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The Blood Brothers

Storie von: arne, am 29.12.2003 ]

Schon witzig, wie schnell es mit einer Band dann doch aufwärts gehen kann. The Blood Brothers sind mit ihrer vierten Platte “...Burn, Piano Island Burn“ nun endlich da gelandet, wohin sie eigentlich schon längere Zeit gehört hatten; im Fokus einer breiteren Öffentlichkeit.

 
Die Jungs aus Seattle halten die Chaos- Fahne hoch oben im Norden der Staaten aufrecht in die Luft und ballern nach wie vor mit ihrer kranken Mischung aus Punk, Chaos-Core, Noise, Hardcore, Alternative und überdrehten Screamo-Vocals munter nach Vorne los. Vielleicht musste erst Ross Robinson mit den Jungs arbeiten um deren durchgeknallte Vision intensiver Musik perfekt in Szene zu setzen. Nun, es ist gelungen. “...Burn, Piano Island Burn“ ist das bisher beste Album der Jungs und der kleine Hype um The Blood Brothers definitiv berechtigt. Klar, massenverträglich nicht sie nicht, aber im Underground haben sie mächtig Staub aufgewirbelt.

Schon vor einiger Zeit waren die Blood Brothers mit Pretty Girls Make Grave unterwegs, sozusagen als Seattle- Doppelpack. Zum zweiten Mal gastierte die Band dabei im Berliner Knaack-Club, an den sich die Jungs nicht soo gerne erinnern, war er doch im August, aufgrund zu vieler anderer Konzerte am gleichen Abend, nur spärlich besucht gewesen: „Das erste Mal war wirklich nicht so gut. Es war unsere allererste Show hier und das waren nur wir, ohne Vorband, niemand sonst. Niemand kam bis 15 Minuten vor Beginn der Show. Wir waren schon niedergeschlagen und haben unserem Manager Vorwürfe gemacht und dann kamen doch noch gut 60 Leute und die Show wurde noch ganz gut. Die Leute gingen ab und am Ende hatten wir doch noch Spaß.“

Auf den Shows fühlt sich die Band an zu Hause erinnert: „Gerade hier in Deutschland ist es wir in den Staaten. In Köln z.B. waren die Leute und ihre Reaktionen wie bei uns in Seattle. Überall außerhalb Deutschlands stehen die Leute nur und tanzen nicht. Das ist okay, aber nicht unbedingt befriedigend. Das kennen wir eher von den Support-Shows für Glass Jaw oder AFI.“ Gerade in diesem Jahr zogen die Blood Brothers ja auch sehr großes Interesse auf sich und ihr „...Burn, Piano Island Burn“ schlug recht große Welle. Im Musik-TV sind noch immer mit auffälliger Regelmäßigkeit Clips der Band zu sehen und das ist sicherlich nicht allein durch die BMG- Rückendeckung bedingt:

„Wir haben uns schnell etablieren können und das ist toll für uns. Wir haben heute deutlich bessere Möglichkeiten mit unserem größeren Label im Rücken. Unsere erste Platte erschien als wir noch auf der High School waren und alles hat sich schnell entwickelt. Anfangs brachten Freunde die Platte raus und alles war auf einem sehr kleinen Level. Schnell fanden sich Leute, die sich für uns interessierten und uns auch in Europa vertrieben und bekannt machten.“

Der musikalische Stilmix scheint wirklich zeitgemäß und gerade deshalb so erfolgreich: „Ich denke, wir vereinen die interessanten Elemente von Converge und Botch und verbinden das mit melodischerem Pop-Stuff wie David Bowie und führen zwei verschiedene Genres zwanglos zusammen. Journalisten nennen es Screamo, aber das beschäftigt uns nicht.“ Besser so, denn als Musiker sollte man sich immer um die Auslebung der eigenen Kreativität kümmern und gute Platten vorlegen. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen:

„Natürlich, wir stecken all unsere Zeit und Anstrengung in die Platten und hoffen auf


positive Reaktionen. Was die aber die Resonanz auf die letzte Platte betrifft, hat uns dann doch überrascht. Die erste Show im UK in London war komplett ausverkauft und das war schon verrückt, weil uns die Leute noch gar nicht kannten.“ Trotz der ganzen Erfolge ist für die Blood Brothers das Kapitel „...Burn, Piano Island Burn“ längst schon wieder beendet:

„Es ist schwer für mich über die Platte zu sprechen, auch wenn sie gerade mal vor einem Jahr geschrieben haben. Seitdem arbeiten wir an unserer neuen Platte und heute ist alles anders. Wir schreiben die Stücke inzwischen zusammen; alles bis hin zu den Vocal-Parts. Das war früher nicht so und wir hatten mehr Probleme. Wir konnten die Stücke teilweise nicht live umsetzen, weil sie so verfrickelt waren. Es ging einfach nicht live und machte auch keinen Sinn. Heute schreiben wir mit dem Live-Gedanken im Hinterkopf und das klappt einfach besser. Wir haben die Strukturen ein wenig vereinfacht und versuchen nicht alles zu oft zu überarbeiten. Die ersten Ideen sind oft die besten. “Burn Piano...“ habe ich seit dem Release nicht wieder gehört und ich denke, unser neues Album wird sich deutlich unterscheiden. Es wird nicht mehr so vollgepackt sein; einfach nachvollziehbarer.“

Klingt doch spannend, zumal es nicht immer höchsten Anspruch braucht um ein interessantes und doch auch anspruchsvolles Album vorzulegen. BMG jedenfalls lässt den Jungs alle Freiheiten und die Beziehung beider Parteien wächst natürlich mit: „Wir haben vor etwa zwei Jahren die ersten Kontakte zu einem Major aufgebaut und alles hat sich langsam entwickelt. Viele Bands ändern ihren Sound um auf einen Major zu kommen, aber wir stellten schon vor dem Signing klar, wer wir sind und wie wir klingen. Wir haben keine Sell Out- Vorwürfe gehört und unser Sound ist definitiv kein College-Rock oder zahmer geworden. Gerade in den Staaten haben viele Mainstream-Kids nach neuer anderer Musik nach dem Nu Metal gesucht. Einige haben auch uns entdeckt und das ist toll.“

Noch vor Jahren wäre es für eine Band vom Kaliber der Blood Brothers unvorstellbar gewesen, ausgiebiges Air-Play und größere Beachtung zu bekommen, doch heute stimmt das Umfeld, auch wenn es dafür neue Probleme gibt: „Es ist toll, welch gute Möglichkeiten es heute für härtere Bands wie uns gibt. Auf der anderen Seite scheint heute oftmals die Passion zu fehlen und Geldverdienen und die eigene Karriere im Vordergrund zu stehen und das ist nicht gut. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und doch kann man es weder diesen Bands noch den Kids, die es hören, vorwerfen.“

Eben, denn wenn eine Band ihre Hörer unterhält und beide Seiten Spaß haben, kann an der Sache doch nicht viel falsch sein. Dennoch: „Für mich ist das Fehlen origineller Ideen das größte Problem im heutigen Underground. Alles entwickelt sich nur sehr langsam, zu langsam. Nur selten kommen Bands hoch, die alles verändern. Eine solche Band waren z.B. Botch, aber von diesem Kaliber gibt es nur wenige.“ Right, aber mal schauen, was die neue Blood Brothers- Scheibe bringen wird. Die Aufnahmen beginnen wahrscheinlich im Februar...

 
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