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Poison The Well

Storie von: arne, am 29.11.2003 ]

Neben Morning Again und Shai Hulud sind/waren Poison The Well zweifellos die dritte ganz große Band im Florida-Hardcore. Sowohl die MCD “Distance Only Makes The Heart Grow Fonder” als auch das Vollzeit-Debüt „The Opposite Of December“ sind Meilensteine im New School/MetalCore, ohne die das Genre heute nicht da wäre, wo es ist.

 
Brutal und vielschichtig ohne Ende, spielte die Band damals einfach heißen Scheiß. Unmengen an Melodien standen treibenden Metal-Riffs gegenüber, alles war super-knallig und obendrauf gab es diverses Shouting zwischen emotionalem Gesang und wildestem Geschrei und den obligatorischen, gesprochenen Parts. Dann kam im letzten Jahr mit “Tear From The Red“ ein Album, das sich schon gehörig vom alten Stil absetzte.

Ihren vorläufigen Höhepunkt fand diese Entwicklung auf dem diesjährigen “You Come Before You“, das zugleich das erste Release auf einem Major (EastWest) ist. Poison The Well haben sich musikalisch vom wüsten HC-Sound entfernt und hängen zwischen Alternative und Post-Hardcore. Gerade live ist das überdeutlich. Die MetalCore-Parts sind deutlich reduziert und die emotionaleren Passagen mit cleanem Gesang stark ausgebaut.

Die Florida-Boys befinden sich im Wandel und es bleibt abzuwarten, wo diese Reise endet. Heavy und divers sind auch die neuen Songs noch, doch Poison The Well klingen heute nicht mehr ganz so revolutionär wie zu Beginn. Schön ist dennoch, dass sie auf dem Major ihren Weg nachvollziehbar und unbeirrt fortsetzen und nach wie vor sehr authentisch klingen. Die Band ist hörbar gereift und gerade im Songwriting hat sie beachtlich zugelegt. Die Songs sind durchweg sehr eingängig, teils auch poppig, aber auch noch gehörig hart. Nach Europa hatte es das Quintett vor 2003 nicht geschafft und in diesem Jahr kamen sie dann gleich ganze zwei Mal.

Das erste Gastspiel hätte dabei fast nicht geklappt, woran sich die Band noch mit Schrecken erinnert: „Haha, das war wirklicht ein unglaublicher Tag. Uns ist schlichtweg der Bus verreckt. So etwas passiert schon mal. Ich weiß nicht mehr genau, wo es war, aber wir waren noch Stunden von Berlin entfernt. Unser Tourmanager hat dann wie wild rumtelefoniert um einen Autoverleih zu finden Wir sind dann da hin, haben uns zwei Vans gemietet, das wichtigste von unserer Ausrüstung eingepackt und mit voller Geschwindigkeit nach


Berlin los. Wir waren das erste Mal auf einer dt. Autobahn, kannten uns Null aus und mussten wie die Bekloppten rasen. Wir waren ganz schön im Stress, wollten aber unbedingt spielen, weil wir noch nie hier waren. Letztendlich hat alles noch geklappt.“

Überhaupt waren die ersten Gigs überaus erfolgreich: „Ja, und wie, es hat unglaublich viel Spaß gemacht und wir haben sehr viele neue Leute kennen gelernt. Zudem waren wir zum teil auch echt überrascht, wie viele Leute zu den Shows kamen.“

Den Schritt von Trustkill zu Eastwest haben die Fans hier auch nicht übel genommen und Poison The Well hatten für diesen auch gute Gründe: „Der Hauptgrund, aus dem wir zum Major gegangen sind, war, dass wir unsere Platten billiger verkaufen wollten. Ich weiß, das klingt jetzt bescheuert, aber wir haben mit Atlantic einen Deal ausgehandelt, dass unsere Scheibe zum "Artist-Price" verkauft wird. Das heißt, wir verzichten auf einen Teil unserer Einnahmen und die Platte kostet dafür nur zwischen acht und elf Dollar. Bei Trustkill wäre das nicht gegangen, die hätten die Kohle für den Vertrieb etc. gebraucht und die Scheibe nicht so billig verkaufen können.“

Hier bei uns ist die CD „nur“ zum Normalpreis erhältlich, aber lieber so, als gar nicht: „Auf Europa haben wir leider keinen Einfluss. Es war schon ein harter Kampf die Platte hier überhaupt zu veröffentlichen. Das Label meinte, hier in Europa würde uns niemand kennen und es würde sich daher nicht lohnen. Wir mussten erst einige Shows spielen und beweisen, dass auch Leute kommen. Erst dann klappte es.“

Mit "You Come Before You" beziehen Poison The Well, die sich nach wie vor als HC-Band sehen, klar Stellung: „Schaut euch selbst an, bevor ihr den Finger auf uns richtet. Wir haben uns nichts vorzuwerfen und sind diese dummen Vorwürfe leid. Wir wollen Musik machen und mit jeder neuen Platte besser werden. So lange uns das gelingt, machen wir weiter, völlig egal, wie viele Leute unsere Platten kaufen oder zu den Shows kommen.“

 
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