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Thursday

Storie von: arne/zosse, am 19.01.2004 ]

Den Wechsel vom Szene-Verlag Victory hin zu Major Island haben THURSDAY bravourös gemeistert. Nach wie vor ist die junge Band eine der sympathischsten und eigenständigsten im so unüberschaubaren Emo-HC-Sektor. THURSDAY klingen allein nach sich selbst und der aktuelle Output „War All The Time“ ist schlichtweg ein Geniestreich.

 
Wie schmerzlich die Emo-Gemeinde auf diesen Output gewartet hat, kann sich jeder vorstellen, der sich im Hardcore-Genre etwas auskennt. THURSDAY haben eine ganze Bewegung initiiert und treten nun an, ihrer Gottstellung, die sie mit zwei Alben und fünf Jahren Bandbestehens inne haben, gerecht zu werden.

Viele der Muckerpolizisten da draußen werfen ihnen mit dem vorliegenden Album Stagnation vor, was ich aber absolut nicht teilen kann. Gut, das Überraschungsmoment haben die Fünf nicht mehr auf ihrer Seite, „War All The Time“ ist aber, ganz objektiv betrachtet, mindestens genauso großartig wie der Vorgänger „Full Collapse“. Und...Wunder vollbringen kann man nicht zwei Mal hintereinander. Ein Jahrhundert-Album toppt man nämlich nicht so leicht, wobei ihnen das meiner Meinung nach aber gelingt.

Ich habe in den letzten Monaten, ach was rede ich, Jahren, nämlich kein Album gehört, welches emotionaler und schwermütiger war als dieses hier. „War All The Time“ ist ein Wechselbad der Gefühle und schwankt zwischen wuchtigen Gitarrenattacken und verträumten Momenten. Beim Hören dieses intensiven Werks laufen mir permanent Schauer über den Rücken. Dieses Album setzt sich wie kein zweites im Gehörgang fest und will immer und immer wieder genossen werden. Ich kann einfach zur Zeit nichts anderes wirklich hören, wobei ich mit Hören in diesem Fall genießen bei vollster Aufmerksamkeit meine.

Songs wie das packende ‚Signals Over The Air‘ brauchen diese Aufmerksamkeit und wollen nicht bloß nebenbei gedudelt, sondern gefühlt und gelitten werden, so wie Sänger Geoff Rickly es tut, wenn er mit seiner, dem The Cure-Mastermind Robert Smith nicht unähnlichen Stimme, seinem Schmerz Luft macht. So durchlebt der Hörer eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Emotionen sind schwer zu beschreiben.

THURSDAY’s Musik vermag es jedenfalls, einen zum Weinen zu bringen. Sei es, weil sie so schrecklich schön ist, oder weil man auf seiner Zeitreise im Kopf Orte und Situationen wiedersieht, die man gehofft hatte, zu vergessen.

THURSDAY‘s Musik hat etwas, was viele andere Bands nicht besitzen. Eine Seele. „War All The Time“ ist ein wirklich großartiges Album! Ein Meisterwerk! Und wer nicht spätestens bei ‚This Song Brought To You By A Falling Bomb‘ in Tränen ausbricht, ist emotional tot!

Alles fing dabei auf sehr kleinem Level mit ganz bescheidenen Ansprüchen an: „Als wir vor fünf Jahren anfingen, wollten wir einfach eine weitere gute Hardcore-Band werden. Wir sind mit Bands wie Sick Of It All, Quicksand, Deftones und Far aufgewachsen und mit Thursday mischen wir all unsere Einflüsse und spielen nun unseren eigenen Sound.“

Richtig, THURSDAY wissen, wo sie stehen: „Ich sehe uns nach wie vor als Hardcore-Band. Wir stehen in engem Kontakt mit den Leuten auf den Konzerten und mit unseren Fans. Darüber hinaus schreiben wir noch immer Texte, zu denen die Kids gut mitsingen können. Wir kommen ja von kleinen Hardcore-Shows und haben das nicht vergessen. Viele unserer Einflüsse kommen nach wie vor aus dem Hardcore und wir schätzen den Gemeinschaftsgedanken


nach wie vor.“

Die Bezeichnung als nur Emo recht nicht weit genug, aber mit Post-Hardcore können sich THURSDAY anfreunden, rechnen sie sich doch auch selbst dazu: „Ich mag dieses Post-Hardcore-Ding. In meinen Augen beschreibt es eine Entwicklung der letzten Jahre, in der Kids, die früher nur zu HC-Shows gingen, nun eigene Bands gestartet haben und nach einem eigenen Stil suchen ohne die alten Bands zu kopieren. So ähnlich gehen auch wir vor. Es geht darum, kreativ zu sein und etwas eigenes auf die Beine zu stellen.“

In bezug auf den eigenen Erfolg zeigt sich THURSDAY bescheiden: „Ich denke immer, wir waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So etwas muss es sein.“ Vielleicht liegt die Stärke aber auch in der internen Geschlossenheit. Nach einem Break zur Beendigung des Colleges ist das Line-Up nun wieder fest und auch sonst alles in Butter:

„Wir alle sind nach wir vor sehr enge und gute Freunde. Das ist wichtig wenn man so lange zusammen auf Tour ist. Vielleicht liegt darin unsere Stärke und natürlich wirkt es sich auch auf die Musik aus und die Leute sehen und spüren es.“ ...und die Jungs wollen auch gar nichts anderes:

„Es ist schon toll, wenn man mit dem, was man am liebsten tut, sein Leben finanzieren kann. Davon haben wir immer geträumt. Wir sehen so viele tolle Bands auf Tour und können uns von so viel inspirieren lassen, sehen jeden Tag etwas Neues. Wir alle haben uns auf Thursday eingeschworen und wollen all unsere Energie in die Band stecken. Das ist, was wir tun wollen.“

Die teils überschwänglichen Kritiken für die eigenen Alben, die u.a. auch von Meilensteinen der Emo-Geschichte sprachen, sehen THURSDAY aber kritisch und nehmen das keinesfalls vorbehaltlos an: „Natürlich ist das ein großes Kompliment, aber Bands wie Quicksand oder Far haben sicherlich mehr für das Genre geleistet als wir. Wir spielen nichts anderes als sie und sie sind die Pioniere, nicht wir. Wir haben nur ihre Ideen vorangetrieben und von ihren guten Grundlagen profitiert. Vielleicht ist der Markt heute bereiter für derartige Musik.“

Doch der Erfolg ist auch unermütlichem Touren und harter Basement- Arbeit geschuldet: „Für „Full Collapse“ haben wir etwa ein Jahr getourt, obwohl kaum jemand die Platte zu kennen schien. Dann ging es mit Saves The Day auf Tour und plötzlich waren wir im Musik-TV. Gleich darauf gingen wir für weitere zwei Jahre auf Tour. Zusammengenommen waren es zweieinhalb Jahre Tour für „Full Collapse“. Das startete vor nur fünf Leuten und steigerte sich dann bis zu 1000. Das brauchte seine Zeit, aber wir wuchsen kontinuierlich.“

...und jetzt ist es langsam auch mal an der Zeit, dem europäischen Festland einen Besuch abzustatten: „Unbedingt. Leider haben wir es bislang noch nicht zu euch geschafft, aber wir haben viel positives Feedback bekommen und wollen möglichst bald kommen. Gerade in den letzten Jahren haben die vielen Line-Up-Wechsel eine Europa-Tour unmöglich werden lassen, aber jetzt scheinen wir eine feste Band zu sein, die auch richtig touren kann. Wir wollen bald kommen.“

 
 
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