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The End

Storie von: arne, am 29.01.2004 ]

Das noch so junge Jahr startet mit einem mächtigen Paukenschlag in Form des neuen THE END Albums “Within Dividia”. Das Quintett aus Toronto liefert hier eine schlichtweg geniale MathCore-Scheibe ab. Im Gegensatz zum schon richtig guten Debüt “Transfer, Trachea...“ haben es die Kanadier tatsächlich geschafft, sich entscheidend zu steigern und sich darüber hinaus auch einen eigenen Stil zu erarbeiteten. Und den liefert das Zweitwerk ohne Frage!

 
Schon beim ersten Hören fällt auf, dass die Songs diesmal schneller zu erschließen sind und dennoch nichts von ihrer Komplexität eingebüßt haben. Das ist ein beachtlicher Spagat, den THE END bravourös meistern. Zwischen jazzig- angehauchten Rock-Passagen, bitterbösen Math-Parts und atmosphärischen Ambient-Stellen entwickelt sich ein Album, das eine ganz eigene Dynamik mit sich bringt. Dennoch braucht es seine Zeit, bis man als Hörer begreift, dass man es im Falle von “Within Dividia” mit einem quasi lebenden Organismus zu tun hat. Die acht Songs bilden eine gewaltige, sehr homogene und zutiefst bedrohliche Einheit. Das Prinzip heißt alles oder gar nichts. Egal, ob THE END nun (wie zumeist) wild-chaotisch oder (eher selten) bedächtig-ruhig agieren, ihr Sound hat jederzeit einen zutiefst dunklen Touch und bitteren Nachgeschmack. So etwas leisten nur ganz wenige Platten!

Der Wechsel zwischen höchster Komplexität und leichter verdaulichen Passagen ist gut gelöst und “Within Dividia” zeichnet sich sowohl durch einen guten Fluss als auch ein einheitliches Gesamtbild aus, was das Debüt noch missen ließ. Daneben überzeugt zudem das deutlich abgefahrene und präzisere Drumming. THE END sind mit ihrem wüsten, offenen Sound zwischen Hardcore, Chaos, Grind und Ambient wohl so etwas wie eine „typische“ Relapse-Band, aber es gäbe auch kaum ein passenderes Label für die Kanadier als eben dieses.

Wer verbreakte Musik zwischen Converge, Dillinger Escape Plan und Rune steht, sollte diese Kanadier unbedingt antesten, die sich bescheiden und vom eigenen Erfolg noch immer ein wenig überrascht zeigen: „Wir starteten vor über fünf Jahren und spielen seitdem, abgesehen von einem Sänger-Wechsel, im ursprünglichen Line-Up. Wir wollten von Beginn an eine Band sein, die einen eigenen, nicht alltäglichen Sound spielt. Nach einem Demo kam schon unsere erste Platte “Transfer, Trachea...“. Auf dem Debüt haben wir uns sehr experimentell präsentiert und sind dennoch sehr gut angekommen ist. Unser Ziel war es etwas Neues und Gutes zu schaffen, das dennoch heavy und brutal ist und die Leute haben es verstanden. Mit dem neuen Album haben wir das nun fortgeführt. Dabei ließen wir uns bewusst mehr Zeit für das Songwriting und die Aufnahmen. “Within Dividia“ ist wohl gerade dadurch ein solch gutes Album geworden. Nachdem “Transfer, Trachea...“ erschienen war, erkannten wir schnell, dass wir vieles kompakter, aber auch gegensätzlicher hätten spielen sollen. Das haben wir nun nachgeholt.“

Ursprünglich erschien das Debüt auf dem kanadischen Re-define Records, doch nachdem THE END den Relapse-Kontrakt signten und die ursprüngliche Kleinpressung nicht mehr erhältlich war, wurde “Transfer, Trachea...“ noch


einmal in größerem Rahmen wiederveröffentlicht: „Das war fantastisch, gerade wenn so etwas mit deiner ersten Platte geschieht. Die Erstpressung der Platte war sehr schnell ausverkauft und es gab eine große Nachfrage, die befriedigt werden wollte. Zurückblickend entwickelte sich für uns alles sehr schnell sehr positiv. Nach dem Release unseres Demo, begannen wir live zu spielen und sofort zeigten die Leute großes Interesse an uns.“ THE END standen schnell im Ruf eine explosive Live-Band zu sein und gleich auf der ersten US-Tour trat Relapse an die Band heran. Der Rest ist nunmehr Geschichte und inzwischen haben die Kanadier bereits ganze sieben US-Reisen mit u.a. Opeth, Mastodon, Cepahlic Carnage und dem Dillinger Escape Plan hinter sich.

Hört man “Within Dividia“ ist man schnell vom hohen Niveau der acht Stücke umgehauen, denn rein musikalisch betrachtet, ist das Album ein Hammer: „Die Songs sind technisch anspruchsvoll, aber wir versuchen stets, sie nicht zu technisch klingen zu lassen. Wir experimentieren immer wieder mit verschiedenen Parts, bis ein Song so klingt, wie wir uns ihn vorgestellt haben. Gerade auf der neuen Platte war es uns sehr wichtig, dem Komplexeren auch immer wieder einfachere Parts gegenüber zu stellen, die einen natürlichen Ausgleich schaffen.“

Von seiner Anlage her klingt das Material sehr homogen und flüssig. Als Hörer wird man über die volle Spielzeit sowohl unterhalten als auch gefordert. Das ist ein gesunder Kompromiss, der jederzeit für Spannung sorgt. THE END haben ihr Album ganz bewusst auf Gegensätzen aufgebaut:

„Wir haben gelernt, wie man gewichtige Kontraste schafft. Wenn man etwas wirklich heavy klingen lassen will, braucht man auch etwas Softes im Umfeld. Will man wirklich ruhig sein, sollte man gleich darauf ganz laut werden. Das Ohr braucht diese Unterschiede und einen Fluss, der mitreißt. Darauf haben wir viel Wert gelegt und auch deshalb finden sich deutlich mehr Ambient-Parts auf der Platte. Eigentlich ist dieses Prinzip ganz natürlich und doch es ist sehr schwer zu realisieren.“

Bei der Verwirklichung der eigenen, dunklen Visionen griffen THE END auf Produzent Pierre Remillard (u.a. Misery Index, Crytopsy, Gorguts) und dessen Wild Studios zurück: „Der ausschlaggebende Grund war, dass er ebenfalls Kanadier ist. Wir wollten unbedingt in Kanada bleiben und sind darüber hinaus auch Fans vieler seiner Arbeiten. Es war klar, dass er einen guten Job leisten würde und sich auf unseren Sound einstellen kann. Er ist sogar ein richtiger Fan von uns geworden. Das Studio in den Bergen eignet sich zudem perfekt zum konzentrierten Arbeiten. Man ist in den Wäldern und fern der Zivilisation. Wir hatten schnell die richtige Stimmung und legten los.“

 
 Links:
  The End
  Relapse Records
 
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