ist. Musik als Audiofile/MP3 finde ich extrem bedenklich.

Musicscan: Was war für euch der schönste und der schlimmste Moment in der Bandgeschichte bisher?

Soulmate: Jan: Jürgen verlässt die Band. Martin und Woody steigen ein.

Musicscan: Würdet ihr im nachhinein bestimmte Sachen jetzt anders angehen?

Soulmate: Jan: Ich glaube es wäre schlimm, wenn man immer hundertprozentig zufrieden ist. Kritische Reflektion muss sein, um voran zu kommen. Ein bestimmtes Ereignis fällt mir nicht ein - Fehler haben wir aber jede Menge gemacht.

Musicscan: Was steht bei euch momentan auf dem Plan für die Zukunft, musikalisch wie privat?

Soulmate: Jan: Erstmal werden wir im Frühjahr ausgiebig auf Tour gehen und im Sommer auf ein paar Festivals spielen. Vielleicht gibt es zu "Shining Star" auch ein Video. Das wird im Moment gerade noch geklärt. Zum Ende des Jahres werden wir uns dann gedanklich mit der nächsten Platte beschäftigen. Das kann ja bei uns etwas dauern.

Musicscan: 3 momentane Lieblingsplatten, -bücher, -filme?

Soulmate: Martin: Platte: Cat Power - You are free, Film: The Wonderboys, Buch: Nick Hornby - 31 Songs
Jan: Platte: Zoot Woman, Film: Lost in Translation, Buch: Erogene Zone

 
 Links:
  Make My Day Records
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