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Unsane

Storie von: arne, am 06.12.2003 ]

Das New Yorker Trio UNSANE hat tatsächlich wieder zusammengefunden, legt mit "Lambhouse" für seine alten (und neuen) Fans eine klasse Retrospektive im remasterten Gewand vor und kommt sogar gleich wieder auf Tour.

 
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in den letzten Jahren kein einziges Mal auf die alten UNSANE- Platten zurück gegriffen habe und mir das Noise- Trio nach der 98er Platte "Occupational Hazard" langsam aber sicher aus dem Blickfeld geraten war. Wie konnte das nur geschehen? Eine derart großartige Band darf man nicht vergessen, niemals!

UNSANE spielen von jeher ein ganz eigenes Verständnis krachiger, stets schwerer Musik zwischen Metal, Noise und Rock. Bemerkenswert ist dabei vor allem das hohe Maß an spürbarer Emotion und die hörbare Hingabe der Musiker an ihr eigenes Treiben. Die einzelnen Songs der Band als auch ihre Alben im Ganzen zeichnen sich durch einen gesunden Fluss und vielschichtigen Krach auf höchstem Niveau aus. Es ist schwer, das zu beschreiben, denn man muss UNSANE erleben!

Nur wenige Bands schaffen es in vergleichbarer Art und Weise ihre Hörer so schnell und nachhaltig in ihren Bann zu ziehen. Sie sind einfach groß!

Die Geschichte des Trios begann in den späten 80er Jahren in der heute legendären New Yorker Noise-Szene, zu der auch UNSANE von jeher zähl(t)en. Mit Pussy Galore teilte man sich den ersten Proberaum und spielte vor ihnen auch die erste Show. Ursprungs-Drummer Charlie Ondras spielte im Pussy Galore- Ableger Boss Hog, bevor er ’92 an einer Überdosis starb. Über Matador waren bis zu diesem Zeitpunkt drei Alben erschienen, das selbstbetitelte Debüt 1991, die Sammlung der “Singles 89-92“ ein Jahr später und das zweite Album “Total Destruction.“ Der frühere Swans- und Foetus- Trommler Vinnie Signorelli stieß als neuer Trommler zum Outfit und blieb diesem bis heute erhalten. Auf Amphetamine Reptile (u.a. Helmet, The Melvins) folgte ’95 “Scattered, Smothered & Covered“, bevor UNSANE nach dem Niedergang des Labels Today Is The Day zu Relapse Records folgten. Das Trio spielte drei Jahre hintereinander mehr als 300 Shows, bevor es ’98 das Relapse-Debüt und letzte reguläre Studio-Album “Occupational Hazard“ vorlegte. Auf der Promo-Tour zur Platte traf es Bandkopf Chris in Wien hart. Von Unbekannten wurde er aufgrund einer Verwechslung fast zu Tode geprügelt. Wenig später, trotz seiner Genesung, entschlossen sich UNSANE eine mehrjährige Pause einzulegen, die nun endlich beendet ist.

Um sich ins Gedächtnis der Fans zurück zu rufen, vereint das “Lambhouse“ Best Of das bisherige Schaffen des Trios, indem es die besten Songs aller Veröffentlichungen in geballter Form liefert. Mit ’This Town’ und ’Urge To Kill’ finden sich darunter auch die aller ersten Tracks der Band. Das gewohnt Blut-triefende Artwork vereint geschickt die Konzepte der vergangenen Releases und die Bonus-DVD blickt auf die Entwicklung des Live-Sounds zurück, deckt die Spanne


von 1992 bis heute ab; liefert darüber hinaus die vier Video-Clips der UNSANE-Geschichte.

Per Telefon stand mir Trommler Vinnie für ein Gespräch zur Verfügung und wusste gar nicht so recht in Worte zu fassen, warum UNSANE nun wieder da sind: „Die Zeit schien uns einfach richtig, um zurück zu kommen. Wir wollten wieder zusammen spielen und das Umfeld war bereit. Wir haben uns getroffen, darüber gesprochen und uns für UNSANE entschieden. Dann waren wir wieder da.“ Doch es waren auch andere Gründe ausschlaggebend; war die Auszeit doch auch durch akute Motivationsprobleme bedingt:

„Es macht heute einfach wieder Spaß. Die Auszeit war dafür ungemein wichtig, denn so konnten wir uns ein wenig von UNSANE entfernen. Nun sind wir froh wieder beisammen zu sein. Als wir die Pause einlegten, fühlte ich nicht mehr, etwas Neues zu machen, gerade live nicht. Ich habe meine Parts gespielt, stand aber nicht mehr voll dahinter. Es war Routine geworden und das Feeling stimmte nicht mehr. So etwas geht nicht lange gut, wenn man jeden Tag spielen muss. Wir wussten, dass wir keine neue Platte einspielen konnten, also pausierten wir. Das war die einzig richtige Entscheidung.“

Heute gehen die Musiker nun umso bewusster an das Vorhaben UNSANE und gerade das Touren organisieren sie heute unter völlig anderen Gesichtspunkten: „Wir werden nicht so viel live unterwegs sein und wohl immer wieder nur 2-3 Wochen lange Touren spielen. Dazwischen wollen wir jeweils einige Monate pausieren. Wenn man permanent unterwegs ist, geht das zu schnell auf die Motivation und man verliert schnell wieder die Lust. So können wir einen besseren Job hinlegen.“

Dennoch ist das Programm der nächsten Monate recht voll gepackt. Nach der kurzen Euro-Tour mit Harmful gilt es eine neue Platte zu schreiben, dann geht es nach Japan und Australien, es folgen einige Shows in den Staaten und schon sind UNSANE wieder zurück in Europa. Auch musikalisch ist die Band heiß und voller Zuversicht:

„Wir habe viele Entwicklungsmöglichkeiten; gerade nach der Pause. Die nächste Platte wird richtig gut werden, ansonsten erscheint sie erst gar nicht. Wir werden uns selbst nicht kopieren, sondern den nächsten Schritt gehen.“ Konkreter wurde Vinnie nicht. Es geht vor allem darum, die eigene Kreativität auszuleben, denn: „Wir haben keine feste Vision; es ist eher so ein Gefühl, das wir verwirklichen zu versuchen. Jeder Song muss dieses gewisse Etwas in sich haben. Er muss sich einfach richtig anfühlen. Vergleichbar ist es vielleicht mit einem Wurf ins kalte Wasser. Es geht uns zuerst um die Musik und deren Fülle.“

Das Grundkonzept bleibt dabei bescheiden wie simpel: „Zu überleben und möglichst alles richtig zu machen. Darum geht es uns.“

 
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