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Endstand

Storie von: arne, am 12.12.2003 ]

Früher noch astreiner New School, gibt es von den finnischen Endstand heutzutage einen spritzig-explosiven Punk-Rock-Mix zwischen Avail und Amulet. Auf den jüngeren Releases gibt es einen guten Batzen Hits zu hören, von denen etliche richtige Hymnen sind. Auf der letzten Tour mit Manifesto Jukebox sprach mit Shouter Janne.

 
Endstand ballern super viel Melodie und Herzblut in ihre Songs und das hört man jede Sekunde. Immer wieder kommen gute Chöre zum Mitgrölen und ein Song nach dem anderen ist eingängig ohne Ende. Daneben erklingen auch aggressivere Hardcore-Songs, die für die würzige Mischung und die nötige Unterhaltung sorgen. Gerade live knallt die Band ordentlich und das hat sie kürzlich erneut unter Beweis gestellt.

Vor dem Gig im Berliner Wild at Heart lud ich Shouter Janne in mein Auto und bat ihn zunächst mir die Idee der Band kurz zu umreißen: „Die Band ist unser Ventil unsere Frustration rauszulassen. Wir sind nicht mehr die jüngsten und starteten vor etwa 7 ½ Jahren. Wir wollten einfach etwas zu tun haben. Wir sind arbeitslos bzw. haben nur Aushilfsjobs, auch wenn das eher an uns liegt. Der Staat gibt und Geld und wir können das machen, was wir wollen. Würden wir arbeiten, könnten wir nicht auf Tour gehen. Wir spielen Punk Rock und das ist alles, was wir wollen. Wir wollen einfach Spaß haben und versuchen unserem eigenen Weg nachzugehen.“

Nach der "Never Fall Into Silence" Platte auf Day After gibt es nun auch wieder frisches Material der Finnen: „Wir haben eine neue 4 Song MCD, die auf meinem eigenen Label erschienen ist. Die Songs sind gut, ein wenig heaviger als das Material der letzten Platte und der Sound ist sehr gut. Die Songs der B-Site sind melodischer.“

Natürlich liegt nichts ferner, als eigene Songs in Eigenregie zu veröffentlichen, aber wie kam es genau dazu: „Unser Gitarrist und Bassist kamen auf die Idee der MCD und wir taten es dann einfach und ich selbst hatte auch Lust mich darum zu kümmern. Für ein Album muss stärker arbeiten und das Ganze mehr promoten. Da bleiben wir lieber auf einem Label, das uns unterstützt. Eine MCD kann man aber schon einmal selbst machen.“ Die nächste Platte kommt aber wieder auf Day After: „Die Arbeit mit Day After funktioniert ausgezeichnet und wir sind sehr glücklich. Es ist eher eine Freundschaft, einen Vertrag gibt es gar nicht.“

Im Vorfeld des Interviews hatte ich mir nach Jahren auch einmal wieder die alten Impression- Releases von Endstand angehört, worauf die Finnen noch New School spielen. Janne lachte, als ich ihn auf die beiden Platten ansprach: „Der Sound ist schlecht und ich weiß auch nicht, was wir damals machen wollten. Wir waren erst kurz zusammen und suchten noch unseren Stil. Dennoch sind auch heute noch einige Fans an den frühen Releases interessiert.“

Repräsentativ sind die Songs aber definitiv nicht mehr: „Das waren wir damals, aber heute ist alles anders. Vor allem der Sound ist noch viel zu hart und klingt einfach nicht gut. Wir nahmen in einem Studio auf, im dem sonst nur Dancing Music aufgenommen wird und die Leute nicht mit uns umgehen konnten.“ Seit Jahren schon sind Endstand in anderen Gefilden erfolgreich etabliert und die Rock-Edge kommt immer deutlicher zum Vorschein: „Wir sind heute deutlich Punk-Rock, auch wenn man noch ein wenig New School in den schwereren Parts hört. Vielleicht werden wir aufgrund unseres Aussehens immer mit diesem Rock-Ding verbunden. Wir alle mögen Rock, aber wir sind eher Punk-Rock und nicht bloß Rock. Für unsere Bühnen-Show gilt es aber schon. Wir rocken da ordentlich. Wir sind nicht wie so viele Bands, die nur da stehen und ihre Songs runterspielen. Bei uns passiert etwas.“

Die Parallele zu Amulet kann der Shouter jedoch nicht nachvollziehen, denn er kennt die Band gar nicht: „Von Amulet haben wir schon viele Leute erzählt, aber ich kenne nur frühe Sachen von ihnen und das war eigentlich straighter Old School. Vielleicht sollte ich ihre letzte Platte endlich mal hören. Sie sollen gut sein und viele vergleichen uns mit ihnen.“ Mit ihren unermütlichen und explosiven Live-Shows haben sich die Finnen schnell den Ruf einer heißen Live-Band erarbeitet. Zurecht, wenn


ihr mich fragt: „Es muss daran liegen, dass wir auf der Bühne glücklich wirken. Ich lache die ganze Zeit, denn es geht mir on stage einfach nur gut. Deaneben gibt es bei uns Unmengen an positiver Energie. Viele Hardcore-Bands klingen Hass-erfüllt, aber bei uns gibt es eine gute Atmosphäre. Wir legen einfach einen Schalter um und los geht’s. Wir planen nichts, aber es geht immer ab.“

In punkto Touren sind Endstand sehr aktiv: „In Summe haben wir etwa 350 Shows gespielt. Letztes Jahren waren es an die 100, aber mehr waren es noch nie. Für eine finnische Band ist das sehr viel, zumal die Hälfte der Shows außerhalb Finnlands stattfanden.“ Eben, und das beinhaltete auch eine ganz besondere Tour, an die sich die Band gerne erinnert: „Letztes Jahr haben wir einen Monat Ost-Europa getourt, eigentlich waren wir überall. Die Reaktionen des Publikums sind sehr ehrlich. Sie gehen richtig ab, weil nur wenige Bands dort touren. Viele bedanken sich, dass man dort gespielt hat. Man verdient nicht viel und deshalb machen sich nur wenige Bands auf den Weg dahin. Außerdem ist es wohl stellenweise auch gefährlich.“

Das erforderte natürlich zwingend eine Nachfrage, aber soo schlimm war’s dann auch wiedre nicht: „Wir haben alles ohne Probleme überstanden, wenn man von Straf-Tickets der Polizei absieht. Einmal wurde der Club, in dem wir spielen sollten, abgeriegelt, das war in Bosnien, und alle Anwesenden wurden von der Polizei gefilzt. Wir standen in der Ecke und verstanden nicht und keiner hat uns etwas erklärt. Das war schon komisch, aber schließlich spielten wir, nachdem alles fertig war.“ Über Superhero Records ist kürzlich die neue Platte von Last Hope erschienen, auf der Janne mit einem Gastauftritt vertreten ist: „Ja, ich singe auf einem der Songs. Das war in Bulgarien. Sie fragten den Typen, der die Tour gebucht hat, ob ich was machen könnten. Sie fuhren mich ins Studio und erklärten mir, was sie wollten. Alles ging sehr schnell und brauchte nur zwei Takes. Dann war es im Kasten. Ich habe es bislang noch nicht einmal gehört. Sonst mache ich so etwas nicht, weil eigentlich kaum jemand fragt. Es war schon witzig.“

An neuen Songs für die kommende Platte arbeiten Endstand derzeit nur sporadisch, aber die Basics sind von jeher die gleichen: „An erster Stelle ist es uns wichtig gute Songs zu haben. Man muss hören, dass man das, was man macht, auch ernst nimmt. Viele Bands kopieren einfach ihre Favoriten. Das ist zu einfach. Sicherlich machen auch wir das ab und zu, aber wir versuchen immer unsere eigene Note mitklingen zu lassen. Wir wollen immer nach Endstand klingen. Da wir verschiedene Einflüsse verbinden, ist das auch nicht so schwer.“

Gepaart wird das dann mit unverzichtbaren Stilelementen und im Ergebnis steht dann übersprudelnder Punk-Rock-Hardcore: „Die Melodien sind uns wichtig und wir versuchen immer viele in den Songs zu haben. Daneben muss der Song fließen und darf nicht gezwungen klingen. Wir wollen keine Füll-Parts haben, alles muss natürlich klingen. Daneben muss es auch aggressive Songs geben, die vor allem live gut wirken. Viele sagen uns, wir klängen auf Platte ganz anders als live. Das ist doch toll. Im Studio ist man ernster und konzentrierter. Live kann man sich richtig ausleben und das tun wir.“

Doch bis zum nächsten Release ist noch ein wenig Zeit: „Eine neue Platte kommt wohl nächsten Sommer. Bislang stehen erst zwei Songs und einige Ideen. Davor gehen wir im Januar nach Japan. Die meisten Gigs spielen wir mit 1000 Travels Of Jawaharlal. Der Gitarrist der Band bucht die Tour. Ich weiß nicht, was man da zu erwarten hat; Land und Kultur sind von unserem sehr verschiedne. Es wird bestimmt toll. Die Leute gehen wohl immer gut ab. Wir freuen uns schon sehr und es wird eine Herausforderung. Europa touren wir nun schon zum neunten Mal. Japan wird völlig anders.“

 
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