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The Donnas

Interview von: Flo mit The Donnas, am: 08.01.2004 ]

Bringen wir es doch gleich hinter uns, damit wir uns auf die interessanten Dinge konzentrieren können: Die Donnas aus San Francisco sind eine reine Frauenband, dazu auch noch sehr jung und attraktiv. Aber zu Recht reagieren sie inzwischen gereizt darauf, wenn sie von den journalistisch bemühten Kollegen immer wieder auf ihre Frauenrolle im modernen Rockgeschäft angesprochen werden. Oder – noch schlimmer . wenn sie hören müssen, dass sie für eine Mädchenband ziemlich gut sind.

 

Musicscan: Wie würdest Du eure musikalische Entwicklung beschreiben?

The Donnas: Ich würde sagen, diesmal ist das gesamte Album gut. Es sind diesmal nicht nur ein paar gute Lieder und dann noch ein paar Stücke um irgendwie ein Album zusammen zu bekommen. Wir haben bei diesem Album Songs genommen, von denen wir wussten, dass sie live gut sind und uns auch Spass machen. Es ist doch so: man nimmt zwei Monate lang ein Album auf und dann müssen wir diese Songs zwölf Monate lang auf Tour spielen. Wir wollten näher an die Energie kommen, die wir live haben.

Musicscan: Und wie nahe seid ihr eurer Live-Energie gekommen?

The Donnas: Näher als auf unserem letzten Album. Natürlich ist es nie dasselbe wie live, aber es ist ein gewaltiger Sprung in diese Richtung. Beim letzten Album habe ich versucht, einfach alles zu geben beim Einsingen der Stücke, aber es klang nicht gut. Diesmal habe ich gedacht: Du singst wie ein Trottel, ich hatte das Gefühl, völlig übertrieben zu singen. Aber es klingt jetzt genauso wie ich klingen möchte. Das war eine merkwürdige Lektion, aber ich habe sie gelernt.

Musicscan: Ich habe ein großartige Zitat über Deinen Gesang gelesen: „the singer sounds like your best wet dream fuck doll.“

The Donnas: JA! Das habe ich schon mal gehört. Naja, ich fasse es nicht als Beleidigung auf, aber ich würde es auch nicht meiner Mutter vorlesen.

Musicscan: Ist es denn so, dass Du probierst, sexy zu klingen?

The Donnas: Nein. Ich mag es nicht, wenn die Leute dieses Wort gebrauchen. Wenn es am Ende so ist, dass Leute meinen Gesang sexy finden, dann finde ich das gut. Aber ich würde nie versuchen, sexy zu singen. Das würde nie funktionieren. Du kannst nicht eines Tages aufwachen und beschliessen, von nun an cool zu sein und dann auf alle Leute zulaufen und sagen: hey, wie läufts? So funktioniert es nicht. Wenn du versuchst sexy zu sein wirst du niemals sexy sein. Ich denke, wir haben auch als Band eine Art von Gelassenheit gefunden, wir probieren nicht mit Gewalt, energiereich zu klingen oder cool. Wir lassen es jetzt mehr laufen und dadurch erreichen wir mehr Energie als vorher.

Musicscan: Ihr habt euch immer wieder beschwert, dass ihr nie mit der richtigen Band verglichen werdet. Mit wem wollt ihr denn verglichen werden?

The Donnas: AC/DC! Wir lieben AC/DC. Die meisten Leute vergleichen uns immer noch mit den Runaways oder den Ramones, weil sie uns mit Bands vergleichen wie vielleicht ein ähnliches Image haben, aber andere Musik gemacht haben. Musikalisch klingen wir viel mehr nach AC/DC oder anderen geradeaus-Rockbands. Oder Mötley Crüe. The Cowbell!!

Musicscan: Wie nahe seid ihr inzwischen an so etwas wie einem typischen Donnas-Sound?

The Donnas: Wir klingen inzwischen definitiv nach den Donnas. Irgendwie haben wir das ja auch immer schon getan. Sogar damals, als wir all diese Coverversionen gemacht haben und probiert haben, sie genauso zu spielen wie das Original, waren es ja doch immer wir, die gespielt haben.

Musicscan: Wieviel Atlantic ist in „…spend the night“?

The Donnas: Nicht viel. Zumindest kann man nicht viel hören. An „spend the night“ waren natürlich sehr viel mehr Menschen beteiligt als bisher und wir mussten immer alle um Erlaubnis fragen. Das lustige war, dass sie im Endeffekt immer ja gesagt haben zu allem, aber wir wussten das vorher nicht. Und immer wenn wir sie gefragt haben haben sie gesagt: „na ja, mal sehen, wir werden darüber nachdenken“ und wir haben gesagt: „wie was darüber nachdenken, was meinen die mit nachdenken, mögen sie es nicht? Wenn sie es nicht mögen werde ich mich umbringen.“ Dann sind sie übers Wochenende durch unser Material gegangen und kamen wieder und meinten einfach: „Das ist gut. Das machen wir so.“

Musicscan: Ist das eine Taktik um die Donnas dazu zu bringen, besser zu sein?

The Donnas: Ich glaube, es ist einfach so, dass sie Geld und Zeit investieren in das, was wir machen. Also wollen sie auch ein wenig drin stecken in dem, was wir tun und all diese Genehmigungen, einfach weiter zu machen, sind nur, damit sie das Gefühl haben, sie haben es genehmigt.

Musicscan: Eure Texte beschäftigen sich eigentlich hauptsächlich mit Jungs und Party oder?

The Donnas: Ja, eine Menge Menschen denken ja immer, diese Texte seien gegen Männer gerichtet. Aber wir haben nichts gegen Männer. Unsere Lieder gehen um das gemeinsame Abhängen. ‚Dirty Denim’ geht zum Beispiel einfach um Poser, wir sprechen da gar nicht über Männer, sondern einfach über Idioten, denen wir begegnen.

Musicscan: Es geht nicht um eine gewisse Band?

The Donnas: Überhaupt nicht. Wieso denkt das jeder? Das stimmt nicht. Und ‚Who invited You?’ ist auch nicht gegen Männer, sondern gegen Arschlöcher. Das meint also auch Mädchen, es gibt auch weibliche Arschlöcher.

Musicscan: Welches, würdest Du sagen, sind die Hauptthemen der Donnas?

The Donnas: Öööh, Männer mögen und....

Musicscan: Nur Zwei! Welches wären die zwei Hauptthemen?

The Donnas: Oh. Ich wollte ganz viele aufzählen, so wie männer mögen und männer hassen. Oh, das ist eigentlich ein Thema: Männer mögen und Männer hassen. Okee, ich würde sagen, wir haben drei Hauptthemen: Männer, dann miteinander Party machen, das ist dann so wie „Who Invited You?“, dass wir auch zu viert Spass haben können, manchmal sogar mehr als wenn andere Leute da sind. Und dann noch Arschlöcher.

Musicscan: Du hast mal gesagt, die Donnas würden nie ein politisches Statement zum Thema eines Songs machen.

The Donnas: Ja und weißt du was? Das war wahrscheinlich das politischste Statement der Donnas. Es gibt so viele Leute, die ein gewaltiges Problem damit haben! Sie sagen, dass unsere Musik absolut wertlos ist wenn sie kein politisches Statement beinhaltet. Also, es gibt zwei Arten von Bands: eine hat zunächst mal eine Botschaft und überlegt, wie sie die unter die Leute bringt. Lasst uns ein Magazin machen oder nein, lasst uns einem Club beitreten, nein, wieso machen wir keine Band? Dann können wir unsere Botschaft verbreiten. Wir sind eine Band, die eine Band ist, weil sie Musik machen will. Manchmal haben solche Bands später auch eine politische Botschaft, manchmal nicht. Vielleicht wäre unsere Botschaft, dass wir Mädchen sind, die genauso Rockmusik spielen wie Andere und dass Leute über uns nicht anders urteilen sollten, nur weil wir Mädchen sind.

Musicscan: Das wär ja ein politisches Statement

The Donnas: Absolut. Aber wir müssen darüber nicht die ganze Zeit reden! Hey – seht her! - wir sind Girrrls. Wir machen es einfach.

Musicscan: Habt ihr schon mal an einen Song gedacht über die männlichen Bands, die ein Problem haben, für euch Vorgruppe zu sein weil ihr Frauen seid?

The Donnas: Das ist gut! Vielleicht sollte ich das tun, aber dann müsste ich Dir ja Geld geben weil Du die Idee hattest. Aber eigentlich haben wir fast mehr Probleme mit Frauen. Manche Leute sind so krankhaft neidisch. Wir hatten diese eine Frau aus einer Band, die uns gefragt hat ob wir unsere eigenen Zimmer in unserem Tourbus haben. Sie war mit ihrer Band vier Stunden gefahren und meinte, sie sei so erschöpft, sie könnten ja gar nicht mehr spielen und wir seien so ausgeruht. Guckt euch doch unseren verdammten Bus mal an. Wo sollen denn da Zimmer drin sein? Leute haben so absurde Vorstellungen.

Musicscan: Bekommt ihr langsam mehr Respekt gezeigt, nach zehn Jahren und fünf Alben?

The Donnas: Das hängt davon ab über wen wir reden. Die Band, mit der wir jetzt touren, WHITE LIGHT MOTORCADE, sind richtig klasse. Sie sind einfach gerne auf Tour und freuen sich, dass sie diese Tour mitmachen können. Aber wir haben immer noch beschissene Bands dabei, die irgendein Problem damit haben.

Musicscan: Bei Who Invited You singen die Hellacopters die Chöre. Aber eigentlich kann man sie nicht hören. Ist das ein Scherz?

The Donnas: Nein, nein. Wir haben immer probiert, sie lauter zu machen. Aber es hat nicht funktioniert. Man kann sie aber hören, sie singen immer „we dont care!“ vor unserem Refrain. Es war auch zufall, sie spielten in San Francisco in der Nähe unseres Studios und sie sagten wir sollen vorbeikommen, aber wir konnten nicht und haben gesagt sie sollen zu uns kommen. Und dann haben wir gesagt, warum singt ihr nicht diese Stelle? Wir lieben die HELLACOPTERS.

Musicscan: Was gefällt dir am besten am Musik machen? Die Arbeit am Album, live spielen, herumhängen und Leute treffen....

The Donnas: Mir macht es am meisten Spaß an den Melodien zu arbeiten. Und dann zu sehen, wie alles langsam zusammen kommt, oder wie man kleine Dinge verändert und spürt, dass es besser und besser wird. Aber live spielen ist immer noch das Allerbeste, besonders wenn das Publikum mitgeht. Wisst ihr, manchmal muss man wirklich das Letzte aus sich rausholen um das Publikum einigermaßen in Schwung zu kriegen. Dann ist man oft schon völlig erledigt, bis es anfängt Spaß zu machen. Aber manchmal ist da von Anfang an eine Energie aus dem Publikum und das macht richtig Spaß.

Musicscan: Sind Dir Unterschiede zwischen den Ländern aufgefallen, was die Reaktionen des Publikums betrifft?

The Donnas: Auf jeden Fall. Hier in Europa ist es ein bisschen wie es in Amerika nach unserem letzen Album war. Die Shows sind kleine, aber das ist auch schön, es geht ja nicht darum wie viele Leute da sind, sondern wie enthusiastisch sie sind. In Skandinavien sind die Menschen wirklich schnell begeistert. Spanien, Australien auch und Texas. Ich zähle das als eigenes Land, denn sie haben wirklich ein sehr spezielles Verhältnis zum Rock’n’Roll.

Musicscan: In ‘Dirty Denim heisst es „Your hairs so dirty it makes you look like your thirty“. Hat Du Angst vor der magischen Dreißig?

The Donnas: Ja. Irgendwie. Den Song “Dirty Denim habe ich eigentlich über mich selbst geschrieben. Das ist Leben auf Tour, guck hier (zerrt an ihrem Haar): mein Haar ist seit fünf Tagen nur verschwitzt, dann irgendein Spray, dann kämmen und wieder schwitzen. Total verklebt. „you look like you only slept for one hour, you smell like you havent taken a shower. And your hair is so dirty, it makes you look like your thirty.” Als ich das geschrieben habe waren wir auf einer langen Tour und ich schrieb es einfach über mich. Später merkte ich, das es auch gut in ‚Dirty Denim’ passen würde, habe es auf ‚You’ umgeschrieben und das wars. Aber ich weiß, dass ich mich mit dreißig nicht schlecht fühlen werde, ich werde mich immer noch wie ich fühlen. Es ist nur ein Scherz, vielleicht etwas kindisch.

Musicscan: Hat sich euer Image etwas weg bewegt von der Frauengruppe zur Rockband?

The Donnas: Ja. Bei vielen Leuten. Es gibt immer noch viele Leute die sagen, hey, für Mädchen seid ihr ziemlich gut. Das werden wir wohl niemals nicht hören. Ich rechne jedenfalls nicht mehr damit. Menschen sind dumm. Menschen töten einander, Menschen stehlen. Es wird immer dumme Menschen geben und es wird immer Menschen geben die sagen, hey für Mädchen seid ihr nicht schlecht. Also konzentrieren wir uns auf die, die uns als Band gut finden, unabhängig von unserem Geschlecht. Und das werden langsam immer mehr, das ist sehr befriedigend.

Musicscan: Habt ihr irgend ein Ritual vor dem Auftritt?

The Donnas: Jaja, wir machen Aufwärmübungen. Jeder macht sich warm, ich singe Tonleitern. Dann haben wir eine kleine Motivationsrede und einen Motivationsschrei. Ihr wisst schon, man fasst sich an den Händen und so. Aber das ändert sich auch immer. Dann gehen wir auf die Bühne.

Musicscan: Wie findest du den Bus?

The Donnas: Ich liebe ihn. Es ist kein Doppeldecker also kann ich aufstehen. Das ist das Schlimmste. Man muss herumkriechen, aber hier kann ich aufstehen. Und es ist das erste Mal, dass wir einen Tourbus haben in Europa.

Musicscan: Er ist pink.

The Donnas: Jaaaa. Naja, wir haben ihn nicht ausgesucht. Ich glaube, er war einfach da. Wie findet ihr ihn?

The Donnas: Ich mag ihn

Musicscan: Naja, ich habe gedacht, alles klar, die Donnas sind im pinken Bus. Es ist irgendwie ein Klischee

The Donnas: Ja, es ist etwas offensichtlich. Aber es ist okay, ein Girlie zu sein. Ich werde nicht so tun, als ob ich kein Mädchen wäre oder als ob ich pink nicht mögen würde. Ich mag pink und jetzt haben wir einen pinken Bus. Alright.

Musicscan: Was ist das Geheimnis der Donnas, was lässt euch weiter zusammen spielen?

The Donnas: Der erste Grund für uns, eine Band zu sein, ist, das wir Freundinnen sind. Wir könnten nicht zehn Jahre eine Band sein, wenn wir keine Freundinnen wären. Ich denke, andere Bands können in schlimmere Streits geraten wenn sie harte Zeiten durchmachen. Wir waren immer befreundet und wenn wir uns streiten dann vertragen wir uns wieder. Wir haben so viel was uns verbindet, auch jenseits der Band.

Musicscan: Wenn eine aufhört dann alle?

„Vermutlich.“

Musicscan: Vor den Donnas wart ihr die Electrocutes, dann wart ihr beide Bands gleichzeitig und die Electrocutes haben bei ihren Auftritten immer über die Donnas gelästert, sie seien Püpphcne usw. Waren die Electrocutes die böse Seite der Donnas?

The Donnas: Ja. Ja, die Electrocutes waren unsere wirkliche Band, wo wir wirklich Musik gemacht haben. Die Donnas waren nur Spaß, wir haben nur lustige Lieder gemacht. Party.

Musicscan: Wieso seid ihr mit den Donnas statt Electrocutes weiter gegangen?

The Donnas: Leider haben mehr Menschen die Donnas gemocht. Die Electrocutes waren, ich glaube, beängstigend. Niemand hat die Electrocutes verstanden. Aber sie sind nicht weg, die Donnas sind heute die Donnas von damals und die Electrocutes zusammen. Wir haben den Namen von den Donnas genommen, aber die gute Musik der Electrocutes.

Musicscan: Was ist euer großer Traum, als Band?

The Donnas: Ich will im Madison Square Garden auftreten.

Musicscan: Als Headliner natürlich.

The Donnas: Natürlich. Und ich will Gold! In jedem Land. In Amerika haben wir 400.000 schon geschafft. Wir sind sooooo kurz davor.

 
 
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